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NFL - National Football League

Sind die Philadelphia Eagles "for real"?

Normalerweise marschiert Jalen Hurts bei den Philadelphia Eagles vorneweg. Credit: Imago Images / USA Today Network / Mark J. Rebilas

Vor ihrem NFC East Schlager grüßen die Philadelphia Eagles und die Dallas Cowboys fröhlich grinsend aus der Spitzengruppe der NFL. Beide Teams haben über weite Strecken der aktuellen Saison überzeugt und gerade die ungeschlagenen Eagles gelten für viele als das derzeitige Nonplusultra der Liga. Nur wie stark sind die Adler um Jalen Hurts wirklich?

Fünf spannende Wochen ist die neue NFL-Saison gerade einmal alt, was lang genug war, damit sich fast jedes Team der Liga zumindest eine Niederlage ins eigene Fahrtenbuch eintragen musste. Manche kamen aus dem Kritzeln sogar gar nicht heraus, selbst einige Favoriten blickten bereits mehrfach am Spielende in die Röhre. Die Adleraugen einer Mannschaft halfen ihr allerdings bisher dabei, eine ganz klare Sicht zu behalten und mit weißem Federkleid durch ihren bisherigen Spielplan zu segeln. Die Rede ist von den Philadelphia Eagles.

Ungeschlagene Eagles momentaner NFL-Primus

Die Truppe von Head Coach Nick Sirianni ist noch ungeschlagen und geht nicht zuletzt deshalb kommenden Sonntag als leichter Favorit in das mit Hochspannung erwartete NFC East Divisionsduell mit den Dallas Cowboys, die mit nur einer Niederlage selbst ziemlich gut dastehen. Ganz überraschend kommt der Höhenflug der Eagles nicht, schließlich rüsteten sie ihren Kader wie kaum ein anderes NFL-Team auf und fanden mit A.J. Brown, Haason Reddick oder auch C.J. Gardner-Johnson perfekt in ihr System passende Unterschiedsspieler auf entscheidenden Positionen. Nichtsdestotrotz ist gerade die zeitweilige Dominanz, mit der das Team aus der „City of Brotherly Love“ agiert mehr als bemerkenswert.

Was genau aber macht die Eagles in der Frühphase der NFL-Saison so stark? Zunächst einmal punktet Philadelphia mit bestechender Balance. Ihr Angriff verbucht die fünftmeisten Punkte der NFL und die Defense lässt lediglich 17,6 gegnerische Punkte zu, womit sie in dieser Kategorie auf Rang Sieben rangieren. Top Ten Scoring Offense und Defense sind das eine, aber auch in Sachen Yards haben sich beide Units der Eagles ein zeitweiliges Nest in den Top Fünf der NFL gebaut. Das eigene Passspiel brilliert vor allem bei tiefen Bällen (Rang Eins bei Yards pro Pass), wobei die Verteidigung ganz besonders die langen Pässe der Gegner einschränkt und sie bei nur fünf Yards pro Versuch hält.

Offensiv definiert sich Philadelphia primär über sein starkes Run Game, mit 37,2 Rushes pro Partie laufen die eigentlich flugaffinen Vögel so viel wie keine andere Mannschaft der NFL. Runningback Miles Sanders profitiert von der Laufstärke seines Quarterbacks Jalen Hurts im Option-System und findet hinter einer hervorragend besetzten Offensive Line stetig große Lücken. Jene Line war zuletzt an mehreren Stellen angeschlagen, unter anderem fehlte Left Tackle Jordan Mailata mit einer Schulterverletzung, womit in dieser Hinsicht eventuell sogar noch Luft nach oben ist.

Vielseitige Eagles setzen auf starken Jalen Hurts

Die gute Protection und das Laufspiel schaffen perfekte Bedingungen für die Play Action der Eagles, mit welcher sie regelmäßig ihre Wide Receiver in tiefe Freiräume bekommen. Talentierte Jungs wie A.J. Brown und DeVonta Smith, die beide in Richtung 1000-Yard-Saisons unterwegs sind, wissen diese durchaus zu nutzen. Gleichzeitig hat sich Jalen Hurts bei seinen langen Bällen merklich gesteigert und bringt sie mit weitaus besserer Quote an den Mann, als dies noch in der vergangenen NFL-Saison der Fall war.

Jedes Märchen über den fulminanten Saisonstart der Eagles kommt eh nicht ohne ihren Signal Caller als schillernden Helden aus. Der 1,85 Meter große Quarterback hat sich in seinem dritten Ligajahr deutlich weiterentwickelt, bringt fast 68 Prozent seiner Bälle an den Mann und wächst immer mehr in die ihm angedachte Rolle des Anführers hinein. Allerdings stellen sich in Bezug auf den 24-Jährigen immer noch so einige Fragen, welche selbst die Fans des eigenen Teams alles bis dato Gesehene mit Vorsicht genießen lassen.

Denn obwohl Hurts als Passgeber einen Schritt nach vorne gemacht hat basiert sein Erfolg zum größten Teil immer noch auf seinem eigenen Laufspiel. Seine Passwerte gegen den Blitz sind miserabel und er läuft mit 13,6 Runs pro Partie sogar noch weitaus mehr als in der vergangenen Saison, wo er sich 9,2 Mal den Ball unter den Arm klemmte und lossauste. Gerade wenn es im Angriff der Eagles nicht besonders rund läuft, wie zum Beispiel über signifikante Strecken in den vergangenen beiden Partien gegen Jacksonville und Arizona, besinnt sich Hurts auf seine größte Stärke in Form seiner kräftigen wie flinken Beine. Verständlicherweise.

Langzeiteffektivität von Jalen Hurts bleibt ein Fragezeichen

Historisch gesehen ist Hurts‘ Herangehensweise aber keine Strategie, die in der NFL zu langfristigem Erfolg führt. Selbst bis ins kleinste Detail konzipierte und mit exorbitant explosiven Spielern besetzte Rushing Attacks wie beispielsweise die der Baltimore Ravens in den vergangenen Jahren scheitern in den Playoffs an ihrer eigenen Philosophie, wenn ihr jeweiliger Quarterback gezwungen ist, primär mit seinem Arm in engeren Fenstern Yards zu generieren. Zudem muss man trotz seines massigen, komplett durchtrainierten Körpers einen gewissen physischen Verschleiß beim nicht gerade großgewachsenen Hurts über die gesamte NFL-Saison befürchten.

Abgesehen von der langfristigen Belastbarkeit ihres Quarterbacks lässt noch eine weitere Tatsache den guten Start der Eagles zumindest in Perspektive setzen. Denn mit den Cardinals, Commanders, Jaguars und Lions hatten die Adler bisher vier Mannschaften vor den Fängen, die zusammen gerade einmal sechs Siege eingefahren haben. Einzig der überzeugende Sieg daheim gegen Minnesota ist für Philadelphia aus Makrosicht ein echte Kerbe im Kantholz der eigenen Ligaposition, wobei selbst die Vikings von vielen nicht wirklich als das stärkste Team mit vier Siegen eingeschätzt werden.

Entschuldigen müssen sich die Eagles aber natürlich für gar nichts, am Ende sind sie nicht nur an den schlechten Bilanzen ihrer bisherigen Gegner beteiligt, sie können letztlich auch nur die Mannschaften bespielen, die ihnen vor die Nase flattern. Und das tun sie bisher ohne Fehl und Tadel. Das Duell mit ihren Erzrivalen beim kommenden Sunday Night Game werden aber sicherlich viele in der NFL mit ganz besonderem Interesse verfolgen, nicht zuletzt, um zu sehen, wie stark die Eagles denn im Moment wirklich sind.

"For real" ist ihre Bilanz derzeit auf jeden Fall, wie es mit ihren Titelchancen aussieht muss man allerdings erst einmal abwarten.

 

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Über den/die Autor/in
Moritz Wollert
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Moritz Wollert schreibt für TOUCHDOWN24 u.a. über die NFL. Für das monatliche Print-Magazin schreibt er u.a. die NFL History Artikel

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