Khalil Herbert (#24) konnte im ersten Preseason-Spiel der Saison auf sich aufmerksam machen. Fotocredit: IMAGO / USA TODAY Network

Die Preseason der NFL ist Jahr für Jahr eine gute Gelegenheit, die Rookies des letzten Drafts erstmals auf dem Feld zu sehen. Außerdem erhalten wir so einen kleinen Einblick in das, was Coaches in der kommenden Spielzeit auf dem Rasen planen. Auf jeden Fall ist es die erste Chance für Football-Fans seit Mitte Februar, endlich wieder NFL-Football zu sehen und dabei wichtige Erkenntnisse für 2023 zu erhalten – gerade auch, was Fantasy Football betrifft. Hier sind einige der interessantesten Storylines, die sich am Wochenende aus Fantasy-Sicht ergeben haben.


Hier geht zu den TD24 Fantasy-Rankings: QB / RB / WR / TE

Sam LaPorta erarbeitet sich Starter-Spot in Detroit


Rookie-Tight-Ends haben im Fantasy-Land in der Regel einen schweren Stand und das dürfte auch für Sam LaPorta gelten, den Zweitrundenpick der Detroit Lions. Das erste Preseason-Spiel gegen die New York Giants gab aber Anlass zur Hoffnung, bekam LaPorta doch die mit Abstand meistens Snaps mit den Startern aller Tight Ends im Roster der Lions. Er stand während der ersten drei Drives bei 100 Prozent der Snaps auf dem Feld, sowohl in 11- als auch in 12-Personell (an der Seite von Brock Wright).

Das ist das Best-Case-Szenario für LaPorta. Er hat bereits alle internen Konkurrenten überholt und die einzigen Snaps, wo ihn die Lions vom Feld holen werden, sind Laufspielzüge. Normalerweise sollte man nicht zu viel in Preseason-Snapzahlen hineinlesen, doch wenn ein Rookie in Woche 1 der Preseason über alle Routiniers startet, wird er diese Rolle wohl auch während der Saison haben. Nun geht es für LaPorta nur noch darum, eine Chemie mit Jared Goff aufzubauen – dann könnte er einen späten Draftpick wert sein, alleine wegen seines Upsides in der wohl erneut passfreudigen Lions-Offense.

Khalil Herbert wird der Bears-Starter werden


Nach dem Abgang von David Montgomery in der Offseason ist jetzt klar, wer sein Nachfolger im Backfield der Bears wird. Khalil Herbert stand gegen die Titans bei 100 Prozent der Snaps auf dem Feld, die auch Starting-Quarterback Justin Fields absolvierte. Free-Agency-Verpflichtung D'Onta Foreman kam erst ab dem dritten Drive zum Einsatz, als bereits die Backups spielten. Wenn ein Team in der Preseason gar keine Rotation hat, bedeutet das in der Regel, dass ein Spieler im Depth-Chart weit vorne ist. So würde ich die Situation auch bei Herbert interpretieren.

Die Bears nutzten im Vorjahr konstant Montgomery in den ersten beiden Drives und Herbert im dritten. Herbert sollten also in diesem Jahr die ersten beiden Drives gehören und Foreman der dritte. Das macht den 25-Jährigen in einer potenziell stark verbesserten Bears-Offense zu einem verlockenden Fantasy-Spieler. Herberts ADP (derzeit noch RB39) wird in den kommenden Wochen durch die Decke gehen und das zurecht. Habt ihr also schon gedrafted, wäre heute der richtige Zeitpunkt für ein Trade-Angebot ...

James Cook könnte der Steal eures Drafts werden


Cook, der jüngere Bruder des derzeit vereinslosen Ex-Vikings-Stars Dalvin, hat bereits im Vorjahr in Ansätzen sein Potenzial gezeigt. Nach dem Abgang von Devin Singletary in Richtung Houston war der Weg für mehr Snaps frei und wie uns das erste Preseason-Spiel der Bills gegen die Colts am Samstag gezeigt hat, scheint Cook diese Chance zu nutzen. Er stand bei allen Snaps während der ersten zwei Drives mit den Startern auf dem Rasen und erzielte direkt einen sehenswerten Touchdown.

Der Hype darf aber auch nicht überhandnehmen, wechseln die Bills doch traditionell ihre Backs nach Drives und Damien Harris, der Neuzugang aus New England, verpasste das Spiel mit einer Knieverletzung. Der ebenfalls neu verpflichtete Routinier Latavius Murray spielte dann mit den Backups, er sollte aber keine allzu große Gefahr für Cooks Spielzeit sein. Der 23-Jährige ist ein eindeutiger Breakout-Kandidat mit Top-10-Potenzial, aber eben auch mit Risiko. Die bisherige Preseason hat diesen Eindruck nur bestätigt.

Kirk droht reduzierte Rolle in Jacksonville


Kirk war einer der Überraschungs-Stars aus Fantasy-Sicht in der Vorsaison und stand bei nahezu jedem Snap der Jaguars-Offense auf dem Rasen. Durch die Verpflichtung von Calvin Ridley als neuem Nr.1-Receiver scheint sich das aber geändert zu haben. Im Vorjahr spielte Kirk 89 Prozent der Snaps in 12-Personell, Zay Jones kam auf 65 Prozent. Daher gingen die meisten davon aus, dass Kirk zusammen mit Ridley in 12-Personell auf dem Rasen stehen würde, doch am Samstag gegen die Cowboys füllte Jones diese Rolle aus.

Die Jaguars spielten 11-Personell (mit drei Receivern auf dem Feld) nur durchschnittlich oft im Vorjahr. Sollte Kirk von Doug Pederson und Co. also tatsächlich als reiner Slot-Receiver betrachtet werden, könnte sich das in deutlich niedrigeren Snapzahlen für den 26-Jährigen manifestieren. Glücklicherweise werden es großteils Laufspielzüge sein, die Kirk verpasst, doch bereits ein paar weniger Targets und Passrouten könnten Kirks Fantasy-Value einen gehörigen Dämpfer verpassen.

Hände weg vom Backfield der Eagles


Das Backfield des amtierenden NFC-Champions wird von Tag zu Tag schwieriger zu durchschauen – das Preseason-Spiel gegen die Baltimore Ravens hat da nicht viel mehr Licht ins Dunkel gebracht. Kenneth Gainwell und Boston Scott liefen erst gar nicht auf, es startete Neuzugang D'Andre Swift, der allerdings früher vom Feld ging als Rashaad Penny, der bis ins zweite Viertel auflief. Das deutet darauf hin, dass es Gainwell und Scott sind, in die ihr Draftpicks investieren solltet.

Berichten von Beat-Reportern aus dem Eagles-Camp zufolge soll Gainwell wie der Feature-Back behandelt werden – das kann stimmen oder nur ein Smokescreen sein. Die Eagles nutzten im Vorjahr viele Backs in speziellen Situationen, was sie am Wochenende nur bedingt machten. Penny stand beispielsweise bei vielen Pass-Situationen auf dem Feld, was sonst nie der Fall ist. Vielleicht experimentiert das Team ja nur, aber derzeit würde ich höchstens einen Draftpick in Gainwell investieren, wenn dessen ADP (derzeit RB56) nicht noch massiv steigt.

Positive Zeichen für Alvin Kamara


Falls ihr es nicht mitbekommen habt: Kamara wurde von der NFL aufgrund eines Bar-Vorfalls im letzten Jahr für die ersten drei Saisonspiele gesperrt, was seinem Fantasy-Value natürlich einen gehörigen Dämpfer gegeben hat. Zumindest sportlich scheint der 28-Jährige aber noch die Nummer Eins in New Orleans zu sein. Er stand bei den ersten sieben Snaps der Saints mit den Startern auf dem Feld, bevor ihn Neuzugang Jamaal Williams ablöste. Kamara bekam sogar Touches an der Goalline, obwohl „Touchdown-Maschine“ Williams dort im Vorjahr bei den Lions überzeugte.

Ob das auch in der Regular Season so bleibt, darf bezweifelt werden, doch zumindest können wir uns sicher sein, dass Kamara nach wie vor ganz oben im Depth Chart steht. Damit ist er ein wenig „draftbarer“ geworden, doch ich würde in den ersten Runden noch immer lieber die Finger von ihm lassen. Wer weiß, wie die Situation aussieht, wenn Williams in den ersten drei Runden dort weitermacht, wo er in Detroit aufgehört hat. Beobachtet die ADPs der beiden Backs aber dennoch und seid wachsam, denn beide haben großes Potenzial, das ihr nicht grundsätzlich „nicht draften“ solltet.


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