HEFT #53

Ausgabe JANUAR 2022

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Neue Head Coach Kandidaten für die NFL - Teil 2

Tampa Bay Buccaneers Offensive Coordinator Byron Leftwich bespricht sich mit Quarterback Tom Brady Tampa Bay Buccaneers Offensive Coordinator Byron Leftwich bespricht sich mit Quarterback Tom Brady Imago Images / Icon Sportswire
Am Black Monday und teilweise schon wesentlich früher entließen mehrere Teams ihren Head Coach und leiteten damit den nächsten Umbruch ein. In Jacksonville wird nach nicht einmal einem Jahr unter dem erfahrenen Urban Meyer, erneut ein neuer Taktgeber gesucht. Auch die Minnesota Vikings suchen nach sieben Jaren Mike Zimmer einen neuen Übungsleiter.

Vom Quarterback zum NFL Head Coach

Deshalb blicken wir im zweiten Teil unserer Serie “Neue Head Coach Kandidaten für die NFL” auf die jungen Coordinator ohne Erfahrung als Chefcoach. Diese Kandidaten konnten jedoch bereits als Chef auf dem Platz Erfahrung sammeln, denn sie waren Quarterbacks in der NFL. Wir suchen den nächsten Sean Payton.

Byron Leftwich

Bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2012 war Byron Leftwich noch selbst Quarterback in der NFL, unter anderem bei den Jacksonville Jaguars, die ebenfalls einen neuen Coach suchen. Im Jahr 2017 holte ihn sein ehemaliger Coach Bruce Arians als QB-Coach in die Liga zurück. Als Arians zurücktrat behielt Leftwich unter dem Nachfolger seinen Job und wurde zur Saisonhälfte sogar zum Offensive Coordinator befördert.

In der kommenden Saison sollte er diesen Job unter seinem Förderer Arians an dessen neuer Wirkungsstätte einnehmen. Dieser vertraute ihm sogar gleich das Play-Calling der Tampa Bay Buccaneers Offense an. Bereits mit Jameis Winston als Quarterback brachte er eine äußerst produktive Offense zustande. Die Buccaneers erzielten die meisten Passing-Yards der Liga und waren auch bei den erzielten Punkten unter den Top5 wiederzufinden.

Der Erfolg trat jedoch erst ein Jahr später ein, als Tom Brady für Winston übernahm und der Super Bowl gewonnen werden konnte. Natürlich veränderte sich die Offense mit Brady und dieser nimmt in der Gestaltung der Offense eine gewaltige Rolle ein. Vielleicht lag es daran, dass Leftwich im letzten Jahr trotz des Erfolges keine Angebote bekam. 

Eventuell lag es aber auch daran, dass er aufgrund seiner erst kurzen Amtszeit vermutlich noch über kein großes Netzwerk verfügt, um ein beachtliches Trainerteam zusammenzustellen. Dennoch zeigte er sich als durchaus fähig und gilt als ein Anführer, der sogar die Starbesetzung der Bucs im Griff hat. Deshalb machen sich sowohl der Star-Quarterback als auch Coaching-Größe Arians für ihren Mann Byron Leftwich stark.

Kellen Moore

Wenn Head Coach Mike McCarthy nicht sicher im Sattel sitzen würde, dann gäbe es keine Chance, dass Kellen Moore seinen jetzigen Arbeitgeber, die Dallas Cowboys, verlässt. Dafür würde Teambesitzer Jerry Jones sorgen. Das Ansehen des Offensive Coordinators ist bei den Cowboys so hoch, dass Jones ihm einen Vertrag vorlegte, der Moore davon abhielt Head Coach seiner geliebten Alma Mater zu werden.

Moore ist der Sohn eines erfolgreichen High School Football Coaches und schaute bereits in seiner Kindheit beim Training zu. Nicht nur das, er hatte selbst ein Notizheft parat und zeichnete Spielzüge ein. Während andere Karten berühmter Footballspieler sammelten, sammelte der junge Moore Playbooks.

Nach seiner Zeit als High School Quarterback entschied er sich für die Boise State und war als Junior Heisman Finalist. In dieser Zeit verinnerlichte er die Spielidee seines damaligen Head Coaches Bryan Harsin mit einer großen Anzahl an Formationen, Shifts und Motions, die heute seine Offense auszeichnen.

Aufgrund seiner Statur wurde ihm eine NFL-Karriere von Beginn an in Frage gestellt, so landete er als UDFA im Jahr 2012 bei den Detroit Lions. Erst 2015 wurde er von den Cowboys zum ersten Mal in der Regular Season eingesetzt, um Tony Romo zu vertreten. Im Jahr danach blieb er Back-Up von Dak Prescott und übernahm schon zu der Zeit die Rolle des Mentors.

Nach seinem Karriereende im Jahr 2018 stellten die Cowboys ihn sofort als QB-Coach für Prescott ein und nach einem Jahr wurde er zum Offensive Coordinator befördert. Bereits im ersten Jahr erzielte Dallas die meisten Yards und wurde Sechster in erzielten Punkten. Dieses Jahr wiederholen sie die Leistung, sind Zweiter in erreichte Yards und erzielen die meisten Punkte der Liga. 

Die einzige Ausnahme ist das Jahr 2020, in dem Moores Offense nur im Mittelfeld der NFL landete, nachdem Prescott sich im fünften Spiel der Saison verletzte. Bis zu dem Zeitpunkt war Prescott auf dem Weg eine Rekordsaison von über 6.000 Passing-Yards auf das Feld zu zaubern.

Kellen Moore ist gerade einmal 33 Jahre alt und wird sich Fragen gefallen lassen müssen, ob er reif genug ist, wie Rams Head Coach McVay es war, oder er noch Zeit braucht, wie es auf Josh McDaniels damals zutraf. Sein Netzwerk ist aufgrund der kurzen Amtszeit nicht sonderlich groß und sein bisheriges Team mit lauter Stars bestückt. Die Qualität findet er bei seinem neuen Arbeitgeber vermutlich nicht vor. Dennoch scheint es, als könnte er das von allen NFL Teams gewünschte junge Offensiv-Genie sein, dass an der Seitenlinie das Play-Calling übernimmt und eine gute Verbindung zum Franchise-Quarterback aufbaut.

Janik Aschenbrenner

Janik Aschenbrenner ist seit 2020 für TOUCHDOWN24 tätig. Seit 2021 ist er in jeder Print-Ausgabe mit seiner Kolumne "DER BRENNER" vertreten.
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