HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Overtime – Drei Erkenntnisse aus Week 3 der Preseason

Tyler Huntley sollte den Backup-Spot bei den Ravens sicher haben. Tyler Huntley sollte den Backup-Spot bei den Ravens sicher haben. IMAGO / ZUMA Wire
Am letzten Sonntag hat auch das letzte Dutzend NFL-Teams seine Vorbereitung beendet. Im Normalfall sehen wir in der finalen Preseason-Woche kaum mehr Starter auf dem Feld, doch durch die neue 3-Wochen-Vorbereitung standen doch ein paar nennenswerte Namen auf dem Rasen – wenn auch meistens nur für einen Drive oder eine Handvoll Snaps. Das hat aber den Chiefs und Buccanneers bereits gereicht, um ihren Favoritenstatus für die neue Spielzeit nochmals zu untermauern. Währenddessen ist das Quarterback-Duell in New England offener denn je.

   

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Tyler Huntley ist Lamars idealer Backup


Doch zunächst will ich einen Blick nach Baltimore werfen, wo wir am Wochenende eine der besten Preseason-Performances der letzten Jahre gesehen haben. Es war ein spektakulärer Auftritt von Sophomore-Quarterback Tyler Huntley, der gleich fünf Touchdowns auf den Rasen zauberte – vier durch die Luft, einen am Boden. Huntley hat mir bereits auf dem College in Utah gut gefallen und es war eine kleine Überraschung, als er im Vorjahr erst als Undrafted Free Agent verpflichtet wurde.

Huntley ist durch seine Spielweise und Athletik der perfekte Backup für den ehemaligen MVP Lamar Jackson. Er hat für die Ravens damit immensen Wert, da John Harbaugh und Co. ihre Offense selbst bei einer Verletzung ihres Superstars nicht allzu sehr ändern müssten. Daher würde es mich auch überraschen, wenn sich Huntley in der letzten Woche vor Saisonstart noch einem neuen Team anschließen würde – hier müsste es sich schon um ein unmoralisches Angebot handeln.

Überschattet wurde Huntleys Monster-Performance leider von schlimmen Nachrichten: Nach einem Screen-Pass von Jackson verdrehte sich Runningback J.K. Dobbins die Beine und musste vom Feld getragen werden. Mittlerweile ist klar, dass sich Dobbins dabei das Kreuzband riss und die ganze Saison ausfällt. Ein schwerer Schlag für die Ravens, die bereits auf Rookie-Wideout Rashod Bateman verzichten müssen und wohl nur versuchen, so heil wie möglich in das erste Spiel gegen die Raiders im Monday Night Football zu kommen.

Chiefs und Bucs schon wieder in Titelform


Wer dachte, dass Patrick Mahomes und Tom Brady den Start in die neue Saison erst einmal locker angehen lassen, sah sich bereits eine Woche vor dem Start der Regular Season getäuscht. Mahomes und seine Chiefs zerlegten die Vikings-Defense im ersten Viertel nach Strich und Faden und gingen schnell mit 14:0 in Führung. Das Highlight dabei: Eine 35-Yard-Touchdown-Bombe von Mahomes zu Tyreek Hill – nichts Neues also vom besten Spieler der Liga. Die Vikings kamen mit den Backups zwar nochmal heran, am Ende siegt Kansas City aber mit 28:25.


Ähnlich gut wie die Chiefs präsentierte sich der amtierende Super-Bowl-Champion aus Tampa Bay. Tom Brady spielte gegen die Houston Texans auf, als ob er 24 und nicht 44 wäre: Er brachte 11 seiner 14 Pässe für 154 Yards an den Mann, darunter ein wunderschöner Touchdown-Pass zu Chris Godwin, der ebenfalls bereits in Frühform scheint (3 Rec., 84 Yds.). Im Anschluss übernahm Rookie Kyle Trask und konnte nach bisher durchwachsenen Auftritten in der Preseason das erste Mal so richtig überzeugen (12/14, 146 Yds., TD).

Damit haben die Chiefs und Bucs ihre Favoritenrolle in der jeweiligen Conference bereits eindrucksvoll untermauert. Währenddessen zeigte Texans-Rookie David Mills eine wilde Vorstellung, warf zwei Touchdowns, leistete sich aber auch drei Picks. Es ist eindeutig, dass er noch nicht weit genug ist, um als Starter in die Saison zu gehen. Sollte sich im Drama um Deshaun Watson also nichts mehr tun (Trade oder Liga-Entscheidung), wird Tyrod Taylor das Team in die Saison führen. Die Texans sollen bereit sein, Watson die ganze Saison im 53-Kader zu führen und ihn nicht einmal zu aktivieren, um ihn in diesem Sommer nicht unter Wert zu traden.

Jones macht weiter Druck auf Newton


„Ich hab heute viele Jungs gesehen, die um ihren Job spielen“, sagte Bill Belichick nach dem 22:20-Erfolg seiner Patriots im letzten Vorbereitungsspiel gegen die Giants. Das betrifft zwar in erster Linie alle Spieler, die bis zum morgigen Dienstag um 22 Uhr um ihren Kaderplatz im 53er-Roster kämpfen müssen (hier könnt ihr das Geschehen zum Beispiel verfolgen), aber auch Mac Jones und Cam Newton – denn das Duell der beiden Quarterbacks ist offener denn je. Und die Tatsache, dass dem so ist, hat meiner Meinung nach einzig und allein mit Newton zu tun.

Früh in der Offseason schien es so, als habe Newton einen klaren Vorsprung vor Jones. Er erhielt die ersten Snaps, ob im Training oder im Spiel und bekam öffentliche Unterstützung seiner Coaches. Im Laufe der Vorbereitung konnte Jones die Lücke zu dem ehemaligen MVP aber immer weiter schließen, und das hatte zwar auch, aber nicht allein, mit Leistung zu tun. „Availability is the best ability“ (zu Deutsch etwa: Verfügbarkeit ist die wichtigste Fähigkeit), sagt ein altes Sprichwort in der NFL und das könnte Newton zum Verhängnis werden.

Der 32-Jährige ist nämlich noch nicht geimpft und das bedeutet: Newton kann gemäß der Covid-19-Regeln der NFL als „Close Contact“ einer infizierten Person vom Training ausgeschlossen werden, wie es bereits vergangene Woche passierte. Diese Zeit nutzte Jones, um alle Snaps mit den Startern zu nehmen und seine Coaches laut Berichten in den USA massiv zu beeindrucken. So hat Newton Jones eine Tür geöffnet, die es andernfalls vielleicht gar nicht gegeben hätte.

Dennoch ist es auch noch nicht Jones' Job. Wenn Newton in der Preseason auf dem Feld stand (wie in Woche 2 gegen die Eagles), konnte er durchaus überzeugen. Er bringt mehr Erfahrung mit und ist, wie Jones auch, ein natürlicher Leader-Typ. Die Statistiken der beiden Konkurrenten in der Vorbereitung halten sich die Waage, letztlich ist es für Belichick die Qual der Wahl. Ich denke, am Ende wird es zunächst einmal Newton werden, doch bereits die kleinste Schwäche – ob sportlich oder pandemisch – könnte den Ausschlag für Jones geben.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.
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