Jayden Daniels erhält seit seiner Wahl zum Heisman sehr viel Hype. Credit: Imago Images / Newscom World / Jonathan Mailhes

Im NFL Draft gibt es immer wieder Spieler, die sehr viel Hype erfahren. Andere wiederum finden im Vorlauf kaum Anerkennung und werden dann überraschend doch in Runde Eins gedraftet. Das hat viel mit dem Geschäft der Spielerberatung zu tun. Einige Prospects werden ins Schaufenster gestellt, während andere nur auf Nachfrage hinten im Lager erhältlich sind. In der Hoffnung, niemand sonst habe bisher etwas von der Qualität mitbekommen. 

Keiner lebt unter einer schall- und blickdichten Glocke und selbstverständlich schaut jeder Scout auch darauf, wen andere Kolleginnen und Kollegen gerade hoch auf den Boards listen und was die verschiedenen Medien über die Talente sagen. Andersherum bestehen aktuell viele Mock Drafts von ESPN oder offiziell von der NFL, nicht etwa aus der Scouting-Expertise. Vielmehr stufen Mel Kiper und Co. bestimmte Spieler hoch ein, weil sie das so aus der NFL berichtet bekommen.  

Overrated Prospects - NFL Draft 2024

Es gibt viele Gründe, weshalb ein Spieler plötzlich in den Mock Drafts weit vorne auftaucht und nicht immer ist es das reine Talent, dass ihn dort hochspült. Der Hype erreicht manchmal sogar Auswüchse, bei denen ein Prospect am Ende sogar tatsächlich unberechtigt sehr früh auch ausgewählt wird. 

Jayden Daniels / Quarterback, LSU

Ein gutes Beispiel dafür ist Jayden Daniels. Je länger ich ihn beobachte, desto mehr kristallisiert sich für mich der Eindruck heraus, dass er ein solider Quarterback ist, der ordentlich laufen kann. Sein Arm ist okay. Etwas Besonderes lässt sich an Daniels nur schwer finden, weshalb er im Oktober in den meisten Mock Drafts noch in der Mitte der ersten oder sogar der späten zweiten Runde gelistet wurde. Ein berechtigter Spot für sein Talent. 

Doch mit dem Gewinn der Heisman Trophy gab es plötzlich Diskussionen, ob Daniels nicht sogar an Caleb Williams vorbeiziehen könnte. Ähnliches widerfuhr 2018 Baker Mayfield, der als Tag-Drei-Talent in die Saison gestartet war und nach seiner Heisman-Saison plötzlich vor Josh Allen und weit vor Lamar Jackson lag. Hätte Jackson die Auszeichnung in diesem Jahr und nicht eines zuvor erhalten, wäre er vielleicht der gefeierte Star gewesen. 

 

Vermischt sich der Hype um Jayden Daniels nun mit einer weiteren Tatsache, ist ihm der frühe Draft Spot wohl nicht mehr zu nehmen. Schließlich hat Antonio Pierce den Athleten damals persönlich an die Arizona State rekrutiert, wo er die ersten Jahre seiner College-Karriere spielte. Pierce hat Daniels schon einmal für den besten Quarterback seines Jahrgangs gehalten und hat nun das Amt des Cheftrainers bei den Las Vegas Raiders inne. 

Soll das heißen, dass Daniels busten wird. Ich sage ganz klar, NEIN! Auch andere Talente, die später gedraftet wurden, haben sich als exzellente NFL-Profis entpuppt. Aber eine zu hohe Bewertung, die er aktuell erhält, schürt oft zu hohe Erwartungen. Hier kann sich jeder exemplarisch nochmal den bisherigen Karriereverlauf von Baker Mayfield zu Gemüte führen.  

Runningbacks

Neben Jayden Daniels möchte ich eine Positionsgruppe herausstellen. In Zeiten des wachsenden Interesses am Fantasy Football werden die Skill-Positionen noch mehr in den Fokus gerückt, als dies ohnehin bisher der Fall gewesen ist. Lasst euch deshalb aber nicht einreden, einer der Runningbacks wäre etwas besonderes. 

Es finden sich in diesem Jahrgang ein paar spannende Rollenspieler und noch habe ich nicht in die Tiefe der Klasse geschaut, wo sich irgendwie immer ein überraschender Starter finden lässt. Doch Marshawn Lloyd, Braelon Allen oder Blake Corum sind nicht die Zukunft. Zumindest ist nicht zu erwarten, dass sie auf ihre 170 Touches oder mehr im Jahr kommen werden. 

Underrated Prospects - NFL Draft 2024

Nachdem der Hype um ein paar Spieler nun aufgedröselt wurde, geht es als nächstes an die Spieler, die erst langsam ins Gespräch kommen und in den kommenden Wochen weiter oben auf den Boards zu finden sein werden. Auch hier soll wieder ein Spieler und eine Positionsgruppe genauer präsentiert werden. 

 

Tyler Guyton / Offensive Tackle, Oklahoma

Tyler Guyton war nur ein Drei-Sterne-Rekrut und wurde nach seinem Wechsel von der TCU nach Oklahoma erst vorsichtig als Offensive Tackle aufgebaut. In frühen Mock Drafts fand er überhaupt keine Erwähnung. Das hat sich aber spätestens seit dem Senior Bowl geändert. Dort öffnete er vielen die Augen. 

Das Phänomen erleben wir jedes Jahr. Ein namenloser Spieler von der High School fällt bereits während des Recruitings durch das Raster. Weil er dort noch in der Defense spielte und sein Talent erst entfalten konnte, nachdem er später transferiert ist, erhält er eben nicht die Aufmerksamkeit von Olu Fashanu. 

Ähnliches erlebte vor drei Jahren Alim McNeill. Obwohl sein Talent im Spiel offensichtlich zu sein schien, wurde sein Name im Draftprozess nur selten genannt. Viele rieben sich die Augen, als er am Ende von den Detroit Lions in der dritten Runde gedraftet wurde. Doch bis jetzt hat er das mehr als gerechtfertigt. 

Guyton wird nach dem Senior Bowl nicht mehr bis zur dritten Runde warten müssen und wird nun urplötzlich in Runde Eins gehandelt. Wer ihn in dieser Saison tatsächlich spielen sehen hat, dürfte das aber bereits vor Wochen festgestellt haben. Ich würde sogar so weit gehen und den noch etwas rohen aber sehr athletischen Right Tackle auf Platz Drei in meinem Position Ranking setzen. Man will sich schließlich nach dem Combine noch etwas Luft nach oben lassen und es ist nicht auszuschließen, dass Guyton spielerisch in den nächsten Jahren an Fashanu vorbeiziehen kann. 

 

Cornerbacks

Alles blickte während der Saison auf Kool-Aid McKinstry, der die hohen Erwartungen zunächst doch nicht erfüllen konnte. Dabei vernachlässigte die Öffentlichkeit die Qualität der Klasse, die sich dahinter verbirgt. Nate Wiggins, Terrion Arnold, Kalen King, Quinyon Mitchell, Cooper DeJean und viele mehr dürften in den nächsten Wochen mehr Aufmerksamkeit erhalten. 

Es gibt nur einen Grund, weshalb keiner dieser Namen in den Top 15 der meisten Mock Drafts auftaucht. Die Dichte an der Spitze ist so hoch, dass es für viele Teams momentan keinen Unterschied macht, wen sie ins Auge fassen. Mit einer genaueren Differenzierung wird sich das allerdings ändern. Im weiteren Verlauf des Prozesses werden sich Front Offices und Defense-Coaches jeweils auf einen bestimmten Cornerback einschießen. Dann werden ein oder zwei Spieler ihren Namen auch in der ersten Hälfte vom NFL Draft 2024 hören.

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
Instagram - https://www.instagram.com/draftnerd/
Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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