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NFL - National Football League

New England Patriots: Paradigmenwechsel in Massachusetts

Zeichen für das Umdenken bei den Patriots: Christian Barmore - Foto: IMAGO / USA TODAY Network

An dieser Entscheidung schieden sich die Geister. Und doch war sie exemplarisch für das System, in dem Bill Belichick die New England Patriots über zwei Jahrzehnte als Mastermind, Head Coach und General Manager, als Tausendsassa, für sich vereinnahmte.

Selten erhielten Top-Spieler bei den Patriots in der Belichick-Ära auch Top-Verträge. Wer zu viel Geld für seine Dienste verlangte, durfte sein Glück gerne andernorts suchen. So erging es beispielsweise auch Chandler Jones im Frühjahr 2016. Spätestens der Vertrag, den die Patriots kürzlich an Christian Barmore austeilten, zeigt, dass auch auf dieser Ebene ein Umdenken beim sechsmaligen Super-Bowl-Champion stattgefunden hat.

Chandler Jones war in seiner Prime einer der besten Pass Rusher der Liga. 2012 hatten die Patriots ihren Erstrundenpick im NFL Draft in den Defensive End der Syracuse University investiert. Vier Jahre und 36 Sacks später, Jones hatte soeben seine vierte NFL-Saison mit 12,5 Sacks beendet, verschiffte Belichick seinen Fixpunkt an der Line of Scrimmage gegen ein Zweitrundenpickrecht sowie Guard Jonathan Cooper an die Arizona Cardinals.

Zwei Titel auch ohne Jones

Noch Jahre später wurde dieser Move kontrovers diskutiert. Die, die in Belichick nicht den Über-Trainer und -Manager sahen, warfen dem grimmigen Alleinherrscher vor, dass er Jones niemals hätte traden dürfen. Belichick- und Patriots-Fans verwiesen auf zwei weitere Super Bowls, die New England in den ersten drei Jahren nach dem Jones-Abgang gewannen. So viel kann an diesem Trade ja nicht falsch gewesen sein. Vielleicht darf man, um beide Meinungen zusammenzuführen, zumindest für zwei der drei Trade-Hauptdarsteller von einer Win-Win-Situation sprechen.

Die Patriots spielten auch ohne Jones weiter oben mit, Jones selbst unterzeichnete bei den Cardinals kurze Zeit später einen 82,5 Millionen-US-Dollar-Vertrag, der ihn zeitweise zum bestbezahlten Defense End der Liga machte. Lediglich für die Cardinals änderte sich wenig. Nach der Niederlage im NFC Championship Game der Saison 2015 dauerte es bis 2021, der letzten Jones-Saison im Cardinals-Trikot, ehe noch einmal die Playoffs erreicht wurden. Arizona und der Erfolg sind eben zwei Begriffe, die in der NFL-Geschichte nur selten einen Einklang gefunden haben.

Doch zurück ins Jetzt. Jones` Zeit in der NFL scheint nach seiner Entlassung bei den Las Vegas Raiders im vergangenen Herbst Geschichte. Ebenso ist die Ära Belichick bei den Patriots längst eingetütet und eine neue Ära eröffnet, in der die Aufgaben, die Belichick alle auf sich fokussierte, auf mehrere Schultern verteilt sind. Head Coach Jerod Mayo und Executiv-Vizepräsident für Spielerpersonal Eliot Wolf treffen nun die Entscheidungen, die auffallend anders ausfallen als noch zu Belichicks Zeiten. Spieler, die sich um die Leistungen des Teams verdient gemacht haben und ein Baustein für die Zukunft sein können, können ab sofort auch darauf hoffen in Foxborough angemessen entlohnt zu werden.

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“Verbrennen etwas Geld“

Mayo hatte im Januar bereits eine Vorahnung. “Wir werden etwas Geld verbrennen“, ließ der neue Cheftrainer und Nachfolger von Belichick durchblicken, ohne das "Verbrennen" im wortwörtlichen Sinne zu meinen. Der 38-Jährige hatte sich längst ein Bild über die auslaufenden Verträge gemacht. Als Mitglied des Coaching Staffs unter Belichick war er zudem tief darüber in Kenntnis, welche Spieler welchen Stellenrang auf dem Feld und im Locker Room genossen. Der ehemalige Linebacker Coach hatte eine Vorstellung davon, mit wem er als Head Coach weiterarbeiten wollte – und somit auch davon, dass dieses Vorhaben nicht ganz billig werden würde.

Während Tight End Hunter Henry (3 Jahre/ 27 Millionen) sowie die Wide Receiver Kendrick Bourne (3 Jahre/19,5 Millionen) und Jaelen Reagor (ein Jahr, 1,2 Millionen) noch Verträge unterschrieben, unter die auch Belichick für die Patriots seinen Namen gut und gerne hätte setzen können, durften sich Offensive Linemen Michael Onwenu (3 Jahre/57 Millionen) sowie Defensive Back Kyle Dugger (4 Jahre/58 Millionen) über lukrativere Kontrakte freuen. Trotz der Verträge gaben beide Spieler, wie auch Linebacker Josh Uche, dem Team offenbar noch einen kleinen Rabatt. Alle diese Spieler sind gespannt darauf, wie sich die Patriots unter Mayo verändern werden. Sie alle wollen Teil der neuen Patriots sein und setzten ihren Namen unter den Vertrag, ohne den Markt bis ans Ende auszureizen.

Teuerster Vertrag seit über zwei Dekaden

In wie weit Christian Barmore dies getan hat, weiß nur er selbst. Der Defensive Tackle, der den Patriots im Draft von 2021 in Runde zwei buchstäblich in den Schoß fiel, verlängerte ebenfalls bereits seinen Vertrag. Mayo und Wolf gaben dem 24-Jährigen einen Vierjahresvertrag, der ab der Saison 2025 einsetzt, über 83 Millionen US-Dollar. Dies mag wenig erscheinen, wenn man Barmores Arbeitspapier neben das eines Chris Jones legt. Der 29 Jahre alte Defensive Tackle der Kansas City Chiefs unterschrieb unlängst einen Fünfjahresvertrag für 158,7 Millionen Dollar. Doch so weit in seiner Reputation wie Jones ist Barmore noch lange nicht. Dafür, dass Barmore bislang in keiner seiner drei NFL-Spielzeiten über 800 Snaps gespielt hat und dafür, dass Barmore bei den bis zuletzt knauserigen Patriots spielt, darf man seinen Vertrag durchaus in die Kategorie “Monster“ packen und nahezu sicher sein, dass Barmore diesen oder einen vergleichbaren Vertrag unter Belichick nicht bekommen hätte.

Wie einzigartig dieser Vorgang ist und wie sehr sich ein Paradigmenwechsel bei den Patriots vollzogen hat, zeigt die Historie der teuersten Verträge, die die Patriots jemals herausgegeben haben. So hat Barmore den teuersten Vertrag nach Gesamtvolumen in der Franchise-Geschichte unterhalb des Arbeitspapiers von Drew Bledsoe aus dem Jahre 2000 erhalten. Der damalige Starting-Quarterback, der alsbald aufgrund einer Verletzung von Tom Brady abgelöst werden sollte, unterzeichnete damals einen Vertrag über 100 Millionen Dollar - verteilt auf die Laufzeit von zehn Jahren. Mit anderen Worten: Barmore hat trotz aller Erweiterungen des Cap Space den teuersten Patriots-Vertrag – nach Gesamtvolumen – seit über zwei Dekaden unterschrieben, einen Vertrag, den es in der gesamten Belichick-Ära nicht gegeben hat. Die Patriots entfernen sich jeden Tag ein Stückchen weiter von der Ära Belichick. Und wir alle dürfen Zeuge der Entwicklung sein.

Über den/die Autor/in
Dirk Kaiser
Dirk Kaiser
Dirk Kaiser ist im Bereich des American Footballs seit über 20 Jahren auf etlichen Ebenen aktiv. Journalistisch begleitet er neben der NFL auch die ELF und GFL für TOUCHDOWN24.

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