HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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NFL: Der große Midseason-Report mit allen Teams

Patrick Mahomes und seine Kansas City Chiefs gehören wieder mal zu den besten Teams der NFL. Patrick Mahomes und seine Kansas City Chiefs gehören wieder mal zu den besten Teams der NFL. Imago Images / Icon SMI / William Purnell
Ein verrücktes Jahr ist es allemal, doch letztendlich hat die NFL es bisher geschafft, ihren Spielplan irgendwie und ohne größere Unfälle über die Bühne zu bringen. Das beste daran ist, dass vor allem eines zählt: American Football, der Sport, das, was wir alle so lieben. In diesem Sinne wollen wir uns auf das Sportliche konzentrieren und ein paar Schulnoten verteilen. Wie hat jedes Team bisher in der ersten Saisonhälfte performt?

ARIZONA CARDINALS (5 Siege – 2 Niederlagen)

Es lebt sich gut in der Wüste, zumindest wenn man als Football-Team von Quarterback Kyler Murray angeführt wird. Der Youngster ist noch längst kein fertiger Passer (13 Touchdowns, 7 Interceptions), seine Beine aber machen ihn zu einem der elektrisierendsten Spieler der gesamten NFL (6,7 Yards pro Rush, 7 Touchdowns, schon 28 First Downs) und damit sein Team zu einer der gefährlichsten Mannschaften auf dem Boden (Ligarang 2 hinter Baltimore). Die Defense macht allerdings ein paar Fehler zu viel und die Cards leisten sich die zweitmeisten Penalties in der gesamten NFL.

Note: 2

ATLANTA FALCONS (2-6)

Es gab die kleine Hoffnung, dass die Falcons ihr Meisterschaftsfenster mit Matt Ryan, Julio Jones und eine bombastischen Offense noch ein wenig länger aufhalten könnten. Dieser Wunschtraum ist nun ausgeträumt. Head Coach Dan Quinn und GM Thomas Dimitroff wurden gefeuert, auch weil sie eine der schlechtesten Defenses der Liga (410,6 erlaubte Yards) ins Feld schickten. Ryan und seine Offense tun, was sie können, doch auch sie sind verantwortlich für die mangelnde Toughness, die sich durch den gesamten Kader zieht und mehrmals zum Verspielen sicher geglaubter Vorsprünge führte.

Note: 5+

BALTIMORE RAVENS (5-2)

Von der Bilanz her ist alles okay bei den Ravens und die Tatsache, dass sie das beste Laufspiel der NFL (178,7 Yards pro Partie, 5,5 Yards pro Rush) als auch eine Top Ten Defense besitzen, macht Hoffnung. Kopfschmerzen bereitet allerdings das unbeständige Spiel von Superstar Lamar Jackson, der zwar gegen schwächere Gegner dominiert, in den beiden Marquee Matchups mit Pittsburgh und Kansas City dafür aber umso schwächer aussah. Seine Passquote ist um fast sechs Prozentpunkte gefallen, er generiert kaum Yards durch die Luft (nur die Jets passen für weniger pro Partie) und er kassiert auch weit mehr Sacks als letzte Saison (bereits 19). Der Wille, ein besserer Pocket-Passer zu sein, scheint ihn mental zu beeinträchtigen und damit sein gesamtes Team gleich mit.

Note: 2-

BUFFALO BILLS (6-2)

Besser hätte der frühe Saisonstart eigentlich nicht laufen können für die Bills. Quarterback Josh Allen zeigte sich stark verbessert, das Passing Game wirkte explosiv und alle anderen AFC-Teams strauchelten. Dann allerdings zogen ein paar dunkle Wolken auf. Allen fiel in alte Muster zurück (fünf Turnover und zwei Partien mit weniger als 160 Pass Yards in den letzten vier Spielen) und die Defense, eigentlich das Prunkstück in Orchard Park, ist bisher nur Durchschnitt. Zuletzt wachten zumindest die jungen Running Backs ein wenig auf und es gab einen Sieg im wichtigen Division-Game gegen New England.

Note: 2-

CAROLINA PANTHERS (3-5)

Wenn jemand den Panthers vor der Saison gesagt hätte, dass sie fast sechs Spiele auf Star-Runner Christian McCaffrey verzichten müssen, dann wäre ihnen wohl Angst und Bange geworden. Eine durchaus ansehnliche Pass-Offensive um Teddy Bridgewater, das Receiver-Duo Robby Anderson und D.J. Moore sowie den 31-Jährigen Coordinator Joe Brady hat den Verlust aber zumindest zum Teil aufgefangen. Das junge Team hat noch viel zu lernen, vor allem in der Defense (zweitschlechteste Quote beim dritten Down), doch es gibt eine Reihe positiver Anzeichen für die Zukunft. Head Coach Matt Rhule macht bisher einen soliden Job.

Note: 3+

CHICAGO BEARS (5-3)

Trotz ihrer ganz guten Bilanz läuten bei den Bears reihenweise Alarmglocken. Der Quarterback-Wechsel von Mitch Trubisky zu Nick Foles hatte nicht den durchschlagenden Effekt, den man sich erhoffte, das Running Game ist eines der schwächsten der Liga (3,8 Yards pro Rush, 85,6 Yards pro Partie) und nur drei Teams machen weniger Punkte als die Bears. Die Defense in der Windy City ist zwar traditionell stark (vor allem beim Third Down, wo Chicago mit 29,8 % zugelassenen First Downs die Liga anführt), doch sie scheinen nicht so dominant zu sein, dass sie einen schwächelnden Angriff die gesamte Saison über tragen können. Noch reicht es, nur wie lange noch?

Note: 3+

CINCINNATI BENGALS (2-5-1)

Man kann den Bengals nicht vorwerfen, dass sie ihren Top-Pick Joe Burrow mit Stützrädern oder zu viel Vorsicht in seine erste NFL-Saison geschickt hätten. Kein Spieler hat mehr Pässe geworfen als der Ex-LSU-Tiger und die Ergebnisse sind – im Großen und Ganzen – ziemlich gut. Oft sind es allerdings kurze Pässe (nur 6,9 Yards pro Attempt), weil die schwache Bengals Offensive Line sonst noch mehr als die ohnehin schon grausamen 28 zugelassen hätte. Das Laufspiel kommt ebenfalls nicht so richtig in Tritt und in der Defense gibt es neben Jessie Bates III nur wenige Lichtblicke. Zac Taylor könnte bereits um seinen Job coachen.

Note: 4+

CLEVELAND BROWNS (5-3)

Die Browns verpassen ihren Fans ein wahrliches Wechselbad der Gefühle. Entweder scoren sie unter sieben Punkten (so wie in drei Partien) oder aber sie machen mehr als 32 Punkte (so wie in den restlichen fünf Spielen). Ebenso unbeständig ist ihr Quarterback Baker Mayfield, dessen 15 Touchdowns einen guten Wert darstellen, der aber in vielen anderen Kategorien wie Yards per Attempt oder Genauigkeit schwach daherkommt. Verlass ist auf ein wieder mal dominantes Running-Game (NFL-Rang 5), selbst ohne den verletzten Nick Chubb. Odell Beckhams Kreuzbandriss wiegt schwer, ähnlich wie die oft poröse Defense (29,6 erlaubte Punkte, Ligarang 27).

Note: 3+

DALLAS COWBOYS (2-6)

Egal ob es die schwere Verletzung von Dak Prescott ist, eine Verteidigung, die scheinbar gegen High School Mannschaften Schwierigkeiten bekommen könnte (33,2 erlaubte Punkte), oder auch die in den Medien durchgesickerte Trainerkritik an Mike McCarthy – die Saison der Dallas Cowboys ist bisher eine einzige Katastrophe. Ein großes Problem ist die angeschlagene Offensive Line, der Grundstein für die offensiven Feuerwerke der vergangenen Jahre. Das Karriereende von Travis Frederick und etliche Verletzungen (unter anderem Tackles Tyron Smith, La‘el Collins und Center Joe Looney) fallen schwer ins Gewicht und Ezekiel Elliott (nur 4 Yards pro Carry, vier Fumbles) vermag sein Team nicht aufzufangen.

Note: 5

https://twitter.com/barstoolsports/status/1321546064109932544

DENVER BRONCOS (3-4)

Die Broncos werden langsam zu dem jungen Team, auf das sich viele NFL-Fans vor der Saison gefreut hatten. Viele ihrer statistischen Werte tummeln sich im Mittelfeld der Liga und somit passen sie in der Regel auch zur Gesamtbilanz. Der zeitweise verletzte Quarterback Drew Lock durchschritt viele Täler (unter 60 % Passquote, nur 6,8 Yards pro Attempt), überzeugte allerdings zuletzt mit einem monumentalen Comeback gegen die Chargers. Dazu macht das junge Pass Rush Duo Bradley Chubb (5,5 Sacks) und Malik Reed (5 Sacks) das verletzungsbedingte Fehlen von Superstar Von Miller fast vergessen. Ein, vielleicht zwei Jahre noch und dann könnte in Mile High was gehen – zumindest wenn Drew Lock sich weiterentwickelt.

Note: 3-

DETROIT LIONS (3-4)

Die Lions spielen in dieser Saison mal wieder so, wie man es leider so oft von ihnen in den letzten Jahren kannte. Die Offense hat unter Matt Stafford (13 Touchdowns, fünf Interceptions) zeitweise Schlagkraft und es gibt vereinzelt defensive Lichtblicke (wie Romeo Okwara), doch eigentlich passt gar nichts richtig zusammen. Matt Patricia hat es erneut nicht geschafft, der Mannschaft eine Identität zu geben, auch wenn er vor der Saison noch mehr Ex-Patriots in die Motor City holte. Corner Jeff Okudah, der dritte Pick des vergangenen Drafts, hat bisher große Probleme, viel Hilfe bekommt er allerdings von seinen Teamkameraden oder den Coaches auch nicht.

Note: 4

GREEN BAY PACKERS (5-2)

Anfang des Jahres spielte Aaron Rodgers wie ein Besessener, so als ob er es der gesamten Liga und seinem GM (der seinen potenziellen Nachfolger draftete) so richtig zeigen wollte. Gestützt wurde er von einem physischen und willigen Laufspiel, was den Packers wichtige Balance gab. Die peinlichen Pleiten gegen Tampa Bay und Minnesota machten viel vom frühen Optimismus kaputt, vor allem weil Green Bay wieder mehr wie ein Finesse-Team aussah, das physisch nicht dagegen halten kann. Die Defense ist trotz eines talentierten Pass Rushes unbeständig, verpasst zu viele Tackles und hat oft Abstimmungsprobleme. Aaron Rodgers ist aber immer noch Aaron Rodgers, dass kann viel verstecken. Wenn auch nicht alles.

Note: 2-

HOUSTON TEXANS (1-6)

Wer schon vor dem Bergfest der Saison seinen Coach gefeuert hat, für den lief zweifelsohne eine Menge falsch und genauso ist es in Houston. Deshaun Watson wollte vor der Saison nicht nur finanziell (was ihm ja gelang) zu den absoluten Mega-Quarterbacks der Liga aufschließen, Hilfe bei diesem Unterfangen bekam er wenig. Das Laufspiel ist das schlechteste der NFL, Neuzugang David Johnson ein Schatten seiner Selbst und auch die Offensive Line präsentiert sich zu oft desolat. Auch die Defense um J.J. Watt ist meistens eher zahnlos (31 zugelassene Punkte pro Partie), auch wenn Interim Romeo Crennel ein wenig frischen Wind brachte.

Note: 5+

INDIANAPOLIS COLTS (5-2)

Der Plan, eine dominante Defense mit einer soliden Offense zu paaren, geht bisher gegen viele NFL-Kellerkinder ganz gut auf in Indianapolis. Die Frage ist, wie weit kann das die Colts tragen? Philip Rivers zeigt sich mit fast 70 Prozent Passquote ziemlich zielsicher, doch es gibt immer wieder Phasen, in denen sich sein Alter bemerkbar macht. Während die hochgelobte Offensive Line die wenigsten Sacks der Liga zulässt, haben sie in Kombination mit dem Ausfall von Marlon Mack und den jungen Backups eine der schwächsten Rushing Attacks in der NFL zu verantworten. Die Verteidigung um die starke Mitte DeForest Buckner, Darius Leonard und Rookie Julian Blackmon ist allerdings eine echte Waffe und hat bis auf wenige Ausnahmen den Laden zusammen gehalten.

Note: 2

JACKSONVILLE JAGUARS (1-6)

Mit ihrem Sieg in Week 1 ließen die Jaguars ligaweit aufhorchen, hatten ihnen doch viele Experten vor der Spielzeit beste Chancen beim Rennen um Top-Talent Trevor Lawrence im nächsten Draft eingeräumt. Ironischerweise könnte ihnen eben jener Sieg auf die Füße fallen und den Traum von Trevor verpuffen lassen. Gardner Minshew, der starke Rookie James Robinson und das junge Team mühen sich zwar nach Kräften, doch es fehlt weit und breit einfach an Qualität. Unter anderem besitzen die Jaguars den schlechtesten Pass Rush der NFL, lassen die zweitmeisten Punkte zu und generieren viel zu wenig im tiefen Passspiel.

Note: 4-

KANSAS CITY CHIEFS (7-1)

Alles läuft nach Plan beim Titelverteidiger, wenn man mal von der bitteren Heimpleite gegen Las Vegas absieht. Diese kann man durchaus als Ausrutscher betrachten, denn sonst erfüllen die Chiefs jegliche Erwartungen. Zwar ist ihre Rushing Defense nicht immer sattelfest (der Gegner läuft für 4,8 Yards pro Rush), dafür liegen sie in Sachen Scoring Defense auf NFL-Rang Drei mit nur 19 zugelassenen Punkten im Schnitt. Offensiv brennen sie in schöner Regelmäßigkeit ein Feuerwerk ab und haben mit Rookie Clyde Edwards-Helaire (fast 800 Scrimmage Yards) noch eine weitere Dimension dazu bekommen. Pat Mahomes warf bei bisher 21 Touchdowns nur eine Interception. Nicht ganz so schlecht.

Note: 1

LAS VEGAS RAIDERS (4-3)

Die Raiders sind ein schwierig zu deutendes Team, die zwar in vielerlei Hinsicht durchschnittlich wirken, dann aber immer wieder Ausrufezeichen setzen. Ihre positive Bilanz haben sie sich gegen das vielleicht schwerste Auftaktprogramm der NFL erkämpft (fünf von sieben Gegnern stehen derzeit mit fünf oder mehr Siegen da). Das nicht mehr drin war bisher, liegt vor allem an der zu oft wackeligen Defense, gerade im Backend und beim oft nicht vorhandenen Pass Rush. Witzigerweise war gerade letzterer ein Schlüssel zum monumentalen Sieg in Kansas City. In der Offense läuft für Derek Carr (14 Touchdowns, nur 2 Picks) und ein talentiertes Supporting Cast viel richtig (Top Ten in Punkten pro Spiel), doch Luft nach oben gibt es auch hier (nur 4,1 Yards pro Rush).

Note: 2-

LOS ANGELES CHARGERS (2-5)

Natürlich ist es ärgerlich, dass die Chargers ihren Saisonstart in Sachen Bilanz so ziemlich verschlafen haben. Noch viel ärgerlicher ist auch, dass sie durch zu vorsichtiges Agieren das Verspielen von großen Vorsprüngen zu einer Kunstform erhoben haben. All dem entgegen steht aber, dass es im Moment so aussieht, als ob sie mit Justin Herbert ihren Star-Quarterback für die nächsten 15 Jahre gefunden haben. Der Rookie bringt 67,4 Prozent seiner Pässe an den Mann und leistete sich bei starken 15 Touchdowns erst fünf Interceptions. Seine Offensive Line, ein starkes Laufspiel und ein gefährliches Receiving Corps helfen ihm, eine Top Fünf NFL Offense zu generieren. Die Defense hinkt da etwas hinterher und zu viele Turnover machen sich ebenfalls in der Bilanz bemerkbar.

Note: 4+

LOS ANGELES RAMS (5-3)

Die Los Angeles Rams mussten sich nach der schwachen letzten Saison neu erfinden und zum Teil gelang ihnen das auch. Die Defense angeführt von einem überragenden Aaron Donald (9 Sacks, 3 Forced Fumbles) gehört zu den gefährlichsten Units der gesamten NFL, vor allem weil sie ohne Ende Druck generieren (24 Sacks). Die Offense dafür, eigentlich das Steckenpferd von Coach Sean McVay, bereitet ein wenig Kopfzerbrechen. Die Rams machen nur 24,4 Punkte pro Partie und das gegen ein bis dato sehr leichtes Schedule. Jared Goff liefert zwar satte Yards-Statistiken, doch so ganz ist die Konstanz früherer Tage nicht da. Gerade in der Red Zone fehlt es an Genauigkeit.

Note: 2-



MIAMI DOLPHINS (4-3)

Die große Shopping-Tour der Dolphins in der Offseason trägt erste Früchte. Da sie aber mit reichlich Draft Capital in der Hinterhand dennoch auf die Zukunft schielen, wechselten sie just letzte Woche zu Rookie-Passer Tua Tagovailoa. Dieser findet in Miami solide Bedingungen für den Karrierestart vor, denn er weiß eine der besten Verteidigungen der NFL in seinem Rücken (18,6 zugelassene Punkte sind NFL-Rang Eins), Brian Flores versprüht als Coach Selbstvertrauen und auch die Offensive ist im Pass Blocking sattelfest. Das Laufspiel ist dafür mit 3,6 Yards pro Rush immer noch ein Desaster, wie schon in der vergangenen Saison.

Note: 3+

MINNESOTA VIKINGS (2-5)

Die Tage einer dominanten Vikings-Defense unter Mike Zimmer scheinen fürs Erste gezählt. Es sieht aus, als ob die Nordmänner ein wenig den Generationenwechsel und auch den Ruf nach mehr Speed sowie Athletik verpasst haben. Das in der Offense auch Kirk Cousins seine seit Jahren schwächste Saison spielt (12 Touchdowns, 10 Interceptions) ließ das Wikinger-Schiff auf Grund laufen. Auf eben jenem überzeugt zumindest ein in dieser Saison überragender Dalvin Cook (652 Rush Yards, 10 Touchdowns, 5,3 Yards pro Rush) und auch der schnelle Rookie Justin Jefferson (563 Yards, 18,2 Yards pro Reception) hat Star-Potenzial.

Note: 4

NEW ENGLAND PATRIOTS (2-5)

Bis zum heutigen Tag kann man über das Experiment Cam Newton in New England nur ein Fazit ziehen: Es ist gescheitert. Der ehemalige MVP hat abgesehen von ein paar überflüssigen Dance-Moves jeglichen Glanz vergangener Tage verloren (zwei Touchdowns, 7 Interceptions) und führt eine der schwächsten Pass-Offensiven der NFL an. Ein dezimiertes und untalentiertes Receiving Corps macht es ihm dabei auch nicht leicht. Hinzu kommen große Verletzungssorgen im Kader (erst recht in Kombination mit den Covid-19-Absagen) und all das können auch eine solide Defense, ein starkes Laufspiel sowie der große Bill Belichick nicht kompensieren.

Note: 4-

NEW ORLEANS SAINTS (5-2)

So turbulent haben sich die Saints ihren NFL-Saisonstart mit Sicherheit nicht vorgestellt, doch letztendlich stehen sie mit ihren fünf Siegen ganz gut da. Auch wenn sie nicht das von vielen erwartete dominante Team sind und einige innere Querelen vermutet werden, Drew Brees und Co finden trotz Verletzungsproblemen immer neue Mittel und Wege, Spiele zu gewinnen. Brees kann trotz schwindender Armkraft mit einer Passquote von 73,1 Prozent immer noch viele Dinge für NOLA regeln, erst recht, wenn Michael Thomas wieder in den Spielbetrieb einsteigt. Die Saints-Defense gibt zwar ein paar zu viele Punkte ab (28,1), rangiert dafür aber in vielen Yard-Statistiken unter den Top Ten. Unter anderem lebt die Verteidigung von einem starken Pass Rush (19 Sacks), könnte dafür aber mehr Turnover generieren.

Note: 2

NEW YORK GIANTS (1-7)

Der neue Head Coach Joe Judge wollte eine neue „Kultur“ in New York kreieren, was ihm zumindest teilweise gelungen ist. Die Giants kämpfen und hängen sich in viele Partien hinein, letztendlich fehlt es ihnen aber oft an der nötigen Cleverness sowie dem ausreichenden Talent. Letzterer Umstand wurde durch die frühe Verletzung von Saquon Barkley nochmals unterstrichen. Ohne den Stadtrivalen in Grün hätten die Giants die statistisch schlechteste Offensive der Liga, vor allem weil Quarterback Daniel Jones sich in seinem zweiten Jahr kein bisschen weiterentwickelt hat (7 Passing Touchdowns, 9 Interceptions, vier verlorene Fumbles). Schlimmer noch, er hat sogar einen Schritt zurück gemacht. Die Defense schlägt sich im Angesicht dieser Probleme noch sehr beachtlich (24,9 zugelassene Punkte).

Note: 4-

NEW YORK JETS (0-8)

Wenn ein Team-Besitzer seinen Head Coach ein „Offensiv-Genie“ nennt, das eigene Team aber den mit Abstand schlechtesten Angriff in der NFL hat (11 Punkte pro Partie, 155,9 Passing Yards), dann läuft nicht nur einiges schief, sondern man befindet sich inmitten einer sportlichen Katastrophe. Adam Gase ist eines der absoluten Hauptprobleme in New York, was in Kombination mit vielen Verletzungen sowie einem Mangel an Qualität im Kader zu diesem Unfall einer Saison führt. Quarterback Sam Darnold vermag nicht, Teil der Lösung zu sein und somit sehnt Gang Green Trevor Lawrence als Heilsbringer herbei. Selbst wenn es dafür eine sieglose Saison braucht. Zu den wenigen Lichtblicken zählen Left Tackle Mekhi Becton und Rookie-Receiver Denzel Mims, die beide potenzielle Eckpfeiler eines Rebuilds sein könnten.

Note: 6

PHILADELPHIA EAGLES (3-4-1)

Die Eagles hätten es bestimmt unterschrieben, nach acht Spieltagen an der Spitze der NFC East zu stehen. Die Art und Weise, wie diese Tabellenführung in der zweifelsohne schlechtesten Division der NFL zustande kam, relativiert allerdings einen eventuell aufkeimenden Optimismus. Die Eagles erlauben die meisten Sacks in der NFL (32) und Carson Wentz spielt die schlechteste Saison seiner Karriere (unter 60 % Passquote, 12 Interceptions), was langfristige Ambitionen in Frage stellt. Die Top Ten Defense der Eagles wäre auf jeden Fall für höhere Aufgaben bereit. Angeführt von einem überragenden Brandon Graham (7 Sacks, 11 QB Hits) generiert sie enorm viel Druck und zählt damit zu den fünf besten Units gegen den Pass.

Note: 3-

PITTSBURGH STEELERS (7-0)

Auch wenn die Rüstung des Super Bowl Anwärters hier und da ein paar Dellen aufweist, nach den Siegen in Tennessee und Baltimore scheint eines ganz klar: Der Weg zur NFL-Meisterschaft führt in diesem Jahr durch Pittsburgh. Traditionell leben die Steelers von ihrer dominanten Defense, die in fast allen wichtigen Kategorien unter den fünf besten Units rangiert und den mit Abstand gefährlichsten Pass Rush ins Felde führt (4,3 Sacks pro Partie). T.J. Watt (ein Kandidat für den Defensive Player Of The Year Award), Bud Dupree und Stephon Tuitt bringen es zusammen auf 18,5 Sacks und 48 Quarterback Hits. In der Offense steht Ben Roethlisberger eine der besten Skill Position Groups der Liga zur Verfügung, die vor allem durch ihre Breite unglaublich schwer auszurechnen ist.

Note: 1+

SAN FRANCISCO 49ERS (4-4)

Die 49ers hatten sich ihre bisherige Saison als letztjähriger Super Bowl Teilnehmer sicherlich anders vorgestellt, schreiben doch vor allem Verletzungen (allen voran der Ausfall von Pass Rusher Nick Bosa und der nun bekanntgewordene wochenlange Verlust von Jimmy Garoppolo) und ein damit verbundener Mangel an jeglicher Konstanz die Geschichte der aktuellen Spielzeit. Dominante Auftritte auf beiden Seiten des Balls wechseln sich mit unerklärlichen Auftritten ab. Weder das gefährliche Laufspiel (127 Yards pro Partie, 4,5 Yards pro Rush) noch die starke Defense (314,6 zugelassene Yards, NFL-Rang 6) sind so dominant, dass sie die Mannschaft über einen längeren Zeitraum tragen könnten.

Note: 3-

SEATTLE SEAHAWKS (6-1)

Die Tatsache, dass ein überragender Quarterback in der NFL die halbe Miete bedeuten kann, hebt Russell Wilson in dieser Saison noch einmal auf eine ganz andere Stufe. Zugegeben, bisher hatte er es noch nicht mit vielen starken Teams zu tun (Arizona war der einzige Gegner mit einer positiven Saisonbilanz), dennoch sind Wilsons Statistiken aberwitzig stark (71,2 % Passquote, 26 Touchdowns). Die Seahawks haben die beste Scoring-Offense der NFL (34,1 Punkte), auch dank des Receiver-Duos D.K. Metcalf und Tyler Lockett (zusammen 1255 Yards und 14 Touchdowns). Die Defense ist dafür eine Katastrophe und erlaubt mit 460,9 Yards pro Partie fast 40 mehr als das zweitschlechteste Team in der NFL. Einzige Rettung der Hawks-Verteidiger sind ihre starken Turnover-Zahlen (14 forcierte Ballverluste, Top-Wert der Liga).

Note: 2



TAMPA BAY BUCCANEERS (6-2)

Tom Brady und Rob Gronkowski brauchten ein wenig, um in Tritt zu kommen, mittlerweile läuft das Projekt „Super Bowl South“ aber auf Hochtouren. Tom Brady marschiert mit einer starken Saison voran (18 Touchdowns bei nur 4 Interceptions) und bemüht sich, allen seinen Waffen genug Touches zu geben. Das Ergebnis sind die drittmeisten Punkte der NFL und es offenbaren sich kaum Schwachstellen im namhaften Kader. Die Defense von Todd Bowles schafft es sogar, mit der Offense mitzuhalten und ist unter anderem die beste Run-Verteidigung der Liga. Gegen den Pass hapert es manchmal (Liga-Rang 14), was neben einem selten benutzten Laufspiel in der Offensive vielleicht die derzeit einzige Schwäche darstellt.

Note: 1-

TENNESSEE TITANS (5-2)

Nach fünf Spielen ohne Niederlage dämpften zuletzt zwei Pleiten in Folge die Euphorie im Volunteer State. Das Duo Ryan Tannehill (17 Touchdowns, nur 3 Interceptions, 7,8 Yards pro Attempt) und Derrick Henry (110,7 Rush Yard pro Spiel, 8 Scores) gehört zu den wohl besten QB/RB Kombos der Liga, dabei mussten sie zeitweise ohne die Top-Receiver Corey Davis und A.J. Brown auflaufen. Die Verteidigung der Titans sorgt allerdings für große Sorgen, mit einem komplett zahnlosen Pass Rush (nur ein Sack pro Spiel) und der schlechtesten Quote beim Third Down (61 % zugelassene First Downs). Dafür generiert Tennessee reichlich Turnover (12) und leistet sich selbst nur wenige (4), was zur zweitbesten Differenz der Liga führt. Kicker Stephen Gostkowski trifft bisher weniger als 60 Prozent seiner Field Goals.

Note: 2

WASHINGTON FOOTBALL TEAM (2-5)

Die Ex-Skins mussten nach einer turbulenten Offseason fürchten, dass sie in eine absolute Katastrophenspielzeit schlittern. Trotz seiner Krebserkrankung hat es Ron Rivera mit seinem Staff aber geschafft, das Maximum aus einem jungen Kader herauszuholen und damit schreibt das WFT eine der positiven Geschichten der Saison. Washington hat die beste Passverteidigung der NFL, vor allem wegen eines überragenden Pass Rushes (3,1 Sacks pro Spiel) und reihenweise Playmakern in der Secondary. Das große Problem in Washington ist die Quarterback-Position, wo weder Dwyane Haskins noch Kyle Allen eine Zukunft haben. Ein neuer Signal Caller würde durchaus gute Bedingungen in der Hauptstadt vorfinden, auch wenn sich viele Youngster erst noch gegen bessere Gegner beweisen müssen.

Note: 4+

Eine Anmerkung zum Schluss: Alle vergebenen Noten versuchen eine Relation zu den jeweiligen Erwartungen des Teams herzustellen.

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Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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