A.J. Brown von den Tennessee Titans hat in dieser NFL-Saison schon 51 Pässe gefangen. A.J. Brown von den Tennessee Titans hat in dieser NFL-Saison schon 51 Pässe gefangen. Imago Images / Icon SMI / David Rosenblum

Tennessee Titans: A.J. Brown ist "DK Metcalf Light"

geschrieben/veröffentlicht von/durch  16.12.2020
Das große Buch der NFL schreibt jedes Jahr viele Geschichten. Die der Tennessee Titans und ihrer Offense waren dabei lange nur Randnotiz, doch mittlerweile weiß jeder, dass Ryan Tannehill, Derrick Henry und Co zur Ligaelite gehören. Auch dank ihres jungen Wide Receivers A.J. Brown, der wie sein einstiger Teamkollege DK Metcalf neue Maßstäbe auf der Position setzt.

Vor dem Draft 2019 ging ein Foto um die Welt, zumindest um den NFL-Globus. Es zeigt zwei junge Männer ohne ihre T-Shirts, wie sie in einem Kraftraum für die Kamera posieren. Ihre Oberkörper sehen aus, als ob sie aus der Seite eines Felsenmassivs gehauen wurden, Muskeln wohin man auch blickt. In Kombination mit seiner überragenden NFL Combine Performance ist dieses Foto einer der Hauptmotoren des Hypes um DK Metcalf, der rechts auf dem Bild zu sehen ist. Sein Nebenmann, Ole Miss Teamkollege A.J. Brown, bekommt von eben jenem Hype weniger ab. Und doch wird er einige Positionen vor Metcalf gedraftet.

https://twitter.com/Brown1arthur/status/1098720295630729216

Fast zwei Jahre später hat sich jeglicher Hype um DK Metcalf bewahrheitet. Der Monster-Receiver der Seattle Seahawks ist zu einem der größten Matchup-Probleme der NFL geworden und liefert Highlights wie am Fließband. Sein Freund A.J. Brown steht ihm in nicht viel nach und hat sich seines Zeichens zu einem wahrhaftig dominanten Receiver entwickelt. So haben es die beiden Freunde immer angekündigt, genauso ist es passiert. "Schon als wir am College ankamen haben wir immer von unserem Dreijahresplan gesprochen", erinnert sich Brown an das gemeinsame Ziel. "Drei Jahre College und dann wollten wir die NFL dominieren."

A.J. Brown ist der Albtraum eines jeden NFL-Cornerbacks

Das mit dem dominieren klappt schon verdammt gut. Lediglich Davante Adams und Travis Kelce schaffen pro Partie mehr Receiving Yards als DK Metcalf und auch A.J. Brown rangiert nur knapp außerhalb der Top Ten in dieser Kategorie. Brown schaffte bereits in seiner Rookie-Saison 1051 Receiving Yards, acht Touchdowns und zog mit den Titans ins AFC Championship Game ein. All das macht Lust auf mehr. "Jeden Tag will ich besser sein als am Tag zuvor", sagt Brown, der in dieser Saison zwei Spiele aufgrund einer Knochenprellung im Knie verpasste. "Es gibt immer eine Schwäche, an der man arbeiten kann. Es geht immer weiter, ich schaue immer nach vorne."

Brown redet mit dem gleichen Enthusiasmus mit dem er Football spielt. Seine Körpermaße von 1,83 Meter und 103 Kilogramm machen ihn zu einem Albtraum für jeden Cornerback, vor allem weil diese in der Regel einige Kilos weniger auf die Waage bringen. Hat Brown erst einmal den Ball und dreht seine Hüften in Spielrichtung, dann kann es für den Gegner auch mal wehtun, wenn er gegen den Titans-Receiver zum Tackle ansetzt. "Ich mag es, wenn ich ein paar Hits austeilen kann", lacht Brown.

Er hat den großen Jerry Rice auf Kurzwahl

Dass er als Offensivspieler diese Worte benutzt, zeigt wie sehr er auf seine Physis im direkten Duell mit den Verteidigern setzt. In seinem Spiel steckt allerdings noch viel mehr. Er hat ein natürliches Gefühl für Freiräume in der Secondary, verfügt über einen großen Catch-Radius und ist in der Lage, auch suboptimale Pässe dank seiner starken Hände zu verwerten. Dass er dazu unter 4,50 Sekunden über 40 Yards läuft, zwingt den Verteidiger außerdem seine tiefen Routen zu respektieren.



Inspiration fand er für sein Spiel unter anderem bei dem wohl größten NFL-Receiver aller Zeiten, Jerry Rice. "Wir kommen aus derselben Gegend im Oktibbeha County und sind dadurch in Kontakt gekommen", erklärt Brown. Auch Rice hat viel Freude an dem guten Verhältnis der beiden. "Es ist toll, mit ihm Zeit zu verbringen. Er hat eine überragende Arbeitseinstellung und ich kann es kaum erwarten, ihn weiter zu verfolgen", so der Hall Of Famer.

DK Metcalf: "Ich habe alles von A.J. gelernt"

Die Arbeitseinstellung kommt nicht von ungefähr, sie stammt auch aus gemeinsamen Tagen an der Ole Miss mit DK Metcalf. Damals pushten sich die ehemaligen High School Rivalen, wohnten zusammen und wurden beste Freunde. "DK hat mich immer angespornt", gibt Brown zu. "Wir haben uns gegenseitig angestachelt und miteinander sehr hart gearbeitet." Gerade im Kraftraum nutzte Brown die Anwesenheit seines „Bruders“, um neue Höhen zu erreichen. Metcalf dagegen schaute auf dem Football-Feld genau hin.

"Ich war der Typ für den Kraftraum, A.J. war dafür der Football-Typ", lacht Metcalf über ihr damaliges Verhältnis. "Alles, was ich auf dem Feld gelernt habe, das kommt von ihm. Ich habe ihn immer bei Drills beobachtet und mir viele Kleinigkeiten angeeignet, die noch heute extrem nützlich für mich sind." Wenn man den beiden auf dem Feld zuschaut, dann sind die Parallelen unverkennbar. Und vielleicht ist A.J. Brown sogar einiges mehr als nur die Light-Version seines Kumpels…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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