Jaxon Smith-Njigba muss im Draftprozess punkten, da er weite Teile der Saison verpasste. Quelle: Imago Images / Icon Sportswire / Zach Bolinger

Der NFL Draft ist in weniger als vier Wochen. Die letzten Pro Days sind gelaufen, der NFL Combine liegt bereits länger zurück und nun werden alle Scouting Reports finalisiert. Jetzt ist der Moment, in dem NFL Teams ihre Position Rankings und ein erstes Big Board erstellen, welches in den nächsten Wochen immer weiter angepasst wird. Deshalb ist es der richtige Zeitpunkt, ein Ranking zu den Wide Receivern dieses Jahrgangs 2023 zu erstellen. 

Jordan Addison konnte an seine großartige Saison 2021, in der er sich gegen namhafte Konkurrenz durchsetzte und den Biletnikoff des besten Receivers der College Football Saison erhielt, trotz Wechsel an die Westküste, anknüpfen. Jaxon Smith-Njigba musste hingegen beinahe sein komplettes letztes Jahr verletzungsbedingt an der Seitenlinie verbringen. Gibt es andere Passempfänger, die seinen Platz einnehmen konnten? 

Receiver im NFL Draft 2023

Die Antwort ist, “nicht wirklich”. Denn eine klare zukünftige Nummer Eins lässt sich nur mit etwas Wohlwollen finden. Vielmehr gibt es in diesem Jahrgang sehr gute Optionen für die Rolle des Z-Receivers. Im Gegensatz zum X-Receiver begegnen diesem weniger Eins-gegen-Eins-Duelle und er spielt häufiger gegen Zonenverteidigung statt sogar in die Doppeldeckung genommen zu werden.

Und dann wären da noch die Slot Receiver, die in der heutigen NFL immer mehr Spielanteile erhalten. Teilweise bringen sie dabei die Physis eines Cooper Kupps oder wenigstens Amon-Ra St. Browns mit, um gelegentlich auch von der Außenbahn zu starten. Deshalb ist der Jahrgang besser, als der Ruf es ihm nachsagt.Denn Receiverstarten heutzutage ohnehin aus verschiedenen Positionen und bekommen keine klare Rolle mehr zugewiesen. 

1. Jaxon Smith-Njigba / Ohio State Buckeyes

JSN hat ein gutes Gespür dafür, wie er einen Cornerback ins Leere laufen lassen kann. Bevorzugt attackiert er die Schnittstellen der Zonenverteidigung, um anschließend viele Yards nach dem Catch zu erzielen. Er ist einer der natürlichsten Receiver seines Jahrgangs, mit sehr gutem Route Running, guter Quickness und sicheren Händen. Die Slot-Rolle, in der er bevorzugt spielen wird, wird immer wichtiger in der NFL, ist also kein Manko mehr. 

Smith-Njigba hat sich technisch sehr fein ausgearbeitet, um nicht allein mit Speed gewinnen zu müssen. Darauf könnte er in Zukunft auch nicht bauen. Wenn er gesund bleibt, kann er trotzdem der beste Receiver seines Jahrgangs werden. 

2. Josh Downs / North Carolina Tar Heels

Drake Maye zählt zu den besten Quarterbacks im College Football und wird sich im nächsten Jahr für den NFL Draft bewerben. Bei seiner Kampagne wird er Josh Downs vermissen. Soviel ist sicher. Zuvor schon mit Sam Howell, sammelte Downs in den letzten beiden Jahren insgesamt 195 Receptions ein und war sozusagen der beste Freund des Quarterbacks. 

Im nächsten Schritt möchte ich sehen, dass er im tiefen vertikalen Spiel öfter den Unterschied machen kann, um mehr Ebenen in sein Spiel zu bringen. Ein Wide Receiver, der konstant an der Seitenlinie gewinnt, wird er wohl nicht mehr. Obwohl Jahan Dotson im letzten Jahr vorgemacht hat, dass auch kleine schmale Passempfänger dort ihren Mann stehen können, wenn sie sich mit gutem Timing in die Höhe schrauben können. Downs hat das bereits am College angedeutet. 

Downs ist ein unglaublich spielintelligenter und raffinierter Slot Receiver, der mit enormer Veranlagung, aber rohem Skillset bereits sehr viel aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Im Grunde findet sich kein Spiel, in dem er abgemeldet wurde. Das ist nicht die Beschreibung eines Spielers, der auf eine Gadget-Rolle reduziert werden sollte. 

3. Jalyn Hyatt / Tennessee Volunteers

Gegen Alabama war Jalyn Hyatt nicht zu stoppen und spätestens seit dieser Performance ist er bei den Scouts in aller Munde. Er ist im vertikalen Spiel eine ernstzunehmende Waffe, die auf kurzen oder tiefen Positionen den Ball konstant aufnimmt und damit bis in die Endzone spurtet. Er wird nie kräftig genug sein, um konstant gegen Press oder in physischen Eins-gegen-Eins-Duellen an der Seitenlinie zu gewinnen, aber seine Bereitschaft im Blocking und seinen Körpereinsatz bei Runs nach dem Catch kannst du ihm nicht absprechen. Er hat eine Zukunft als WR2 neben einem klaren WR1, auf den der Fokus gelegt wird.

Hyatt ist der Wingman, der mit seinem Speed gegen jeden Verteidiger ein Laufduell gewinnen kann und damit auch seinen Teamkollegen mehr Räume verschafft. Vermischt mit seinem präzisen Route Running bei einem jedoch aktuell limitierten Tree, kann er sich so immer wieder lösen. Kann er letzteres weiter ausbauen, dürfte seine Rolle immer weiter wachsen. 

4. Jordan Addison / USC Trojans

Lasst euch von wirklich schwachen athletischen Werten im 40-Yard Dash und den Shuttle Drills nicht täuschen. Jordan Addison ist diese am Pro Day seiner Trojans gelaufen und der Platz stand vom Regen komplett unter Wasser. Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich der Biletnikoff Award Gewinner 2021 konstant von Gegenspielern lösen kann und nach dem Catch noch massig Yards erzielen kann.  Wie er sich mit schnellen Beinen und raschen Richtungswechseln von Gegenspielern löst, ist wirklich seine besondere Stärke.

Auch Press Cornern ist er aufgrund seines schnellen Releases am Snap und seiner hohen Agilität gewachsen. Doch diverse Drops, wenige unterschiedliche Routes und fehlende Physis erlauben Skepsis. Addison geht in vielen Mock Drafts in der ersten Hälfte der ersten Runde. Das finde ich zu früh für ihn. Ich sehe nicht den nächsten Jahan Dotson, sondern eher Marquise Brown. Obwohl letzterer besseres College Tape hatte und lange Zeit seine Rolle in der NFL finden musste. 

5. Quentin Johnston / TCU Horned Frogs

An Quentin Johnston scheiden sich die Geister. Er ist kräftig gebaut, beweglich und kann relativ zügig beschleunigen, was ihn zu einer ganz besonderen Waffe im Receiving Game machen kann. Dazu müsste er nicht einmal seinen Route Tree erweitern. Johnston bringt eine Menge Upside mit, wodurch er zu den wenigen Prospects gehört, die zukünftig in einer isolierten X-Receiver-Rolle funktionieren können. 

Momentan nutzt er seine reine Physis und moderaten Speed, um sich von Gegenspielern zu lösen. Das wird ihm in Zukunft nicht mehr so leicht gelingen und genau dort liegt die Fallhöhe. Es gibt mittlerweile zu viele gescheiterte Talente mit seinem Skillset, die zuvor hochgelobt waren. Mir wäre es das Risiko nicht Wert, ihn als erstes zu draften. 

6. Zay Flowers / Boston College Eagles

Zay Flowers ist einer der dynamischsten Receiver dieses Jahrgangs. Vorwiegend aus der Slot kann er in Zukunft aus kurzen Pässen noch große Plays erzielen oder er spurtet einfach vor der Ballannahme an allen Gegenspielern vorbei, um den Ball in der Tiefe zu erhalten. Wie gut er bereits die Schnittstellen attackieren kann, was ein Indikator für seine Kontinuität auf dem nächsten Level wäre, bleibt aber momentan ein Fragezeichen. 

Flowers zählt eindeutig nicht zu den größeren Receivern dieser Klasse. Gegen Press Man gibt es praktisch kein Tape, weshalb wir nur ahnen können, wie gut er darin sein kann. Vorwiegend wird er in Zukunft wahrscheinlich aus der Slot agieren, wo er häufig in Motion gesetzt wird und mit einem Free Release auf Routen gehen kann, bei denen es vor allem um Yards after Catch geht. Dann kann er allmählich eine vielseitigere Rolle erlernen. 

7. Cedrick Tillman / Tennessee Volunteers

Cedrick Tillman attackierte am College eigentlich immer von der rechten Außenbahn. Er hat sehr gute Anlagen für einen Flanker. Da er von einer Sprunggelenksverletzung kommt und in einem Scheme spielte, wo er kaum im Route Running probiert wurde, besteht Upside für die Rolle als X-Receiver. Doch auch als WR2 hat er eine Zukunft in der NFL. 

Ich halte mich gern mit Verlgeichen zurück, aber hier ist der Pro Comparison zu Alshon Jeffery einfach naheliegend. Auch er hatte seine besten Jahre als Z-Receiver neben Brandon Marshall. Der Wechsel auf WR1 ist ihm seinerzeit sehr schwer gefallen. Mit Tillman muss man das aber genauso versuchen, wie seinerzeit mit Jeffery. 

8. Tyler Scott / Cincinnati Bearcats

Geschwindigkeit ist eines der am meisten gefragten Attribute an einem modernen Receiver und Tyler Scott legt davon einiges in die Waagschale für seine Bewerbung zum NFL Draft 2023. Auch gegen Press Man kann er mit seinem schnellen Release bestehen und auf tiefen Routen das Feld attackieren. Selbst wenn es einmal eng werden sollte, kann er sich auf gut getimten Routen wieder freilaufen. 

In der Slot fehlt ihm die Erfahrung, weil er überwiegend außen agierte, weshalb ich ihn auch erstmal in dieser Rolle belassen würde. Er zeigte bei einigen Jump Balls in Contested Situationen wirklich Durchsetzungsvermögen, doch nicht gerade wenige Drops schlichen sich im letzten Jahr in sein Spiel. Da muss ich sogar in Frage stellen, ob dies einzig an seiner Konzentration liegt oder ob er zu feste Hände hat.

9. Marvin Mims / Oklahoma Sooners

Marvin Mims kann als Profi mit sicheren Fanghänden, hohem Speed und Yards after Catch gewinnen. Weil er relativ klein und schmal ist, wird seine Rolle dennoch limitiert bleiben. So sehr mir sein Route Running bisher gefällt, ist es sehr fraglich, ob er gegen mehr Physis weiterhin bestehen kann. Weitet er seinen Route Tree jedoch auf weitere Routes mit mehr schnellen Richtungswechseln aus, kann der Special Teams Returner sich allmählich zum Starter in der Slot oder sogar als WR2 entwickeln. 

10. Elijah Higgins / Stanford Cardinal

Elijah Higgins läuft seine Routen mit gutem Timing und hoher Kontrolle. Sein Speed ist nicht überwältigend, aber in Kombination mit seiner Stabilität und seinem Route Running kann er sich gut vom Gegenspieler lösen. Eine 4,54 ist eine verdammt gute Zeit für einen Receiver mit 1,91 Metern Größe und einem Gewicht von 107 Kilogramm. Dazu kommt seine Bereitschaft im Blocking, wo er sich mannschaftsdienlich, kräftig und physisch präsentiert. NFL Teams werden ihn, so wie ich, weitaus höher auf ihren Boards haben, als es uns die Öffentlichkeit gerade weismachen möchte. 

Aufgeteilt in X, Z und Slot Receiver

Entscheidend für euer Lieblingsteam ist eigentlich nicht, welcher Receiver in diesem allgemein gehaltenen Ranking weiter oben auf der Liste steht, sondern welche Rolle der neue Passempfänger in Zukunft bekleiden soll. Dabei sei erwähnt, dass gerade diejenigen, die ihre Aufgaben noch entwickeln müssen, bessere Chancen haben, wenn sie in den Special Teams aufgestellt werden können. 

Hier sind nun die Topleute unter den X-Receivern, die isoliert auf ihrer Seite gegen die stärksten Cornerbacks in teils physischen Duellen gewinnen sollen. Die Z-Receiver oder auch Flanker genannt, die abhängig vom Schema eher gewisse Rollen, wie das vertikale oder horizontale Spiel zugeteilt bekommen und einfach deshalb glänzen können, weil die Defense nicht das Hauptaugenmerk auf sie legt, sind ebenfalls gelistet. Und zu guter Letzt die Slot Receiver, deren Rolle immer mehr Aufmerksamkeit im Gameplan der NFL Offenses gewinnt. 

X-Receiver

  1. Quentin Johnston / TCU
  2. Cedrick Tillman / Tennessee
  3. Dontay Demus / Maryland
  4. A.T. Perry / Wake Forest
  5. Bryce Ford-Wheaton / West Virginia

Z-Receiver

  1. Jalyn Hyatt / Tennessee
  2. Tyler Scott / Cincinnati
  3. Marvin Mims / Oklahoma
  4. Elijah Higgins / Stanford
  5. Rashee Rice / SMU

Slot Receiver

  1. Jaxon Smith-Njigba / Ohio State
  2. Josh Downs / North Carolina
  3. Jordan Addison / USC
  4. Zay Flowers / Boston College
  5. Charlie Jones / Purdue
Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
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Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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