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NFL - National Football League

Top 10 Quarterbacks im NFL Draft 2023

Will Levis: Einer der auffälligsten Quarterbacks im NFL Draft 2023. Credit: Imago Images / ZUMA Wire / Silas Walker

Die Quarterbacks 2023 sehen allgemein wesentlich zuversichtlicher aus als im Vorjahr. Sowohl in der Spitze als auch in der Tiefe ist die Klasse viel besser besetzt. Das ist eine gute Nachricht, nachdem 2022 historisch wenige Quarterbacks in den ersten Runden gewählt wurden. Das Rennen um den First Overall zwischen Bryce Young und C.J. Stroud ist eröffnet, doch möchten sich gern auch andere Kandidaten unter die Topplatzierungen im kommenden NFL Draft 2023 mischen. 

Das klingt doch alles sehr vielversprechend. Fans, die ihrem Team den lang ersehnten Franchise Quarterback wünschen, können die College Saison genauso aufmerksam verfolgen, wie Draft Fans, die mit Spannung einer Diskussion um den First Overall und die besten Quarterbacks dieser Draftklasse entgegenfiebern. 

 

Top 10 Quarterbacks

Nach aufmerksamer Studie des Filmmaterials und erster kleinerer Hintergrundrecherche habe ich eine Top 10 zusammengestellt. Für einen Scout geht es darum, diese Liste innerhalb der Saison zu erweitern und gewisse Bereiche abzuhaken. So hat jeder der genannten Quarterbacks noch einiges an Hausaufgaben zu erledigen und der Fokus der NFL Teams wird auf bestimmten Spielen in ihrer Saison liegen. Welche Fähigkeiten das sind und in welchen Spielen die Anwärter glänzen sollten, erfährst du in dieser Kolumne. 

Gewiss wird es noch einige Überraschungen und späte Aufsteiger geben, die momentan noch nicht vorherzusehen sind. Kedon Slovis, Jake Haener oder auch Phil Jurkovec haben es aber trotz Filmstudie nicht in die Top 10 geschafft. 

 

  1. C.J. Stroud / Ohio State Buckeyes

C.J. Stroud ist auf Platz Eins, da er mit 1,91 Meter und 98 Kilogramm prototypischer daherkommt als Bryce Young. Er ist der Star der Draftklasse 2023. Nicht erst seit seiner beeindruckenden Performance im Rose Bowl ist sein Name bei allen NFL Teams bekannt. Dort vervollständigte er gegen die vorher gelobte Defense der Utah Utes sagenhafte 80 Prozent seiner Passversuche für 573 Yards und sechs Touchdowns. 

Er ist im letzten Jahr von Spiel zu Spiel in die Starterrolle gewachsen, spielt Stroud aufrecht in der Pocket und ist beinah lupenrein in seinem Spiel, wenn er keinen Druck bekommt. Mit hoher Genauigkeit verhilft er seinen Receivern zu mehr Yards nach dem Catch, selbst wenn diese eng gedeckt sind. Seine pure Armkraft ist überschaubar, aber er bringt genug Armtalent mit, um alle Bereiche des Feldes aggressiv attackieren zu können. 

Es gibt Sequenzen, in denen Stroud nicht wild versucht seinen Körper vor drohenden Sacks durch die Pocket zu manövrieren. Dann sucht er schon mal gelassen den Checkdown. Insgesamt ist dies aber eine Eigenschaft, die er weiter ausbauen sollte. Zwar spricht es für seinen hohen Football IQ und seine Übersicht, wie er konsequent das Feld nach Optionen abscannt, aber manchmal ist einfach kein weiteres Big Play da, was Stroud lernen muss, sich einzugestehen. 

Wichtige Spiele: Woche 4 vs. Wisconsin Badgers, Woche 9 @ Penn State Nittany Lions, Woche 13 vs. Michigan Wolverines

 

  1. Bryce Young / Alabama Crimson Tide

Obwohl Bryce Young mit 1,83 Metern und 88 Kilogramm unter den üblichen Körpermaßen eines NFL Quarterbacks liegt, hat der Heisman Trophy Gewinner kein Problem damit, über das Zentrum zu spielen. Es gibt da überhaupt nichts zu beanstanden, obwohl die Debatte sicherlich im Draftprozess heiß diskutiert wird, wenn er weiter so sauber spielt, wie im letzten Jahr. 

Sein letzter Drive im Iron Bowl, als er ohne direktes Play Calling von außen einen kreativen Drive zum Sieg bastelte, nachdem es im Spiel bis dahin für ihn und seine Offense alles andere als reibungslos lief, ist sein Heisman Moment und das Highlight einer Saison 2022, die ohnehin von Höhepunkten geprägt war. Abgesehen von der Niederlage im National Championship Game gegen die Georgia Bulldogs natürlich. Den Titel zu holen, ist Youngs großes Ziel in diesem Jahr. 

Es ist vor allem sein exzellentes Ballgefühl, was ihn zuversichtlich macht, dieses Ziel am College zu erreichen. Auf mittleren Ebenen gibt es aktuell keinen besseren Quarterback als Young. Sein Spielstil, mit viel Antizipation und Genauigkeit zu werfen, dürfte sich im Verlauf seiner nächsten Saison sogar noch verbessern. Timing und Zusammenspiel ist hier alles und diese Stärken werden mit wachsender Erfahrung immer mehr gesteigert. 

Will er NFL Teams davon überzeugen, ihn an erster Stelle zu draften, obwohl er nicht in das prototypische Bild eines Profi-Quarterbacks passt, sollte er sein Spiel Richtung Außenbahn und in tiefere Bereiche des Feldes weiter verbessern und weiterhin so gelassen durch die Pocket manövrieren. Dann überwiegt sein Talent. So ähnlich ist es auch bei Kyler Murray gelaufen. 

Wichtige Spiele: Woche 6 vs. Texas A&M Aggies, Woche 10 @ LSU Tigers, Woche 13 vs. Auburn Tigers

 

  1. Will Levis / Kentucky Wildcats

Will Levis hakt in den Bereichen Körper und Arm Strength wesentlich mehr Kästchen bei den NFL Scouts ab, als es Bryce Young je tun kann. Er spielte in einem professionellen Spielsystem unter dem neuen Offensive Coordinator der Los Angeles Rams Liam Cohen und ist mit 1,91 Metern und 105 Kilogramm nahezu perfekt gebaut für die NFL. Seine Fähigkeiten als aufrechter Pocket Passer, der mit hoher Genauigkeit das gesamte Feld angreifen kann, wecken ebenfalls das Interesse der Profiteams. 

Der Transfer von der Penn State ist dabei, seine Passmechaniken von Woche zu Woche zu verfeinern und vor allem eine Beinarbeit für das Spiel “Under Center” und in Play-Action-Konzepten zu entwickeln. Im Arm hatte er es ohnehin schon immer, bringt er wahrscheinlich die höchste pure Armkraft aller relevanten Quarterbacks der kommenden Draftklasse mit. Dadurch kann er zuverlässig nicht nur mittlere, sondern auch tiefere Ebenen des Feldes attackieren. 

Endgültig vorbei scheinen die Tage, in denen man ihn an der Penn State in eine Gadget-Rolle a la Taysom Hill zwängte. Levis hat sein Verständnis für unterschiedliche Passkonzepte sichtlich erweitert und erkennt vor als auch nach dem Snap, welche Option sich aufgrund des Bildes, welches die Defense liefert, öffnen wird. Er wirft nicht mehr auf den freien Mann, er erkennt ihn, bevor dieser sich freiläuft. Hinzukommt seine Stärke, selbst mit dem Ball zu laufen, welches in der heutigen NFL immer mehr gefragt ist. 

Für ihn gilt es nun, seine erlernten Fähigkeiten zu festigen. Konstant möchten Scouts sehen, wie er das Spiel verarbeitet, Bälle verteilt und mit dem Druck des Gegners umgeht. Angedeutet hat er es viele Male, was mit Will Levis auf dem nächsten Level gehen kann. 

Wichtige Spiele: Woche 2 @ Florida Gators, Woche 6 vs. South Carolina Gamecocks, Woche 12 vs. Georgia Bulldogs

 

  1. Tanner McKee / Stanford Cardinal

Tanner McKee wurde im selben Jahr wie Trevor Lawrence und Justin Fields von Colleges rekrutiert. Dennoch wird er, sollte er 2023 gedraftet werden, 23 Jahre alt bei seinem möglichen NFL Debüt sein. Seine Verzögerung lässt sich leicht erklären. McKee begab sich für zwei Jahre auf Missionsarbeit für die mormonische Gesellschaft, ehe er im letzten Jahr erstmalig für Stanford spielte. 

Seine Kontinuität und seine Übersicht, auch weitere Optionen durchzugehen, sind für einen One-Year-Starter außergewöhnlich weit entwickelt. Dabei ist er durchaus ein athletischer Quarterback, der auch Plays mit seinen Beinen verlängern kann. 

Außerhalb und innerhalb des Scripts einer Offense, die er nun ein weiteres Jahr bespielen wird, ist McKee bereits sehr souverän. Im Prinzip muss der groß gewachsene Spielmacher das nur wiederholen und noch weiter in seine Führungsrolle als Quarterback wachsen, um im nächsten Jahr gute Argumente für eine frühe Draftposition zu haben. 

Wichtige Spiele: Woche 5 @ Oregon Ducks, Woche 7 @ Notre Dame Fighting Irish, Woche 8 vs. Arizona State Sun Devils

 

  1. Anthony Richardson / Florida Gators

Etwas hinter den vorherigen zwei Kandidaten und vor dem nächsten Paket ab Position Sieben ist Anthony Richardson in meinem Ranking anzusiedeln. Die Mischung aus Athletik, Armkraft und seinen Körpermaßen von 1,93 Metern und 108 Kilogramm ist einfach zu verlockend, selbst wenn Richardson weiterhin sehr roh in seiner Spielweise daherkommt. Fakt ist, wenn er alles zusammenbringt, kann Richardson das gesamte Feld mit präzisen und schnellen Würfen angreifen. 

Momentan ist Richardson aber ein energischer Runner, der hin und wieder einen akkuraten Pass anbringt. Erst 66 Passversuche in zehn College Einsätzen stehen in seiner Vita, was eine Bewertung seines Armtalents kaum möglich macht. 

Sein neuer Head Coach Billy Napier nimmt sich seinen gehörigen Anlagen nun an und will aus Richardson einen echten Quarterback formen. Gelingt ihm das auch nur ansatzweise, wird Floridas Playmaker eines der am heißesten diskutierten Prospects der kommenden Draftklasse. Viele erinnern sich noch, wie es um Josh Allen oder Lamar Jackson im Vorfeld medial zur Sache ging. Auch dieser Autor beteiligte sich daran ungefragt. 

Wichtige Spiele: Woche 1 vs. Utah Utes, Woche 9 vs. Georgia Bulldogs, Woche 10 @ Texas A&M Aggies

 

  1. K.J. Jefferson / Arkansas Razorbacks

K.J. Jefferson spielt bisher in einer Offense, die ihm wenige mentale Fähigkeiten abverlangt. Vielmehr ist Jefferson ein Passer mit athletischen Anlagen als ein Ballverteiler oder gar ein Game Manager. Seine Anlagen und Körpermessungen von 1,91 Metern und 111 Kilogramm ließen ihn jedoch immer wieder besondere Höhepunkte in sein Spiel einbauen, die seinen wahren Entwicklungshorizont gelegentlich aufblitzen ließen.

Geholfen hat ihm dabei sicherlich die Anwesenheit von Star-Receiver Treylon Burks. In 2021 vervollständigte Jefferson 67 Prozent seiner 294 Passversuche für 2.676 Yards und 21 Touchdowns. Wenn er sich als Pocket Passer weiter stabilisieren kann und seine Leistungen ohne Burks wiederholen kann, wird es ein Team mit dem rohen, aber sehr gut veranlagten Projekt sicherlich versuchen. 

Wichtige Spiele: Woche 1 vs. Cincinnati Bearcats, Woche 4 vs. Texas A&M Aggies, Woche 5 vs. Alabama Crimson Tide

 

  1. Spencer Rattler / South Carolina

Allmählich begeben wir uns in die Tiefe der Quarterback-Klasse. Spencer Rattler spielte 2021 eine enttäuschende Saison, die letztendlich zu seinem Wechsel nach South Carolina führte. Dennoch, im Jahr davor hat er vielversprechende Ansätze gezeigt, die nicht nur die Aufmerksamkeit der Gamecocks, sondern auch der NFL Scouts erregte. 

Zunächst muss es für den jungen Spielmacher darum gehen, zu alter Stärke in der Pocket Präsenz zurückzufinden. Denn mit besonderen athletischen Anlagen wusste Rattler ohnehin noch nicht zu punkten. 

Zu viele erzwungene Plays sorgten für haarsträubende Entscheidungen und insgesamt zwölf Interceptions. Vielleicht war es der Druck seines Trainers Lincoln Riley auf den 20jährigen Spielmacher, der seinen Lesitungsabfall erklären lässt, vielleicht der ständige Atem von Caleb Williams im Nacken, der Rattler innerhalb der Saison vom Startplatz in Oklahoma verdrängte. 

Mit Gewissheit können wir das erst beantworten, wenn wir ihn bei den Gamecocks spielen sehen. Erleben wir den endgültigen Meltdown eines hoffnungsvollen College Anwärters oder kann Rattler auf seine Saison 2020 aufbauen, wie es viele Scouts im Vorfeld der letzten Saison prognostizierten. Sicherheit und mentale Fähigkeiten sind es, die er dazu benötigt. 

Wichtige Spiele: Woche 3 vs. Georgia Bulldogs, Woche 8 vs. Texas A&M Aggies, Woche 13 @ Clemson Tigers

 

  1. Jaren Hall / BYU Cougars

Jaren Hall spielt mit feinen Passmechaniken und sauberem Pocket Movement, was ihm dabei hilft, genaue Pässe zu jeder Zeit nach dem Snap anzubringen. Mit 1,85 Metern und 93 Kilogramm fehlen ihm die idealen Körpermaße. Besorgniserregend ist jedoch vielmehr, dass Hall bereits vor dem NFL Draft 2023 25 Jahre alt sein wird. 

Was sicherlich darüber hinwegsehen lässt, ist die Art und Weise, wie zuverlässig der athletische Quarterback den in die NFL abgewanderten Zach Wilson an der BYU ersetzen konnte. In der Manier eines Point Guards, was wenig überrascht, berücksichtigt man seinen Basketball-Hintergrund, attackierte Hall das Feld und setzte seine Receiver in Szene. Gelingt ihm das erneut über die Distanz einer ganzen Saison und bleibt er endlich von Verletzungen verschont, ist mit ihm im Draft zu rechnen. Das sind aber zugegeben viele “Wenn’s”. 

Wichtige Spiele: Woche 2 vs. Baylor Bears, Woche 6 vs. Notre Dame Fighting Irish, Woche 10 @ Boise State Broncos, 

 

  1. Devin Leary / NC State Wolfpack

Devin Leary ist der erste Kandidat, um ein Depth Chart als zuverlässiger Backup-Quarterback zu ergänzen. Er ist kein besonderer Athlet, setzt dafür aber zuverlässig und akkurat das geforderte Spielsystem um. Leary macht kaum Fehler und ist ein wichtiger Führungsspieler im Wolfsrudel an der NC State. Das werden NFL Teams im Draft honorieren, selbst wenn sie wissen, dass in dem soliden Spielmacher kein außergewöhnliches Talent steckt. 

Wichtige Spiele: Woche 5 @ Clemson Tigers, Woche 11 vs. Boston College Eagles, Woche 13 @ North Carolina Tar Heels

 

  1. Tyler van Dyke / Miami Hurricanes

Tyler van Dyke steht repräsentativ für die Quarterbacks, die das Potential haben, in der Saison 2022 mächtig die Draft Boards hinaufzuklettern. Der Playmaker besitzt ein elitäres Armtalent und spielt mit viel Selbstvertrauen. Mit 1,93 Metern und 102 Kilogramm bringt er außerdem ideale Körpermaße für seine Bewerbung an die NFL mit. 

Der ACC Rookie des Jahres beerbte den verletzten D’Eriq King und Miami blickte ab seiner Einwechslung nie mehr zurück. Mit einem neuen und modernen Playcaller ist alles dafür bereitet, den großen Durchbruch zu wagen. 

Sagen wir so. Im letzten Jahr hat man van Dyke den Einstieg mit simplen Reads und der Bevorzugung seiner natürlichen Anlagen erleichtert. Dabei deutete der athletische Quarterback immer wieder an, dass er mit Antizipation und Timing auch ein komplexeres System umsetzen kann. 

Deshalb steht für ihn und seine Offense die Erweiterung des Playbooks an, um auch gegen potente Gegner, wie Clemson und Texas A&M mitzuhalten. Timing. Pre Snap Reads, Pocket Movement, all das sind eine Menge Bereiche in denen van Dyke sich verbessern muss und möglicherweise kann. 

Vielleicht ist ihm deshalb auch anzuraten, noch ein weiteres Jahr am College zu bleiben und sich in die neue Offense richtig einzugewöhnen. Doch dazu wissen wir in ein paar Monaten mehr. 

Wichtige Spiele: Woche 3 @ Texas A&M Aggies, Woche 12 @ Clemson Tigers, Woche 13 vs. Pittsburgh Panthers

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
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Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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