HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

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Tom Bradys "Homecoming" bei den Patriots

Zum ersten Mal in der NFL-Karriere mit anderem Trikot in New England unterwegs: Tom Brady. Zum ersten Mal in der NFL-Karriere mit anderem Trikot in New England unterwegs: Tom Brady. Imago Images / ZUMA Wire / Dirk Shadd
Bei unserer NFL Spieltagzusammenfassung "Cover Them All" schauen wir bei allen Spielen des Sonntags vorbei und natürlich übernimmt Tom Bradys Rückkehr nach New England die Rolle des Headliners für Week Four. Aber es gab noch eine ganze Reihe weiterer Top-Partien, Highlights im Überfluß und nach einem knappen Viertel der Saison lässt sich auch schon so mancher Trend erkennen.

Glitzernde Lichter bei Sunday Night Football in Foxborough

Eine alte Novelle von Thomas Wolfe heißt "you can’t go home again" und beschreibt damit das schwierige Gefühl, Jahre später nach dem Abschied wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Nach über 10.000 Pässen, 75.000 Yards und unendlich vielen großen Momenten ging Tom Brady diesmal im Gillette Stadium in den Visitor Locker Room und eröffnet eine ganz besondere Nacht in der Nähe Bostons. Geschichten und Anekdoten gibt es so viele, dass das Spiel fast zur Nebensache wird, im schummrigen ganz besonderen Licht, mit der derartige Sport Events die Dunkelheit erhellen.

Während Brady lange Zeit mit den Emotionen zu kämpfen hat, auch als er nebenbei den NFL All Time Passing Yards Rekord bricht, und Bill Belichick mitsamt Hoodie dem widrigen Wetter trotzt, liefert Mac Jones eine mehr als respektable Partie für die Patriots. Ein später Drive der Buccaneers wartet auf eine Antwort, aber Nick Folks Schuss aus 56 Yards verirrt sich im strömenden Regen. Eine kurze, kalte Umarmung zwischen ehemaligem Lehrer Belichick und dem, der lange nicht mehr Schüler ist. Und so mutet es an, als ob der Himmel den gesamten Abend weint aufgrund vergangener Tage, aufgrund der Zeit, die weitergeht. Und dann ist New England letztendlich aber doch noch ein wenig Heimat für Tom Brady, der mit dem Sieg nach Hause geht.

Buffalo Bills ohne Probleme gegen Texans

Von Houston, Texas, bis Buffalo, New York, sind es rund 2.389 Kilometer und die Texans dürften ziemlich froh sein, dass es Flugzeuge gibt. Andernfalls hätten sie über so einiges nachzudenken auf der 24-Stunden-Fahrt. So fast gar nichts lief für die Texaner beim 0:40 im hohen Norden, die Bills spielen aber eben auch einfach in einer anderen Liga derzeit als die NFL Sportgruppe aus Houston. An diesem Tag zumindest verdeutlicht den Unterschied ganz gut ein Vergleich der Quarterbacks: Josh Allen (20 von 29, 248 Yards, zwei Touchdown, ein Pick) agiert routiniert, Rookie Davis Mills (87 Pass Yards, vier Interceptions) tut das eher weniger. Die dominante Defense der Bills, einer der besten in der NFL derzeit, unterstreicht das ganze nochmal.

Washington fährt Comeback in Atlanta

Taylor Heinicke hat schon mehrfach bewiesen, dass er dieses spezielle Herz hat, was viele gute NFL-Backup-Quarterbacks ausmacht. Das Washington Football Team brauchte jeden kleinen Schlag davon beim aufregenden Comeback-Sieg gegen die Falcons. Für jene spielte Matt Ryan wie zu MVP-Zeiten (vier Touchdowns) und der Schweizer-Taschenspieler Cordarrelle Patterson machte auf jeder Position, was er wollte. Die hochgelobte WFT-Defense stand zwar meist ratlos vor Atlantas Zauberwürfel, dafür zündeten die eigenen Offensivwaffen. Captain Terry McLaurin marschierte – mal wieder – voran mit sechs Catches, 123 Receiving Yards und zwei Scores.

Justin Fields gewinnt sein Chicagoer Heimdebüt

Der legendäre Fox-Kommentator Gus Johnson war schon ein Geschenk für jeden, der dieses NFL Spiel sah, erst recht, wenn er es mit den Chicago Bears hielt und stetig schön punktiert die Namen Darnell Mooney (fünf Catches, 125 Yards) oder David Montgomery (106 Rush Yards, zwei Touchdowns) hören durfte. Noch mehr dürfte die Bärenbande aber der "Bounceback" von Rookie Justin Fields (209 Pass Yards, ein Pick) gefreut haben, der zwar hier und da immer noch ungenau agierte, aber mit einer von Bill Lazor besser eingestellten Offense seinen lebendigen Arm ein paar Mal vorführen konnte. Detroit hingegen blieb zum wiederholten Male nur nicht aufzugeben, irgendwann dürften Dan Campbell und seine Jungs die Nase voll haben von moralischen Siegen.

Dallas setzt offensives Ausrufezeichen gegen Carolina

Vor der Saison hätte wohl kaum jemand gedacht, dass diese Partie auf einmal ein Sneaky NFL Spitzenspiel sein würde. Die wiedererstarkten Cowboys kühlten dabei die heißen Carolina Panthers ein ganz klein wenig herunter, vor allem mit ihrer auf fast allen Zylindern dampfenden Offensive. Das Laufspiel funzte, als ob Nate Newton und Erik Williams vorneweg marschieren würden (245 Rush Yards, 7,2 Yards pro Carry) und den Rest besorgte Dak "is back" Prescott (vier Touchdowns). Carolina bekam seine Grenzen aufgezeigt, setzte trotzdem einige Nadelstiche gegen eine lange sehr opportunistische Dallas-Defense, die hinten raus aber zu konfus agierte.


Colts stürzen die Dolphins in die Krise

Man kann die Rufe förmlich über South Beach hinweg ziehen hören: Tua, Tua, komm bald wieder! Nur wenn die Miami Dolphins glauben, dass mit der Rückkehr ihres eigentlichen Starting Quarterbacks alle Probleme gelöst wären, dann dürfte ein erneuter Hammerschlag der NFL Realität durchaus wehtun beim nächsten Mal. Offensive Line, Laufspiel, das Offensive-Coordinator-Karussell, undisziplinierte Fehler… die Wand des Delfinariums bröckelt an allen Ecken und Enden. Indianapolis wird sich nicht beschweren und nimmt den Road Victory gerne als ersten der Saison mit. Carson Wentz findet zwei Mal Mo Alie-Cox in der Endzone, löst dabei aber auch nicht alle der eigenen Schwierigkeiten.

Cleveland Browns mühen sich redlich zum nächsten Sieg

Seit die Browns-Defense sich in der letzten Woche gegen die Chicago Bears warmgeschossen hat, ist Cleveland sicher nicht die Mannschaft, die man in einem schmutzigen NFL Alley-Brawl sehen will. Mit ihrem Laufspiel (184 Rush Yards, 100 von Nick Chubb) kontrollieren die Mannen von Kevin Stefanski an dessen alter Wirkungsstätte die Uhr und verkraften somit auch einen Bad Day von Baker Mayfield (15 von 33). Minnesota ist zwar stetig dicht dran, aber der angeschlagene Dalvin Cook konnte einfach nicht wie gewohnt Akzente setzen. Die erste Saison-Interception von Kirk Cousins half ebenso wenig und lässt Minnesota ein wenig in die Röhre schauen.

Zach Wilson zeigt New York, was er kann

Die Jets hießen mal Titans, die Titans mal Oilers, heute ist alles anders und für Zach Wilson ist das auch gut so. Es war immer noch etwas Stückwerk beim Jets-Rookie dabei, gerade bei einfachen Pässen, aber er stellte unter anderem mit zwei spektakulären Deep Balls sein NFL-Talent unter Beweis. Im Rücken hatte er dabei eine blutrünstige Defensive Line (sieben Sacks) und Ex-Titan Corey Davis (111 Receiving Yards). Tennessee trat ohne A.J. Brown und Julio Jones an, was der Offense merklich Probleme bereitete. Derrick Henry und Ryan Tannehill taten, was sie konnten, den potenziellen Game Tying Kick von Randy Bullock, der in der Overtime rechts daneben ging, konnten sie aber nicht mehr selber machen.


Andy Reid mit seinem 100. Sieg bei den Kansas City Chiefs

Die Kansas City Chiefs haben mal wieder einen Sieg eingefahren, auch noch den hundertsten von Chefcoach Andy Reid, den ersten Mann, dem das in der NFL mit zwei Teams gelingt. Patrick Mahomes (fünf Touchdowns), Tyreek Hill (186 Yards, drei Touchdowns) und die Chiefs-Mega-Offense tun ihr Übriges mit einer Sahneleistung. So weit, so gut. Sollte der Champagner, den es vielleicht zu Reids Ehren gibt, ein paar Kopfschmerzen machen, dann werden die weit nicht so groß sein wie die, welche die eigene Defense den Chiefs derzeit bereitet. Die Eagles bewegten den Ball zumeist ziemlich problemlos, ganz reicht die eigene Firepower dann aber nicht, um sich mit den Chiefs Western Style zu duellieren.

New York Giants endlich mal ganz groß in New Orleans

Besonders viel lief noch nicht richtig für die New York Giants in der diesjährigen NFL Saison, aber in New Orleans zeigte „Big Blue“ endlich mal eine richtig couragierte Leistung. Trotz elf Punkten Rückstand im vierten Viertel führte Daniel Jones sein Team mit einer Career-High von 402 Passing Yards munter über das Feld und zum Comeback. Graham Gano unterstützte mit einem Clutch Kick, um die Overtime fest zu machen, und Saquon Barkley läuft langsam den Rost von Beinchen. New Orleans bekommt viel von Alvin Kamara, aber nicht genug von Jameis Winston. Vor allem die Löcher in der sonst sehr sattelfesten Defense überraschten bei den Saints.

Ravens in Denver auf Rekordjagd

Die Denver Broncos mussten sich gegen die Baltimore Ravens beweisen, nachdem sie in den ersten drei Wochen der Saison gegen die bisherigen Kellerkinder der Liga (Jaguars, Jets, Giants) gespielt hatten. Wirklich geklappt hat es aber nicht und obendrauf musste Quarterback Teddy Bridgewater auch noch mit Verdacht auf Concussion raus. Gerade die Protection der Broncos hatte große Probleme mit den aggressiven Ravens, die selbst ja nicht erst seit gestern für sattelfeste Verteidigung berühmt sind. Das Laufspiel Baltimores stottert zwar gegen die harte Broncos-Defense, am Ende sind es trotzdem zum 43. Mal mehr als 100 Yards – ein eingestellter NFL-Rekord. Dafür verzichtete Baltimore beim Stand von 23:7 und drei Sekunden auf der Uhr sogar auf einen Kneeldown. Derartig kleinkarierte Spirenzchen werden wahrscheinlich irgendwann von den Footballgöttern bestraft – nicht ganz zu Unrecht, möchte man meinen.


Arizona Cardinals lassen die NFL aufhorchen

Es ist aber auch fies in der NFC West: Da hauen die Los Angeles Rams letzte Woche die amtierenden Super Bowl Champs aus Tampa Bay weg und geben Tom Brady ein paar blaue Flecke als Gastgeschenke mit auf den Heimflug, aber lange freuen dürfen sie sich darüber nicht. Mit den Arizona Cardinals kommt einfach mal ein Divisionsrivale nach Hollywood, der dann auch mal gleich richtig Ansprüche in Division und Liga anmeldet mit seinem lautstarken Auftritt gegen L.A.. Das Laufspiel um Chase Edmonds klickt (5,4 Yards pro Carry), Kyler Murray (24 von 32, 268 Yards, zwei Touchdowns) führt ein extrem gefährliches Offensiv-Ensemble an und die Briefe an die NFL, dass mit Arizona zu rechnen ist, sind wohl spätestens jetzt in der Post. Nun müssen die Cards nur lernen, mit diesem Erfolg richtig umzugehen.

Aaron Rodgers schlägt "Big Ben"

Die Pittsburgh Steelers hatten sich einiges vorgenommen in Green Bay und Ben Roethlisberger unterstrich mit seinem frühen Touchdown-Pass über Jaire Alexanders Kopf, dass er sich auch ein paar Dinge auf den Zettel geschrieben hatte. Gute Vorsätze alleine reichen aber eben nicht, vor allem dann nicht, wenn man gegen ein offensives Powerhouse wie die Packers antritt. Aaron Rodgers wirft Karriere-Touchdown 420 und verteilt fleißig Bälle an Playmaker wie Veteran Randall Cobb (zwei Scores) oder Dampframme A.J. Dillon (15 Rushes für 81 Yards). Natürlich ist es noch ganz früh aber die Steelers müssen in einer harten Division aufpassen, dass die Saison und Big Bens NFL-Abschiedstournee nicht bald zur rein nostalgischen Kaffeefahrt wird.

49ers werden zu Quarterback-Change gezwungen

Wie schon in der vergangenen Saison hatten die Seattle Seahawks in den ersten drei Wochen allerhand defensive Probleme, kein Team gab mehr Yards ab als die Truppe von Pete Carroll. Ihr Glück? Playmaker sind eigentlich genug vorhanden, wie zum Beispiel Quandre Diggs oder Bobby Wagner, die in dieser Partie vorneweg marschierten. Und man hat ja auch noch eine Offensive mit einem gewissen Russell Wilson auf dem Fahrersitz, die hier und da mal ein paar Punkte einstreuen kann. Auch wenn es mal fünf Drives dauert, bis man ein First Down hinbekommt. Für die 49ers schlägt einmal mehr das Verletzungspech zu und zwingt Trey Lance, für Jimmy Garoppolo zu übernehmen. Der Rookie schlug sich, den Umständen entsprechend, beachtlich, nicht nur dank eines 76-Yarders zu Deebo Samuel.

Wählt euren Spieler der Woche in der Week Four!
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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