Tritt Kyler Murray in die Breakout-Fußspuren von Josh Allen? Tritt Kyler Murray in die Breakout-Fußspuren von Josh Allen? IMAGO / Icon SMI

Overtime – Wer wird der nächste Josh Allen?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  01.06.2021
Josh Allens Aufstieg zu einem der besten Quarterbacks in seinem dritten Jahr in der Liga kam nicht nur einigermaßen überraschend, sondern könnte vielen jungen Signalcallern in der Zukunft zu zweiten oder dritten Chancen verhelfen, da General Manager nicht das möglicherweise entscheidende Breakout-Jahr ihres jungen Franchise-Quarterbacks verpassen wollen. Heute werfe ich in meiner Kolumne einen Blick auf zwei Spieler, die das Potenzial haben, 2021 einen Breakout à la Allen hinzulegen: Kyler Murray und Daniel Jones.


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Sowohl Murray als auch Jones gehen in ihre dritte Saison in der NFL und sind ihren Welpenschutz in der Liga langsam, aber sicher los. Die Cardinals respektive Giants erwarten 2021 einen deutlichen Schritt nach vorne von ihren Franchise-Gesichtern.

Kyler Murray steht vor einer "Prove-It"-Saison


Den Anfang macht Murray, der nach seiner Auszeichnung zum Offensive Rookie of the Year im Jahr 2019 bereits mit großen Erwartungen in die letzte Saison hineingegangen war. Murray legte auf einer individuellen Ebene zwar nennenswerte Entwicklungsschritte hin, doch seine Production fiel zum Ende der Saison in ein Loch und er verpasste mit den Cardinals ein weiteres Jahr die Playoffs. Damit das 2021 nicht erneut der Fall sein wird, haben die „Cards“ Murray mit dem besten Roster seiner bisherigen NFL-Karriere umgeben.

Mit Veteran A.J. Green und Rookie Rondale Moore kamen gleich zwei Waffen zu einem Receiving-Corps hinzu, das mit Superstar DeAndre Hopkins und Christian Kirk bereits gut besetzt war. Meiner Meinung nach noch wichtiger war aber die Verpflichtung von Rodney Hudson, dem langjährigen Center der Las Vegas Raiders. Hudson ist ein massives Upgrade zu Mason Cole, der im Vorjahr die zweitmeisten QB-Pressures (23) im Team erlaubte. Mit seiner Erfahrung wird er der gesamten Cards-Offense direkt weiterhelfen können.

Wie wichtig gute Anspielstationen und eine solide Offensive-Line für einen jungen Quarterback sind, kann gar nicht oft genug betont werden. Selbst ein transzendentes Talent wie Patrick Mahomes kann nicht funktionieren, wenn die Protection um ihn herum zusammenbricht – dafür müssen wir uns nur den letzten Super Bowl anschauen.

Steigerung im Intermediate-Bereich wichtig


Auf einer individuellen Ebene hat das zweite Jahr von Murray in der Liga Hoffnung auf mehr gemacht, gerade in zwei Bereichen: Erstens konnte Murray seine Sack-Quote von 8,1 Prozent als Rookie um beinahe die Hälfte drücken (2020: 4,6 Prozent), zweitens stieg seine Adjusted Completion Percentage von 74,4 auf 76,5 Prozent. Das ist kein gewaltiger Sprung, war aber auf dem Feld durchaus zu sehen. Hinzu kommt, dass Murray sein Passer-Rating aus einer sauberen Pocket heraus von 94.2 auf 104.2 steigern konnte – meiner Meinung nach ist das Play eines Quarterbacks aus einer sauberen Pocket einer der besten Statistiken, die uns zur Verfügung steht, wenn wir zukünftige Quarterback-Leistungen bewerten wollen.

Ein Punkt, an dem Murray noch dringend arbeiten muss, ist seine Genauigkeit im Intermediate-Bereich – also der Bereich 10 bis 20 Yards hinter der Line of Scrimmage. Dort leistete sich Murray 2020 zehn seiner zwölf Interceptions und hier erzielte er nur sieben seiner 26 Passing-Touchdowns. Würfe über die Mitte des Feldes sind schwieriger als an der Seitenlinie entlang – ein Bereich, in dem Murray nicht nur im Vorjahr brillierte. Hier wird es auch die Aufgabe von Kliff Kingsbury sein, Murray mit seinem Scheme offene Würfe zu kreieren.

Vielleicht würde die Verpflichtung eines großen Targets in der Mitte des Feldes helfen, um Murrays Genauigkeit im Intermediate-Bereich zu heben. Ex-Eagles Tight End Zach Ertz wäre da ein Kandidat, der mir in den Kopf schießt. Doch zu Beginn würde es bereits reichen, wenn Murray die Interceptions über die Mitte vermeidet. Denn als Runner ist der 23-Jährige nach wie vor ein unberechenbares Problem für eine Defense. Murray hat definitiv das Potenzial, sich 2021 unter die besten zehn Quarterbacks zu spielen.

Kann Daniel Jones endlich sein Potenzial abrufen?


So weit ist Jones noch nicht. Der Quarterback der New York Giants hat in seinen ersten beiden Karrierejahren gute Ansätze gezeigt, führte die Liga über diesen Zeitraum aber auch in Turnovern (17 Fumbles, 22 Interceptions) an und hat in 27 Spielen ganze 83 Sacks eingesteckt. Das sind eindeutig zu viele Fehler, die selbst einem Rookie beziehungsweise Sophomore in diesem Ausmaß nicht zugestanden werden müssen. Warum denke ich dann, dass Jones 2021 einen klaren Schritt nach vorne machen kann?

Nun, da wäre zunächst einmal die Tatsache, dass Jones 2020 in die Riege der besten Deep-Ball-Passer aufgestiegen ist. Laut der „Next Gen Stats“ von NFL.com hatte Jones 2020 die höchste CPOE (completion percentage over expectation) bei Deep-Balls aller Starting-Quarterbacks. Ganze 14,8 Prozent mehr von Jones' tiefen Pässen kamen an, als es das Modell erwarten würde. Im Vorjahr stand an dieser Stelle noch ein Wert von -4,9 Prozent. Jones' Steigerung um fast 20 Prozentpunkte unter dem neuen Head Coach Joe Judge war die mit Abstand größte in der gesamten Liga.

Das Problem: Jones warf das Ei nur 39 Mal tief das Feld hinunter – zum Vergleich: Spitzenreiter Tom Brady warf ganze 83 Mal tief. Teils hatte das damit zu tun, dass die Giants im Vorjahr einfach keine verlässliche Deep Threat hatten. Das hat sich spätestens mit der Ankunft von Kenny Golladay in der Free Agency und Erstrundenpick Kadarius Toney im Draft geändert. Offensive Coordinator Jason Garrett steht nun die Geschwindigkeit zur Verfügung, die er braucht, um Jones' Deep-Ball 2021 endlich richtig auf die Liga loszulassen.

Wird die Offensive Line Stand halten?


Die einzige Frage, die sich bei diesem Plan stellt, ist: Kann die O-Line der Giants dem höheren Druck durch tiefere Dropbacks Stand halten? Hier habe ich große Bedenken. Die Giants erlaubten im Vorjahr prozentual per Dropback die zweitmeisten Pressures (40 Prozent) aller Teams, während Pro Football Focus (PFF) das Pass-Blocking der Giants in seinem eigenen Rating-System gar als schlechtestes der Liga bewertete. In Sachen Passing-Grade unter Druck lag Jones laut PFF 2020 auf Rang 29, war seine Pocket aber sauber, schoss sein Ranking in die Höhe (Rang 12 in 2020).


Kurzum: Hatte Jones Zeit, seine Bälle an den Mann zu bringen, war er 2020 ein überdurchschnittlicher Passer – und ein exzellenter Deep-Ball-Werfer. Dennoch haben die Giants in der Offseason wenig bis gar nichts gemacht, um ihrem jungen Franchise-Quarterback eine bessere Protection zu geben. General Manager Dave Gettleman legt seine Hoffnungen offensichtlich darin, dass der junge Kern der Line um die letztjährigen Rookies Andrew Thomas, Matt Peart und Shane Lemieux einen Sprung nach vorne machen kann. Helfen sollte die Rückkehr von Tackle Nate Solder, der das letzte Jahr von seiner Opt-Out-Option Gebrauch machte.

Es ist definitiv eine riskante Strategie, die New York mit seiner O-Line fährt. Sollte der junge Kern aber schnell zusammenfinden und zumindest im Mittelfeld der Liga rangieren, könnte Jones 2021 für die eine oder andere hochgezogene Augenbraue sorgen.


Was meint ihr? Wer ist für euch der nächste große Breakout-Kandidat auf der Quarterback-Position: Murray, Jones oder doch jemand ganz anderes? Schreibt uns eure Meinungen auf Instagram, Twitter oder Facebook!

 



Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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