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Matthew Stafford bastelt an seinem eigenen NFL-Erbe

Matthew Stafford von den Los Angeles Rams weiß um die Bedeutung der diesjährigen NFL Playoffs. Matthew Stafford von den Los Angeles Rams weiß um die Bedeutung der diesjährigen NFL Playoffs. Imago Images / Icon SMI / Mark Goldman
Es ist endlich geschafft: Nach 13 Jahren in der NFL hat Matthew Stafford sein erstes Playoffspiel gewonnen. Der Quarterback der Los Angeles Rams dominierte vorher die Schlagzeilen, gab es doch nach Jahren der Tristesse in Detroit und einer durchwachsenen Regular Season reihenweise Zweifel an seiner Postseason-Tauglichkeit. Diese sind nun für ein paar Tage ausgeräumt, doch Stafford weiß selbst, dass dies lediglich der Anfang sein kann!

"Legacy" ist ein wichtiges Wort im amerikanischen Sport und im Selbstverständnis dieser athletikbegeisterten Nation, welche ihre Helden in die höchsten Höhen hebt und sich gleichzeitig auch gerne für immer an ihre tragischen Verlierer erinnert. Das Vermächtnis oder das Erbe, das ein Spieler hinterlässt ist ein in Stein gemeißelter Lob- oder Abgesang auf seine Taten, ein Zeugnis für jene Dinge, die er auf dem Feld geleistet hat. Es ist Erinnerung, für den Rest seines Lebens und all die der Menschen, die ihm zugesehen haben.

Matthew Stafford schreibt späte NFL-Geschichte

Matthew Staffords Erbe in der NFL ist seit dieser Woche in klein wenig reicher geworden. Kein Quarterback in der Liga-Geschichte musste so lange wie er auf seinen ersten Postseason-Sieg warten, 185 Mal führte Stafford seine Mannschaften als Starter ins Feld, bevor ihm jenes Kunststück endlich doch gelingen wollte. Natürlich ist es nicht nur sein Erfolg, seine Los Angeles Rams dominierten die Arizona Cardinals nach allen Regeln der Kunst, nicht zuletzt mit ihrer NFL-weit gefürchteten Defensive Line und einem neugefunden Enthusiasmus innerhalb ihres SoFi Stadiums. Aber am Ende laufen doch irgendwie alle Handlungsstränge dieses Hollywood-Streifens bei genau einer Person zusammen und diese hört auf den Namen Matthew Stafford.



Dies liegt zum einen daran, dass der Quarterback natürlich in der NFL eine exorbitant hohe Bedeutung hat, jener Spieler, der so nah am und entscheidend für den Herzschlag seiner jeweiligen Mannschaft lebt. Es liegt auch daran, weil man die Rams der kommenden Woche auf einen gewissen Tom Brady treffen wird, dem man nun mal, so die Geschichte denn ein wenig gelehrt haben mag, einen potenten Passgeber entgegen stellen muss, will man sich nicht auf seiner langen Liste von Opfern wiederfinden. Letztendlich drehte sich die Saison 2021 der Los Angeles Rams aber dann doch irgendwie immer um Matthew Stafford, um das was er kann, was er nicht kann, was er tat und was er nicht tat.

Endlich ein Postseason-Erfolg nach tristen Jahren in Detroit

Schon mit der Verpflichtung des einstigen Hoffnungsträgers der Detroit Lions machten die L.A. Rams klar, dass er diese Rolle und noch viel mehr darüber hinaus auch in Los Angeles ausfüllen soll. Im Flieger kurz nach dem Trade hatte der NFL Comeback Player Of The Year von 2011 aber nicht nur seine Kleider und seine Familie, mit im Koffer steckte auch die Bürde jener schweren Jahre in der Motor City. Alles hatte so gut angefangen, das sportliche Märchen schien perfekt für den sympathischen Signal Caller der University Of Georgia, der Zeit seines Lebens schon auf einen vorbestimmten Pfad gen NFL-Ruhm zugesteuert war. Er konnte alles schaffen als First Overall Pick, als junger Mann mit einem goldenen Arm, dessen weite Pässe in einer so engen Spirale flogen, dass sie seine Mannschaften scheinbar bis zum Mond tragen konnten.



Am Ende blieben jene astronomischen Hoffnungen aber unerreicht, die Lions blieben die Lions, egal, was Matthew Stafford auch versuchte. Ob er und sein kongenialer Partner Calvin Johnson nun genug Hilfe hatten oder nicht, es ist am Ende egal, es interessiert heute niemanden mehr. Er war der Quarterback, er war der Hoffnungsträger, der Messias. Als jener ist er am Ende trotz aller überragenden Statistiken auch verantwortlich für das, was in der Bilanz seiner Mannschaft steht, so unfair das auch manchmal daherkommen mag. Genauso würde es auch in Los Angeles sein, das bekam Matthew Stafford schon früh in der Regular Season zu spüren. Einem fulminanten Start folgten durchwachsene Wochen, Staffords eigenes Spiel schien wie die Gezeiten des Pazifiks zu kommen und zu gehen, von einem Pass auf den anderen sah er zeitweise wie der beste Passgeber der Liga oder ein hoffnungsloser Backup aus.

Kann den Rams mit Matthew Stafford der große Wurf gelingen?

Sein in vielen Bereichen dominantes Team fing so manche Welle des 33-Jährigen auf, er dankte es nun mit einer guten Leistung gegen Arizona. Er dankte es aber noch mit mehr, denn als Herzstück seiner Mannschaft ist er eben auch für mehr verantwortlich als nur für den kurzen Screen und die tiefe Go-Route. Er gibt den Takt an, er schenkt Glauben, er führt. Dieser Sieg ist damit, genau wie die Niederlagen in Detroit, eben dann auch sein ganz persönlicher Sieg. Ein Sieg, der wenn wir über ein wirkliches Erbe sprechen wollen, nicht der letzte sein darf. Die Geschichte von Matthew Stafford ist zwar nun um ein versöhnliches Kapitel reicher, nur ist seine NFL-Biografie damit noch lange nicht zum Bestseller geworden.

So schön der Erfolg für ihn, die Rams, die Fans und alle Beteiligten auch war, im großen Ganzen wird er schon bald verblassen, wenn nicht weitere folgen. Die amerikanische Sportwirklichkeit denkt eben nur kurzzeitig in einzelnen Spielen, auf lange Sicht zählen vor allem Meisterschaften. Ganz besonders für die großen Spieler, die Franchise-Guys, die All Stars. Und natürlich für die Quarterbacks, unter denen Matthew Stafford jetzt die ganz große Chance hat, um einen Titel mitzuspielen und seine Hand nach der Vince Lombardi Trophy auszustrecken. Jener Griff und wo er endet, er wird es sein, der tatsächlich über seine "Legacy" entscheidet…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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