HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

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Flügellahme Atlanta Falcons hoffen auf Kyle Pitts

Viele Augen werden bei Thursday Night Football auf Kyle Pitts von den Atlanta Falcons gerichtet sein. Viele Augen werden bei Thursday Night Football auf Kyle Pitts von den Atlanta Falcons gerichtet sein. Imago Images / Icon SMI / Ken Murray
Die Atlanta Falcons fuhren am vergangenen NFL-Sonntag eine böse Klatsche gegen die Dallas Cowboys ein, ihre Offense fand dabei so gut wie kein Mittel gegen die Verteidigung ihres ehemaligen Head Coaches Dan Quinn. Viel Zeit zum Ärgern bleibt den „Dirty Birds“ allerdings nicht, bei Thursday Night Football empfangen sie die zuletzt fulminant aufspielenden New England Patriots. Wie so oft in dieser Saison ruhen Atlantas Hoffnungen dabei eigentlich nur auf Quarterback Matt Ryan und seinem Rookie-Tight-End Kyle Pitts.



Es ist wahrlich keine leichte Saison für die Atlanta Falcons, die irgendwie zwischen den Welten gefangen scheinen. Sie haben mit Matt Ryan einen möglichen Hall of Famer hinter dem Center stehen, der auch in seiner 14. NFL-Saison noch im obersten Signal-Caller-Regal rangiert und allen Schwierigkeiten seines Teams zum Trotz fast jeden Sonntag höchstprofessionell seine Leistung abliefert. Um ihn herum befindet sich eigentlich der gesamte Kader im Umbruch, die Flügel der Falcons sind vielerorts schon längst auf Zukunft gesetzt. Unter anderem natürlich auf der Tight End Position, wo Top Pick Kyle Pitts viele von den Hoffnungen erfüllt, die man vor dem Draft in den jungen Monsterathleten gesetzt hatte.

Die Höhen und Tiefen der Atlanta Falcons

Da es aber neben Ryan und dem trotz allem Talent unerfahren Pitts andernorts fast überall an Qualität mangelt stolpern die Falcons sich in dieser Saison mehr oder weniger zu einem durchschnittlichen Rekord von vier Siegen und fünf Niederlagen. Gerade der Stachel der letzten Pleite in Dallas, ein 3:43-Desaster gegen ihren Ex-Head-Coach und jetzigen Cowboys-Coordinator Dan Quinn, sitzt tief bei den Falken. Es ist aber ein beispielhaftes Ereignis für die Unbeständigkeit ihres eigenen Spiels, dass zwar oft gut genug ist, um gegen Kellerkinder wie die Teams aus New York oder eine ersatzgeschwächte Saints-Mannschaft zu gewinnen, dann aber enorme Lücken aufweist, wenn es gegen stärkere Gegner geht.

Zu Thursday Night Football kommt mit den New England Patriots nun nicht nur ein Team aus der oberen Tabellenhälfte nach A-Town, sondern auch noch eine der vielleicht heißesten Franchises der gesamten NFL. Auf dem Rücken einer dominanten Defense, einem wuchtigen Laufspiel und immer stärker werdenden Leistungen von Quarterback Mac Jones haben Bill Belichicks Mannen ihre vier letzten Partien gewonnen und wollen eben jene Serie auch gegen die Falcons fortsetzen. Auf dem Papier spricht alles für New England, es ist eigentlich egal, welche Statistik man heranzieht. Was also tun, wenn man es mit den Falcons hält?

Kyle Pitts unter Beobachtung bei Thursday Night Football

Die Antwort, wie so oft in diesem Jahr, kann für Atlantas Head Coach Arthur Smith eigentlich nur Matt Ryan und Kyle Pitts lauten. Viel mehr hat er offensiv kaum zur Verfügung, erst recht nicht, nach dem jüngsten Rückzug von Star-Receiver Calvin Ridley aufgrund mentaler Probleme und einer Verletzung vom vielseitigen Cordarrelle Patterson, der wohl bei Thursday Night Football passen muss. Nun sind Ryan und Pitts natürlich in sich auch schon eine echte Macht, ob es allerdings gegen die Patriots reichen wird, ist eine ganz andere Frage.



Vor allem für den jungen Pitts wird das Matchup eine extreme Herausforderung. Bill Belichick ist dafür bekannt, dass er gegnerischen Angriffsreihen vor allem ihre erste Option nehmen möchte und damit dürfte Pitts‘ Name in dieser Woche ziemlich häufig auf dem Whiteboard in New England zu finden sein. Einen kleinen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet, ein "Marked Man" in der NFL zu sein, bekam Kyle Pitts letztens schon gegen die Carolina Panthers. Da stellten diese ihren Top-Cover-Corner und Ex-Patriot Stephon Gilmore über weite Strecken gegen Pitts und konnten den hochgewachsenen Tight End damit bei lediglich zwei Catches und 13 Receiving Yards halten (inklusive zwei Pass Interference Calls, wohlgemerkt).

Kyle Pitts zieht Lehren aus "Willkommensmoment in der NFL"

"Gilmore ist ein überragender Spieler und es war ohne Zweifel eine Art Willkommensmoment für mich in der NFL", sagte Pitts hinterher. "Ich muss meine Lehren daraus ziehen und stärker zurückkommen. Es gibt sicher noch eine Menge Dinge, die ich verbessern kann." Wie viel er aus dem Matchup mit Gilmore gelernt hat, wird er direkt gegen New England zeigen können. Die Patriots werden mit Sicherheit einen großen Teil ihrer Pass Coverage auf den jungen Falcons-Star ausrichten, weshalb dieser bereits vor dem Kickoff die richtigen Zeichen setzen will.

"Vorbereitung ist in dieser Liga alles", sagt der Rookie, der bisher in neun NFL-Spielen 40 Catches für 606 Yards (inklusive einem Touchdown) verbuchen konnte. "Wie du dich zuhause verhältst, im Training oder auch am Morgen vor einer Partie hat alles eine Auswirkung auf das letztendliche Spiel. Es ist unser Job, so fit wie möglich zu sein, und genau das will ich tun." Die ersten Anzeichen für Kyle Pitts stehen auf jeden Fall gut, auch wenn seine Zahlen in der Red Zone sicher noch ausbaufähig sind. Als 21-Jähriger NFL-Rookie sind seine Leistungen dennoch mehr als bemerkenswert und werden fast schon dem Label "Unicorn" gerecht, was ihm viele vor dem Draft verpassten.

Und damit ist er nicht nur die große Hoffnung der Falcons in der Gegenwart oder für Thursday Night Football, sondern vor allem auch ein riesiger Teil ihrer Zukunft…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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