HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Cowboys gegen Buccaneers zum Saisonauftakt

Die Dallas Cowboys hoffen auf einige "High Fives" von Dak Prescott und Ezekiel Elliott gegen die Tampa Bay Buccaneers. Die Dallas Cowboys hoffen auf einige "High Fives" von Dak Prescott und Ezekiel Elliott gegen die Tampa Bay Buccaneers. Imago Images / ZUMA Wire / Manny Flores
Ein kollektives Aufatmen geht durch die American-Football-Welt: Die NFL-Saison 2021 beginnt und liefert nach Monaten der Vorbereitung endlich wieder echtes Spektakel! Donnerstagnacht wird es für die Dallas Cowboys erstmals an der Zeit sein, Antworten auf die vielen Fragen zu geben, die "America’s Team" in der Offseason umgaben. Ein Gastspiel beim amtierenden Super-Bowl-Champion ist dabei eine Chance, sich direkt auf großer Bühne zu beweisen. Gleichzeitig kommt der NFL Season Opener aber auch ein wenig undankbar für Dallas daher, denn das Piraten-Ensemble um Superstar Tom Brady wird sofort gnadenlos testen, wie fest die diesjährigen Cowboys wirklich im Sattel sitzen!

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Die NFL Offseason ist in der NFL jedes Jahr vor allem eine Zeit von Gedankenspielen. Munter werden Roster-Konstellationen hin- und hergeschoben, im Draft fantasiert man von möglichen Gamechangern und hier wie dort versichern sich Franchises, dass die Lücken gestopft oder das Potenzial ausgeschöpft werden. Das Ganze ist für Teams und Fans eine wunderbar unbeschwerte Zeit, in der man träumen und entkoppelt von vergangenen Niederlagen Visionen haben kann.

Zumeist werden diese genährt von einer Fülle von Nachrichten und Bildern, die nicht selten unverhohlenen Optimismus verbreiten. Derlei Nachrichten fanden diesen Sommer auch bei den Dallas Cowboys ihren Weg in die Öffentlichkeit. Bei den Tampa Bay Buccaneers sowieso, schließlich lag für sie das größte Problem darin, die just gewonnene Vince-Lombardi-Trophäe nicht zu zerdeppern und gleichzeitig das beste Team der letzten NFL-Saison intakt zu halten.

Dallas Cowboys hoffen auf gesunde Leistungsträger

Während letztes Unterfangen im Glanze vom immer noch grell strahlenden Tom Brady reibungslos funktionierte, sieht es bei den Dallas Cowboys vor dem Season Opener schon etwas anders aus. Zwar ist immer noch etwas übrig von der enormen Euphorie, die durch die Rückkehr und Vertragsverlängerung von Star-Quarterback Dak Prescott, den neugefundenen Fitness-Wahn von Runningback Ezekiel Elliott sowie einer Genesung wichtiger Stützpfeiler wie Tyron Smith genährt wurde. Aber eben nur ein Teil.

Ein Covid-19-Ausbruch setzte den Dallas Cowboys just im Training merklich zu und kostet unter anderem wahrscheinlich All-Pro Guard Zack Martin den Einsatz im Eröffnungsspiel. Gleichzeitig legen in diesen Tagen andere Umstände eklatante Lücken frei, welche man gerne ausgemerzt hätte, die aber bei der aktuellen Zusammenstellung des Kaders wohl wie ein Damoklesschwert im steten Pendel über den Köpfen der Cowboys hängen werden. Allen voran steht hier der Faktor, dass Dallas wie kaum ein zweites Team in der NFL gesundheitliche Fragezeichen hinter ihren wichtigsten Spielern zu verkraften hat.

Angeschlagener Dak Prescott bleibt ein Fragezeichen

Dak Prescott kam von einer schweren Knöchelverletzung in Week Five der vergangenen Saison zurück auf den Rasen, nur um direkt wieder mit einer Schulterblessur große Teile der Vorbereitung zu verpassen. Kein Snap in der Preseason, wenig live Action im Training, der mentale Druck der Rückkehr – es ist ein potenziell toxischer Cocktail, der in der Vergangenheit in so manchem Fall auf die schöne weiße Saisondecke gekippt ist.



Selbst wenn Dak Prescott nach einer gewissen Eingewöhnungszeit zu alter Form zurückfindet, wovon man den medizinischen Berichten nach durchaus ausgehen darf, so könnten ihm erneute Verletzungen in der Offensive Line 150 Kilogramm schwere Stöcker zwischen die Beine werfen. Eigentlich fühlen sich derzeit alle super, das tun sie meistens in dieser Phase der Offseason, aber Tackles wie Tyron Smith oder auch der zuletzt angeschlagene La’El Collins werden so manchen Cowboy-Fan zittern lassen, wenn sie nach einem Laufspielzug ein wenig langsamer auf die Beine kommen.

Cowboys-Defense zittert vor Tom Brady

An der offensiven Frontlinie weiß man in Dallas zumindest, dass man hier einmal eine der dominantesten Units der NFL ins Feld geschickt hat und die derzeitige Gruppe in gesundem Zustand auch durchaus das Zeug dazu besitzt, ähnliche Taten zu wiederholen. Die Defense dagegen ließ letztes Jahr mehr Punkte zu als jede andere Cowboys-Verteidigung der Geschichte und verbreitet selbst nach personellem Umkrempeln mit bis zu sechs neuen Startern wenig Grund für Optimismus. Die in Neu-Coordinator Dan Quinn gesetzten Hoffnungen scheinen ob der mageren Verteidigungsleistung seiner Atlanta Falcons gegen Ende seiner dortigen Amtszeit ein wenig überhöht.

Bei den Tampa Bay Buccaneers ist man von derlei Fragezeichen oder Problemen in etwa so weit entfernt wie Dallas von Florida in westlicher Richtung. Alle Schlüsselspieler des vergangenen Super Bowl Runs konnten gehalten werden, die Vorbereitung in diesem Jahr nutzte man für weiteres Festzurren erfolgsversprechender Strukturen und mit dem NFL-Titel aus der vergangenen Saison zementierte man auch ein gewisses Selbstverständnis inmitten der Mannschaft, welches in Zukunft zu einem entscheidenden Vorteil werden könnte.

Dallas Cowboys mit "Puncher’s Chance" gegen Buccaneers

Die Buccaneers, in fast allen Power Rankings der Preseason unter der Top Favoriten geführt, versprühen die Art von Selbstbewusstsein, die ihren Quarterback Tom Brady seit jeher zum Ausnahmespieler macht. Gepaart mit einer Lineup, die personell und spielerisch so gut wie jede Art von Spieltempo mitgehen kann, ist es eine fast schon besorgniserregende Kombination. So man es denn mit den Gegnern der Bucs hält, versteht sich.



Auf dem Papier erscheint damit auch die Geschichte des Season Openers vermeintlich schnell erzählt: Tampa Bay hat eine Offense, welche der Cowboys-Verteidigung mitsamt ihrer angeschlagenen Interior-Line und fragwürdigen Secondary schon beim Walkthrough den Angstschweiß auf die Stirn zaubern dürfte. Die Defensive der Buccaneers mit der massiven Defensive Line sowie den athletischen Linebacker-Raketen Devin White und Lavonte David ist gleichzeitig nicht die Unit, gegen die man sich als Dak Prescott erstmal ein bisschen warmlaufen könnte.

Doch selbst wenn die Cowboys gefühlt ein wenig in die neue NFL Saison hineinhumpeln, sie sind gleichzeitig ein Team, das keinen noch so sehr aus dem Ruder laufenden Shootout scheuen muss. Ihre offensive Firepower ist auf dem Papier definitiv im obersten NFL Regal anzusiedeln und wer Jungs wie CeeDee Lamb, Elliott oder auch Amari Cooper von der Leine lässt, der hat sowieso immer eine "Puncher’s Chance". Selbst gegen das vermeintlich beste Team der Liga. Da könnte man zum Beispiel…

Genau, genug der Gedankenspiele! Auf dem Papier zählt ab Donnerstagnacht nicht mehr, dann heißt es für die Tampa Bay Buccaneers, die Dallas Cowboys und all die anderen NFL Teams wieder wirklich abzuliefern. Auf dem Rasen, da wo es wirklich zählt!
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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