Anmelden



- Werbung -

Diese NFL-Coaches sitzen auf "dem heißen Stuhl"

Pete Carroll hat in Seattle viel geleistet, aber es gibt Zweifel an seiner Zukunft bei den Seahawks. Pete Carroll hat in Seattle viel geleistet, aber es gibt Zweifel an seiner Zukunft bei den Seahawks. Imago Images / ZUMA Wire / Sean Brown
Die Vorfreude auf die neue NFL-Saison 2022 dürfte bei einigen Head Coaches mit einer gehörigen Portion Nervosität verbunden sein. Denn auch wenn ihre Franchies ihnen derzeit noch fleißig Geld überweisen, so gibt ihnen dieser Umstand noch keine langfristige Job-Sicherheit. Wir schauen einmal, wer schon bald in der National Football League um seinen Arbeitsplatz bangen könnte und welche Trainer in der kommenden Spielzeit ganz besonders unter Druck stehen!

Die Zusammenstellung der Coaches auf dem "Hot Seat", wie es die Amerikaner immer gerne nennen, untersucht die jüngste Vergangenheit und beleuchtet individuelle Situationen, welche bei aufkommendem Misserfolg eine Neuorientierung der jeweiligen Franchise nach sich ziehen könnten. Hier also die NFL-Übungsleiter, die 2022 wahrscheinlich um ihren Job coachen müssen:


Matt Rhule, Carolina Panthers

Panthers-Owner Dave Tepper vereinbarte mit dem ehemaligen College-Coach bei Vertragsunterzeichnung 2020 einen Fünf-Jahres-Plan zum Wiederaufbau der Wildkatzen und stattete ihn obendrein sogar mit einem siebenjährigen Arbeitspapier aus. Wenn besagter Teambesitzer sich nun aber genötigt fühlt, öffentlich Rückendeckung zu geben, dann weiß jeder Coach weltweit eigentlich schon, dass die Alarmglocken läuten sollten.

Rhule opferte in und nach der vergangenen Saison etliche Assistenten (unter anderem Joe Brady und einige andere, die er zuvor gezielt ausgewählt hatte), über seine eigenen Fehler kann das aber in keiner Weise hinweg täuschen. Von einer miserablen Quarterback-Auswahl über Vernachlässigung der Offensive Line bis hin zu unglücklichen PK-Auftritten, Rhules Boot fährt in mehr als unruhigem Fahrwasser. Vor allem, weil Carolina wohl nächstes Jahr mit einem neuen Quarterback eh eine neue Ära beginnen möchte, welcher dann ein guter Köder für einen neuen Coach sein könnte.

Pete Carroll, Seattle Seahawks

Eigentlich sollte Pete Carroll ziemlich fest im Sattel sitzen, in etwa so fest, wie eine Steinstatue auf einem Sockel steht, die man gut und gerne für den ersten Super-Bowl-Coach in der Geschichte der Seahawks irgendwo errichten könnte. Dass er es trotzdem nicht tut liegt an verschiedensten Faktoren, die alle direkt oder indirekt mit Carroll selbst zu tun haben. Dazu zählt auch das unter anderem "verschuldete" hohe Niveau, an welches man sich bei den Seahawks gewöhnt hat.

Carroll konnte 61,9 Prozent seiner Spiele mit den Seahawks gewinnen und in Sachen "Lebensleistung" dürfte man ihm im Nordwesten auf ewig dankbar sein, die letzten Jahre fielen aber im Vergleich zur gesamten Zeit deutlich ab. Seit 2017 konnten die Hawks trotz Russell Wilson nur ein Playoff-Spiel gewinnen, der Kader altert und es gibt derzeit keinen Quarterback für die Zukunft. Dass sich gleichzeitig der 70-jährige Carroll nicht direkt auf einen Neuaufbau einlassen möchte könnte zu einer schwierigen Saison in der starken NFC West führen.

Ron Rivera, Washington Commanders

Rivera ist in NFL-Kreisen extrem respektiert, soll stets ein gutes Verhältnis zu seinen Spielern pflegen und hat nicht zuletzt aufgrund seiner mehr als inspirierenden persönlichen Geschichte viele Fürsprecher im Football-Zirkus. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das junge Washington Football Team auch zu einer der vielversprechendsten Geschichten der Liga, bei der Rivera allerdings mittlerweile zusehends Probleme hat, das nächste Kapitel zu schreiben.

Die früher hochgelobte junge Defense marschierte einen Schritt (vielleicht sogar zwei) zurück in der vergangenen Saison und die Quarterback-Situation wirft reihenweise Fragen auf. Das dürfte auch Neu-Commander Carson Wentz nicht ändern, mit ihm könnte sogar durchaus schlimmer werden. Denn eines versprüht er nach seinem Scheitern in Indianapolis überhaupt nicht: Hoffnung. Für Rivera wäre es schade, denn eigentlich gönnt ihm jeder die Chance, den Neuaufbau in Washington fortzuführen.

Mike McCarthy, Dallas Cowboys

Wer sowas wie die letzte Saison bei den Dallas Cowboys von Mike McCarthy schon mal gesehen hat, der hebe bitte jetzt die die Hand! Und schon schießen etliche Packers-Fans ihre Pfoten in die Höhe… 2021 gehörten die von McCarthy geführten Cowboys zu den besten Teams der regulären Saison, wie es auch seine früheren Packers-Teams oft taten, nur um dann in den NFL Playoffs eine böse Bruchlandung zu erleiden. Was man so auch schon oft gesehen hat in Bezug auf den 58-Jährigen, der natürlich trotzdem immer noch seinen Super-Bowl-Ring aus dem Jahr 2010 am Finger tragen darf.

Dass jener einen gewissen Jerry Jones eher wenig beeindruckt, dürfte jedem klar sein. Genauso wie die Tatsache, dass es für McCarthy schnell ungemütlich werden würde, wenn die kommende Saison mit einem abermals teuren Kader keinen durchschlagenden Erfolg bringt. Jones äußerte schon direkt nach der letzten Saison im Radio, dass er erstmal über den Coaching Staff nachdenken müsse. Selbst wenn er jene Aussagen später selbst relativierte, hört man die Uhr in Texas ohne Zweifel ein wenig lauter ticken in diesen Tagen.

Kliff Kingsbury, Arizona Cardinals

Auf den ersten Blick sieht Kliff Kingsburys NFL-Coaching-Bilanz gar nicht so verkehrt aus: In drei Jahren bei den Arizona Cardinals hat er 24 Spiele gewonnen, 24 Spiele verloren und ein Unentschieden eingefahren. Ganz ordentlich für einen jungen NFL-Head-Coach, nicht wahr? Wenn man allerdings einmal untersucht, wie jene Bilanz zustande gekommen ist und dass in ihr auch eine Reihe bitterer Enttäuschungen verborgen sind, dann erkennt man schnell, dass Kingsbury langsam aber sicher mehr liefern muss.

In den letzten zwei NFL-Saisons starteten die Cardinals stark, um dann anschließend leistungsmäßig von der Klippe zu fallen, womit der junge Head Coach einen beunruhigenden Trend aus College-Tagen fortsetzt. Paart man diese Zweifel mit dem jüngsten Ärger um Kyler Murray sowie die Suspendierung von DeAndre Hopkins, dann erscheint ein etwas heißerer Stuhl Kingsburys in der Wüste alles andere als abwegig.

Der Faktor Sean Payton

Der ehemalige Saints-Head-Coach Sean Payton hat zwar für die kommende Saison ein neues Engagement als TV-Kommentator bei FOX Sports gefunden, die Gerüchte um einen neuen NFL-Gig in der Zukunft dürften damit aber nicht abreißen. Wann immer ein Coach seines Kalibers "im zeitweiligen Ruhestand" ist erweckt das hinter so mancher verschlossener Tür die ein oder andere Idee. Und wenn es gut informierte Journalisten wie Ian Rapoport schon jetzt von den Dächern pfeifen, dass Payton eher früher als später wieder die Taktiktafel rausholt, dann bekommt eine derartige Geschichte erst recht schnell Beine.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Nach Oben