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Las Vegas Raiders gehen in der NFL Offseason "All In"

Einige NFL-Stars mehr werden in der kommenden Saison den Helm der Las Vegas Raiders tragen. Einige NFL-Stars mehr werden in der kommenden Saison den Helm der Las Vegas Raiders tragen. Imago Images / Icon SMI / Ian Johnson
Die jüngsten Verstärkungen der Las Vegas Raiders namens Davante Adams und Chandler Jones machen das allseits beliebte Wortspiel vom Zockertisch Wirklichkeit: Derek Carr und Co. wollen in der kommenden NFL-Saison ganz oben mitspielen! Sie halten damit nicht nur die Fans in der "Sin City" bei Laune sondern reagieren gleichzeitig auch auf die Moves ihrer AFC-West-Divisionskollegen. Nun bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob es für die Traditionsfranchise denn wirklich etwas mit dem Super Bowl werden kann?



Das allmorgendliche Studieren der Sportschlagzeilen muss für die neue Führung der Las Vegas Raiders um Head Coach Josh McDaniels und General Manager Dave Ziegler in den letzten Wochen ein ziemliches Martyrium gewesen sein. Sie konnten schließlich mitansehen, wie sich ein Hall-of-Fame-Quarterback in Russell Wilson den verhassten Divisionsrivalen aus Denver anschloss und wie die Los Angeles Chargers NFL-Stars aufsammelten wie ein Eichhörnchen Nüsse vor dem Winter. Ach ja, das dritte Team im Bunde sind übrigens immer noch die Kansas City Chiefs mit Patrick Mahomes hinter dem Center, Andy Reid an der Seitenlinie und einer noch frisch glänzenden Lombardi Trophy von 2019 im Pokalschrank. Bei derartiger Konkurrenz kann das eigene Müsli morgens schon mal ziemlich fade schmecken oder ein Gefühl aufkommen, dass irgendetwas mit den Kaffeebohnen nicht stimmt. Aber eben auch nur solange, bis man selbst für die Schlagzeilen sorgt.

Davante Adams unterstreicht Ambitionen der Raiders

Genau das taten die Las Vegas Raiders mit ihren Verpflichtungen von Superstar-Edge-Rusher Chandler Jones und vor allem mit dem Deal für Green Bays Über-Receiver Davante Adams. So befremdlich der Begriff "Arms Race" vor dem Hintergrund der derzeitigen Weltlage auch um die Ecke schauen mag, es gibt kaum einen treffenderen Begriff um das sportliche Wettrüsten in der AFC West zu bezeichnen. In einer klassischen Spirale aus sich stetig übertrumpfenden Nachbesserungen haben die vier Teams eine der vielleicht besten Divisionen der NFL-Geschichte kreiert. Mittendrin finden sich die Raiders, die zwar vorerst als letzte ihre großen Moves machten, damit aber für nicht minder großes Aufsehen sorgten.

Wie immer bei derartig tektonischen Roster-Verschiebungen melden sich eine ganze Reihe Befürworter, aber auch ein paar Kritiker. Im finanziellen Bereich gibt es wenig zu schimpfen bei den Splash Moves der Raiders, mehr oder weniger beläuft sich das Risiko von Adams‘ Monstervertrag auf drei Jahre, die gleiche Laufzeit, für die auch Chandler Jones unterschrieb. Natürlich könnte man anführen, dass es sportlich vielleicht immer noch nicht reichen wird, um im ganz obersten Regal der NFL einzukaufen. Letztendlich aber bleibt in Retrospektive auf das Agieren von Neu-GM Dave Ziegler nur eine Tatsache festzuhalten: Es gab eigentlich keine wirkliche Alternative.

Neuverpflichtungen alternativlos in der AFC West

Die Raiders nennen Las Vegas erst zwei Jahre lang ihr Zuhause, ihre traditionelle Brand befindet sich an neuer Wirkungsstätte noch im Aufbau. So sehr man auch ob der werbewirksamen Möglichkeiten um den Strip herum ins Schwärmen kommen mag, so deutlich klingt auch der Ruf nach Siegen in einer Situation, in der man keine zweite Chance für einen ersten Eindruck bekommt. Sprich die Raiders können es sich einfach nicht leisten, in einer überragenden Division die zweite beziehungsweise vierte Geige zu spielen, selbst wenn man von acht oder neun Siegen pro Saison trällern würde. Sie müssen ihren Fans etwas bieten, sie müssen der Stadt etwas bieten und sie müssen auch sich selbst etwas bieten, um nicht von den anderen Mannschaften ohne Wasser in einer Wüste namens sportlichem Niemandsland stehengelassen zu werden, mit all den inneren Erosionen die damit einhergehen.



Genau das drohte den Raiders vor ihren Neuverpflichtungen, erst Recht, weil sie ohnehin schon mit einem Nachteil starteten, der sich auch jetzt noch nicht beheben ließ. Derek Carr ist ein verdammt guter NFL-Quarterback, ein mehrfacher Pro Bowler und Inhaber etlicher guter Statistikwerte, gleichzeitig ist er aber auch zweifelsohne der schwächste Quarterback in seiner Division. Dies wäre wohl nirgendwo anders der Fall, an der harten AFC West Realität ändert es aber nichts. Die Raiders mussten, so sie denn auf Carr setzen wollen, ihm Hilfe an die Hand geben. Richtige, durchschlagskräftige Hilfe. Da kam jemand wie Davante Adams extrem gelegen, nicht zuletzt weil er und Carr seit gemeinsamen College-Tagen an der Fresno State Kumpels sind und sich glänzend verstehen. Damit hat Carr etwas unfreiwillig schon dass erste wichtige Play der Saison gemacht, dass nicht nur seinem Team eine enorme Talentspritze verpasst hat, sondern auch ihm selbst ein Receiver-Kaliber an die Seite stellt, welches er vorher in der NFL noch nie gehabt hat.

Schafft Derek Carr mit Davante Adams den nächsten Karriereschritt?

Somit ist es durchaus eine nachvollziehbare Denkweise, dass ein Passfänger wie Adams genau das ist, was aus Carr die nötige Stärke für einen nächsten Karriereschritt herauskitzeln und ihm die oftmals rückenbrechenden Ballverluste austreiben könnte. Wenn er es nicht kann, dann wohl keiner. Schon letztes Jahr kam Carr mit einem schwächeren Kader in die NFL Playoffs, gewann ein ganz wichtiges Spiel in Week 18 um den Einzug in die Postseason. In Kombination mit Darren Waller, Slot-Receiver Hunter Renfroe oder auch dem Run Game um Josh Jacobs gibt es reichlich Komponenten in Silber und Schwarz, welche neben der soliden Defense auf dem Papier für viel Euphorie sorgen. Chandler Jones und Maxx Crosby sind ebenfalls genau die Art Edge-Rush-Duo, welches man in einer Division voller Superstar-Quarterbacks braucht und eigentlich haben muss.

Fragezeichen bleiben natürlich trotzdem. Da wäre zum Beispiel Head Coach Josh McDaniels, der seine Fähigkeiten als Head Coach bisher in der NFL noch nicht bewiesen hat, genauso wie Derek Carr als Team Leader in den Playoffs. Die Offensive Line bedarf ebenfalls einer weiteren Verstärkung, Verletzungen sind immer eine Komponente, die man nicht in den eigenen Händen hält. Aber all das sind Fragen, auf die es bei Zeiten Antworten geben wird. Für den Moment mussten die Raiders Schritt halten, nicht mehr und nicht weniger. In einem High Stakes Game wie der NFL kann man sich als Team mit Ansprüchen "Folding" nicht leisten, man muss mitgehen, damit man um die ganz großen Töpfe mitspielen kann. Mit ihren Verpflichtungen taten sie genau das und brachten sich zumindest in eine Position, von der aus sie beim Start der kommenden NFL-Saison um die AFC West, um die Playoffs und vielleicht sogar noch um mehr mitspielen können.

Und die Verantwortlichen können zumindest für den Moment wieder ein wenig entspannter die Zeitung lesen, was ja auch schon mal ein Anfang ist…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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