Was Deutschland der NFL zu bieten hat

Die NFL kommt nach Deutschland, vielleicht sogar schon 2022. Die NFL kommt nach Deutschland, vielleicht sogar schon 2022. Imago Images / Icon SMI / Scott W. Grau
Vor so manchem Computerbildschirm dürfte die Nachricht für Schnappatmung gesorgt haben: Die NFL kommt nach Deutschland! So zumindest der Plan, ließ die Liga kürzlich verlauten und unterstreicht damit schon länger gehegte Pläne, ihre International Series auch in "Good Ol‘ Germany" Station machen zu lassen. Die NFL beschäftigt nur noch die Frage, wo genau ihre amerikanischen Football-Helden wohl schon 2022 auf deutschem Boden auflaufen sollen? Vielleicht können wir von TOUCHDOWN24 mit ein paar Tipps behilflich sein!

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Lange schon schwelte die Nachricht unter der Oberfläche, jetzt ist es offiziell: Die NFL verkündete, mit sofortiger Wirkung nach Partnerstädten zu suchen, um vielleicht schon 2022 reguläre Saisonspiele in Deutschland im Rahmen ihrer International Series auszutragen. "Wir sind begeistert über die Entwicklung unserer deutschen Fanbase und die Zeit ist reif, um einen Partner zu identifizieren, der als Teil unserer globalen Wachstumsstrategie Spiele nach NFL Standards durchführen kann", sagte Brett Gosper, Chef des UK & Europe Departments der Liga.

Besagte Standards umfassen laut Gosper besondere Anforderungen an das Stadion, den Veranstaltungsort, die lokalen Ausrichter und die umliegende Infrastruktur. Vor allem wünscht sich die NFL einen langfristigen Partner und sieht in der Suche nach einer Gastgeberstadt den Schlüssel zu Spielen auf deutschem Boden. Ähnlich wie zuletzt bei der NFL International Series in London scheint demnach ein mehrjähriger Vertrag angestrebt zu werden. Das Milliardenbusiness NFL macht so einen Ausflug ja auch nicht nur zum Spaß, den Verantwortlichen stehen schon ein paar Euro-Zeichen in den Augen. Vielleicht sogar ein paar mehr, denn sie haben Deutschland längst als (wieder) wachsenden NFL-Markt identifiziert und bestätigen mit ihrer Entscheidung auch die in den letzten Jahren positive Entwicklung der Sportart in Deutschland.

Die NFL in Deutschlands Hauptstadt

Bei möglichen Spielorten reckt sofort der Berliner Bär seine Tatzen in die Höhe. Das Deutschlands Hauptstadt für so ein Megaevent in Frage kommt, steht eigentlich außer Frage. Die bunte Millionenmetropole verfügt aufgrund seiner Geschichte und vielen berühmten Bauten nicht nur über internationales Flair, mit dem Berliner Olympiastadion würde auch ein sehr besonderes Stadion für die NFL parat stehen. Hier käme ebenfalls die Historie ins Spiel, gewann doch vor 85 Jahren der legendäre US-Leichtathlet Jesse Owens unter den Augen Adolf Hitlers und des NS-Regimes vier Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen. Es ist nur eines von etlichen geschichtsträchtigen Sportereignissen, in deren Spalier sich ein NFL Regular Season Game zumindest nach neuzeitlichen Standards gut einreihen würde.

Auch die Logistik wäre in Berlin gut zu handeln. Die Stadt ist national wie international erstklassig angebunden und bietet durch seine Größe und Vielseitigkeit reihenweise Optionen für Events neben dem Spiel. Eine NFL-Vergangenheit besteht in der Hauptstadt mit Berlin Thunder sowie fünf zwischen 1990 und 1994 ausgetragenen Preseasonspielen ebenfalls. Mit knapp 75.000 Sitzplätzen verfügt das Olympiastadion auch über eine ordentliche Kapazität, mit der man unter aktuellen NFL-Stadien schon im oberen Mittelfeld rangieren würde. Kurzum, von den Rahmenbedingungen, dem Prestige und dem Namen her wäre Berlin ein würdiger Nachfolger für London.

"Mia san NFL" in der Münchner Allianz Arena?

Der zweite große Favorit auf eine Austragung ist München mit der Allianz Arena des FC Bayern. Viele Amerikaner verbinden den "Bavarian Way of Life" mit dem Prädikat "Typisch Deutsch", der rote Münchner Fußballklub ist längst zur Weltmarke geworden und die wohlhabende Landeshauptstadt des Freistaats genießt einen erstklassigen internationalen Ruf. Allein sechs Dax-Konzerne sind hier angesiedelt, es gibt ein reiches Kultur-Angebot sowie reihenweise Postkartenflair an verschiedenen Landmarks wie Isar, Viktualienmarkt oder Hofbräuhaus. Apropos Bier, so mancher philosophierte bereits über eine zeitnahe Verknüpfung der NFL International Series mit dem Oktoberfest, dem in den USA weitestgehend bekannten und geschätzten Riesenevent. PR-Agenturen hätten sicherlich ihre Freude und Bilder von zum Beispiel Aaron Donald mit Maßkrug würden sich wohl auch nicht so schlecht machen.



Sind solche Überlegungen (zumindest was den Gerstensaft angeht) teilweise eher von humoristischer Art, so sprechen natürlich auch reihenweise Business-Fakten für München als deutsche NFL Heimat. Die Allianz Arena zählt zu den modernsten Stadien Europas, ist auf die Ausrichtung von sportlichen Großereignissen dank Champions League oder Fußball-Europameisterschaft bestens vorbereitet und verfügt gleichzeitig über hervorragende Hospitality-Bereiche, wo Roger Goodell oder Robert Kraft das Horsd’œuvre mit Sicherheit gut schmecken würde. Zwar gilt die Arena mit ihrer internationalen Kapazität von 70.000 Plätzen eigentlich als reines Fußball-Stadion und nicht primär als Eventstätte mit Mehrzweckcharakter, doch aufgrund des Namens NFL sowie der ebenfalls global angelegten Strategie des FC Bayern München sollte sich hier ein gemeinsamer Weg finden lassen.

Deutsche Außenseiterstädte für die Suche der NFL

Während München und Berlin die Top-Favoriten im Rennen um die Austragung von NFL Regular Season Games sind, wird auch noch der ein oder andere Außenseiter gehandelt. Ein Spiel im Signal Iduna Park, Heimat von Borussia Dortmund und seiner weltberühmten Südtribüne, wäre aus Fan-Sicht und mit Blick auf die bevölkerungsreiche Rhein-Ruhr-Region wohl ein absolutes Highlight. Zentral gelegen und mit einer interessanten kulturellen Vergangenheit gesegnet, böte das in Sachen sportlichen Großevents erfahrene Dortmund auch beste Anbindungen zu nahen Metropolen wie Köln oder Düsseldorf. Letztendlich könnten allerdings die geringere Sitzplatz-Kapazität des ehemaligen Westfalenstadions, der Mangel an internationalem Flair sowie die relative Unbekanntheit Dortmunds in den USA eine Partnerschaft unwahrscheinlich machen.

Frankfurt würde die Faktoren "Mainhattan", Zentralität und Galaxy in den Ring werfen, könnte aber im heimischen Deutsche Bank Park wohl zu wenig Zuschauer (um die 50.000) beherbergen. Hamburg genießt international großes Ansehen und rühmt sich ebenfalls mit eigener Football-Tradition, doch auch das Volksparkstadion ist wohl mit maximal 57.000 Plätzen ein wenig zu klein. Gleiches gilt für das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserlautern, dennoch wäre der „Betzenberg“ ein interessantes Gedankenspiel. Das Stadion liegt nur 20 Minuten von der Ramstein Air Base sowie weiteren Militärstützpunkten nahe der Kaiserslautern Military Community. Die gut 54.000 dort lebenden Amerikaner würden sich über einen Besuch der NFL mit Sicherheit freuen und es wäre eine ganz besondere Veranstaltung.

Das große Geld lässt sich aber wohl eher woanders machen und somit fällt die Wahl dann wohl doch auf eine der größeren Metropolen. Wäre nicht auch eine Tour etwas, mit wechselnden Spielorten und verschiedenen Mottos? Ein wenig gerechte Verteilung für alle deutschen Fans? Okay, die Pferde gehen ein wenig durch. Aber ein bisschen Aufregung mag auch erlaubt sein, denn es heißt ja schließlich nicht alle Jahre: "Welcome to Germany, National Football League!"
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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