Quarterback Anthony Richardson war einer der Standouts bei der NFL Combine 2023 in Indianapolis.
IMAGO / USA TODAY Network

Auch wenn viele Teams die NFL Combine in Indianapolis in erster Linie nutzen, um Spieler in persönlichen Interviews besser kennenzulernen, wird es für die Fans doch erst richtig interessant, wenn die baldigen Rookies ihre athletischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Nun kann man darüber streiten, wie wichtig es für einen O-Liner wirklich ist, hoch springen zu können – doch es ist nun einmal so, dass viele Teams Spieler von ihren Draftlisten streichen, wenn sie nicht bestimmte, physische Parameter erfüllen. Jedes Jahr sehen wir daher Riser und Faller in der prognostizierten Draft-Order nach der Combine. Wer in diesem Jahr seine Chancen auf eine frühe Auswahl verbessert hat, zeigt euch TOUCHDOWN24.

 

Anthony Richardson, Quarterback, Florida


Das Highlight der diesjährigen Combine war ohne jede Frage Gators-Quarterback Anthony Richardson. Jeder, der den 21-Jährigen in diesem College-Jahr spielen sah, wusste, dass Richardson athletisch ist – aber dass er gleich mehrere Combine-Rekorde pulverisieren würde, hatten dann doch nur wenige auf der Agenda. Sowohl beim vertikalen (1,03 Meter) als auch beim Broad Jump (3,28 Meter) sprang Richardson in die Geschichtsbücher. Sein 40-Yard-Dash von 4,43 Sekunden war zudem der viertschnellste aller Quarterbacks seit 2003.

Und jetzt kommt das Erstaunliche: Richardson zauberte diese Zahlen mit offiziellen 1,93 Metern und 111 Kilogramm auf den Rasen. Der Gators-Star hat den Vergleichen mit Cam Newton nicht nur standgehalten, er hat den ehemaligen MVP sogar klar übertroffen. Bei den Onfield-Workouts konnte Richardson zudem bei den tiefen Pässen brillieren. Ich meine, einige dieser Deep Balls sind klare 10/10s:

Richardson ist ein Projekt und wird Zeit benötigen, doch er hat das größte Upside aller Quarterbacks im Draft. Stand heute gehe ich davon aus, dass ein Team in den Top 10 zuschlagen wird. Selbst als First Overall Pick würde ich Richardson nicht mehr ausschließen, wenn sich ein Team wie die Colts in das Potenzial des athletischen Freaks verliebt.

C.J. Stroud, Quarterback, Ohio State


Anders als Richardson nahm Stroud nicht an den athletischen Tests im Rahmen der Combine teil, doch bei den Wurf-Workouts war er anwesend – und meiner Meinung nach der klar beste Quarterback der Draftklasse. Stroud zeigte beinahe keine Fehler und überzeugte mit geschmeidigen Abläufen. Seine Genauigkeit und sein Touch waren bei Würfen fast jeder Art zu sehen. Stroud wurde vor dem Draft als klarer Pocketpasser gesehen und seine Performance in Indianapolis hat diesen Status einmal mehr bestätigt.

Stroud ist wohl der Quarterback dieser Klasse, der den höchsten Floor liefert. Er hat nicht das Upside eines Will Levis oder eben Anthony Richardson, doch es wird einige Teams geben, die denken, dass sie mit einem Stroud im Rookie-Vertrag ein Titelfenster öffnen können. Und anders als First-Overall-Favorit Bryce Young bringt Stroud (1,90 Meter / 97 Kilogramm) keinerlei Bedenken bezüglich Größe und Gewicht mit. Einzig der schlechte Track-Record von Ohio-State-QBs in der Vergangenheit könnte Stroud zum Verhängnis werden.

Jaxon Smith-Njigba, Wide Receiver, Ohio State


Smith-Njigba, der 2021 bei Ohio State eine beeindruckende Saison hinlegte, dann 2022 aber wegen Verletzungen nur 60 Snaps auf dem Feld stand, zeigte eine beeindruckende Combine. Zwar lief er die 40 Yards nicht und dürfte damit einige Zweifler bestätigt haben, die von seinem Speed nicht überzeugt sind. Doch bei den On-Field-Drills sah der 21-Jährige fantastisch aus – gerade was sein smoothes Route-Running betrifft. Doch macht euch selbst ein Bild davon:

Mit einem Three-Cone-Drill von 6,57 Sekunden und einem Short Shuttle von 3,93 Sekunden führte Smith-Njigba zudem alle Wideouts an und lag im 96sten Perzentil in der Geschichte der Combine. Dieses Wochenende in Indy dürfte den Ohio-State-Wideout auf dem Big Board vieler Teams klar nach oben gespült haben.

Darnell Washington, Tight End, Georgia


Schon bevor Washington am Samstag das Feld für seine Workouts betrat, sorgte er mit seinen unglaublichen Maßen (2,00 Meter / 119,7 Kilogramm) für Aufsehen. Derart viel Gewicht und Größe mitzubringen, dämpft normalerweise die physischen Erwartungen, aber nicht so bei Washington. Er lief die 40 Yards in 4,64 Sekunden (!) - ein unfassbarer Wert bei seiner Größe und seinem Gewicht.

Doch damit nicht genug, konnte Washington auch beim Broad-Jump (3,10 Meter) und beim Short-Shuttle (4,08 Sekunden) überzeugen – beides Spitzenwerte unter Tight Ends an diesem Wochenende an. Ein derartiges physisches Profil wird im Draft nur wenige Teams kalt lassen. Stand heute würde es mich stark wundern, wenn Washington nicht innerhalb der ersten 50 Picks vom Board geht.

Nolan Smith, Edge, Georgia


Hätte Anthony Richardson nicht eine einzigartige Show auf den Rasen gezaubert, wäre mein Combine-Titel in diesem Jahr an Smith gegangen. Der Edge-Rusher von Georgia (1,88 Meter / 108 Kilogramm) lief die 40 Yards in unglaublichen 4,39 Sekunden und hatte nach 10 Yards eine Zwischenzeit von 1,52 Sekunden – beide Werte liegen im 99sten Perzentil bei Edge-Rushern seit dem Jahr 1999.

Sein vertikaler Jump von 1,05 Metern war zudem der beste aller Pass-Rusher. Smith ist ein früherer Number-1-Recruit, der damals schon für sein athletisches Potenzial bekannt war. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass er dieses Potenzial erreicht hat. In vielen der kommenden Mock-Drafts wird Smith wohl in den Top 15 vom Board gehen und das erwarte ich ehrlich gesagt auch im Draft Ende April.

Byron Young, Edge, Tennessee


Neben Smith war Young der auffälligste Spieler beim Workout der Edge-Defender. Der 24-Jährige lief die 40 Yards in starken 4,43 Sekunden und konnte auch im Broad-Jump (3,35 Meter) und beim vertikalen Jump (0,97 Meter) überzeugen. Young ist einer der besten Athleten in dieser Draftklasse und hat das am Wochenende unter Beweis gestellt.

In Tennessee spielte Young aber nur zwei Jahre und er ist bereits einer der älteren Spieler seiner Draftklasse. Das könnte ihm eine Auswahl in der ersten Runde kosten, doch mit derartigen Workout-Werten ist es nur schwer vorstellbar, dass Young in der zweiten Runde nicht früh vom Board geht.

Adetomiwa Adebawore, Defensive Line, Northwestern


Der Zungenbrecher Adebawore konnte bereits beim Senior Bowl in Alabama auf sich aufmerksam machen und sein Draftstock sollte nach dieser Combine erst recht durch die Decke schießen. Bei einem Gewicht von 127,9 Kilogramm lief er die 40 Yards in 4,49 Sekunden (10-Yard-Split: 1,61 Sekunden) – das ist eine der schnellsten Zeiten in den letzten 20 Jahren, wenn wir das Gewicht in Relation setzen.

Nur einmal zum Vergleich: Travon Walker, der im Vorjahr aufgrund seiner physischen Voraussetzungen an Nummer 1 vom Board ging, lief 4,51 Sekunden bei einem Gewicht von 123,4. Adebawore lief also trotz knapp vier Kilos mehr auf der Waage schneller. Der 22-Jährige war bereits vor der Combine einer der größten Riser und wird nach diesem Wochenende noch heißer als frühe Auswahl gehandelt werden.

Jay Ward, Safety, LSU


In einer aus athletischer Sicht erstaunlich schwachen Safety-Gruppe stach Ward mit einem 10-Yard-Split von 1,53 Sekunden im 40-Yard-Dash und einem Broad-Jump von 3,35 Metern heraus – und das trotz eines vergleichsweise niedrigen Gewichts von 85,3 Kilogramm. Wards Rolle in der NFL wird stark davon abhängen, welches Team ihn drafted. Der LSU-Senior spielte für die Tigers auf vielen Positionen wie Slot-Verteidiger, Outside-Corner, Deep-Safety oder Box-Safety.

Doch einmal abgesehen von seiner Rolle und seinen Aufgaben auf dem Feld beeindruckt mich bei Ward vor allem seine starke Physis und seine Fähigkeit, fast jeden Spieler in Mannverteidigung zu decken. Mit seiner Mischung aus Flexibilität, Athletik und Physis dürfte er in den späteren Runden für viele Teams interessant sein.


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