HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Neu-Titan Bud Dupree steht vor gigantischen Aufgaben

Bud Dupree bringt ein paar kraftvolle Argumente mit zu den Tennessee Titans. Bud Dupree bringt ein paar kraftvolle Argumente mit zu den Tennessee Titans. Imago Images / Icon SMI / Kevin Abele
Die vergangenen zwei Saisons zählte Bud Dupree von den Pittsburgh Steelers zu den produktivsten Pass Rushern der NFL. Nun will er seinen Erfolg bei den Tennessee Titans fortsetzen, die ihn mit einem 82-Millionen-Mega-Deal in die Music City lockten, um ihren schwächelnde Defense zu beleben. Ganz einfach wird das allerdings nicht, unter anderem kämpft sich Dupree gerade von einem Kreuzbandriss zurück. Wenn er allerdings wieder bei voller Kraft ist, können die Titans so einiges erwarten von ihrem neuen Edge Defender!

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Die Vorzeichen sind schon andere, wenn Bud Dupree durch die Tür im Trainingskomplex der Tennessee Titans marschiert. Das erste Mal in seiner mittlerweile sechs Jahre andauernden NFL-Karriere ziert nicht mehr das Logo der Pittsburgh Steelers seine Kleidung, er ist nicht mehr Teil einer Jahrzehnte langen, legendären Defense-Tradition, er läuft nicht mehr für die Franchise auf, die ihn 2015 zum Profi machte. Selbst im Milliardengeschäft NFL ruft eine derartige Zeitenwende besondere Gefühle hervor, erst recht bei einem Vollblutprofi, wie Dupree einer ist. Er gibt offen zu, er wird Pittsburgh und die Steeler Nation vermissen. Von ganzem Herzen.

Bud Dupree findet in Tennessee ein neues NFL-Zuhause

"Das Geheimnis ist… eigentlich gibt es kein Geheimnis. Hau dich rein. Verdien dir deinen Respekt. Arbeite hart. Setze die Tradition fort", beschreibt Dupree den "Steelers Way" in einem emotionalen Abschiedsbrief in der Player’s Tribune. "Diese Einstellung hat sich vom ersten Tag an in meinem Kopf verankert." Der Outside Linebacker lässt viele weitere Worte der Anerkennung für Pittsburgh, seine Menschen, Head Coach Mike Tomlin und die Steelers-Franchise folgen. In den Zeilen schwingen ehrliche Emotionen mit, Gefühle eines gestählten Athleten, der den Ort, wo in seine Profikarriere hin verschlug, von Herzen liebte.

Gleichzeitig weiß Dupree aber auch, dass er mit seinem Wechsel zu den Tennessee Titans jetzt ein neues Kapitel in seiner NFL-Laufbahn aufschlägt, bei dem die Auseinandersetzung mit dem Abschiedsschmerz nur eine von zahlreichen monumentalen Aufgaben sein wird, die ihm bevorstehen. Da wäre zum Beispiel noch der Druck, vor den Augen der Öffentlichkeit seinen gigantischen Vertrag mit 82 Millionen US-Dollar über fünf Jahre zu rechtfertigen. Oder die Bürde, mit seiner Anwesenheit eine der schwächsten NFL Verteidigungen der letzten Saison aufzupolieren, die vor allem in Duprees Paradedisziplin Pass Rush alles andere als gefährlich daherkam. Zu allem Überfluss muss Bud sich diesen Herausforderungen stellen, während er sich von einem gerissenen Kreuzband und der anschließenden Operation zurückkämpft.

Bud Dupree ist ein Hoffnungsträger für die Tennessee Titans

Duprees Optimismus ist trotz alledem ungebrochen. "Ich werde beim Training Camp bereit sein", verkündete er kürzlich. "Ich gebe zu, der Kreuzbandriss war eine der schwersten Sachen, die ich bisher erlebt habe. Aber ich sehe jeden Tag eine Entwicklung und am Ende wird es an den Coaches sowie den Doktoren sein, mich wieder auf das Feld zu schicken." Wenn er an diesem Punkt ankommt, dann haben vor allem seine Coaches gewisse Vorstellungen davon, was sie von Dupree erwarten. Die Titans konnten fast gar nicht anders, als ihrem schwachen Pass Rush (2020 nur 19 Sacks, NFL-Rang 30) in dieser Offseason personell neues Leben einzuhauchen und damit eine Basis für bessere Verteidigungsleistungen zu legen.



Während auch die Ernennung von Shane Bowen als Defensive Coordinator (nachdem man vergangenes Jahr nominell diese Position nicht besetzt hatte), Verpflichtungen wie die von Denico Autry oder auch die Draft Selection von Cornerback Caleb Farley Zuversicht bei der schlechtesten Third Down Defense der letzten NFL Saison versprühen, ist es vor allem Bud Dupree, der bei den Tennessee Titans für den defensiven Wandel stehen soll. Er kommt mit der Empfehlung von zwei extrem starken Jahren in Pittsburgh (19,5 Sacks in seinen letzten 27 NFL-Spielen vor der Verletzung), dem Image eines Locker-Room-Leaders und einem Paket aus explosiver Athletik, welches er mit zunehmender NFL-Erfahrung immer besser zu nutzen wusste. Teamkollegen loben regelmäßig die Professionalität und die Einstellung des Edge Defenders, der seinen schnellen ersten Schritt immer wieder in sehr variablen Pass Rush Moves münden lässt.

Bud Dupree will in Tennessee zum Anführer werden

Ganz ohne Zweifel startet Dupree allerdings nicht bei den Titans. Auch wenn Kreuzbandrisse in der modernen NFL üblicherweise nicht mehr den Karriere-Einschnitt bedeuten wie früher, so stehen gerade hinter Duprees kurzfristiger Fitness einige Fragezeichen, wie unter anderem zuletzt der Ex-Chargers-Doktor David Chao bemerkte. So mancher Kritiker sieht Duprees starke Statistiken durch die Tatsache begünstigt, dass er gegenüber von All-Pro-Verteidiger T.J. Watt auflief, einem der besten defensiven Spieler der vergangenen Jahre in der gesamten NFL. Auch wenn derartige Vorbehalte nicht unbegründet sind und durch gewisse Analytics gestützt werden, so bleibt gleichzeitig festzuhalten, dass die letztjährige Saison der Pittsburgh Steelers genau zu dem Zeitpunkt aus den Fugen lief, als Bud Dupree sich verletzte. Zwar spielten auch etliche offensive Probleme eine Rolle, doch gerade auch einer der besten Verteidigungen der Liga mangelte es zum Ende der Saison zusehends an Biss (28,6 zugelassene Punkte ohne Dupree inklusive Playoffs).

Wie viel davon wirklich am Fehlen von Bud Dupree lag, ist am Ende schwer zu sagen beziehungsweise müßig zu diskutieren. Fakt ist, dass viele Mitglieder der Steeler Nation Dupree in höchsten Tönen loben, wegen seiner Einstellung, seinem Impact abseits des Feldes und auch wegen einer gehörigen Portion Bescheidenheit. So sieht er die Verantwortung für ein Team niemals beim Einzelnen, auch im Hinblick auf seine kommende Rolle bei den Tennessee Titans. "Es wird die gesamte Mannschaft brauchen, nicht nur mich", so der 28-Jährige Outside Linebacker. "Es wird eher meine Aufgabe sein, die anderen Jungs mitzunehmen und sie anzuführen. Es gibt hier schließlich auch schon eine Siegermentalität, von daher springe ich auf einen sich bewegenden Zug auf."

Dieser Zug wird in der kommenden Saison auch einmal in Pittsburgh Halt machen. Es dürfte ein ganz besonderes Spiel werden für Bud Dupree. Auch wenn er sich dann sicherlich schon ein wenig an das Titans-Logo auf seinem Helm gewöhnt haben wird…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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