HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Loses Mundwerk - Die größten Trash-Talker der NFL

Richard Sherman ist nur einer von vielen NFL-Stars, für die Trash Talk fester Bestandteil des Spiels ist. Richard Sherman ist nur einer von vielen NFL-Stars, für die Trash Talk fester Bestandteil des Spiels ist. Imago Images / Icon SMI
Trash Talk gehört zwischen den Spielern der NFL seit jeher zum Alltag, man möchte sagen zum guten Ton während eines Spiels. Der Austausch verbaler „Nettigkeiten“ ist dabei nicht bloß eine Aneinanderreihung von Schmähwörtern in Richtung des Gegners. Einige Profis haben aus dieser redseligen Taktik eine echte Kunstform gemacht, mit der sie sich oftmals einen entscheidenden mentalen Vorteil verschaffen. TOUCHDOWN24 stellt einige der größten "Plappermäuler" der Liga einmal vor!

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Jalen Ramsey (Los Angeles Rams)

Jalen Ramsey ist aktuell der vielleicht beste Cornerback der NFL und besitzt ein dementsprechend großes Selbstbewusstsein. Dieses erwarb er sich in jungen Jahren beim Spiel gegen weitaus ältere Gegner, in deren Beisein er auch sein Trash Talk Game entwickelte. "Ich musste ihnen ein paar Worte um die Ohren hauen, damit sie merkten, dass ich keine Angst habe", erinnert sich der 26-jährige Cornerback.

In der NFL setzt er diese Marotte mit Nachdruck fort. Nach eigenen Angaben hält er während eines Spiels eigentlich nie die Klappe und versucht mit seinem Trash Talk, die Gegner aus dem Konzept zu bringen. Gerne sagt er Receivern schon vor dem Snap, welche Route sie laufen, oder zitiert Sportgrößen wie Muhammad Ali. Der Jahrhundertboxer inspirierte Ramsey auch zu seinem Lieblingsspruch: "Wenn du davon träumst, diesen Ball gegen mich zu fangen, dann wach besser auf und entschuldige dich bei mir!"

Richard Sherman (San Francisco 49ers)

Ob emotionsgeladene Postgame-Tiraden über Michael Crabtree und Tom Brady, eine langjährige Twitter-Fehde mit All-Time-Corner Darrelle Revis oder ein verbaler Beatdown von Talking Head Skip Bayless – auf den Mund gefallen war Richard Sherman nie. Im Gegenteil, der smarte Absolvent der renommierten Stanford University wusste sich stets in einem verbalen Schlagabtausch zu behaupten. Oftmals sehr zur Freude der NFL Mic’d Up Crew und zum Leidweisen der gegnerischen Receiver.

Ein pantomimisches Gähnen ist dabei meistens noch harmlos. Wenn Sherman so richtig loslegt, dann schmerzt es schon mal in den Ohren des Receivers. Manchmal will er seine Gegner auffressen, rät ihnen aufgrund von schwächlichem Spiel zu mehr Krafttraining oder aber teilt ihnen mit, dass sie für ihn "Zeitverschwendung" seien. Sherman scheut dabei auch nicht, sich mit Größeren anzulegen. Auch nicht so richtig Größeren wie "Silverback" Trent Williams.

Cam Newton (New England Patriots)

Der Quarterback ist oft die Zielscheibe vom Trash Talk sackhungriger Verteidiger, doch auch so mancher NFL Signal Caller liebt es, verbal auszuteilen. Cam Newton ist hier ganz vorne mit dabei – egal ob er sich mit der gegnerischen Defense, jugendlich aussehenden Schiedsrichtern oder auch pubertierenden Fans bei einem Passing Camp anlegt. Auch zahlreiche Medienvertreter bekamen von Newton schon ihr Fett weg.

Meistens hat der ehemalige Superstar der Carolina Panthers dabei sein patentiertes, breites Lächeln auf dem Gesicht, was verbale Nadelspitzen für die Empfänger umso schmerzhafter macht. Mit den Verteidigern seiner eigenen Mannschaft liefert er sich ebenfalls regelmäßiges Sparring, was nicht selten die Stimmung im Training auflockert. Wieviel davon zuletzt in New England vonstatten ging, sei einmal dahingestellt.

Brandon Graham (Philadelphia Eagles)

Eagles Pro Bowl Defensive End Brandon Graham spielt in der Heimat des "Philly Cheesesteaks" und er macht dementsprechend gerne Lebensmittel zum Zentrum seines Trash Talk. Beliebteste Adressaten: NFL Offensive Lineman. Graham merkt sofort, wenn ein Tackle "zu viele Cupcakes" gegessen hat oder lieber noch ein Sandwich essen würde, anstatt gegen ihn anzutreten. Selbst die großen Jungs aus den eigenen Reihen sind vor seiner Geschwätzigkeit nicht gefeit.

Beim Gegner hat Grahams Redseligkeit einen nachhaltigen Effekt, vor allem weil der für sein freundliches Wesen bekannte Veteran stets ein Lächeln auf den Lippen trägt. "Er fragt die Gegner lachend, wie es ihnen geht und dass er sich heute anstrengen soll", erinnert sich sein ehemaliger Teamkollege Chris Long. "Und das geht das ganze Spiel so. Irgendwann wird das ein bisschen unheimlich und die Gegner denken, der Typ muss irgendwie verrückt sein."

D.J. Swearinger (New Orleans Saints)

D.J. Swearinger erklärt am besten selbst, warum er niemals auf Trash Talk verzichten würde. "Wenn alles ruhig ist, dann ist die Intensität nicht wirklich da", sagt der 29-jährige Safety mit der Reputation als Quasselstrippe. "Du musst Spaß haben und das geht ohne Trash Talk einfach nicht. Es hilft auch dabei, sich und seine Teamkameraden zu motivieren und auf einem anderen Level zu spielen." Die Gegner bringt Swearinger mit seinem Trash Talk dafür regelmäßig aus dem Konzept.

Selbst der sonst so stoische Peyton Manning fuhr gegen Swearinger aus der eigenen Haut und kassierte 2014 den ersten Taunting Penalty seiner legendären Laufbahn. "Das kann ich nicht wiederholen", antwortete Manning auf die Frage, was er Swearinger nach einem harten Hit gegen einen von Mannings Receivern und stetigem Palaver gesagt hatte. Swearinger konterte jedenfalls nur mit den Worten: "Vielen Dank, ich wünsche Dir auch viel Glück."

Josh Norman (Buffalo Bills)

Egal ob Dez Bryant ("Just a guy. He doesn’t wow you.") oder Dak Prescott, Amari Cooper oder Mike Thomas – Josh Norman hängt seinen Gegnern regelmäßig mit ein paar ausgesuchten Worten in den Ohren. Natürlich nur, wenn diese das so wollen. "Ich rede nur, wenn meine Gegner reden", lächelt der ehemalige Pro Bowl Cornerback. "Aber wenn es losgeht, dann halte ich mich nicht zurück. Ich bin mit dieser Art von Spielereien aufgewachsen und liebe es."

Manchmal eskaliert das Ganze auch mal, wie zum Beispiel in der Week 15 der NFL Saison 2015. Josh Norman traf auf den auch nicht gerade als still bekannten Odell Beckham Jr., damals noch bei den New York Giants, und die beiden lieferten physisch wie psychisch ein Duell ohne Tabus. Nach fünf Personal Foul Penalties während der Partie wurde der Streit dann in den Medien weitergeführt. Norman sagt aber, dass die beiden sich trotz heftigem Trash Talk respektieren.

Bill Belichick (New England Patriots)

Moment, wer? Der Head Coach, den viele aufgrund seiner murmelnden Schmallippigkeit manchmal auch "Mumbles" nennen, ist mit seinem trockenen Humor tatsächlich ein fleißiger Trash Talker. Gerade in Pressekonferenzen ist er um ein paar Seitenhiebe nicht verlegen, was natürlich auch leicht fällt, wenn man in den letzten 20 Jahren fast mehr Super Bowls gewonnen hat als die Woche Tage hat.

So sagte Belichick zum Beispiel über den damaligen CBS-Analysten und ehemaligen NFL-General-Manager Charley Casserly, nachdem dieser über eine vermeintliche Verletzung von Patriots-Star Tom Brady spekulierte: "Wer hatte öfter Unrecht als Charley Casserly nach seiner Zeit bei den Redskins? Seine Erfolgsquote liegt in etwa bei der eines Meteorologen." Auch Spieler schickt Belichick gerne mal so manchen Spruch hinterher. Odell Beckham Jr. begrüßte er einmal vor einem Spiel mit den Worten: "Ich hoffe, du kannst die Partie heute genießen. Viele Bälle wirst du ja gegen uns nicht fangen."

Folgende Namen sind zwar nicht mehr aktiv, aber gehören wie viele andere definitiv in die Trash Talk Hall Of Fame:

Philip Rivers, Rex Ryan, Terrell Suggs, Deion Sanders, Terrell Owens, John Randle, Steve Smith, Shannon Sharpe, Warren Sapp
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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