Trey Lance wird als Erstrundenpick im NFL Draft 2021 gehandelt. Trey Lance wird als Erstrundenpick im NFL Draft 2021 gehandelt. IMAGO / ZUMA Wire

Overtime – Boom-or-Bust-Prospects im Draft

geschrieben/veröffentlicht von/durch  20.04.2021
In der NFL geht es aus Team-Sicht immer ein wenig darum, Risiken gegen mögliche Belohnungen abzuwägen. Jeder General Manager ist deswegen ein bisschen ein Zocker und will stets auf das richtige Pferd setzen. Noch mehr als in der Free Agency gilt dieser Vorsatz für den NFL Draft – vor allem, weil die Implikationen eines bestimmten Picks oft erst viele Jahre danach sichtbar sind.

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Natürlich ist es schwer, angesichts unzähliger Faktoren, die ineinander greifen, bei einem Draft-Pick von einer „sicheren Sache“ auszugehen. Klar, es gibt Generationen-Talente wie Myles Garrett, Chase Young oder Trevor Lawrence, bei denen die Fail-Quote quasi bei null Prozent liegt. Aber einmal abgesehen von diesen seltenen Ausnahmen hat jeder College-Spieler eine breite Range an Outcomes – von Superstar bis Mega-Bust ist alles drin.

Das macht den Draft so spannend und deswegen können wir NFL-Analysten jedes Jahr unsere Einschätzungen zu den neuen Jungprofis abgeben. Während manche riskante Prospects in den letzten Jahren voll eingeschlagen sind – ich nenne einmal nur Josh Allen oder Justin Herbert als Beispiele – sind andere Risikopicks nach hinten losgegangen. Grund genug für mich, um in der heutigen Kolumne einen Blick auf die fünf größten Boom-or-Bust-Prospects im NFL Draft 2021 zu werfen:

Trey Lance, Quarterback, North Dakota State


Größtes Fragezeichen: Antizipation

Vorherzusehen, wie sich College-Quarterbacks in der NFL entwickeln, ist vermutlich die schwerste Aufgabe jedes General Managers. Lance ist da keine Ausnahme: Der 20-Jährige bringt mit seinen 1,93 Metern und 102 Kilogramm Gardemaße für die Position mit sich und hat auf dem College in North Dakota einen herausragenden Record von 17 Siegen bei keiner Niederlage vorzuweisen. Lance wird als sicherer First-Round-Pick im Draft gehandelt und könnte bereits an Position 3 zu den San Francisco 49ers gehen.

Lance könnte in der NFL aber ein harter Weg bevorstehen. Er profitierte auf dem College von einer sehr lauflastigen Offensive, in der er nur selten durch seine komplette Progression gehen oder Timing-Würfe zeigen musste. Auch sein Deep-Ball kann bisweilen wackelig sein. Dafür bringt er selbst Qualitäten als Runner mit, die jeder Gegner respektieren muss. Wenn alle Teile zusammen greifen, könnte Lance in wenigen Jahren als bester Quarterback seiner Klasse gelten, sogar noch vor Lawrence. Aber auch ein kompletter Absturz ist im Rahmen des Möglichen.

Rondale Moore, Wide Receiver, Purdue


Größtes Fragezeichen: Größe

Die Vergleiche für Moore gehen vom nächsten Tyreek Hill zum nächsten Tavon Austin. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte: Es ist unwahrscheinlich, dass der kleine Speedster eine Entwicklung wie der mehrmalige All-Pro der Chiefs nehmen wird oder ein derartiger Bust wie der ehemalige Top10-Pick Austin wird, der nie mehr als 510 Yards in einer Saison gefangen hat.

Moore ist ein elektrisierender Spieler mit dem Ball in der Hand. Aber angesichts seiner Statur, seiner Verletzungsgeschichte (elf verpasste Spiele in den vergangenen beiden Jahren) und seinem relativ limitierten Route Tree könnte Moores Erfolg davon abhängen, in einem Coaching-Staff zu landen, der seine Stärken richtig einzusetzen weiß und ihn gleichzeitig weiterentwickelt.

Das schreibt unser DraftNerd Philipp Forstner in seinem Draft-Sonderheft über Moore: „Wird er endgültig von etlichen Verletzungen genesen, ist er in der NFL eine Matchup-Waffe.“

Kadarius Toney, Wide Receiver, Florida


Größtes Fragezeichen: Contested-Catch-Fähigkeiten

Auf dem College war Toney eine echte Yards-after-Catch-Waffe – sein Highlight-Tape ist gespickt mit Szenen, in denen der 22-Jährige seine Gegner mit geschmeidigen Cuts von den Schuhen holt. Die Beweglichkeit, um ein guter Route Runner in der NFL zu werden, ist definitiv da – ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Toney gestandene NFL-Cornerbacks so einfach vernaschen wird, wie er es auf dem College getan hat - siehe unten:

Es ist deswegen wichtig, dass sich Toney als Route Runner weiterentwickelt und sich als verlässliches Target bei Contested-Catch-Situationen etabliert. Sonst wird er nur eine Gadget-Waffe in der Offensive bleiben. Trotzdem: Sein Big-Play-Potenzial sollte Toney einen Pick in der ersten Runde oder spätestens Anfang des zweiten Tages garantieren.

Jayson Oweh, Defensive End, Penn State


Größtes Fragezeichen: Production

Owehs Pro-Day vor wenigen Tagen war eine einzige Highlight-Show. Mit seinem unglaublichen Speed (4,36 Sekunden im 40-Yard-Dash bei einer Größe von ~ 1,95 Metern und einem Gewicht von ~ 117 Kilogramm) wird Oweh für jeden Offensive Tackle ein Problem sein, der seinen Speed Rush nicht mitgehen kann. Sollte ihm diese Waffe aber weggenommen werden, hat er (noch) keinen besonders guten Backup-Plan.

Hinzu kommt Owehs mangelnde Erfahrung auf dem höchsten Level. Er hat erst ein Jahr als Starter bei Penn State gespielt. Darin könnten NFL-Teams aber auch ein mögliches Potenzial für weitere Verbesserungen sehen. Oweh ist für mich ein bisschen ein Rohdiamant, der mit der richtigen Schleifung ein echter Star werden könnte. Dafür muss er sein Repertoire an Moves auf dem NFL-Level aber erweitern.

Das schreibt unser DraftNerd Philipp Forstner in seinem Draft-Sonderheft über Oweh: „Jayson Oweh hat noch eine Menge Spielraum, um konstanter zu spielen, aber sein Talent ist unbestritten. Er kratzt gerade erst an der Oberfläche seines Potenzials und rechtfertigt einen Tag Zwei Pick.“

Caleb Farley, Cornerback, Virgina Tech


Größtes Fragezeichen: Gesundheit

Vor seinem Corona-bedingten Opt-Out in der Saison 2020 galt Farley bei den meisten Experten als klarer Top10-Pick und bester Cornerback der Klasse. Nachdem im Frühling nun aber die Rückenprobleme Farleys bekannt wurden, haben ihn Alabamas Patrick Surtain II und South Carolinas Jaycee Horn überholt. Selbst Northwesterns Greg Newsome steht auf so manchen Big Boards über Farley.

Farley selbst sagte zwar, seine Ärzte sehen keine Probleme für eine lange NFL-Karriere, aber es wäre nicht das erste Mal, dass ein talentierter Spieler wegen Gesundheitsfragen tief fällt. Das Team, das bei Farley schließlich zuschlägt, geht ein gewisses Risiko ein. Sollte Farley aber tatsächlich zu 100 Prozent fit werden, wäre er mit Sicherheit der Steal des Drafts, wenn er außerhalb der Top 20 vom Board geht.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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