Trevor Lawrence das Comeback Kid. Credit: Imago Images / USA Today / Nathan Ray Seebeck

Trevor Lawrence bestritt während seiner College Karriere 34 Spiele an einem Samstag. Seine Serie in diesen Spielen ist makellos. In der letzten Woche, den Wild Card Playoffs, konnte der Quarterback von den Jacksonville Jaguars erneut gewinnen. Sogar in seiner Highschool-Zeit blieb er immer ungeschlagen. Ihn beschlich wahrlich das Saturday Night Fever. Schaffen es die Kansas City Chiefs, dass seine schier unbrechbare Serie von 35 Siegen in Folge nun reißt?

Lange Zeit sah es im letzten Spiel bereits so aus, als würde Trevor Lawrence zum ersten Mal als Quarterback in einer Begegnung an einem Samstag verlieren. Kurz vor der Pause lag der junge Spielmacher hoffnungslos mit 27 Punkten zurück, ehe er zum drittgrößten Comeback in der Playoff-Historie blies. Denn am Ende gewannen die Jaguars gegen die Los Angeles Chargers mit 31-30. Die Entscheidung brachte ein 36-Yard-Field-Goal von Riley Patterson bei auslaufender Uhr. 

 

Kansas City Chiefs vs. Jacksonville Jaguars

In den Divisional Playoffs reisen die “Jax” nun nach Kansas City und treffen auf Patrick Mahomes und das beste Team der Regular Season. Wenig überraschend gehen die Chiefs als Favorit ins Spiel. Doch wehe, sie nehmen den Gegner zu leicht. Ein Comeback, wie es Jacksonville in der Vorwoche hingelegt hat, kann in der Endrunde beflügeln und ein Team plötzlich zu kaum erwartbaren Leistungen antreiben. 

Unvorstellbar war bereits die Aufholjagd am letzten Samstag. Da spielte ein Quarterback in seinem zweiten Profijahr und bestritt sein erstes Playoff-Spiel. Viele große Signalcaller vor ihm haben in ihrem ersten Auftritt der Postseason nicht gut ausgesehen. So verlor Peyton Manning, mittlerweile zweifacher Super-Bowl-Champion und Hall-of-Famer, seine ersten drei Playoff-Partien. 

Irgendwie machte es den Anschein, dem im NFL Draft 2021 hochgelobten Lawrence würde ein ähnliches Schicksal ereilen. Sechsmal ist Jacksonvilles Offense nacheinander im Ballbesitz. Viermal wirft Trevor dabei eine Interception zum Gegner. Zweimal schickt die Chargers-Defense ihn relativ schnell wieder vom Feld und zwingt die Jaguars zum Punt. Absolut nichts will zusammengehen. 

An dieser Stelle ist ein mentaler Zusammenbruch eines einzelnen Spielers, noch dazu bei seinem ersten Auftritt auf großer Bühne, denkbar nachvollziehbar. Viele haben den Quarterback in diesem Moment abgeschrieben. Doch der 23-jährige Trevor Lawrence belehrt uns alle an diesem magischen Abend eines besseren.

Lawrence im Saturday Night Fever

In seiner College Zeit und auch schon davor war es Lawrence gewohnt, sein Spiel dem Gegner aufzuzwingen und vor allem stets die Kontrolle zu bewahren. Viele erwarteten deshalb in der Vorbereitung auf den damaligen Draft, dass der Playmaker, der bereits in seinem ersten Jahr am College die National Championship gewann, das Verlieren erstmal lernen müsse. 

Durch das erste NFL-Jahr erfuhr er tatsächlich in vielen Niederlagen, dass es auch andere Wege geben muss, um ein Spiel zu gewinnen. So ist sein jetzt schon legendäres Comeback auch ein Resultat aus all seinen Erfahrungen, die er als Führungsspieler und Quarterback bereits sammeln durfte. 

 

Wasserträger Travis Etienne

Wie Jan Ullrich in den Vogesen einst seinen Udo Bölts brauchte, kann sich auch Lawrence in ausweglosen Situationen auf seinen Wasserträger verlassen. In all seinen Siegen stand ihm stets ein wichtiger Mitspieler zur Seite, der schon am College mit ihm für die Clemson Tigers auflief. Travis Etienne ist auch heute mit durchschnittlich 15 Ballbesitzen pro Spiel (Touches) eine zentrale Figur im Angriff der Jaguars. Neben den Receivern Evan Engram, Zay Jones und Christian Kirk sollten die Chiefs in den Divisionals vor allem den vielseitigen Runningback auf der Rechnung haben. 

Beim fulminanten Comeback in der Wild Card Runde steuerte Etienne bei 20 Läufen 109 Rushing Yards bei und wurde ebenfalls ins Passspiel einbezogen. Gerade als Lawrence das Gefühl bekam, heute würde ihm überhaupt nichts gelingen, half ihm die Rückbesinnung auf seinen jahrelangen Weggefährten dabei, wieder ins Spiel zurückzufinden. 

Lawrence und Etienne bieten zweifelsohne nicht dieselbe Klasse wie das Weltklasse-Duo aus Mahomes und Tight End Travis Kelce. In den Wirren des Arrowhead Stadiums der Chiefs wird das zuverlässige Tandem vom College sich aber gegenseitig stützen und zu Höchstleistung anstacheln. Darauf kann sich Head Coach Doug Pederson verlassen. 

Ob dies allein ausreichen wird, bleibt weiterhin fraglich. Doch egal, wie die Saison nun weitergeht. Eines hat Trevor Lawrence, dessen Hype um seine Person viele schon als überzogen titulieren wollten, erreicht. Er hat in seinem ersten Playoff-Einsatz gewonnen. Damit hat er einigen der wahren Granden dieses Sports etwas voraus. 

Um einen weiteren Erfolg zu verhindern, muss Kansas City an einem Samstag den jungen NFL-Quarterback schlagen. Das wäre tatsächlich ein Novum. Was ist dann die eigentliche Sensation an diesem Samstagabend? 

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
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Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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