Jaelon Darden ist einer meiner Sleeper im NFL Draft 2021. Jaelon Darden ist einer meiner Sleeper im NFL Draft 2021. IMAGO / ZUMA Wire

Overtime – Die größten Sleeper im NFL Draft 2021

geschrieben/veröffentlicht von/durch  27.04.2021
Was die Aufgabe als Scout im NFL Draft 2021 und in jedem anderen Jahr so aufregend macht, ist die Möglichkeit, nach der ersten oder zweiten Runde echte Rohdiamanten zu finden, die niemand sonst auf der Rechnung hat. Spieler, die vielleicht noch nicht zu 100 Prozent für die Liga bereit sind, aber sich mit dem richtigen Training zu absoluten Superstars entwickeln können. Für solche Akteure hat sich im amerikanischen Sprachgebrauch der Begriff „Sleeper“ etabliert.
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Unten findet ihr eine Liste von Spielern, die, aus verschiedenen Gründen, noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient haben – oft, weil sie jahrelang auf kleineren Colleges und gegen schwächere Konkurrenz gespielt haben. Sie versuchen, mit diesen Vorurteilen klarzukommen und einen Weg einzuschlagen, den schon viele sogenannte Sleeper vor dem Draft gegangen sind.

Aus dem Kopf heraus fallen mir da direkt einige Namen ein: Quarterback Gardner Minshew von Washington State im NFL Draft 2019 zum Beispiel oder Runningback Kareem Hunt von Toledo 2017. Die Liste ließe sich noch viel länger fortsetzen (Cooper Kupp 2017, Ali Marpet 2015, …), aber die Grundidee ist klar. Hier sind meine Top-5-Sleeper für den NFL Draft 2021:

 

Jamin Davis, Linebacker, Kentucky


Es gibt kaum einen größeren Gewinner der letzten Tage und Wochen als Davis. Der athletische Freak ist die Draft-Boards hochgeschossen und wird nun teilweise schon an Position 19 zum Washington Football Team gemockt. Die Aufmerksamkeit verschaffte sich Davis am Pro Day seines Colleges: Er lief im 40-Yard-Dash eine unglaubliche Zeit von 4,37 Sekunden, die zwar nachträglich noch auf 4,49 Sekunden geändert wurde, aber trotzdem: Es war einer der besten Werte aller Linebacker.

Im Hochsprung stellte Davis einen neuen Rekord auf, auch seine Werte bei anderen körperlichen Disziplinen waren „off the charts“, wie der Amerikaner sagen würde. Davis ist ein klassischer Sideline-to-Sideline-Verteidiger, aber dennoch solide in Coverage und ein starker Blitzer. Viele Scouts vergleichen ihn bereits mit Darius Leonard von den Colts - der „Maniac“ zählt heute zu den Top-3-Linebackern ligaweit. Davis könnte durchaus als zweiter Linebacker nach Micah Parsons vom Board gehen.

Jaelon Darden, Wide Receiver, North Texas


Es gibt kaum einen Receiver im NFL Draft 2021, der mit dem Ball in der Hand gefährlicher ist, als Darden. Wer sich das Tape des Speedsters anschaut, sieht schnell, warum Darden vor allem in Fantasy-Kreisen bereits einen kleinen Hype ausgelöst hat. Sein Speed ist Tyreek Hill-esque, im offenen Feld ist er nicht mehr zu stoppen. Laut Pro Football Focus (PFF) brach Darden 2020 23 Tackles, Spitzenwert unter allen College-Receivern.

Sein 40-Yard-Dash von 4,46 Sekunden war zwar (gemessen an den Erwartungen) eine kleine Enttäuschung, aber seine Agilität ist unbestritten. Darden wird in der NFL wohl hauptsächlich als Gadget-Spieler und im Slot eingesetzt werden. Ich bin sicher, dass es spätestens früh am dritten Tag ein Team geben wird, das auf das Upside des Wideouts wettet. Das schreibt unser „DraftNerd“ Philipp Forstner in seinem Sonderheft zu Darden:

„Er braucht ein Team, das fehlende technische Fähigkeiten beiseite legt, weil es einen klaren Plan hat, ihn perfekt zu seinem Skill Set einzusetzen. Dann wird Darden wesentlich früher gedraftet, als es ihm die meisten Scouts zutrauen."

Aaron Robinson, Cornerback, Central Florida


„Robinson ist ein vielseitiger Verteidiger, der sowohl in Man- als auch in Zone-Coverage spielen kann und die Run-Defense eines Teams sofort verbessern wird. Er ist ein sehr physischer Spieler mit schneller Beinarbeit und ausreichender Athletik“. Das schreibt Joe Marino von der Webseite TheDraftNetwork zu Robinson, der ursprünglich bei den Alabama Crimson Tide spielte, aber seiner College-Karriere bei Central Florida den passenden Schliff gab.

Mit einer Größe von 1,85 Metern und einem Gewicht von 87,5 Kilogramm hat er optimale Maße für einen modernen Nickelback in der NFL. Robinson hat nicht die Ball-Skills, die einige der großen Namen vor ihm (Patrick Surtain, Caleb Farley, Greg Newsome) haben, sonst wäre er ein sicheres Erstrundentalent. Teams bekommen aber hohes Upside mit Robinson – Grund genug für mich, dass er an Tag Zwei von der Bühne geht.

 

Drew Himmelmann, Offensive Tackle, Illinois State


Himmelmann ist ein Akteur aus der Kategorie „Deep Sleeper“, der sich erst vor kurzem zum Draft angemeldet hat, da er noch im Frühling für Illinois State in der FCS, der NCAA Division I, gespielt hat. Himmelmann hat eine extrem beeindruckende Statur: Er ist 2,08 Meter groß und wiegt fast 143 Kilogramm. Diese Hammermaße bringen gleichermaßen Vor- und Nachteile mit sich:

Einerseits hat Himmelmann natürlich die Spannbreite eines Adlers und macht es Defendern schwer, an ihm vorbeizukommen. Andererseits können Verteidiger nahe an ihn herankommen und ihn dank der Hebelwirkung überpowern. Himmelmann ist ein Mann für den dritten Tag des Drafts und könnte sogar undrafted gehen. Es ist aber extrem wahrscheinlich, dass ein Team von seinem Upside gelockt wird und ihn zumindest mal ein Jahr im Practice Squad parkt.

 

Cade Johnson, Wide Receiver, South Dakota State


Kaum ein Receiver fliegt vor dem Draft am Wochenende tiefer unter dem Radar als Johnson. Das liegt in erster Linie daran, dass er mit South Dakota State für ein FCS-College spielte, deren Saison nach hinten verschoben wurde. Damit hat Johnson nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihm sonst nach über 2.500 Yards und 25 Touchdowns bei einem Catch-Durchschnitt von 18,4 Yards in den Jahren 2018 und 2019 garantiert gewesen wäre.

Johnson zeigte aber gegen starke Konkurrenz beim Senior Bowl, dass seine Production auf dem College nicht (nur) an der schwachen Konkurrenz lag. Sein Route-Running ist schon jetzt stark und er ist explosiv nach dem Catch – eine Fähigkeit, die er auch als Kick-Returner andeutete. Das schreibt unser „DraftNerd“ über Johnson in seinem Draft-Sonderheft für den NFL Draft 2021:

„Cade Johnson ist noch weit davon entfernt, als vollwertiger Starter in der NFL gesehen zu werden. Aber kleine, wendige und schnelle Receiver sind gefragt bei den Profis. Sein Upside als Laterounder ist deutlich spürbar.“

 



Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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