Travis Etienne sollte eine wichtige Rolle in der Jaguars-Offense spielen.
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Die Preseason ist aus Fantasy-Sicht oft ein Trugbild, eine Art Fata Morgana. Wir sehen zwar, was auf dem Rasen passiert, doch wie viel davon können wir für bare Münze nehmen? Die meisten Coaches setzen auf sehr simple Schemes, um nicht zu viel von ihrer Taktik zu verraten und manche Franchises lassen ihre Starter erst gar nicht auflaufen. Dennoch sind die Vorbereitungsspiele für euch als Manager relevant, da die Anzahl und Art der Snaps zeigt, wer wo in der Hackordnung eines Rosters steht. Auf welche Storylines der ersten beiden Wochen ihr nicht überreagieren solltet und um welche Spieler der derzeitige Hype real ist, verraten wir euch heute.

 

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Macht euch keine Sorgen um Travis Etienne

Die Alarmglocken bei vielen Fantasy-Managern gingen am Wochenende an, als sich Jaguars-Back Travis Etienne die Snaps mit Rookie Snoop Conner teilen musste. Für mich klingt es aber stark nach falschem Alarm: Etienne bekam alle sechs Snaps mit den Startern beim ersten Drive, fünf der ersten sechs Snaps beim zweiten Drive und die ersten vier Snaps beim dritten Drive. Der Grund, warum Conner mehr Spielzeit bekam, war schlichtweg die Länge der Drives – die zweite und dritte Serie nahmen zusammen 25 Snaps in Anspruch. Jeder Runningback wäre in einer solchen Situation ausgewechselt worden, vor allem in der Preseason.

https://twitter.com/AndrewErickson_/status/1560622373979701248

Mit Wide Receiver Marvin Jones verfuhr Head Coach Doug Pederson beispielsweise ähnlich. Ich denke also nicht, dass Conner eine großartige Konkurrenz für Etienne sein wird. Das ist vielmehr James Robinson, der für mich der bessere Runner am Boden ist. Da Robinson aber noch nicht fit genug ist, bleibt Etienne für mich ein solider RB2 mit Upside für mehr. Sobald Robinson wieder zurück ist, könnte sich das aber schlagartig ändern – das solltet ihr am Draft-Day im Hinterkopf behalten.

Alec Pierce könnte ein Every-Down-Spieler werden

Als die Colts in der Vorwoche gegen Buffalo mit ihren Startern spielten, war Pierce nur die Nummer 3 hinter Michael Pittman und Parris Campbell. Am Samstag gegen die Lions lief der 53te Pick des 2022er-Drafts dann bereits in den 2-WR-Sets auf, während Campbell in den Slot rückte, wenn die Colts auf 11-Personell setzten. Ja, Michael Pittman wurde geschont, doch diese Entwicklung könnte ein erstes Zeichen sein, dass Pierce Campbell bereits intern überholt hat.

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Das gilt zumindest für eine der beiden Outside-Rollen, die angesichts des lauflastigen Spiels der Colts mit möglicherweise stärkerem Fokus auf die Tight Ends über die Mitte Fantasy-relevanter sein dürften. Das gibt Pierce einen höheren Floor als vielen anderen Rookie-Receivern wie ein Skyy Moore, der in Kansas City derzeit noch hart kämpfen muss. Einen Late-Round-Flier ist Pierce damit auf jeden Fall wert.

Schnappt euch alle Bills-Receiver, die ihr kriegen könnt

Nachdem Gabriel Davis im letzten Spiel der Vorsaison vier Touchdowns gefangen hatte, ging die gesamte Fantasy-Welt davon aus, dass der junge Wideout 2022 an der Seite von Stefon Diggs auflaufen wird. Als die Bills dann auch noch Emmanuel Sanders ziehen ließen, wurde aus einer Vermutung eine sichere Annahme. Da ist es doch schön zu sehen, dass sich die frühen Prognosen auch einmal bestätigen – denn Davis spielte am Wochenende gegen die Broncos 100 Prozent der Snaps mit den Startern.

Dahinter wird das Bild ein wenig unklarer. Isaiah McKenzie bekam früh in der Offseason viel Hype und er scheint Stand heute in der Rangordnung der Bills vor Routinier Jamison Crowder zu stehen. Insgesamt können wir aber davon ausgehen, dass alle vier Receiver eine Rolle in der Offense spielen werden. Diggs, Davis und McKenzie sollten allesamt gedrafted werden und haben das Potenzial für eine erstklassige Fantasy-Saison. Und selbst Crowder ist als „Handcuff“ und in tiefen Ligen einen Pick wert.

Chase Edmonds könnte ein Early-Season-Sleeper werden

Einer der größten Gewinner der ersten beiden Preseason-Wochen ist Dolphins-Runningback Chase Edmonds. Der 26-Jährige kam als Free Agent aus Arizona, wo er meiner Meinung nach bereits nicht genug eingesetzt wurde. Gegen die Raiders am Wochenende startete Edmonds das Spiel und beanspruchte die ersten zehn Snaps allesamt für sich. Was das Bild noch ein wenig trübt, ist die Tatsache, dass Raheem Mostert nicht zum Einsatz kam. Daher ist es unsicher, wie Edmonds Rolle mit Mostert, dem besseren Runner am Boden, aussehen wird.

Zumindest die Aufgaben als Pass-Catching-Back wird Edmonds aber sicher übernehmen, bereits das gibt ihm in PPR-Ligen beinahe Standalone-Value. Die Tatsache, dass Miami Edmonds als Three-Down-Back betrachten könnte, macht ihn zu einem potenziellen Sleeper. Edmonds geht derzeit erst spät in Drafts vom Board, könnte aber alleine mit seinem Volume ein Top-15-Back werden, wenn er sich mit Mostert die Early-Down-Snaps teilt.

Der Hype um George Pickens ist real

Die Steelers setzten gegen die Jaguars am Wochenende auf alle ihre Starting-Wideouts, was Pickens mit einschloss, der bei 17 der 18 Pass-Plays des Teams auf dem Rasen stand. An der Seite von Diontae Johnson teilten sich Pickens und Chase Claypool die Rolle als zweiter Outside-Receiver, bis Gunner Olszweski in den letzten Minuten der ersten Halbzeit die Rolle von Claypool einnahm – aus welchen Gründen, das ist nicht bekannt. Dass Claypool in der internen Rangliste aber plötzlich abgestürzt sein soll, will ich nicht so recht glauben.

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Genauso wenig steht bereits fest, dass Pickens Claypool bereits den Rang abgelaufen hat. Pickens Snapzahlen in der Preseason machen uns aber allen Hoffnung darauf, dass er 2022 eine große Rolle in der Steelers-Offense einnehmen wird. Die große Frage wird sein: Können Kenny Pickett oder Mitchell Trubisky (wer es auch immer am Ende des Tages wird) zwei oder gar drei Fantasy-Receiver mit Targets füttern? Das wird der Saisonstart zeigen, Top-20-Upside ist für Pickens aber auf jeden Fall gegeben.