Melvin Ingram, hier noch im Trikot der LA Chargers, freut sich auf die Pittsburgh Steelers. Melvin Ingram, hier noch im Trikot der LA Chargers, freut sich auf die Pittsburgh Steelers. Imago Images / Icon SMI / Chris Williams

Melvin Ingram zu den Steelers - Verstärkung oder Notnagel?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  21.07.2021
Melvin Ingram machte bisher in seiner NFL Karriere 113 Spiele, alle davon für die San Diego beziehungsweise Los Angeles Chargers. Jetzt steht ihm aber ein Ortswechsel bevor, der Pass Rusher unterschrieb einen Einjahresvertrag bei den Pittsburgh Steelers. Kein ganz schlechter Ort für einen Outside Linebacker, spielt man doch gegenüber von Megastar T.J. Watt und wird Teil einer berühmten Defense-Tradition. Nur kann Ingram den Steelers im Alter von 32 Jahren überhaupt noch weiterhelfen?

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Lange musste Melvin Ingram von den Los Angeles Chargers in der aktuellen NFL Offseason auf Klarheit warten, am Ende ging dann aber alles ganz schnell. Montag erst war der Free Agent zu Vertragsverhandlungen nach Pittsburgh gereist, schon einen Tag später trocknete die Tinte unter einem Arbeitspapier bei den Steelers. Damit schließt Ingram ein neun Spielzeiten andauerndes NFL-Kapitel bei den "Bolts" in Südkalifornien ab und widmet sich im Alter von 32 Jahren noch einmal einer neuen interessanten Aufgabe.

Die Outside Linebacker Position hat bei den Pittsburgh Steelers traditionell einen sehr hohen Stellenwert, unzählige Stars verdienten sich hier über die Jahrzehnte für die "Black & Gold" ihre Meriten. Auf den ersten Blick passt Ingram perfekt ins Bild, schaffte er es doch ob seiner variablen Spielweise drei Mal in den Pro Bowl und kam im Zeitraum von 2015 bis 2019 auf insgesamt 43 Sacks, zehn forcierte Fumbles sowie 20 abgewehrte Pässe. In Pittsburgh soll er in Kombination mit anderen Spielern die Nachfolge von Bud Dupree antreten, den es zu den Tennessee Titans zog.

Melvin Ingram freut sich auf die Steelers

Wie viel von Ingrams einstiger Stärke allerdings noch vorhanden ist bleibt ein gewisses Fragezeichen. Schließlich spielte der ehemalige All American der South Carolina Gamecocks vergangenes Jahr aufgrund zahlreicher Knieprobleme die wohl schwächste Saison seiner Profilaufbahn. Gerade einmal sieben Spiele konnte er für die Chargers absolvieren, ihm gelangen dabei lediglich zehn Tackles und nicht ein einziger Sack. Dennoch blickt Ingram positiv auf das kommende NFL-Jahr und verrät gleichzeitig, warum er sich für Pittsburgh entschieden hat.



"Ich fühle, dass hier der richtige Ort für mich ist", sagt der Veteran über seine neue NFL Heimat, die er den ebenfalls interessierten Miami Dolphins und Kansas City Chiefs vorzog. "Ich habe mit Coach Tomlin gesprochen, er ist ein echter Player’s Coach. Das hat mich beeindruckt. Gewinnen bedeutet ihm alles und das geht mir genauso. Meine Rolle ist wie sie ist. Er sagte, ich soll einfach ankommen und ich selbst sein. Jeder kennt mich und weiß, wie ich spiele." Wenn Ingram an besagte vergangene Leistungen anknüpfen kann, ist er eine enorme Verstärkung für die Steelers. Gerade seine Vielseitigkeit, die ihn auch in der Coverage und von Seitenlinie zu Seitenlinie brillieren lässt, dürfte der aggressiven Steelers-Defense gut zu Gesicht stehen.

Steelers verteilen Verantwortung auf mehreren Schultern

Die Zweifel an seiner körperlichen Fitness, die in den vergangenen Jahren vermehrt aufkamen, dürften durch ein geringeres Arbeitsaufkommen limitiert werden. Schließlich pocht auch der letztjährige Rookie Alex Highsmith auf mehr Spielzeit. "Ich versuche, der beste Spieler zu werden, der ich sein kann", sagt Highsmith, der während der Offseason Activities bereits einen starken Eindruck machte. "Am College habe ich eine ähnliche Situation erlebt. In meinen ersten Jahren war ich kein Starter, dann aber habe ich meine Chance genutzt. Daran arbeite ich auch diese Offseason und werde das auch weiter tun."

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Steelers-Superstar T.J. Watt, einer der besten Verteidiger der gesamten NFL, ist jedenfalls überzeugt von seinem jungen Teamkollegen. "Alex ist ein sehr talentierter Pass Rusher und Ende letzten Jahres konnten wir schon eine Basis für unser gemeinsames Spiel legen", so der All-Pro Edge Rusher. "Ich freue mich schon, mit ihm weiterzuarbeiten und bin davon überzeugt, dass er viele Matchups gewinnen wird, wenn die Gegner ihre Protection auf meine Seite verlagern."

Melvin Ingram könnte in reduzierter Rolle brillieren

Über eben jene Eins-gegen-Eins-Situationen dürfte sich auch Melvin Ingram freuen. Seine Erfahrung gibt den Steelers einen optimalen Plan B, falls Highsmith am Anfang der Saison noch nicht zu einhundert Prozent für die Rolle des Starters bereit sein sollte. Der Konkurrenzkampf um die meisten Snaps könnte ebenfalls aus beiden Spielern das Beste herauskitzeln, erst recht, wenn sich auch der begabte Rookie Quincy Roche mit in die Konstellation einschaltet.

Da Ingram mit seinem Einjahresvertrag für vier Millionen US-Dollar auch ein extrem geringes finanzielles Risiko darstellt, gibt es von Franchise-Seite eigentlich nicht viel zu beanstanden. Interessant wird sein, ob es den Steelers auch noch gelingt, in ihrer geschwächten Secondary und in der Offensive Line nachzubessern. Hinter beiden Positionsgruppen stehen noch Fragezeichen, die einige Fans gerne noch vor dem Saisonstart ausgemerzt hätten.

Aber wie man am Beispiel Melvin Ingram sieht, manchmal geht es in der NFL ja ganz schnell mit einer Neuverpflichtung…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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