Sean McVay soll zu Amazon wechseln. Credit: Imago Images / USA Today / Chuck Cook

Er ist der jüngste Head Coach in der Geschichte, der einen Super Bowl gewinnen konnte. Während sich die Los Angeles Rams immer noch nicht an ihrer in diesem Jahr gewonnenen Vince Lombardi Trophy sattsehen können, soll der 36-jährige Erfolgstrainer Sean McVay über seinen Rücktritt nachdenken. Bereits in wenigen Wochen könnte sich der amtierende Champion auf Trainersuche begeben. McVay zieht es angeblich ins Fernsehen, womit er seinem wichtigsten Mentor auf dessen ausgetretenen Pfaden folgen würde.

Bereits am Abend des größten Erfolgs seiner noch jungen Karriere kamen Gerüchte auf, Sean McVay könnte seine Trainerkarriere beenden. Doch nach ein paar Tagen rauften sich der Trainer und die wichtigsten Spieler, die ebenfalls über das Ende ihrer Laufbahn nachdachten, noch einmal zusammen. “Run it Back!” Ein weiteres Jahr und ein ersehnter zweiter Titel sollten herausspringen, bevor Star-Verteidiger Aaron Donald, Quarterback Matthew Stafford und eben McVay aufhören wollten. 

 

McVay vor Rücktritt

Aktuell befindet sich das Team von der Westküste allerdings weit von den Playoffplätzen entfernt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dass aber ausgerechnet jetzt aus verschiedenen Kanälen im TV und Radio die Gerüchteküche überkocht, gibt einem zu denken, McVay könnte tatsächlich am Saisonende Schluss machen. 

Er hat in den letzten Jahren aus einer grauen Maus einen Titelanwärter geformt. Neben Donald und Stafford grübeln auch Cornerback Jalen Ramsey und Star-Receiver Cooper Kupp über einen möglichen Abgang oder ihr Karriereende nach. Und es sei schon lange klar, so Albert Breer vor einigen Wochen in der Rich Eisen Show, dass McVay seine Zukunft auch an die Pläne seiner vier wichtigsten Spieler knüpfe.

Vermögen spielt hier letztendlich aber eine tragendere Rolle, als sich manche im TV-Business zugestehen möchten. Ein Beispiel: Tony Romo, ehemaliger Quarterback der Dallas Cowboys, erhält für seine Dienste beim Sender CBS jährlich 20 Millionen US-Dollar. Sean McVay, der weitaus größerem Druck ausgesetzt ist und dessen Arbeitstage sicherlich wesentlich länger sind, bekommt für seinen Einsatz 14 Millionen US-Dollar.

Zweifellos hat McVay damit ein sicheres und vermögendes Einkommen. Aber am Sport-Olymp weckt das Salär von Romo sicher Begehrlichkeiten und ein noch höher dotiertes Angebot von Amazon soll dem Erfolgstrainer tatsächlich bereits seit letztem Februar vorliegen. 

 

Amazon will den Experten

Mit einem Knall ist Amazon in das TV-Geschäft im American Football eingestiegen. Jeff Bezos hat es sich zur Chefsache erklärt, den beliebtesten Sport der Amerikaner auf seine Plattform zu bringen. Mit dem regelmäßigen Thursday Night Football Game ist ihnen das gelungen.  

Was jedoch fehlt, ist ein ausgewiesenes Team für Moderation und Expertise. Mit Al Michaels und Kirk Herbstreit holte man im Frühjahr zwei erfahrene Recken. Doch so richtig können sie die Football-Gemeinde nicht in ihren Bann ziehen. Ein junges, frisches, noch dazu erfolgreiches Gesicht, das vor allem jungen Zuschauern das Spiel näherbringt, wäre ein Gewinn für Amazon. In dem Wissen darum, wird Bezos sein Angebot noch einmal nachgebessert haben. 

 

Jon Gruden lässt grüßen

Wenn Sean McVay eine Pause im Coaching einlegen möchte oder sogar ganz damit aufhören möchte, wäre ein Wechsel ins Fernsehen bestimmt eine gute Idee. Sein Mentor Jon Gruden ging einst denselben Weg. Zehn Jahre stand er als Cheftrainer bei den Oakland Raiders und Tampa Bay Buccaneers an der Seitenlinie. Er war 2003, wie McVay heute, der jüngste Trainer, der einen Super Bowl gewann. 

Mit 45 Jahren wechselte Gruden dann überraschend zu ESPN, wo er sogar mit einer eigenen Sendung “Grudens Quarterback Camp” aufwartete und höchste Beliebtheitswerte erzielte. Sein anschließendes Comeback 2018 nach zehn Jahren im TV möchte sich Gruden rückwirkend betrachtet sicher noch einmal überlegen. Erfolglosigkeit und eine E-mail-Affäre zwangen ihn vor einem Jahr zum Rücktritt. Seine Karriere vor der Kamera ist seitdem auch vorbei. 

Sollte McVay also tatsächlich keine Motivation im Coaching finden, könnte er auf den Pfaden seines Mentors wandeln und ebenfalls in die Sportberichterstattung wechseln. Ein gutes Angebot von Amazon liegt vor, andere Sender sind aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls an seiner Verpflichtung interessiert und sein früherer Chef Gruden kann für diesen Schritt nur als positives Vorbild dienen. 

 

Zukunft der Rams

Momentan stehen die Los Angeles Rams bei 4-9. Um noch in die Playoffs zu gelangen, müssten sie alle verbleibenden vier Spiele gewinnen und die Konkurrenz mindestens drei von vier Begegnungen verlieren. Die Hoffnungen beruhen hier also eher auf mathematischen Rechenspielen. 

Aaron Donald verweigert derzeit ein Bekenntnis, weitere Jahre NFL Football zu spielen. Matthew Stafford ist verletzt und seine Ehefrau scheint wenig begeistert von dem Gedanken zu sein, dass ihr Ehemann noch ein paar Jahre dranhängt. Kürzlich forderte sie die NFL in einem Instagram Post dazu auf, mehr zum Schutz der Spieler zu tun. 

 

Unter Berücksichtigung, dass die Stafford-Familie bereits eine schwere Erkrankung von Ehefrau Kelly durchgemacht hat, stehen die Chancen gut, dass sie ihren Mann tatsächlich vom Karriereende überzeugen kann. 

Die Baustellen im Team werden damit beim ohnehin derzeit erfolglosen Team größer. Im nächsten Draft fehlt noch dazu der Erstrundenpick, den die Rams seinerzeit für Stafford an die Detroit Lions überwiesen haben. In Sachen Cap Space, der von der NFL auferlegten Gehaltsobergrenze, liegen die Rams aktuell sogar im Minus. Sie müssten damit Verträge auflösen, statt neue Spieler zu verpflichten. 

Keine rosigen Aussichten also für McVay. Eine Karriere als TV-Experte scheint aktuell lukrativer zu sein, als einen jahrelangen Übergang zu begleiten, bis das Team wieder vorne mitspielen kann. Die Rams haben alle Chips in die Mitte des Tisches gelegt und den Super Bowl gewonnen. Jetzt will ihr Trainer sich auszahlen lassen und tauscht allem Anschein nach die Trainerbank mit der Kommentatorenbox. Dem Sport bleibt der junge Coach damit erhalten und wer weiß, in ein paar Jahren zieht es ihn vielleicht wieder in seinen alten Job, sofern das Angebot stimmt. 

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
Instagram - https://www.instagram.com/draftnerd/
Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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