Foto: Stephan Partisch

 

Ob die Cologne Crocodiles die aktuellen Ereignisse im Verein überstehen? Es gibt verschiedene Informationen zu den internen Vorgängen. Im Januar wird zudem ein neuer Vorstand gewählt.

 

  • Verein: Budget im Vergleich zum Vorjahr unverändert
  • Zahlenangaben klaffen weit auseinander
  • Vorstands-Neuwahlen im Januar

 

Es könnte alles so schön sein in der Domstadt. Die vergangene Saison war mit dem Halbfinaleinzug die sportlich erfolgreichste seit der Meisterschaft 2000. Der Vorstand aus NFL-Moderator Jan Stecker, Christian Kohn und Kadia Ghadamgahi könnte sich von den rund 700 Mitgliedern bei der für Januar geplanten Jahreshauptversammlung feiern lassen, einer Wiederwahl stünde wohl nichts im Wege. Doch stattdessen müssen die Vorstandsmitglieder um ihre Wiederwahl fürchten, es bestehen berechtigte Zweifel, dass es mit diesem Dreigestirn beim GFL-Verein weitergehen kann. Denn zwischen Vereinsführung, den ehemaligen Trainern der ersten Mannschaft und den Spielern selbst hat sich eine große Kluft gebildet. Auf der einen Seite der Vorstand und das Front Office, auf der Gegenseite die Spieler, die ihre Trainer zurückhaben wollen. Im Mittelpunkt des Streits: das Budget für die Saison 2023 und widersprüchliche Aussagen.

Glaubt man Dirk Ghadamgahi dann stehen die zurückgetretenen Trainer der Crocodiles nämlich dumm da. “Wir können nur das ausgeben, was wir tatsächlich haben und wollen uns in der nächsten Saison nicht verschulden. Das Budget für die erste Mannschaft im Jahr 2023 ist identisch mit dem von 2022. Das GFL-Team erhält 95 Prozent des Gesamtbudgets, das sich aus Sponsorengeldern und Mitgliedsbeiträgen zusammensetzt“, erklärte der Sportdirektor der Kölner der Football-Plattform americanfootballinternational.com. Der zurückgetretene Head Coach David Odenthal steht mit dieser Aussage da, als würde er den sportlichen Erfolg erkaufen wollen und von den Crocodiles verlangen, dass sie diesen über jegliche wirtschaftliche Vernunft stellen.

Hauptsponsor hat Engagement sogar noch erhöht

Gemeinsam mit seinem 13 weiteren Trainern umfassenden Coaching Staff hatte Odenthal kurz vor dem Jahreswechsel den geschlossenen Rücktritt erklärt – schlicht, weil es um nicht ausreichendes Budget für die GFL-Mannschaft gehen würde. Mittlerweile ist die BILD-Zeitung auf die Vorgänge bei den Crocodiles aufmerksam geworden, das Boulevardblatt hat sonst wenig mit der German Football League zu tun, nun sind die Vorgänge skandalös genug. Laut Informationen der BILD hatte der Vorstand den Trainern am 23. Dezember ein Ultimatum gestellt, um darüber zu entscheiden, ob sie mit einem Gesamtbudget von 85.000 Euro arbeiten würden. Das Entscheidende: Im Vorjahr soll das Budget noch 130.000 Euro betragen haben. Somit würde das Budget für die anstehende Spielzeit um 45.000 Euro sinken.

Pikant ebenfalls: Laut BILD hat Hauptsponsor Wolfgang von Moers sein finanzielles Engagement im Vergleich zur Vorsaison sogar um eine mittlere fünfstellige Summe erhöht. Insgesamt sollen sich die Gesamteinnahmen durch Sponsoren für 2023 laut der Zeitung auf 270.000 Euro belaufen, zum Gesamtbudget kämen dann noch Mitgliedsbeiträge hinzu. Stimmen diese Zahlen, dann ist klar, dass 85.000 Euro Budget für die erste Mannschaft weit davon entfernt sind 95 Prozent des Gesamtbudgets auszumachen.

Verlust an Glaubwürdigkeit

Irgendetwas stinkt gewaltig am Rhein. Prekär wird die Lage dadurch, dass über 60 Spieler die beteiligten Parteien dazu aufgefordert haben, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, um eine andere Lösung als die Trennung des Vereins vom Trainerteam zu finden. Andernfalls würden etliche Spieler das Weite suchen und sich anderen Vereinen anschließen. So soll es am kommenden Sonntag zu einem Treffen kommen. Der Vorstand wäre dann gut beraten, eine Einigung mit den Trainern zu finden, denn im Januar stehen die Neuwahlen um die Ämter in der Vereinsführung an. Wie wollen Stecker und Co. den Mitgliedern und Sponsoren vermitteln, dass man, im Falle einer Nicht-Einigung, vier Monate vor Saisonstart ohne Trainer und einer schwindenden Mannschaft dasteht? Dennoch hat schon jetzt die Glaubwürdigkeit gelitten und es ist schwer vorstellbar, dass die Crocodiles selbst im Falle einer Rückkehr des Coaching Staffs die zwischenmenschlichen Gräben zwischen Führung und dem Gespann aus Ex-Trainern und Mannschaft schadenfrei überwinden können, um an den Erfolg aus der abgelaufenen anzuknüpfen.

Dass wohl ein neuer Vorstand her muss, weil die Trainer und der aktuelle Vorstand nach den ganzen Ungereimtheiten und Aussagen übereinander wohl nicht mehr vorbehaltlos miteinander arbeiten können, kommentierte einer der zurückgetretenen Trainer gegenüber TOUCHDOWN24 knapp aber vielsagend mit den Worten: “Punkt getroffen.“

Über den/die Autor/in
Markus Schulz

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