HEFT #53

Ausgabe JANUAR 2022

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Neue Head Coach Kandidaten für die NFL - Teil 3

New England Patriots Offensive Coordinator Josh McDaniels ist seit Jahren ein erfolgreicher Playcaller für unterschiedliche Quarterbacks New England Patriots Offensive Coordinator Josh McDaniels ist seit Jahren ein erfolgreicher Playcaller für unterschiedliche Quarterbacks Imago Images / Icon Sportswire / Michael Allio
Die Wild Card Playoffs stehen am Wochenende an und Fans erfolgreicher Franchises, wie die der New England Patriots oder Kansas City Chiefs fiebern dem Auftakt der Postseason entgegen. Andere Teams müssen einmal mehr in die Röhre gucken, weshalb unter anderem Vic Fangio in Denver und Matt Nagy in Chicago als Head Coach ihre Koffer packen mussten. 

Zweite Chance als NFL Head Coach

In Teil Drei dieser Serie werfen wir einen Blick auf die Kandidaten, die bereits Erfahrungen als Head Coach sammeln konnten. An früheren Stationen wurden sie zwar entlassen, die geleistete Arbeit verdient jedoch eine neue Chance anderswo. Wir suchen den nächsten Andy Reid.

Jim Caldwell

Die Detroit Lions haben zwischen 2012 und 2021 zweimal die Playoffs erreicht. Beide Playoff-Teilnahmen erlangten sie unter dem Head Coach Jim Caldwell. Er ist unter allen Coaches der Lions mit 60 oder mehr Spielen der Fünftbeste in der Geschichte der Franchise. In den vier Jahren unter ihm gewann das Team aus der Motor City 36 Spiele, in den vier Jahren nach seiner Entlassung kamen sie auf insgesamt 15 Siege. 

Damals schien es die richtige Entscheidung zu sein, die Lions wollten den nächsten Schritt gehen. Heute weiß es wohl jeder besser. Ebenso wichtig ist es, sich noch einmal vor Augen zu führen, unter welchen Umständen Caldwell bei seiner ersten Station als Head Coach, bei den Indianapolis Colts gefeuert wurde.

Als Peyton Manning fit war, stand Caldwell bei einem Record von 24-8 in der Regular Season und schaffte es 2009 sogar in den Super Bowl. In der Saison 2011 bedeutete eine Nackenverletzung noch vor dem ersten Spieltag jedoch das Saisonaus für den Hall of Fame Quarterback. Indianapolis beendete die Spielzeit mit einem 2-14 Record, bekam den ersten Pick im Draft, holte sich Andrew Luck und Caldwell wurde entlassen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Caldwell hat eine durchaus erfolgreiche Vita. Er wurde immer von seinen Teams respektiert. Seine Quarterbacks zeigen gute Leistungen. Ein Team, dass nicht sonderlich gefestigt ist, kann in Jim Caldwell seinen Stabilisator finden.

Doug Pederson

Ein Super Bowl Sieger ist nach einjähriger Auszeit auf dem Markt. Der langjährige Back-Up von Brett Favre begann seine Trainerkarriere zunächst Bescheiden an der High School, bevor er 2009 zum Trainerteam seines alten QB-Coaches stoß. 

Nach seiner Zeit bei den Eagles folgte er Head Coach Andy Reid zu den Chiefs und stieg dort 2013 zum Offensive Coordinator auf. Den Posten behielt er drei Jahre lang, bevor es ihn zurück nach Philadelphia zog.

Diesmal ohne Mentor Reid und das als Head Coach der Eagles. In fünf Jahren auf dem Chefposten erreichte er dreimal die Playoffs und seine Gesamtbilanz blieb mit 42 Siegen zu 37 Niederlagen und einem Unentschieden bis zum Ende positiv.

Der größte Erfolg war der Super Bowl 2017, der erste Titel für die Eagles seit 1960, in seinem zweiten Jahr als Head Coach. Unter seiner Regie war Carson Wentz heißester Anwärter auf die Auszeichnung zum MVP bevor er sich verletzte. Nick Foles musste einspringen und die Eagles sicherten sich den Erfolg mit ihrem Back-Up.

Danach wurde es schwieriger in Philadelphia. General Manager Howie Roseman und Teambesitzer Jeffrey Lurie mischten sich zunehmend in das Tagesgeschäft ein. Pederson durfte nicht einmal sein Trainerteam selbst auswählen, nachdem hochangesehenes Personal, wie der heutige Colts Head Coach Frank Reich, dieses verlies.

Es sah lange danach aus, als hätten die Eagles zu einem Dauergast in der NFL-Elite werden können. Am Ende machten interne Ungereimtheiten die glorreichen Aussichten zunichte. Nach einem Jahr Auszeit hat es sich Doug Pedersen jedoch verdient einen neuen Anlauf bei einem neuen Team zu starten – diesmal mit mehr Freiheiten.

Josh McDaniels

Weitaus weniger erfolgreich in seiner Zeit als Head Coach als die bisher aufgeführten Kandidaten war Josh McDaniels. Seine Zeit war auch dementsprechend kürzer, gerade einmal zwei Jahre hielt er sich bei den Denver Broncos.

Die Geschichte ist inzwischen jedem bekannt. In einem Alter von gerade einmal 33 Jahren wurde er als Genie angesehen, bekam er sogar die Macht über die Personalentscheidungen, wie es für den als nächsten Belichick auserkorenen auch sein sollte. Noch nicht reif genug, tat er alles, um seinem Ruf gerecht zu werden, schlauer als alle anderen zu sein und verscherzte es sich dabei mit allen. Der junge McDaniels - gescheitert am eigenen Ego.

Inzwischen ist die Geschichte jedoch über eine Dekade her und es würde schwer verwundern, wenn er in der Zeit nicht gereift ist. Unverändert bleiben jedoch seine erfolgreichen Offensiven. In insgesamt 13 Jahren als Offensive Coordinator der Patriots war er 12 Jahre lang mindestens in einer der beiden Kategorien “Yards” und “Punkte” in den Top10. 

Dabei spielte er, abgesehen von Tom Brady, zum Großteil mit durchschnittlichem Personal. Doch selbst das “Brady”-Argument funktioniert nicht im Bezug auf McDaniels. Er bewies währenddessen, sowie danach Quarterbacks entwickeln zu können. Das zeigen die Leistungen von Matt Cassel, Jimmy Garappolo, Jacoby Brissett oder seit neustem Rookie Mac Jones unter ihm. 

Die Reputation und seine komfortable Situation im prächtig funktionierenden New England lässt McDaniels am längeren Hebel sitzen. Das Offensivgenie weiß um seine Fähigkeiten, hat eine genaue Vorstellung, wie es für ihn zu laufen hat und ist das nicht gegeben, dann nimmt er den Job nicht an. So kam es 2018 zur Situation in Indianapolis, als er nach der Einigung ein paar Wochen später sein Amt doch nicht antrat. Einige Teams werden ihm das noch immer übel nehmen, andere haben die Chance auf den einzigen Coach neben Belichick, der die Patriots zu dem macht, was sie sind.

Janik Aschenbrenner

Janik Aschenbrenner ist seit 2020 für TOUCHDOWN24 tätig. Seit 2021 ist er in jeder Print-Ausgabe mit seiner Kolumne "DER BRENNER" vertreten.
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