HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

Jetzt kaufen

NFL: Fünf gute Fragen vor den Playoffs

Lamar Jackson wird den Baltimore Ravens und der NFL in den diesjährigen Playoffs einiges beweisen wollen. Lamar Jackson wird den Baltimore Ravens und der NFL in den diesjährigen Playoffs einiges beweisen wollen. Imago Images / Icon SMI / Ian Johnson
Es ist vollbracht: Selbst im Schatten der Covid-19-Pandemie hat die NFL es geschafft, ihre reguläre Saison ohne schwerwiegende Katastrophen zu beenden. Einfach war es nicht, doch jetzt blickt die gesamte Football-Welt mit Spannung auf die am Wochenende beginnende Postseason. Vieles hat uns die Regular Season schon verraten, doch auf die wirklich wichtigen Fragen werden wir wohl erst in den Playoffs endgültige Antworten erhalten. Über einige dieser brennenden Fragen kann man sich ja aber schon mal vor Beginn der heißen Saisonphase ein paar Gedanken machen!

Haben die Kansas City Chiefs ein Kryptonit?

Auch wenn der NFL-Primus und amtierende Super Bowl Champion nicht unverwundbar ist, die Las Vegas Raiders waren das einzige Team, das in dieser Saison die Chiefs in Bestbesetzung schlagen konnte (Week 5, also ziemlich lange her). In dieser Partie ging eine potente Raiders-Offensive Punch für Punch mit dem Angriff der Häuptlinge mit und Las Vegas schaffte es, mit ihrer Front Seven konstanten Druck aufzubauen. Letzteres ist eigentlich ein Muss, denn gegen die meisten Blitz Packages ist Mahomes schon ein oder zwei Züge voraus.

Gerade gegen die zum Teil anfällige Interior Offensive Line der Chiefs kann aber auch mit einer starken Four Man Front etwas gehen, man denke zum Beispiel an Indianapolis mit DeForest Buckner oder Pittsburgh mit Stephon Tuitt. Andy Reids Angriff mit einem starken wie stetigen Laufspiel den Rhythmus zu rauben, ist eigentlich auch nie verkehrt. Aber selbst das schützt natürlich nicht vor den überfallartigen Offensivexplosionen, zu denen Kansas City jeder Zeit in der Lage ist.

Wird Covid-19 auch in den Playoffs zum Faktor?

Wenig überraschend blieb auch die NFL nicht von der Covid-19-Pandemie verschont. Etliche Spiele mussten verlegt werden, viele Mannschaften waren in ihrem Trainingsalltag eingeschränkt und dazu zwang die Krankheit auch reihenweise Spieler und Trainer zu Pausen. Prominente jüngste Beispiele sind Alvin Kamara, Running Back der New Orleans Saints, und Browns-Head-Coach Kevin Stefanski. Letzterer wird das Spiel seines Teams in Pittsburgh am Sonntag verpassen, sollte keine Verlegung erfolgen.



Wie schon all die anderen Fälle über die Saison hinweg, zeigt auch diese Episode, wie unberechenbar die ganze Situation selbst für bis ins letzte Detail planende NFL-Franchises ist. Und man sieht, dass ein Fall sofort die gesamten Planungen für die Postseason über den Haufen werfen kann. Allem Anschein nach muss Cleveland sein erstes Playoffspiel seit 18 Jahren ohne seinen Head Coach sowie offensiven Playcaller bestreiten – eine enorme Schwächung. Drücken wir die Daumen, dass es nicht zu weiteren Fällen kommt, nicht nur aus sportlichen Gründen.

Kann Lamar Jackson seinen Playoff-Fluch besiegen?

Er gehört zu den spektakulärsten Superstars der NFL, hat bereits eine MVP-Trophäe auf dem Wohnzimmerschrank stehen und führt eines der Top-Teams der vergangenen Jahre an. Läuft also alles wie ein Länderspiel für Lamar Jackson in der NFL, oder? Nicht so ganz. Der Quarterback der Baltimore Ravens wollte in dieser Saison zu einem besseren Passer reifen, was ihm über weite Strecken nicht wirklich gelang. Dazu sieht seine Playoff-Bilanz bisher ziemlich mau aus: Zwei Spiele, zwei Heimniederlagen, eine Passquote von 51,1 Prozent sowie fünf Turnover.

Gerade der Stachel aus dem letzten Jahr, als die Ravens und Jackson als Top-Favoriten zuhause gegen die Tennessee Titans einen "rabenschwarzen" Tag erwischten, sitzt noch tief. In dieser Saison steht ihnen nach einer längeren Schwächeperiode Mitte der Saison eher die Rolle des Underdogs zu. Vielleicht ist es das, was bei Jackson den Postseason-Knoten platzen lässt (auch im Auftaktmatch gegen, ja genau, Tennessee). Er hat wieder einmal das beste Laufspiel der gesamten Liga im Rücken, welches maßgeblich von ihm angetrieben wird, doch irgendwann wird er in den Playoffs natürlich auch in der Luft Akzente setzen müssen.

Gibt es potenzielle "Bracket Buster"?

Letztes Jahr rechneten nicht viele mit dem Durchmarsch der Tennessee Titans bis ins AFC Championship Game, am allerwenigsten ihre besser gesetzten Gegner aus New England und Baltimore. Als sechster Playoff-Seed wurden die Titans mit ihrem Run zu einer richtigen kleinen Aschenputtel-Story, die Art Geschichte, welche man im amerikanischen Sport ganz besonders gerne hört. Nun die Frage: Wem könnte dieser Rolle in den diesjährigen Playoffs zufallen?



Am passendsten und verrücktesten wäre es natürlich, wenn das Washington Football Team ihrem NFC Titel eine Krone aufsetzt und ihrer negativen Saisonbilanz den Spielverderber für höher gehandelte Teams gibt. Die Defense dafür hätten sie allemal, aber im Angriff mangelt es wohl an Firepower. Gleiches könnte man über die Indianapolis Colts (7. Seed in der AFC) sagen, die allerdings mit Philip Rivers und einem verbesserten Laufspiel offensiv mehr in die Waagschale werfen können. Gefährlichster Low Seed ist sicherlich Tampa Bay (5. Seed in der NFC) mit Tom Brady, auch wenn ihnen natürlich das Kleidchen des Aschenputtels nicht so wirklich stehen würde.

Passen die Buffalo Bills in die Schuhe der Favoriten?

Die Buffalo Bills gehörten zu den mit Abstand dominantesten Teams der regulären Saison. 13 Siege, davon etliche gegen namhafte Playoff-Teams, und die rasante Entwicklung von Josh Allen sind nur zwei Faktoren, warum die Bills mit viel Selbstvertrauen in die Postseason gehen. Die Geschichte ist allerdings nicht auf ihrer Seite, denn ihr letztes Playoff-Spiel gewannen die Mannen aus Upstate New York vor 27 Jahren (1993 AFC Championship Game gegen Kansas City). Da war Josh Allen noch gar nicht geboren.

Für diese Saison hat die das dementsprechend wenig Bedeutung, doch psychologisch ist es schon etwas ganz anderes, plötzlich als Favorit in ein Postseason-Matchup zu gehen und nicht wie in den vergangenen Jahren als Underdog. Presse, Fans und Umfeld werden die Spieler wissen lassen, dass sie etwas Besonderes erreichen können und sowas entwickelt sich schnell zur Belastung. Rein sportlich haben die Bills dafür alles, was man in der heißen Saisonphase braucht. Allen kann in einem Shootout mit so ziemlich jedem Gegner mithalten, Stefon Diggs ist einer der besten Receiver der Liga und auch defensiv steckt viel Potenzial in Sean McDermotts Roster.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Nach Oben