Rob Gronkowski von den Tampa Bay Buccaneers hat Spaß bei einem Charity Golf Turnier. Rob Gronkowski von den Tampa Bay Buccaneers hat Spaß bei einem Charity Golf Turnier. Imago Images / ZUMA Wire / Luis Santana

Was NFL Profis so im Sommer machen

geschrieben/veröffentlicht von/durch  07.06.2021
Als NFL Fans wird es auch während der Offseason nie langweilig, Draft, Free Agency oder Trade Gerüchte halten das Interesse im Sinne der Liga stetig am Köcheln. Nur was machen die Profis selber in der spiellosen Zeit? Trainieren, klar. Es gibt hierbei allerdings die unterschiedlichsten Ansätze und die Spieler der NFL haben während der heißen Monate auch noch Zeit für so manch andere Aktivität!

Für den Laien scheint Profisport immer wie der ultimative Job. Geld dafür zu bekommen, dem Ball hinterherzujagen, der einem meist schon als kleines Kind viel Freude bereitet hat, das klingt wie ein wahrgewordener Traum. Erst Recht wenn man an die Verehrung der Fans, das prall gefüllte Bankkonto und die vielen Stunden im Rampenlicht denkt, welche jedes Jahr zum Abenteuer machen. Und dann ist da ja noch die relativ kurze Saison. In der NFL sind es trotz der Aufstockung ab kommendem Jahr gerade einmal 17 Spiele, "nur" ein paar Monate also. Traumjob, ganz klar. Nur mit Müßiggang hat das ganze wenig zu tun, auch in der Offseason.

Nach der NFL Saison wird erst Mal Urlaub gemacht

Denn die Monate zwischen den Spielzeiten sind die Zeit, in der die sportlichen Gladiatoren der NFL ihre Rüstungen wieder zu Recht rücken und die Waffen für kommende Kämpfe schärfen. Bevor sie das allerdings tun, ist die Regeneration direkt nach der Saison eine überlebenswichtige Phase für den eigenen Körper und Geist. Hierzu kehren viele Spieler in ihre Geburtsorte und Heimatstädte zurück, verbringen lange vermisste Zeit mit der Familie und lassen sprichwörtlich die Seele baumeln. Dies geht nicht nur in Florida, Kalifornien oder in Texas, auch in Übersee lässt sich gut relaxen. Beliebt bei NFL Athleten sind Bootstouren durch die Karibik, inklusive Schönwettergarantie und Abgeschiedenheit vom Trubel der Saison, Get Aways in sonnigen Luxusresorts oder auch Urlaube an den amerikanischen Küste. Die ersten Monate der Offseason gehören dabei gleichzeitig den Hobbies und alternativen Interessen, wobei hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Viele Spieler frönen zum Beispiel (manchmal zum Leidwesen des eigenen Arbeitgebers) anderen Sportarten wie Golf, Ping Pong oder Basketball. Aaron Rodgers moderiert Jeopardy, Ravens-Kicker Justin Tucker bastelt an seinem Operngesang, Von Miller arbeitet auf seiner eigenen Hühnerfarm und Jimmy Graham geht einer Leidenschaft als Stuntpilot nach.



Das angenehme lässt sich oftmals mit dem nützlichen verbinden. So erlauben den NFL Stars finanzielle und logistische Möglichkeiten, auch die ersten selbst organisierten Trainingseinheiten durchaus relaxt zu gestalten. So lud zum Beispiel Russell Wilson seinen jungen Star-Receiver DK Metcalf letztes Jahr zu seinem Urlaub in Mexiko mit ein, um ihm Schwimmen beizubringen und natürlich an der gemeinsamen Chemie zu feilen. Regelmäßig trainieren auch Spieler aus unterschiedlichen Teams miteinander oder auch aktive mit ehemaligen Akteuren, wie in dieser Offseason zum Beispiel Terry McLaurin und Doug Baldwin. Gerade für Quarterbacks ist es aber üblich, ihre eigenen Receiver in ein mehr oder weniger freiwilliges Camp einzuladen. Selbst junge Spieler wie Josh Allen oder Lamar Jackson wissen genau, dass diese Form der Führungsqualität für einen NFL Signal Caller einfach zum guten Ton gehört. In den vergangenen Jahren schließen sich aber auch immer mehr andere Positionsgruppen zusammen, um gemeinsam an ihrem Handwerk zu arbeiten. So gibt es unter anderem spezielle Symposiums für Pass Rusher als auch für die Offensive Line.


NFL Stars haben mehr zu tun als nur Training

Ein beliebter Ort für Trainingseinheiten sind die professionellen Gyms und Trainingszentren, welche speziell für die Bedürfnisse von Profiathleten zugeschnitten sind. Ob es Krafttraining, spezifische Positiondrills oder Koordinationsübungen sind, für alles lässt sich heute eigentlich ein ehemaliger Spieler wie LeCharles Bentley oder Coach finden, der sich hierauf spezialisiert hat. Auch individuell hört die körperliche Ertüchtigung für NFL Profis eigentlich nie auf. Sie ziehen Schlitten mit hunderten von Kilos durch die Gegend, "fressen unendlich viel Eisen" und schmeißen Medizinbälle durch die Gegend, als ob es Baseballs wären. Schnellkraft und weitere Aspekte kommen ebenfalls nicht zu kurz. Nicht selten verfügen die Bestverdiener über hauseigene Workout-Rooms, schätzen aber gleichzeitig auch den besonderen Effekt einen externen Gyms. So wie damals an Schule oder Uni, wo manche auch besser in der Bibliothek lernen konnten.



Apropos Bibliothek, gerade für Spieler, die zu einem neuen Team gewechselt sind, oder für NFL Rookies bietet die Offseason ausreichend Zeit, sich in ihrer neuen Heimat zurecht zu finden und mit einem neuen Playbook zu befassen. Die Arbeit ähnelt hierbei fast der in einem Klassenzimmer, mit Dingen wie Marker, Tablet oder Notizblock immer griffbereit. Auch viele andere "administrative" Aufgaben werden in der spielfreien Zeit erledigt. Sponsoren-Deals wollen geschlossen, lokale Institutionen oder Charity Projekte besucht, Football Camps abgehalten, Finanzen geregelt und die alltägliche Buchhaltung abgearbeitet werden. Nicht wenige Spieler machen Ausflüge in die Medienwelt, engagieren sich beim NFL Network oder der Draft Coverage, um sich vielleicht schon mal eine Tür für eine Laufbahn nach der Karriere aufzustoßen. Erfolgreiche Beispiele, von Nate Burleson über Steve Young bis hin zu Booger McFarland, gibt es für diese Karriereplanung zuhauf.


NFL und Spielergewerkschaft stecken im Clinch

Irgendwann allerdings ist es vorbei mit der Eigenverantwortung, die Teams wollen wieder den Alltag ihrer Spieler bestimmen und die kommende Saison vorbereiten. Dabei sind große Teile des in der Regel im April beginnenden Offseason Kalenders der NFL freiwillig, was natürlich für jeden einzelnen Spieler eine Abwägung bleibt im Hinblick auf seinen möglicherweise gefährdeten Roster Spot. Die NFL Players Association hat im Collective Bargaining Agreement deutliche Regeln ausgehandelt, wie die Trainingseinheiten in der Offseason ablaufen dürfen und agiert hier als eine Art Arbeitsschutz. In der aktuellen Saison ist die Situation zwischen Spielergewerkschaft und der NFL besonders prekär, denn die immer schon angespannte Situation ist durch ein Memo der Liga, in welchem der Release vom verletzten Tackle Ja’Wuan James thematisiert wurde, die Covid-19-Pandemie als auch durch die Ergänzung des Spielkalenders um eine weitere Regular Season Partie besonders aufgeheizt. Selbst Superstar Tom Brady hat sich schon positioniert und es drohen lange wie harte Verhandlungen, bevor es dann Ende Juli mit dem „echten“ Training Camp losgeht.

Man sieht, selbst der "Traumjob NFL" hat so seine versteckten oder auch offensichtlichen Tücken. Erst recht wenn man bedenkt, dass Spieler in der Regel bis auf wenige Boni nur während der Regular Season bezahlt werden. Dafür dann natürlich meistens ganz gut…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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