HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Overtime – Drei Erkenntnisse aus Week 2 der Preseason

Tua Tagovailoa scheint bereits gut in Form zu sein. Tua Tagovailoa scheint bereits gut in Form zu sein. IMAGO / ZUMA Wire
Woche 2 der Preseason war in diesem Jahr ein wenig anders – dadurch, dass es nur noch drei Vorbereitungsspiele gibt, entschieden sich viele Teams dafür, ihren Startern mehr Snaps zu geben als es sonst in Week 2 üblich ist. Die Jahre zuvor war die dritte Woche der Vorbereitung meist die Zeit für Fans, um genauer hinzusehen, wenn sie ihre Idole sehen wollten. Viele Teams entschieden sich so kurz vor der Regular Season zwar dagegen, ihre Star-Player dem Verletzungsrisiko auszusetzen, dennoch gab es einige spannende Storylines, die wir auch in den kommenden Tagen im Auge behalten sollten.

  

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Tua dominiert – und festigt seine Rolle als Starter


„Verbesserungen im Receiving-Corps“ stand auf der Prioritätenliste der Dolphins in der Offseason ganz oben und diesen Punkt sind die „Fins“ mit Will Fuller und Erstrundenpick Jaylen Waddle auch optimal angegangen. Das große Fragezeichen vor dieser Spielzeit war eher Sophomore-Quarterback Tua Tagovailoa, der in seiner Rookie-Saison viel Licht und Schatten zeigte. Nur mit einem Tua in Bestform werden die Dolphins in einer starken AFC ein Wörtchen mitreden können, das weiß in South Beach jeder.

Der erste Eindruck konnte sich direkt sehen lassen: Tua spielte am Samstag gegen die Falcons eine dominante erste Halbzeit und führte Miami in seinen ersten zwei Possessions zu Touchdowns. Dabei brachte er alle seiner acht Pässe im ersten Viertel an den Mann. Runningback Myles Gaskin schloss die erstklassigen Drives jeweils mit kurzen Runs ab, Tua kam letztlich auf 183 Passing-Yards bei 16/23 Versuchen und ein Passer-Rating von 107,7.


Klar, es waren „nur die Falcons“ und es war auch „nur die Preseason“. Dennoch kann Tua aus diesem Spiel viel Positives mitnehmen. Er war das erste Mal richtig „in command“, er führte die Offense an und ließ keinen Zweifel daran, dass das sein Dolphins-Team ist. Die schnelleren Reads und Pässe, die Miami für ihn callte, schienen ihm deutlich mehr Selbstvertrauen zu geben. Es bleibt abzuwarten, wie sich der 23-Jährige in der Regular Season gegen bessere Defense-Reihen schlägt, aber Dolphins-Fans dürfen der Saison nach Samstag mit Zuversicht entgegenblicken.

Der Himmel ist die Grenze für Zach Wilson


Anders als die Chicago Bears, die weiterhin darauf beharren, mit Andy Dalton statt Justin Fields als Starter in die Saison zu gehen, haben die Jets von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass Zach Wilson ihr Starter von Tag 1 an ist. Der Nummer-2-Pick musste nicht von einem Veteran-Quarterback gepusht werden oder sich den Job verdienen – er wurde nicht ohne Grund so hoch gedrafted. Die Jets wollen ihm so früh wie möglich so viele Snaps wie möglich geben, um möglichst schnell mit der Offense vertraut zu sein.

Waren die Resultate nach Woche 1 der Preseason noch gemischt, zeigte Wilson gegen die Green Bay Packers am Wochenende alle Eigenschaften, die ihn zum Nummer-2-Pick machten: Er demonstrierte den ein oder anderen Wurf außerhalb der Struktur der Offense, doch kreierte auch innerhalb des Systems viele Plays. Wilson brachte neun seiner elf Pässe für 128 Yards und zwei Touchdowns an den Mann bei einem fast perfekten Passer-Rating von 154,7. Ja, Wilson spielte gegen viele Backups der Packers, musste selbst aber auch auf Guard Alijah Vera-Tucker und Wideout Elijah Moore verzichten.

Nicht nur Packers-Quarterback Aaron Rodgers war von Wilsons Spiel angetan, auch Jets-Coach Robert Saleh schwärmte im Anschluss: „Er ist in seiner Entwicklung um Lichtjahre weiter als es ein normaler Rookie wäre.“ Da auch Free-Agent-Verpflichtung Corey Davis bereits voll angekommen scheint, könnte uns die Jets-Offense schneller mit Highlight-Plays verwöhnen, als es viele vor der Saison gedacht haben.

War Nagy das Problem bei Trubisky?


Es war das erste „Revenge“-Game der neuen Saison – und das bereits in der Preseason. Nach seiner letztlich enttäuschenden Zeit in Chicago kehrte Mitchell Trubisky als Backup der Buffalo Bills in die „Windy City“ zurück und nahm seine alten Teamkollegen mal so richtig auseinander. Er brachte beim 41:15-Blowout-Sieg der Bills 20 seiner 28 Pässe für 221 Yards und einen Touchdown an den Mann, während sein Replacement Justin Fields hinter einer löchrigen O-Line um sein Leben lief.

Trubiskys Mega-Performance wirft Fragen auf: Wieso konnte Bears-Coach Matt Nagy dieses Potenzial nur so selten aus dem 27-Jährigen herausholen? Ja, es war nur die Preseason, aber Trubisky schien sich in Brian Dabolls Offense bereits viel wohler zu fühlen als in all den Jahren in Nagys System. Lag die Schuld für Trubiskys Versagen in Chicago vielleicht eher beim Coach als beim Spieler? Diese Fragen kann letztlich nur die Zeit beantworten.

Fakt ist, dass Nagy mit der Art und Weise, wie er die Quarterback-Situation in Chicago handelt, bereits wieder in der Kritik steht. Das ging sogar so weit, dass Bears-Fans am Wochenende den designierten Starter Andy Dalton auspfiffen – eine Aktion, die Fields später scharf verurteilte. Während der Druck auf Nagy von Tag zu Tag zunimmt, sah Trubisky wie der Quarterback aus, den sich die Bears lange erhofften. Vielleicht war es nur eine Momentaufnahme, doch ich kann mir gut vorstellen, dass Trubisky 2022 noch einmal irgendwo einen Shot als Starter bekommt.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.
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