HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Tyreek Hill gegen Carlton Davis 2.0 im Super Bowl LV

Tyreek Hill (rechts) und Carlton Davis (links) dürften sich auch im Super Bowl LV ein paar Mal über den Weg laufen. Tyreek Hill (rechts) und Carlton Davis (links) dürften sich auch im Super Bowl LV ein paar Mal über den Weg laufen. Imago Images / UPI Photo / Steve Nesius
Das Video-Studium vor dem Super Bowl LV dürfte Carlton Davis von den Tampa Bay Buccaneers in diesen Tagen nicht unbedingt viel Freude bereiten. Sein Head Coach Bruce Arians hat nämlich mit Sicherheit auch das Tape vom regulären Saisonspiel gegen die Kansas City Chiefs hervorgekramt, in dem Tyreek Hill den jungen Bucs-Corner über weite Strecken zur Fahnenstange degradierte. Damit dies am Super Bowl Sunday nicht wieder passiert, müssen die Bucs einige Lehren aus der Niederlage im letzten November ziehen.

Allen voran steht da wohl die Erkenntnis, dass es ungemein schwer, ja wenn nicht sogar unmöglich ist, einen Spieler wie Tyreek Hill ohne tiefe Safety-Hilfe zu verteidigen. Dafür ist "Cheetah" einfach zu talentiert und vor allem zu schnell. Nicht umsonst lief der fünffache Pro Bowler zu seiner aktiven Leichtathletik-Zeit die 100 Meter einst in unter zehn Sekunden und holte mit der 4x100 Meter Staffel der USA Gold bei der Juniorenweltmeisterschaft 2012 in Barcelona.

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Die Buccaneers versuchten es bei ihrer 24:27-Niederlage Ende November gegen die Kansas City Chiefs trotzdem, den pfeilschnellen Receiver mit Cornerback Carlton Davis Eins-gegen-Eins zu verteidigen. Das Resultat: Hill gelangen bereits im ersten Viertel 203 Receiving Yards und zwei Touchdowns, im weiteren Spielverlauf kamen noch 66 Yards und ein weiterer Touchdown hinzu.

Tyreek Hill ist Eins-gegen-Eins kaum zu verteidigen

Patrick Mahomes, Star-Quarterback der Chiefs, konnte sein Glück damals kaum fassen. "Sie haben ihn oft einfach in Man Coverage gehabt und keine tiefe Hilfe gegeben", erinnert sich der NFL-MVP von 2018. "Für jemanden mit Tyreeks Fähigkeiten ist das sehr ungewöhnlich und wann immer wir diesen Look bekommen, versuchen wir, daraus Kapital zu schlagen."

Sehr zum Leidwesen der Buccaneers, die allerdings nach dem Spiel auch zugeben mussten, dass sie sich mit ihrer Taktik ein wenig verkalkuliert hatten. So sagte zum Beispiel Linebacker Devin White, dass sie "einen besseren Job machen und unserem Mitspieler helfen müssen" und Head Coach Bruce Arians versprach ebenfalls, dass sie ihrem Cornerback "im Super Bowl wohl ein bisschen mehr Unterstützung geben" als beim letzten Mal.

Mehr Cover Two Formationen von Todd Bowles

Wie der Plan von Defensive Coordinator Todd Bowles für das große Finale genau aussieht, wurde natürlich noch nicht verraten. Er dürfte aber mit Sicherheit versuchen, das Timing der Chiefs von Zeit zu Zeit mit Jams an der Line Of Scrimmage zu stören. Sollte Hill diese Press Coverage schlagen, dann werden die Bucs im Backend wohl öfter mit einer Cover Two agieren und mindestens einen Safety hinter Davis zur Unterstützung positionieren.



Ein Allheilmittel ist dies natürlich keineswegs, schließlich offenbart man damit oder auch mit einer potenziellen Quarters-Coverage in gewissen Feldpositionen andere Freiräume. Viel wird deshalb auf den Buccaneers-Pass-Rush ankommen, der zum besten Freund von Davis und seinen Secondary-Kollegen werden könnte. So war es auch schon im NFC Championship Game gegen die Green Bay Packers, als Tampa Bay gegen Aaron Rodgers fünf Sacks und unzählige Pressures gelangen.

Carlton Davis bleibt selbstbewusst

"Ihre Front ist überragend", weiß auch Tyreek Hill um die Stärke von Shaquil Barrett, Jason-Pierre Paul und deren Kollegen. "Ihre gesamte Verteidigung ist sehr stark und Todd Bowles ist ein großartiger Coordinator, also von daher hatte ich beim ersten Mal schon etwas Glück, so frei zu sein." Sein Weltklasse-Speed spielte aber wohl die entscheidendere Rolle. Eben jener dürfte Carlton Davis auch im Super Bowl ein paar Schweißperlen auf die Stirn zaubern, wenn er Tyreek Hill das erste Mal gegenüber steht.

Sorgen um das Selbstvertrauen seines Corners, der insgesamt eine relativ gute Saison spielte, macht sich Bruce Arians allerdings nicht. "Das verliert er glaube ich nie", lächelt der 68-jährige Übungsleiter. "Er ist einer dieser Jungs, für den immer nur das nächste Play zählt." In diesem Fall dürfte Davis diese Qualität sehr zugute kommen.

Erst recht nach dem Video-Studium in dieser Woche…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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