Einer von vielen NFL-Profis mit neuem Zuhause: Brian Burns geht von den Panthers zu den Giants. Credit: Imago Images / Icon Sportswire / Matthew Maxey

Seit Montag glühen die NFL-Kanäle mit neuen Nachrichten zur diesjährigen Free Agency, ein spannender Deal jagt den nächsten. Was bringen dabei die großen Deals, wo verstecken sich eventuell weitere interessante Entwicklungen? Ein Blick auf die ersten Tage der heißen Wechselperiode!

Technisch gesehen hat die Free Agency 2024 in der NFL noch gar nicht begonnen, aber mit der sogenannten „Legal Tampering Period“ ist die Katze in vielen Fällen natürlich schon seit Montagabend deutscher Zeit aus dem Sack. Etliche Deals fluten bereits die Informationswellen, überall auf der Welt frohlocken Fans oder reißen sich die Haare aus ob dem Vorgehen der Footballmannschaften ihres Vertrauens. Und auch wenn da sicherlich eine ganze Menge Überreaktion mit im Offseason-Cocktail vermixt wird lassen sich doch einige Tatsachen sicherlich unfallfrei festmachen.

Kirk „Gold Chain“ Cousins weiß, wo der Zaster ist

Erinnert sich noch jemand an das Feiervideo von Kirk Cousins mit ausladender Bling-Bling-Goldkette im Vikings-Teamflieger? Ähnlich fröhlich dürfte er am Montag vor sich hin getanzt haben, als er einen 180-Millionen-Deal bei den Atlanta Falcons eingetütet hat. Es sei denn natürlich, er mag seine Schwiegereltern nicht, diese wohnen nämlich direkt um die Ecke. Davon abgesehen ist Cousins ein smarter Typ, der sich mittlerweile vielleicht auch ein klein wenig wundert, dass Mannschaften ihm immer wieder horrende Deals auf den Tisch legen, obwohl er bisher lediglich ein verdammt guter Regular Season Quarterback gewesen ist. Die Betonung liegt hier aber natürlich auf Quarterback, was in der NFL in etwa die gleiche Nachfrage generiert wie ein Lastwagen Selbstgebrannter zu Zeiten der Prohibition.

Weil aber Cousins bis auf den Playoff-Erfolg so ziemlich alle andere Boxen checkt und auch so ein ganz verträglicher Zeitgenosse zu sein scheint sei ihm der mittlerweile nun schon vierte Mega-Deal mehr als gegönnt. Für Atlanta ist es sicherlich ein Schritt nach vorn, ob man damit aber schon über die Pfütze der Mittelmäßigkeit springen kann sei einmal dahingestellt. Nur was will man eben auch machen, wenn man zu gut ist zum „Tanken“, zu schlecht ist für das oberste Regal und irgendwie zwischen den Stühlen steht? Ein kürzerer Deal wäre vielleicht des Rätsels Lösung aber letztendlich bleibt es in den Augen etlicher Fans ein klassisches „damned if you do, damned if you don’t“.

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Guards in der NFL machen mächtig Kohle

Es ist noch gar nicht so lange her, da unterschrieben Wide Receiver und Top End Edge Rusher Verträge für um die 20 Millionen US-Dollar pro Saison. Aber ein paar Jahre in der NFL sind eine lange Zeit, erst recht wenn beim neuen Salary Cap ordentlich einer oben draufgepackt wurde. Jetzt also bekommen schon Offensive Guards derartige Summen. Und bei allem Respekt für die Herren Robert Hunt, Mike Onwenu und Jonah Jackson, die allesamt zweifelsohne ihr Handwerk erstklassig verstehen, man spricht hier nicht über die Reinkarnationen von Gene Upshaw oder Jerry Kramer. Dafür aber hat man es sicherlich mit einer Position zu tun, deren Wert ligaweit deutlich gestiegen ist – aus verschiedenen Gründen.

Ein immer größerer Fokus in den vergangenen Jahren auf dem Interior Pass Rush – Aaron Donald, Chris Jones und Konsorten sagen hallo – fordert nun mal eine Reaktion, noch dazu weil die Offensive Line als gesamte Unit immer schwieriger zusammenzubasteln ist. Dies liegt unter anderem an vielen Spread Systemen am College, welche vermehrt weniger qualifizierte oder sagen wir komplette Prospects für die Frontlinie zu den Profis spülen. Ergo steigt die Nachfrage in der NFL nach all denen, die besagte Qualität bereits vorweisen können. Zumal jene in der diesjährigen Free Agent Klasse auch größtenteils im besten Football-Alter sind.

Oh my Sweet Carolina Panthers

Wie sang ein gewisser Ryan Adams doch gleich… „Oh my sweet Carolina, what compels to go?” Tja, was zwingt mich zu gehen, Carolina, diese Frage stellt sich sicherlich so mancher Fan der Panthers in diesen Tagen auch. Ob zum Spiel, zu einer anderen Mannschaft oder überhaupt, die Fanbase der NFC-South-Franchise muss in den vergangenen Jahren so einiges erleiden und hat jetzt mit dem Abgang von Star-Edge-Rusher Brian Burns einen neuen Knochen, an dem sie nagen kann. Zwei First Round Picks wollten die Rams 2022 noch für Burns abgeben, jetzt geht er für einen Zweitrundenpick und Change zu den New York Giants, die ihm obendrein auch noch gleich einen 150-Millionen-Deal als Willkommensgeschenk spendieren. Gelinde gesagt „geht so“ aus Panthers-Sicht, wobei katastrophal es wohl besser trifft.

Jenen gesparten Betrag selbst in zwei Guards zu investieren, die dem doch eher klein gewachsenen Jung-Quarterback die Windschutzscheibe freischrubben können, ist dagegen eine durchaus solide, ja sogar aus geschäftlicher Sicht smarte Herangehensweise. Die Panthers müssen wissen, was sie in Bryce Young haben, dabei hilft nur, die direkten Bedingungen um ihn herum zu verbessern. Der Deal für Diontae Johnson ist ein weiterer Beleg für eben jenen Plan. So sehr Burns sich auch verdient gemacht hat, so sehr er auch weiterhin großes Potenzial hat, die Wahl ist hier – eventuell ausnahmsweise – mal die richtige. Auch wenn es frei nach Ryan Adams jetzt natürlich für die Panthers und Brian Burns heißt „To be without you“.

Justin Fields schaut erstmal in die Röhre

Lange Zeit schienen die Bears hin und her gerissen, aber eigentlich gab es keine wirkliche Alternative zum Abschied von Justin Fields. Nicht mit dem Number One Overall Pick im NFL Draft 2024 in der eigenen Tasche, nicht mit den Leistungen, die Fields bisher in seiner NFL Karriere abgeliefert hat. Ja, er ist „flashy“, ja er tut Dinge, die andere nicht tun… aber am Ende war es den Bears wohl ein bisschen zu wenig Entwicklung über die Jahre. Und komischerweise scheint das der Rest der Liga genauso zu sehen, denn der Markt für den jungen Signal Caller bewegt sich in etwa auf Atomstrom-Niveau bei einem Grünen-Parteitag.

Dabei war es nicht so, als ob nicht das ein oder andere Team für Fields Sinn gemacht hätte oder eventuell sogar immer noch macht. Aber es sagt schon eine Menge über die Situation aus, dass bisher noch nicht eine Mannschaft zugeschlagen hat. Und die Verhandlungsbasis der Bears wird mit jedem Tag schlechter, schließlich wissen die potenziellen Interessenten genau, dass Fields eine viel zitierte „lame duck“ ist und etliche werden sicherlich erstmal den Draft abwarten wollen. So oder so wird sich Fields wohl mit einer Backup-Rolle zufriedengeben müssen. So schnell kann es gehen in der NFL, noch vor einem Jahr wollte Chicago mit ihm weit oben angreifen. Der Pustekuchen schmeckt nun zumindest für Fields alles andere als gut!

Über den/die Autor/in
Moritz Wollert
Moritz Wollert
Moritz Wollert schreibt für TOUCHDOWN24 u.a. über die NFL. Für das monatliche Print-Magazin schreibt er u.a. die NFL History Artikel

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