HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

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Rams und Titans krönen bei Sunday Night Football verrückten NFL-Spieltag

Julio Jones denkt sich derzeit bestimmt, dass sein Wechsel nach Tennessee gar keine so schlechte Entscheidung war. Julio Jones denkt sich derzeit bestimmt, dass sein Wechsel nach Tennessee gar keine so schlechte Entscheidung war. Imago Images / Icon SMI / Chris Williams
Das NFL Sunday Night Football Game ließ die Tennessee Titans in der Week Nine nach Los Angeles reisen und sie mussten sich ohne ihren Superstar-Runningback Derrick Henry mit den Rams auseinandersetzen. Der Rest des NFL Sonntags war dazu gespickt mit verrückten Ergebnissen, unvorhergesehenen Upsets und so manchem Weckruf für Mannschaften aus der Favoritenriege. Es schien, als wollte die Liga alle Fans mal wieder daran erinnern, was das allseits beliebte Motto "any given Sunday" bedeutet!

"Remember The Titans" mit Neuauflage bei Sunday Night Football

Ein paar Fakten über die derzeitige Lage der Tennessee Titans: Sie haben ihren Superstar Derrick Henry an eine schwere Verletzung verloren, die große Offseason-Verpflichtung Julio Jones hat eigentlich wenn überhaupt nur bedingt gezündet und vor ein paar Wochen verlor man sogar bei den New York Jets. Diese Mannschaft, obgleich ihrer guter Bilanz, ging als glasklarer Außenseiter in das Duell mit den Los Angeles Rams bei Sunday Night Football und lieferte dennoch eine mehr als filmreife Vorstellung ab. Es ist ausgerechnet die am Saisonanfang schwache Verteidigung, die auf einmal zu einer echten Stärke für die Titanen wird.



Dieses Mal legten sie mit Matthew Stafford und den Rams eine der explosivsten Offenses der NFL an die Kette, mit Jeffery Simmons (drei Sacks) trat erneut einer der doch mehrfach vorhandenen Unterschiedsspieler in den Vordergrund und die Titans können sich sogar verschwindend geringe 197 Yards an Offensive erlauben. Tennessees zwei Interceptions liegen nur gut 20 Sekunden Spielzeit auseinander und kippen letztendlich das Spiel zugunsten Mannen aus der AFC South. Bei Los Angeles fehlte Neuverpflichtung Von Miller noch, dabei war Henry-Ersatz Adrian Peterson schon für die Titans zur Stelle und verbuchte auch direkt einen Touchdown. Es wird spannend zu beobachten sein, ob Tennessee dieses Level auf den verschiedenen Ebenen halten kann. Die NFL wird es jedenfalls in den kommenden Wochen prüfen.

Cowboys kriegen die Broncos nicht eingeritten

Mit der Rückkehr des genesenen Dak Prescott erwarteten viele auch die nächste Showeinlage einer der besten Offenses der NFL, doch am Ende gaben sich die "Wildpferde" eine gehörige Portion zu bockig für die Cowboys. Letzteren fehlt gegen eine starke Denver Defense jeglicher Rhythmus und das Feeling für die wichtigen Momente (null von vier Fourth Downs). Der junge Jonathan Cooper (zwei Sacks) macht zumindest für einen Tag Von Miller vergessen, Teddy Bridgewater passt gut auf den Ball auf und den Rest besorgten Melvin Gordon sowie Javonte Williams im Galopp.


Sam Darnolds erneute Geisterstunde in New England

Die New England Patriots basteln weiter an ihrem Image als „NFL Road Warriors“ und fahren in Carolina ihren vierten Sieg im vierten Auswärtsspiel ein. Mit einem Sack voller Gastgeschenke wartete Panthers-Quarterback Sam Darnold dabei an der Tür, die „netten“ Gesten in Form von Interceptions ließ er sich auch von Rückkehrer Christian McCaffrey nicht ausreden. Bei den Patriots dominieren abermals Defense und Laufspiel, während Rookie Mac Jones mit einem übelst unfairen "Figure Four Leglock" a la Ric Flair Brian Burns den Fuß verdreht. So mancher Pass Rusher wird diese Szene wohl im Hinterkopf behalten und mit dem Youngster demnächst von der Blindside aus einen kleinen Plausch über Sportsgeist halten.

Befreite Browns bügeln bediente Bengals

Mensch, ob Odell Beckhams Vater dieses Spiel wohl bis zum Ende geguckt hat? Die Browns und Baker Mayfield lassen das Drama um ihren Ex-Receiver hinter sich und schalten damit endlich um von Beckhams Seifenoper auf den echten Sportkanal. Dabei punkten sie mit allem, was dieses Team ausmachen kann: Gezielte Nadelstiche von Mayfield, ein hartes Ground Game mit Nick Chubb (137 Yards, 9,8 Yards pro Carry und ein Touchdown) sowie eine opportunistische Defense, für die Denzel Wards 99-Yard-Pick-Six das Highlight markiert. Cincinnati merkt dagegen, wie schnell ein Honeymoon in der NFL vorbei sein kann.

Die "Dramatischen" spielen in Baltimore das nächste Drama

Die Ravens und die Vikings einigten sich in einem spektakulären Spiel auf das jeweils dritte Overtime-Game für beide Teams in dieser NFL Saison und fügten ihrer Spielzeit damit ein weiteres unterhaltsames Kapitel hinzu. Für Minnesota hält sich der Unterhaltungswert letztendlich aber doch in Grenzen, denn Baltimores Justin Tucker kickt die Ravens aus 38 Yards in der Verlängerung zum Sieg. Ein 98-Yard-Kickoff-Return (ja, die gibt es noch) von Kene Nwangwu hatte die Vikes im dritten Viertel noch mit zwei Touchdowns in Front gebracht, dann aber schaltete Lamar Jackson in Gang Acht (266 Pass Yards, drei Touchdowns, 120 Rush Yards).


Auch zwischen den Texans und Dolphins muss es einen Sieger geben

Zeitweise glich die Partie der beiden Kellerkinder mehr einer Vorführung namens Roncalli als einem echten NFL-Spiel, mit insgesamt neun Turnovern verbuchten die Teams zusammen mehr als in jeder anderen Partie der letzten fünf Jahre. Houstons Rückkehrer Tyrod Taylor leistet mit drei Picks einen ordentlichen Anteil, sein Gegenüber Jacoby Brissett war kaum besser. Für die Dolphins, die auf den mal wieder verletzten Tua Tagovailoa verzichten mussten, sind Rookie-Receiver Jaylen Waddle (83 Receiving Yards) und die muntere Defense um Emmanuel Ogbah (2,5 Sacks) immerhin noch Lichtblicke.

Falcons spüren plötzlich Wind unter den Flügeln

Nachdem sie lange gesucht hatten fanden die Saints um ihren Backup Trevor Siemian im vierten Viertel doch noch irgendwo in der Tasche etwas von der Emotionalität der letzten Woche und flogen engelsgleich an den verdutzten Falcons vorbei. Irgendwie hatte Rookie-Corner Paulson Adebo aber im Video-Studium wohl geschlafen und ließ Allzweckwaffe Cordarelle Patterson über rechts laufen. Kurz darauf durfte dann Younghoe Koe seinen nächsten Game Winner über die Torstangen ballern. Besonders ärgerlich für New Orleans: Sie verpassten zwei Two-Point-Conversions, was bei einer Niederlage mit zwei Punkten ziemlich quer im Magen liegen dürfte.

Buffalo Bills blamieren sich in Jacksonville

An der Tatsache, dass Josh Allen der Star dieses Spiels war, gab es für die Buffalo Bills direkt zwei Haken. Erstens war es nicht ihr eigener Josh Allen, der zum MVP der Partie avancierte, sondern der Top-Linebacker der Jaguars (8 Solo Tackles, ein Sack, eine Fumble Recovery und eine Interception). Und zweitens erwischte ihr Josh Allen, die Quarterback-Version, einen rabenschwarzen Tag gegen eine Mannschaft, die er eigentlich laut Papier im Schlaf hätte dominieren sollen. Eindimensionalität, kämpferische Gastgeber und die unerklärlichen Wirren des NFL-Gottes machten es dann aber am Ende tatsächlich möglich, dass Jacksonville das vielleicht größte Upset der diesjährigen Saison einfährt.


Gebeutelte Raiders verlieren bei den New York Giants

Es wird wohl eine Zeit geben, da werden Bücher über diese turbulente Saison der Las Vegas Raiders geschrieben, leider auch mit einigen wirklich verstörenden, traurigen Kapiteln. In New York setzte es jetzt auch erstmals seit längerem wieder einen sportlichen Rückschlag für Rich Bisaccias Silver & Black. Architekten des Giants-Erfolges sind vor allem Xavier McKinney mit zwei Interceptions, ein starker Devontae Booker (99 Rush Yards) und etliche vermeidbare Fehler der Raiders, wie zum Beispiel ein verschossenes 25-Yard-Field-Goal von Daniel Carlson. Fun Fact obendrauf: Mit dieser Niederlage konnten die Raiders nur drei ihrer letzten 19 NFL-Spiele nach der Bye Week gewinnen. Autsch!

Angeschlagene Cards gewinnen bei den 49ers

Wenn sich irgendjemand in der NFL nach ihrer ersten Niederlage Sorgen um die Arizona Cardinals gemacht hat, der kann jetzt wieder beruhigt schlafen. Einen besseren Beweis für die eigene Qualität als ein Sieg mit Texas Legend Colt McCoy hinter dem Center gibt es kaum, noch dazu in einem Division-Duell gegen eigentlich verzweifelte 49ers und mit weiteren argen Verletzungssorgen. Die Gegner schießen sich mit zwei kostspieligen Fumbles von George Kittle und Brandon Aiyuk selbst in den Fuß und haben damit einem stark aufgelegten Cardinals-Ground-Game (163 Yards, drei Scores) nur bedingt etwas entgegenzusetzen. Besonders James Conner gefiel mit einem fulminanten Mix aus toughen Rush Yards sowie Raumgewinn nach dem Catch (173 All Purpose Yards, drei Touchdowns).

Herbert bringt die Chargers wieder in die Spur

NFL-Shooting-Star Justin Herbert war im Spiel gegen die Philadelphia wieder weitestgehend der „Alte“ (32 von 38 Pässen an den Mann, 356 Yards, zwei Touchdowns), womit die wichtigste Komponente im Plan der Los Angeles Chargers wieder an seinem Platz war. Auch Philly hatte seine Momente mit dem Ground Game (176 Rush Yards) und dank Rookie DeVonta Smith (fünf Catches, 116 Yards plus Touchdown), fährt aber letztendlich doch die vierte Heimpleite in ebenso vielen Spielen ein.

Jordan Love gegen Patrick Mahomes in Defense-Schlacht

Nicht viel passt besser zum doch insgesamt ziemlich bizarren NFL-Sonntag der Week Nine als dass eine Partie zwischen den Green Bay Packers und den Kansas City Chiefs in einem defensiven Struggle mündet. Ein Impfverzicht, das Grün hinter Jordan Loves Ohren und der riesenhafte Sprung in der derzeitigen Offensivplatte von Andy Reids Jungs sorgen dann aber genau für diese Art von Schlagabtausch. Nicht zu vergessen natürlich die beiden Defensivreihen, die sich an diesem Tage ihren Gamecheck aber mehr als verdienten (insgesamt nur 538 Yards Offense). Letztendlich mühen sich die Chiefs zu einem Sieg, den Patrick Mahomes mit einem Vintage Patrick Mahomes Throw knapp zwei Minuten vor Schluss zu Tyreek Hill dingfest macht.

Wer ist für Euch der Star der verrückten Woche Neun in der NFL?
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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