Tua Tagovailoa hat 2022 das Potenzial zum Fantasy-Sleeper.
IMAGO / Icon Sportswire

Letzte Woche habe ich die NFL-Preseason als Trugbild beschrieben, doch sie ist natürlich mehr als das. Sie ist auch wie eine Art Trailer, um Fans auf einen anstehenden Film heiß zu machen. Jeder von uns war nach Monaten Abstinenz hungrig auf Football und die paar Spiele an den Wochenenden haben uns nur hungriger auf die „echte“ Saison gemacht – Backups hin, fehlende Aussagekraft her. Spätestens in anderthalb Wochen werden wir nämlich alle Starter wieder auf dem Rasen sehen und dann geht es auch endlich wieder um Fantasy-Punkte. Welche Dinge mir dafür in der letzten Vorbereitungswoche aufgefallen sind, verrate ich euch heute.

 

Hier geht es zu den Erkenntnissen aus den Wochen 1 und 2

David Montgomery ist die klare Nummer Eins in Chicago

Bislang haben wir von David Montgomery in der Preseason nicht viel gesehen, am Wochenende gegen die Cleveland Browns stand der Star-Runningback der Bears aber wieder auf dem Rasen. Viele Experten waren besorgt, da Sophomore Khalil Herbert in seiner Rookie-Saison für Furore gesorgt hat, und befürchteten, dass die Bears ihr Backfield nach dem Vorbild der Green Bay Packers (Aaron Jones und A.J. Dillon) in ein zweiköpfiges Monster verwandeln. Diese Sorgen konnte Montgomery am Sonntag zerstreuen.

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Der 25-Jährige dominierte die Snaps mit den Startern und die Bears machten klar, dass sie Montgomery nach wie vor als Three-Down-Back betrachten. Damit ist Montgomery einer der besten Values in Drafts, könnte er das Jahr doch locker als Top-5-Back beenden, wenn die Bears-Offense nicht komplett von ihrer Offensive Line zurückgehalten wird. Das bedeutet aber auch, dass Herbert trotz vielversprechender Ansätze nicht viel mehr als ein erstklassiger Handcuff ist. Immerhin ist seine Rolle hinter Montgomery sicher, da er in der zweiten Hälfte die Rolle von Montgomery eins zu eins übernahm.

Macht einen Bogen um die Falcons-Runner

Ich hatte die Hoffnung, das Spiel gegen die Jaguars am Wochenende würde ein wenig Licht in den Nebel bringen, doch die Situation rund um die Runningbacks der Falcons bleibt undurchsichtig. Atlanta schonte mit Cordarrelle Patterson und Damien Williams die beiden Top-Optionen und gab dem Trio aus Rookie Tyler Allgeier, Quadree Ollison und Caleb Huntley viele Snaps. Stand heute ist nicht klar, welcher Spieler als Starter in die Saison gehen wird oder wie die Falcons mit dem Schweizer Taschenmesser Patterson planen – daher würde ich alle Falcons-Backs bei ihrem derzeitigen ADP meiden.

Ich gehe davon aus, dass Williams der Starter ist, doch der ehemalige Chief ist mittlerweile 30 Jahre alt und eindeutig keine Long-Term-Option. Daher werden die Falcons verlockt sein, Allgeier im Laufe der Saison mehr Snaps zu geben – spätestens, wenn die Playoffs irgendwann absehbar außer Reichweite sind. Versteht mich nicht falsch: Allgeier sollte nicht einmal in die Nähe eines Lineups in Woche 1 kommen, doch er ist zumindest ein „Name to watch“ für die erste Saisonhälfte.

Holt euch Eno Benjamin in tiefen Ligen

James Conner ist in Arizona der klare Starter und ich habe bereits mehrfach in dieser Offseason geschrieben, dass er das Potenzial für einen Top-5-Back hat. Doch, so ungern ich den Teufel an die Wand male, Conner hat eine Vergangenheit mit Verletzungen. Daher ist die Rolle des Backups in einer der vermutlich besten Offenses der Liga in jedem Fall Fantasy-relevant. Und hier gab es am Wochenende signifikante Hinweise im Spiel der Cardinals gegen die Titans.

Waren über die ersten Wochen der Preseason noch Rotationen an der Tagesordnung, haben sich Eno Benjamin und Darrel Williams als erste Backup-Optionen herauskristallisiert. Derzeit scheint Benjamin leicht die Nase vorne zu haben, erhielt er doch die ersten Snaps in der Partie. Williams bekam zwar die Touches an der Goalline, doch das war mehr dem allgemeinen Plan geschuldet, da Williams schlicht an der Reihe war. Beide Backs sind nur in tiefen Ligen einen Draftpick wert, doch als Handcuff solltet ihr sie selbst in kleinen Ligen auf dem Zettel haben.

Vergesst Tua Tagovailoa nicht!

Trotz all des Hypes, der sich bei den Dolphins rund um Tyreek Hill und Tua Tagovailoa gebildet hat, haben die beiden bis zum vergangenen Wochenende noch nicht einen Snap zusammen gespielt. Der Coaching-Staff hielt es offensichtlich für wichtig, ein wenig Chemie zwischen ihrem Star-Receiver und ihrem jungen Quarterback aufzubauen und ließ Tua und Tyreek kurzerhand gegen die Eagles auf den Rasen. Das Ergebnis war spektakulär: Schon beim ersten offensiven Snap des Games fand Tua seinen Nr.1-Wideout mit einer 51-Yard-Bombe downfield. Ja, der Pass war ein wenig unterworfen, doch man kann schlechter in eine Saison starten als mit diesem Play:

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Direkt im nächsten Spielzug fand Tua Hill erneut für einen Raumgewinn von 13 Yards. Der Drive dauerte letztlich vier Snaps, endete in einem Touchdown und Hills Arbeitstag war beendet. Tua blieb noch zwei Serien auf dem Feld, brachte zehn weitere Punkte aufs Board und spielte sich damit eindeutig in das Sleeper-Territorium für Fantasy-Quarterbacks. Falls ihr noch nicht gedrafted habt, dann versucht auf jeden Fall, euch Tua als zweite Option in den späten Runden zu sichern. Denn die offensive Wucht Miamis war am Wochenende nur zu deutlich zu erkennen.

Justin Fields hat League-Winning-Upside

Vielleicht, nur vielleicht, ist die Bears-Offense nicht so schlecht, wie wir alle in den letzten Wochen befürchten mussten. Das Front-Office rund um General Manager Ryan Poles und den neuen Head Coach Matt Eberflus musste sich in der Offseason viel Kritik anhören, wie sie den Roster um Justin Fields herum aufgebaut haben – oder vielmehr, wie sie daran gescheitert sind. Die O-Line ist eine echte Schwachstelle und auch bei den Receivern gibt es nicht genug Tiefe. Es gibt immer noch eine große Chance, dass die Bears eine der schlechtesten Angriffsreihen der Liga stellen – aber die Hoffnung auf bessere Zeiten ist angesichts von Fields Auftritten in der Preseason definitiv gestiegen.

https://twitter.com/adrianbb89/status/1563899538334777350

Am Samstag zerlegte Fields die Defense der Browns (wohlgemerkt ohne Myles Garrett und viele weitere Starter) mit drei Scores bei über 80 Prozent angekommenen Pässen. Selbst ohne Top-Wideout Darnell Mooney zeigte Fields Fortschritte auf dem Rasen – und das auch im Training, wie Eberflus neulich bestätigte. Fields wird seine Probleme in diesem Jahr haben, doch er ist auch einer der ganz wenigen Quarterbacks in der Liga, die das Potenzial haben, über das Jahr hinweg zweistellig am Boden zu scoren. Das gibt Fields einen soliden Floor und das Upside ist ohne jeden Zweifel ein League-Winner in Runde 8 oder später.