HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

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Josh Allens Date mit Patrick Mahomes bei Sunday Night Football

Die Zukunft der NFL traf sich bei Sunday Night Football in Kansas City: Pat Mahomes und Josh Allen. Die Zukunft der NFL traf sich bei Sunday Night Football in Kansas City: Pat Mahomes und Josh Allen. Imago Images / Icon Sportswire / Scott Winters
Der lange NFL Sonntag der Week Five inklusive London Game liegt hinter und deckt unsere Spieltagzusammenfassung „Cover Them All“ dieses Mal auf gleich zwei Kontinenten die interessanten Räume ab. Beim Sunday Night Football gab es ein Rematch des letztjährigen AFC Championship Game, in England drehte Matt Ryan ein klein wenig die Zeit zurück und in Los Angeles zündeten die Chargers mithilfe der Browns ein 1026-Yard-Offensivfeuerwerk!

Buffalo Bills und Josh Allen setzen Zeichen in Kansas City

Im letztjährigen AFC Championship Game waren die Buffalo Bills noch nicht ganz bereit, in einem mit hinuntergeklappten Visieren geführten Offensivduell gegen die Kansas City Chiefs mitzuhalten. Wie es aussieht, haben sich die Vorzeichen aber innerhalb von knapp zwölf Monaten deutlich geändert. Mit 38:20 schicken Josh Allen und Co. einen Brief an die gesamte NFL, dass sie doch bitte nun zu den Top-Anwärtern für höhere Aufgaben in dieser Liga gezählt wollen werden. Architekten des Erfolgs gibt es viele: Josh Allen (315 Pass Yards, 59 Rush Yards, insgesamt vier Touchdowns) überzeugt mit einem abgeklärten und situativ starken Auftritt, Dawson Knox wird zur Receiving-Waffe (drei Catches für 117 Yards plus Touchdown) die Defense rührt wie schon in den Vorwochen über weite Strecken Beton an und der Coaching Staff hat die Mannschaft bis ins letzte Detail perfekt eingestellt.

Gleiches vermisst man bei den Chiefs und Patrick Mahomes dagegen an allen Ecken und Enden. Backyard Ball und Hoffen auf den Superstar zeigt ein echtes Verfallsdatum in diesen Tagen, vor allem weil die Defense immer wieder zu viel Druck auf den Angriff aufbaut. Dieser lässt aber ebenfalls erneut deutlich Konzentrationsschwächen durchblicken und schaufelt selbst dank vier Turnovern fleißig am eigenen Loch mit. Auch Patrick Mahomes hat mit dreien davon die Schaufel lange in der Hand und so langsam heißt es "Defcon Drei" für die Chiefs.

Florida Bowl geht an Tom Brady und die Buccaneers

Pralle Sonne, Palmen vor dem Stadion und zwei Teams aus Florida – kein Wunder also, dass die Buccaneers und die Dolphins mit handzahmem Schönwetter-Football loslegten. Irgendwann hatten Tom Brady (fünf Touchdowns, 411 Passing Yards) und Antonio Brown (sieben Catches für 124 Yards und zwei Scores) dann aber genug und bliesen direkt neben dem Ohr von Xavien Howard zum Angriff. Miami kämpft und fightet, vor allem der angeschlagene Jacoby Brissett, aber der Qualitätsunterschied ist letztendlich auch ohne „Gronk“ einfach zu groß. Tampas Angriff in dieser Form ist furchterregend für den Rest der NFL.


Matt Ryan feilt weiter an seiner Hall-Of-Fame-Büste

Beim Sieg seiner Falcons in London gegen die Jets bewies Matt Ryan mal wieder, dass er selbst im hohen Alter noch das ist, was er schon immer war – ein absoluter Top-Quarterback und Vollblutprofi. Seinen jungen Tight End Kyle Pitts freut es und während Atlanta den Business-Trip nach England wie ein abgezockter Vertreter kurz vor der Rente abwickelt, treten die jungen Jets lange wie eine sechste Klasse auf, die auf der Klassenfahrt ins nächstgelegene Kleinstädtchen zum ersten Mal ein paar Bierdosen aufreißen darf. Egal was es war, irgendwas bekam dem vermeintlich hochbegabten Fünftklässler Zach Wilson vor dem Spiel jedenfalls nicht, denn einige seiner Pässe schienen näher an der Nelson Column als an seinen Receivern zu sein.

Steelers und "Big Ben" haben noch nicht ganz Feierabend

Egal welche Metapher man auch bemühen möchte, ob die des verwundeten Tieres oder die des angeknockten Boxers, am Ende sieht man ziemlich grimmigen Pittsburgh Steelers ins Gesicht. Sie haben zwar immer noch die gleichen Probleme, die sie schon vor ein paar Wochen hatten, aber sie sind ein stolzes Team mit einem stolzen Quarterback, das sich nicht mal so eben wegen einem alternden Arm von Ben Roethlisberger (dieses Mal 10,1 Yards pro Attempt plus zwei Touchdowns) in die Büsche verzieht. Chase Claypool (130 Receiving Yards) und Najee Harris (122 Rush Yards) erwischen dabei besonders gute Tage. Ärgerlich natürlich für die Denver Broncos, die langsam feststellen müssen, dass sie nicht so gut waren, wie Siege gegen Jets, Giants und Jags so manchen glauben ließen.

Tennessee Titans unbeindruckt von Jacksonvilles Zirkus

Es war sicherlich ein intensives Video-Studium für die Spielers der Jacksonville Jaguars in der vergangen Woche (Hust, Urban Meyer Partytime, hust), inwiefern es sich auf die Leistung gegen Tennessee ausgewirkt hat, ist schwierig zu sagen. Eines ist klar: Wirklich positiv auf jeden Fall nicht. Auch wenn man sich endlich erinnert hat, dass mit James Robinson (149 Rush Yards, 8,3 Yards pro Carry) ein Bowling Ball das Jags-Trikot trägt, der Trevor Lawrence das NFL-Leben um einiges leichter machen kann, passt weiterhin wenig zusammen in Duval. Dabei war die Verletztenliste der Titans ungefähr so lang wie die der Anrufe in Abwesenheit von Urban Meyer am letzten Samstag. Derrick Henry (130 Yards) sowie der immer stärker werdende Harold Landry (sieben Tackles, zwei Sacks, drei QB-Hits) halten den Laden aber zusammen.

Tränen bei Dan Campbell, Jubel bei den Vikings

Wenn die Spiele der Oregon Ducks, LSU Tigers oder Oklahoma Sooners am Samstag interessanter werden als die des eigenen Teams am NFL-Sonntag, dann weiß man, dass die Spielzeit relativ früh relativ falsch abgebogen ist. Wie sich das anfühlt, können die Fans der Detroit Lions bezeugen und das obwohl ihr Team wieder ein couragiertes Comeback auf das Feld zauberte. Dan Campbell samt Tränen in der Postgame Pressekonferenz ist und bleibt trotzdem ein echter Kerl – chapeau! Fast hätten die Vikings den Timer auch schon für nächsten Samstag 18 Uhr gestellt, doch dank Kirk Cousins, Adam Thielen und einem 54-Yarder von Kicker Greg Joseph darf Minnesota am Ende doch noch den Sieg feiern.

Die "guten" Saints sind gegen Washington wieder da

In Las Vegas könnten Aspirin letzte Woche ausverkauft gewesen sein, so viel Kopfschmerzen dürfte dieses Spiel von zwei absoluten NFL-Wundertüten den Buchmachern in der Sin City gemacht haben. Am Ende kam es alles relativ normal: In einer ungeraden NFL-Woche dampft die Angriffsmaschine der Saints mit vollem Kessel voraus. Jameis Winston bringt zwar nur 50 Prozent seiner Pässe an den Mann, dafür aber vier seiner 15 Completions in die Endzone. Marquez Callaway fängt zwei, die explosiven 1,67 Meter von Deonte Harris einen und den Rest besorgt die Defense (zwei Interceptions, zwei Sacks, zwei Fourth Down Stops).


Das muntere Scheibenschießen von Cincinnati

Eines mal vorweg: NFL Football is back in Cincinnati! Und im Gepäck hat die in diesen Gefilden geliebte Sportart reihenweise Stargäste wie Aaron Rodgers oder Davante Adams (elf Catches, 206 Yards plus Touchdown), eine junge Truppe von hungrigen Raubkatzen, einen absoluten Königstiger in Ja’Marr Chase (sechs Catches, 159 Yards inklusive Touchdown) und vor allem ein Spiel, was wohl als eines der verrücktesten und spektakulärsten in die Geschichte dieser NFL-Saison eingehen wird. Nach fünf (!) verschossenen Kicks in den letzten gut zwei Minuten der regulären Spielzeit sowie in der Overtime trifft Mason Crosby dann schließlich aus 49 Yards zum Game Winner. Bei den Bengals will es bestimmt keiner hören, aber solche Tage gehören wohl auf dem langen Weg zum NFL-Contender dazu.

New England Patriots wachen in Houston noch rechtzeitig auf

Es gab eine ganze Reihe gute Nachrichten für die Houston Texans, zum Beispiel dass man besser spielte als das Pop Warner Team, was letzte Woche noch die Trikots der Mannschaft trug. Oder auch das Davis Mills mit drei Touchdowns zum ersten Mal wie ein adäquater und sogar guter NFL-Quarterback aussah. Die schlechte Nachricht ist aber, dass es trotzdem nicht für einen Heimsieg gegen die etwas verschlafenen New England Patriots reichte. Für Bill Belichick wachen die Defense um Matthew Judon (zwei Sacks, ein forcierter Fumble) sowie der Angriff mit Hunter Henry (sechs Catches für 75 Yards und ein Touchdown) gerade noch rechtzeitig auf im ersten Spiel nach dem Brady Bowl letzte Woche.

Der Lack der Carolina Panthers zeigt erste Risse

Wenn nicht einmal die Sieger hinterher sagen können, dass es ein schönes Spiel war, dann weiß man, dass es sich um eine ziemliche Sandkastenwühlerei gehandelt hat. Den Eagles wird es egal sein, denn sie bekommen den richtigen Gang in der zweiten Halbzeit eingelegt und können so manch Positives nebst dem Auswärtssieg mit nach Hause nehmen. Da wären zum Beispiel die zwei Picks von Darius "ich rechtfertige endlich mal meinen saftigen Vertrag" Slay, Jalen Hurts‘ coole Performance im vierten Viertel und das Potenzial von DeVonta Smith. In Carolina herrscht dafür Tristesse: Sam Darnold (drei Interceptions) erinnert sich an schlimmste Tage bei den New York Jets, seine Offensive Line spielt immer öfter wie seine alten Teamkollegen und irgendwann reicht halt alles Skill Position oder defensive Talent nicht, um derartige Schwierigkeiten zu verstecken.


San Francisco 49ers verlangen Arizona Cardinals eine Menge ab

Jimmy Garoppolo musste für die San Francisco 49ers verletzt passen, ebenso wie Superstar Tight End George Kittle, womit die Vorzeichen vor ihrem Duell mit dem heißesten Team der NFL so rosig waren wie der Duft eines überfüllten Super Bowl Restrooms. Und auch wenn es am Ende nicht reicht und Trey Lance sich vor allem gedanklich noch sehr limitiert zeigt, so darf man direkt mal zwei Hüte vor dem Herz des jungen Quarterbacks und der defensiven Performance der Niners ziehen. Die Cardinals mussten sich elendig lange mühen und es offenbarte sich trotz bemerkenswert starker Defense auch manche Falte im bisher so makellosen Game Face der Birds. Besonders die Offensive Line machte gegen einen physischen Pass Rush keine gute Figur, womit auch die Kyler Murray Show oft den Vorhang zu ziehen musste. Zach Allens Sack-Dance ist dafür aber immer noch aus dem obersten NFL-Regal.

Ein Albtraum-Nachmittag für die New York Giants in Dallas

Dass sie ein Spiel gegen einen ihrer bittersten Rivalen deutlich verlieren ist schlimm genug, aber mitsamt der Verletzungen von Daniel Jones, Kenny Golladay und Saquon Barkley, dessen Knöchel Fußballgröße angenommen hatte, entwickelte sich der Sonntag zum Albtraum für die New York Giants. Ein zeitweiliger Lichtblick: Rookie Kadarius Toney mit zehn Receptions für 189 Yards, bevor er sich dann aber mit einem nicht gerade von größter Denkanstrengung geprägten Faustschlag selbst aus der Partie nahm. Die Dallas Cowboys reiten Dak Prescott sowie ihr Laufspiel weiter in Richtung schöner Sonnenuntergänge und gen einem weiteren überzeugenden Sieg. So langsam kann man mit Trevon Diggs nach einer erneuten Interception dann auch mal anfangen, über den Rekord von Dick „Night Train“ Lane zu sprechen, des Mannes mit einer der wahnsinnigsten Geschichten und einem der besten Spitznamen in der NFL-Geschichte.

Justin Fields wirft den ersten Touchdown seiner NFL-Karriere

Nachdem ihr Coach Jon Gruden in der vergangenen Woche schon für relativ ungünstige Schlagzeilen sorgte, konnten die Las Vegas Raiders auch sportlich den Karren nicht aus dem Dreck ziehen. In einem Spiel, was man wohlwollend gerade noch als Defensivschlacht bezeichnen kann, kaufen ihnen die Gäste über weite Strecken in den entscheidenden Bereichen den Schneid ab. Die Bears, bei denen Justin Fields seinen ersten NFL-Touchdown-Pass feiern darf, setzen auf ein stetiges Laufspiel (37 Rushes für 143 Yards) und disziplinierte Defense (drei Sacks, eine Interception, zwei Fourth Down Stops). Nicht das verkehrteste mit einem jungen Quarterback, der derzeit noch eine Menge Unterstützung braucht und sie trotz Fehlens von David Montgomery auch bekommt.

1026 offensive Yards beim Chargers-Browns-Shootout

Enthusiasten für Defense haben wahrscheinlich nach fünf Minuten pikiert und angewidert weggeschaltet, Freunde des gepflegten Offensivspektakels mussten sich dagegen wohl bei den Nachbarn für die ganzen lauthalsigen Freudenausbrüche entschuldigen. Das Spiel mit 1026 offensiven Yards hatte seiner Helden etliche: Justin Herbert wirft für fast 400 und vier Touchdowns, Baker Mayfield hält mit 306 dagegen, Nick Chubb schafft 161 inklusive 52-Yard-Score, Mike Williams kratzt mit 165 Yards sowie zwei Scores weiter den Bust-Aufkleber von seiner Hauswand, David Njoku kommt aus dem Nichts mit 149 Receiving Yards… okay, Durchatmen! Während des Spiels ging das relativ selten. Die Defensive Coordinator der beiden Teams dürften das Sauerstoffzelt am Ende aber wohl am nötigsten haben.

Die Week Five der NFL liegt hinter uns - wer ist für Euch der Star des Spieltags?
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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