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Treten die New England Patriots auf der Stelle?

In welche Richtung geht es für die New England Patriots und Mac Jones? In welche Richtung geht es für die New England Patriots und Mac Jones? Imago Images / Icon SMI / Michael Allio
Lange Zeit gehörten die New England Patriots zu den Erfolgsgeschichten der vergangenen NFL Saison. Angeführt von Rookie-Quarterback Mac Jones übertrafen sie reihenweise Erwartungen und kämpften sogar bis zum Ende um die Krone in der AFC East. Die letzten Saisonwochen wurden dann aber zum schmerzhaften Dämpfer und nach einer eher ruhigen Offseason fragt sich so mancher, ob die Mannen von Bill Belichick nicht ein wenig auf der Stelle treten?

Eine der angenehmen Randerscheinungen von langfristigem NFL Erfolg ist, dass man sich und seine Vorgehensweise ab einem gewissen Zeitpunkt eigentlich nicht mehr erklären muss. Wer jahrelang zweistellige Siegzahlen einfährt, um Super Bowls mitspielt und diese dann auch noch gewinnt, der kann irgendwann den Kritikern ins Gesicht lächeln und stumm in Richtung des eigenen Ringfingers zeigen.

Bill Belichick hat in seiner Funktion als Head Coach der New England Patriots diesen Status eigentlich längst erreicht und auch wenn man ihn wohl nicht oft mit einem Lächeln im Angesicht der Presse erwischen würde, so steht trotzdem fest, dass er sich eigentlich über die Jahre ein gewisses Maß an Urvertrauen in seine Fähigkeiten erarbeitet haben sollte.

Bauchlandung der New England Patriots wirft Fragen auf

So wunderte sich in der vergangenen NFL Saison auch kaum jemand, dass die New England Patriots selbst mit ihrem Rookie-Quarterback Mac Jones schon wieder an die Tür zur Ligaelite klopften. Klar, unter dem Hoodie an der Seitenlinie steckte ja auch noch Bill Belichick, der nach einem Findungsjahr ohne Superstar Tom Brady die Hydraulik im eigenen Football-Kampfstern wieder auf Vordermann gebracht hatte.

Satte Sommerinvestitionen in die Defense und den Tight End Raum, ein narrensicheres, auf dem Laufspiel basierendes System sowie die Gewissheit der eigenen strategischen Fähigkeiten wurden zum Motor einer kleinen Wiederauferstehung im Nordosten. Kritiker verstummten, selbst jene, die den Erfolg New Englands immer mehr mit der Nummer Zwölf als mit dem Kollektiv verbunden hatten. Die Patriots waren zurück, da waren sich viele einig. Dann allerdings kam die Bye Week und es folgten unerklärliche Niederlagen und ein blamables Playoff-Aus bei den Bills, dem schließlich etliche Fragezeichen auf dem Fuß folgten.



Wer genau sind die Patriots im Moment? Sind sie das starke, in sich gefestigte und ausbalancierte Team der ersten NFL Saisonhälfte 2021 oder doch eher die Mannschaft, die in den Playoffs ihre Gegner aus Buffalo nicht einmal zum Punt bringen konnte und damit die vierte Niederlage aus den letzten fünf Saisonspielen einfuhr? Eine eher unspektakuläre und in gewisser Hinsicht fast enttäuschende Offseason tat wenig, um diese Fragen zu beantworten. Nachdem die Pats 2021 einer der großen Player auf dem sommerlichen Spielermarkt waren und mit Mac Jones den dringend benötigten Hoffnungsträger auf der Quarterback-Position fanden, beherrscht in diesen Tagen eher Murren um einen kürzlich erlittenen Qualitätsverlust sowie die zweifelhafte Draft-Strategie die Gazetten.

Patriots laut Experten mit fragwürdigem NFL Draft

Die New England Patriots verloren mit J.C. Jackson und Ted Karras (mit einem Jahr Unterbrechung) langjährige Leistungsträger, holten dafür im Gegenzug aber abgesehen von DeVante Parker via Trade kaum wirklich namhafte Free Agents. Im NFL Draft 2022 hatte man eine Vielzahl an Picks, benutzte diese aber gleich reihenweise für Spieler, die man gut und gerne etwas später in der Talentlotterie hätte picken können. Besonders die beiden ersten Picks – Offensive Lineman Cole Strange und Speedster Tyquan Thornton – kamen für fast alle Experten mindestens eine Runde zu früh, womit die Patriots sich selbst weiteren Optionen beraubten.



Es ist dabei nicht so, als ob die Patriots ohne Strategie operiert hätten. Sie verbesserten mit Thornton und Pierre Strong gezielt den Team Speed in der Offensive und stopften vorhandene (Guard Position nach dem Abgang von Shaq Mason, Cornerback-Position) beziehungsweise potenziell entstehende Löcher (Damien Harris ausstehende Vertragsverlängerung). Dabei schwingt ein merkliches und für New England typisches Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Qualitätssicherung und Talententwicklung bei.

Schließlich verzichtete man auf einen Linebacker im Draft und baut hier weiter auf das bereits vorhandene junge Corps um Ja’Whaun Bentley. Spieler wie Josh Uche oder Anfernee Jennings sollen den nächsten Schritt machen, Cameron McGrone nach überstandener Verletzung endlich weiterhelfen. Auch bei den Cornerbacks ist das Nicht-bis-zum-Ende-Mitbieten im Falle J.C. Jackson typisch für die New England Patriots. Sie erachten ihr System als gut genug, niemand ist unersetzlich, das wird schon. Kein Spieler ist wichtiger als das Kollektiv.

Es fehlt den Patriots an echten Unterschiedsspielern

Und genau hier liegt das Problem, denn ein Spieler war es in der Vergangenheit eben doch, dem eine wichtigere Rolle als allen anderen zufiel. Tom Brady konnte jeden noch so abenteuerlichen Draft in Kombination mit dem Coaching Staff in Gold verwandeln. Dazu gab es neben den überall perfekt platzierten Rollenspielern eine Reihe an absoluten Unterschiedsspielern (zum Beispiel Rob Gronkowski, Julian Edelman oder früher Chandler Jones), welche das Team auf ihren breiten Schultern trugen und das Spiellevel ihrer Nebenleute positiv beeinflussten.



Es ist nicht so, dass im derzeitigen Patriots-Kader diese Spieler nicht vorhanden sind, unter anderem brillierte Edge Rusher Matthew Judon in seiner ersten Saison in New England. In der Breite gab es aber niemanden, der die krachende Bauchlandung nach der Bye Week im November 2021 verhindern konnte. Mac Jones unterliefen auf einmal mehr Fehler (sieben Interceptions in seinen letzten fünf Spielen), eine der statistisch besten Defenses der NFL gab in fünf Spielen 30 Punkte pro Partie ab (wovon die zehn abgegebenen Punkte gegen Kellerkind Jacksonville die Statistik noch beschönigen) und kaum ein Rad griff mehr in ein anderes. Woran lag es? Verletzungen? Zufall? Oder vielleicht doch mangelnde Qualität?

Vermutlich von allem ein bisschen. Judon ging angeschlagen in die letzten Spiele, die Liga stellte sich besser auf Jones ein und in der Breite fehlte es dem Kader einfach an Playmakern (Deep Threat in der Offense, Coverage Linebacker, um nur zwei zu nennen). Ob man nun auch New England spezifische Vorgehensweisen wie die Nichternennung von Coordinators überdenken muss, sei einmal dahin gestellt. Fest aber steht, dass ein "Weiter so" eigentlich nicht genug zu sein scheint.

Bill Belichick soll es irgendwie richten

Dafür zeigten die zahlreichen jungen Hoffnungsträger wohl flächendeckend nicht genug belastbares Talent, dafür war Mac Jones bei allen Verdiensten einfach nicht dominant genug. Es bleibt damit eigentlich nur das Hoffen auf eben jene Magie, welche Bill Belichick seit vielen Jahren begleitet und welche ihm seinen Ausnahmestatus in der NFL eingebracht hat. Jenen, den er laut Pats-Owner Robert Kraft noch gerne weitere zehn Jahre behalten darf.

Ob das dann aber für einen Angriff auf die wirklichen Top-Teams in der AFC reichen kann, von denen etliche sich bis an die Zähne für einen Super Bowl Run bewaffneten, ist zweifelhaft. Die Super Bowls der Vergangenheit bedeuten nämlich in der Gegenwart wenig, sie gewinnen den Patriots keine Spiele. Vielleicht kann man mit ihnen mal eine unangenehme Frage abschütteln, aber alles andere, da stimmt Bill Belichick sicher mit ein, müssen sich das kommende Pats-Team und auch er selbst neu erarbeiten…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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