Jim Harbaugh bleibt bei Michigan. Credit: Imago Images / USA Today / Kirby Lee

Das Transferportal hat die Landschaft des College Footballs noch einmal gehörig durcheinandergebracht. Etwa 3.000 Athleten haben das Portal bis Anfang Dezember betreten. Während viele am Ende überrascht in die Röhre gucken müssen, haben die Top-Talente der Colleges eine neue Heimat gefunden. Für viele Teams gehört das Transferportal mittlerweile zum ersten Teil der Offseason dazu. Neben der Early Signing Periode bildet es einen wichtigen Baustein bei der Kaderplanung. Wer sind die Gewinner und Verlierer dieser wichtigen Phase unmittelbar nach der Saison?

Natürlich spielen mittlerweile auch die Veränderungen um NIL (Name, Image, Likeness), der Möglichkeit, dass Spieler sich selbst vermarkten dürfen, bei vielen Entscheidungen eine Rolle. Manche Colleges ziehen plötzlich öfter den Kürzeren im Werben um frische Talente, als sie es vor einigen Jahren noch gewohnt waren. Da müssen sie sich gezwungenermaßen neben den Early Signings der jungen Rekruten von der High School auch im Transferportal nach neuen Spielern umsehen. Im Extremfall erlebt eine Schule gerade, dass sie zwar im Recruiting ganz vorne mitspielt, aber anschließend massiv Talent über das Portal abgibt. Texas A&M hat den letztjährigen starken Kader aufgrund schwacher Leistungen nicht zusammengehalten, dafür jedoch im Recruiting erneut nachgelegt. 

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Verlierer der frühen Offseason

Wer es versteht, sich gut durch das Transferportal zu manövrieren und gleichzeitig starke Early Signings unter den Rekruten der High Schools landet, gehört zu den Gewinnern der frühen Phase der Offseason. Colleges, die hier nicht intensiv auf beiden Märkten sind, gehören dann zu den Verlierern der Offseason. So, wie folgende Schulen: 

 

Kent State Golden Flashes

Viele Group-of-Five-Colleges hat das Transferportal kalt erwischt. Aber keine erlebte einen solchen Aderlass, wie die Kent State. Acht Starter und wichtige Trainer verließen das Programm in den letzten Wochen. Quarterback Collin Schlee spielt in Zukunft für Head Coach Chip Kelly bei den UCLA Bruins. Nachdem Kent States Cheftrainer Sean Lewis das Staff von Deion Sanders bei den Colorado Buffaloes komplettiert hatte, entschied sich der Playmaker, das Transferportal zu betreten und fand anschließend an der Westküste eine neue Heimat. Für die Golden Flashes kam es aber noch schlimmer. Neben Schlee verließen auch die Wide Receiver Dante Cephas (Penn State), Ja’Shaun Poke (West Virginia) und Devontez Walker (North Carolina) die Schule aus Ohio. 

Das scheint das Los für kleinere Schulen in Zukunft zu sein. Auf eine erfolgreiche Saison kann nicht aufgebaut werden. Im Gegenteil verlassen beinah alle Säulen das Programm und suchen ihr Heil in den großen Power-5-Conferences. Die Golden Flashes sind damit Opfer des eigenen Erfolgs. 

 

Oklahoma State Cowboys

Für Oklahoma State war es ebenfalls keine gute Offseason. Sie verloren auf defensiver Seite des Balls Defensive End Trace Ford sogar an den größten In-State-Rivalen, den Oklahoma Sooners. Linebacker Mason Cobb (Washington) und Cornerback Jabbar Muhammad (USC) zog es indes in die Pac-12. Safety Thomas Harper ging an die Notre Dame. Damit ist es sehr fraglich, ob Coach Gundy an die starken Defense-Leistungen aus 2022 anknüpfen kann. 

In der Offense verlassen Wide Receiver Braylin Presley und Starting Quarterback Spencer Sanders das Programm. Sanders erklärte erst am Donnerstag, dass er an der Ole Miss spielen werde. Weitere fünf Wideouts werden nicht mehr an die Oklahoma State zurückkehren und obendrein wechselte Runningback Dominic Richardson innerhalb der Big12 zu den Baylor Bears. 

Insgesamt 16 Stipendiaten verließen in den letzten Wochen die Cowboys. Verstärkungen durch eigene Transfers konnten nicht platziert werden. 

 

Arkansas Razorback

Arkansas verlor per Transfer Safety Myles Slusher und Defensive End Jordan Domineck an Deion Sanders und die Colorado Buffaloes. Der neue Coach in den Rockies war sehr umtriebig in der Offseason und krempelt das angestaubte Programm in der Pac-12 komplett um. Der Verlust für die Razorbacks bedeutet eine enorme Verstärkung für die Buffaloes. 

Im Angriff gibt Arkansas weitere Talente ab. Wide Receiver Ketron Jackson (Baylor)  und Tight End Trey Knox (South Carolina) erzielten in der letzten Saison zusammen acht Touchdowns. Beiden reichte die Feuerkraft der Offense bei den Razorbacks nicht mehr aus, weshalb sie sich nach potenteren Angriffsreihen umsahen. Im Hinblick auf den NFL Draft sicherlich eine weise Entscheidung. 

Die Razorbacks haben die Offseason nicht verschlafen und ihrerseits ein paar Ergänzungen vorgenommen. Der Aderlass von wichtigem Personal erfolgt nun jedoch schon das zweite Jahr in Folge. Irgendwann wird Coach Sam Pittman das nicht mehr kompensieren können. 

 

Gewinner der frühen Offseason

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Es wird noch den klassischenNational Signing Day am 1. Februar geben und Spieler können auch im Frühjahr noch einmal das Transferportal betreten. Damit können Colleges noch nachlegen, die aktuell Handlungsbedarf erkannt haben. Hier sind die Schulen, die bereits jetzt zu den Gewinnern der Offseason zählen: 

 

Auburn Tigers

In den Trenches waren die Auburn Tigers im letzten Jahr kaum nennenswert. Head Coach Hugh Freeze machte es sich daher zur Aufgabe, die Lines über das Transferportal mit erfahrenen Talenten zu verstärken. In der Offensive Line kommen drei der besten zehn Linemen aus dem Portal nach Auburn. 

Auf defensiver Seite verstärken die Defensive Tackle Lawrence Johnson, Mosiah Nasili-Kite und Justin Rogers sowie Edge Defender Elijah McAllister das Team. Rogers hat das Potential, einer der besten Verteidiger in der SEC zu werden. Alle anderen sind vor allem ein Upgrade für die Kadertiefe. Aber auch diese Hilfe war bitter nötig. Das aggressive Buhlen um Talente hat sich hier ausgezahlt.  

 

Florida State Seminoles

Innerhalb der eigenen Conference wurde Star-Cornerback Fentrell Cypress zu den Seminoles gelotst. South Carolinas Jaheim Bell und Kyle Morlock, der aus der Division II die Noles verstärkt, bilden für die Zukunft ein dynamisches Tight-End-Duo. Hinzukommen für die Trenches Offensive Tackle Jeremiah Byers und Edge Defender Gilber Edmond, die zu den besten 50 Talenten im Transferportal zählten. 

Head Coach Mike Norvell macht damit bereits im zweiten Jahr in Folge ausgiebigen Gebrauch vom Transferportal. Er versucht längst nicht mehr, mit diesem Tool nur Lücken im Kader zu stopfen, sondern will sich über das Portal signifikant verstärken. Insgesamt holte er neun namhafte Transfers an die Florida State, die das Programm, welches im letzten Jahr 10-3 ging, zum Mitfavoriten in der ACC aufsteigen lassen. 

 

Michigan Wolverines

Obwohl Jim Harbaugh erneut mit der NFL kokettierte, konnte Michigan im Recruiting und Transferportal noch einmal nachlegen. Von der Arizona State kommt Offensive-Line-Hilfe in LaDarius Henderson. A.J. Barner verstärkt auf Tight End den Angriff und weitere junge Talente, die vor dem Draft noch einmal bei einem Powerhouse auflaufen wollen, wurden gelandet. 

Linebacker Ernest Hausmann (Nebraska) und Edge Rusher Josaiah Stewart (Coastal Carolina) werden der Defense für die kommende Saison ein Upgrade geben. Für die Zukunft sind die Wolverines damit erneut gut gerüstet. 

 

Georgia Bulldogs

Die Georgia Bulldogs dominierten über die gesamte Saison 2022 und gewinnen nun auch in der Offseason. Defensive Back Smoke Bouie kommt von der Texas A&M. Mit Dominic Lovett (Missouri) und RaRa Thomas (Mississippi State) spielen zukünftig zwei der drei besten Wide Receiver aus dem Transferportal für die Bulldogs. 

Damit nicht genug, konnten sie im Recruiting den Fünf-Sterne Rekrut und zweitbesten Edge Defender des Landes Damon Wilson davon überzeugen, statt an die Ohio State zu gehen, zukünftig für Georgia aufzulaufen. Nach diesem wichtigen “Flip”, dem Wechsel der Zusage von Wilson, wurden weitere Talente, die eigentlich bereits an anderen namhaften Schulen vorgesehen waren, noch zu den Bulldogs geholt. 

Die Vier-Sterne Rekruten Daniel Harris (Cornerback) und Bo Hughley (Offensive Tackle) können wichtige Bausteine für zukünftige Titelrennen werden. Auch das Commitment von Runningback Kyron Jones sollte nicht unterschätzt werden. 

 

LSU Tigers

Vier Cornerbacks sicherten sich die LSU Tigers über das Transferportal, darunter den Fünf-Sterne Rekrut Denver Harris von der Texas A&M und den hoffnungsvollen Small Schooler Zy Alexander. Coach Brian Kelly scheint hier eine klare Baustelle ausgemacht zu haben und geht keine Kompromisse ein. 

Schwächen muss Kelly auch an der Front gesehen haben. Seine Defensive Line wird in Zukunft verstärkt durch Jordan Jefferson (West Virginia), Jalen Lee (Florida) Paris Shand (Arizona) und Bradyn Swinson (Oregon). Alle haben an ihren bisherigen Schulen drei Jahre Erfahrung als Starter. 

 

Oregon Ducks

Head Coach Dan Lanning hat den Kader nun ein Jahr lang bewertet und sich entschlossen, einige ehemalige namhafte Rekruten seines Vorgängers abzugeben. Bradyn Swinson und Justin Flowe stehen aus der Front Seven sinnbildlich für die Transformation. 

Stattdessen werben die Ducks einen der besten Edge Defender des Landes aus seiner Heimat von den South Carolina Gamecocks ab. Jordan Burch ist ein echter Game Changer. Gemeinsam mit Rekrut Matayo Uiagalelei kann Burch das stärkste Pass-Rush-Duo im College Football bilden. Die zehntstärkste Recruiting-Class in 2023 macht Hoffnung auf mehr.