Über die Jahre sorgte der NFL Draft für so manche humorvolle Legende. Über die Jahre sorgte der NFL Draft für so manche humorvolle Legende. Imago Images / Icon SMI / Rich Graessle

Die zehn verrücktesten Geschichten zum NFL Draft

geschrieben/veröffentlicht von/durch  26.04.2021
Der NFL Draft fasziniert seit seiner ersten Austragung im Jahr 1936 viele Beobachter. Damals lief das Event noch unter dem Namen "Player Selection Meeting", aus dem sich heute ein spektakulärer Mikrokosmos innerhalb des Milliardengeschäfts National Football League entwickelt. Über die Jahre schrieb dieser seine ganz eigenen verrückten Geschichten, die auf ihre humoristische Weise zu unvergessenen Legenden wurden. Touchdown24 lädt euch ein zum Mitschmunzeln!

"National Football League? Ich verkaufe lieber Gummi!"

Den allerersten Pick überhaupt in einem NFL Draft benutzen die Philadelphia Eagles 1936 auf Jay Berwanger, seines Zeichens auch erster Gewinner der Heisman Trophy. Aufgrund finanzieller Engpässe gaben sie seine Rechte an die Chicago Bears ab, doch auch mit "Papa Bear" George Halas wurde sich Berwanger nicht einig. Nach einer gescheiterten Olympia-Qualifikation im Zehnkampf verzichtete er auf eine Unterschrift bei den Bears und heuerte stattdessen lieber bei einer Chicagoer Gummifirma an. „Da verdient man besser als beim Football“, verkündete Berwanger schmunzelnd. Seine Heisman Trophy vermachte der Halfback mit deutschen Vorfahren seiner Tante Gussie, die sie pragmatisch als Türstopper einsetzte.

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Der Spieler, der nicht wusste, dass er gedraftet wurde

1944 nahmen die Philadelphia Eagles Fullback Norm Michael von der Syracuse University in der 20. Runde. Ja, es gab eine Zeit, da konnten die Teams in bis zu 32 Runden Spieler wählen. Michael jedenfalls fand wie Berwanger nie seinen Weg nach Philadelphia, er war zu diesem Zeitpunkt nämlich schon auf einem Stützpunkt der US Army in Alabama stationiert. Er erfuhr nicht einmal davon, dass er überhaupt gedraftet wurde. Er las erst in der Zeitung von seinem verpassten Glück… 55 Jahre später! "Mein Sohn schrieb den Eagles dann einen Brief, nachdem wir es gehört hatten", lachte Michael. "Ich glaube, er wollte wissen, ob mir die Franchise nicht noch einen Signing Bonus schuldet."


Einmischung beim NFL Draft aus dem Weltall

Der Spielbetrieb von NFL und AFL lief in den 60er Jahren parallel und somit buhlten die beiden Profiligen auch um die gleichen College-Stars. Einer von ihnen, Tommy Nobis von der University of Texas, wurde 1966 sowohl von den Atlanta Falcons im NFL Draft (an erster Stelle) als auch von den Houston Oilers im AFL Draft (an Position Fünf) gezogen. Während er überlegte, wo er unterschreiben soll, kam eine Nachricht aus dem Weltraum. Astronaut Frank Borman, Vater zweier Oilers-Balljungen und selbst bekennender Fan, befand sich mit der Gemini 7 Mission auf einem Raumflug und ließ Nobis via Nachricht wissen, dass er doch bitte in Houston unterschreiben solle. Nobis entschied sich trotzdem für Atlanta und verdiente sich in der Folgezeit den Spitznamen "Mr. Falcon".

Der Draft wird für NFL und AFL zum Frischemarkt

Die NFL (ABC) und die AFL (NBC) hatten Anfang der 60er Jahre beide lukrative TV-Verträge in der Tasche, womit sie zeitweise durchaus in gewissen Bereichen auf Augenhöhe agierten. Der erbitterte Konkurrenzkampf übertrug sich auch auf den Draft Prozess. Die Events fanden damals direkt nach der regulären Saison statt, oft waren die College Bowls noch nicht einmal zu Ende gespielt. Im Kampf um die besten Spieler griffen die Teams fast schon zu Spionagemethoden. Die NFL engagierte "Babysitter", die sich mit Spielern anfreunden sollten, und verbarrikadierte Akteure während des AFL Drafts in einem Hotel, wo sie nicht erreichbar waren. Die American Football League konterte mit ähnlichem Einsatz. So rannte der spätere Raiders-Besitzer Al Davis unter anderem nach dem Sugar Bowl 1962 direkt auf das Spielfeld und ließ Lance Alworth einen Vertrag für die Chargers "unter den Torstangen" unterschreiben. Dieser war von beiden Ligen gedraftet worden, konnte offiziell aber erst nach dem Spiel unterschreiben.

Ein Hollywood-Star im NFL Draft

1972 wandte sich Coach Norm Van Brocklin im War Room an seinen Stab und fragte: "Do you want the roughest, toughest S.O.B. in the Draft?" Nach lautem Jubel ruft Van Brocklin die NFL an und verkündet, dass die Falcons mit ihrem letzten Pick John Wayne von der Fort Apache State University nehmen. Genau, den John Wayne, Hollywood-Kult-Schauspieler und Western-Ikone. Die Liga kann über den humorvoll gemeinten Publicity Stunt nicht so wirklich lachen und erklärt den Pick für ungültig. John Wayne, damals 64 Jahre alt, hatte tatsächlich einmal unter seinem bürgerlichen Namen Marion Morrison an der University of Southern California Football gespielt.


Wer braucht schon First Rounder im NFL Draft?

In der heutigen Zeit behandeln viele Teams (mal abgesehen von den Los Angeles Rams) ihre Erstrundenpicks vor dem NFL Draft wie das berühmte rohe Ei. Das war nicht immer so, unter anderem bei den früheren Washington Redskins. Die heute umbenannte NFC East Franchise machte zwischen 1969 und 1990 gerade einmal drei Picks in der ersten Runde! Alle anderen verschacherten die Offiziellen in zahllosen Deals. Der legendäre Coach George Allen tradete sogar einmal den gleichen Pick an zwei verschiedene Teams – was die NFL allerdings erst ein Jahr später bemerkte und sanktionierte. Mit zwei der drei First Rounder in 21 Jahren gelangen den Skins allerdings echte Sechser im Lotto: Sie holten die Hall Of Famer Art Monk (1980) und Darrell Green (1983) in die Hauptstadt.

Ein "alter Schwede" für die Houston Oilers

Normalerweise freuen sich Teams im NFL Draft, wann immer sie ihre Hände an einen wirklich jungen Spieler bekommen, den sie dann in der Folge formen und entwickeln können. 1977 ignorierten die Houston Oilers diese Herangehensweise, ebenso wie die Vorbehalte dagegen, einen Pick auf einen Kicker zu verwenden. In der 12. Runde holten sie den ehemaligen schwedischen Fußballer Ove Johansson im Alter von 28 Jahren und 281 Tagen zu sich, der zuvor an der Abilene Christian University mit 69 Yards den Rekord für das längste Field Goal aller Zeiten aufgestellt hatte. Nach einer Knieverletzung in seinem letzten College-Spiel konnte er die Tre Kronor in der NFL allerdings nicht wirklich hochhalten und verpasste fünf von sieben Kicks, bevor seine Karriere ein frühes Ende fand.

Die Buccaneers holen 1982 den falschen Spieler

Im NFL Draft 1982 schwankten die Tampa Bay Buccaneers lange zwischen Booker Reese (Bethune-Cookman) und Sean Farrell (Penn State). Somit bereitete Equipment Manager Pat Marcuccillo, der beim Draft in New York vor Ort war, zwei Karten mit den Namen der beiden Spieler vor. Nach langen Diskussionen entschied sich das Bucs-Front-Office um Ken Herock für Reese und er rief Marcuccillo an. Die Verbindung war schlecht, die beiden Männer konnten sich kaum verstehen. "Wir nehmen nicht Sean Farrell, wir nehmen Booker Reese", rief Herock ins Telefon. "Gib den Zettel ab!" Aber Marcuccillo verstand, dass er Farrell nehmen soll. Eine Minute später sieht ein geschockter War Room der Bucs im Fernsehen, dass sie den falschen Spieler genommen haben! Panisch tradeten sie dann ihren 1983er First Rounder, um Reese in Runde Zwei zu nehmen. Seine enttäuschende Karriere dauerte nur vier Jahre, während Farrell über einhundert Starts in seiner guten Laufbahn hinlegte.


"On The Clock" mit den Minnesota Vikings im NFL Draft

Nachdem sie schon im Jahr zuvor für Aufsehen sorgten, als sie mit Ryan Sims einen Spieler nahmen, den Kansas City zuvor bereits gewählt hatte (aufgrund eines Trades sah es so aus, als ob die Chiefs den Pick zu spät eingereicht hätten), unterlief den Minnesota Vikings im NFL Draft 2003 ein bitterer Fauxpas. Diesmal waren sie es, die aufgrund eines potenziellen Trades mit Baltimore ins Straucheln gerieten. Dieser Deal kommt aber nie offiziell zustande und damit verpassten die Vikings ihren Pick. Sowohl Jacksonville als auch Carolina nutzen die Gunst der Stunde und wählen vor Minnesota, die letztendlich von Position Sieben auf Rang Neun in der Order durchgereicht wurden. Irgendwie wendet sich dann doch noch alles zum Guten, denn die Vikes bekommen mit Defensive Tackle Kevin Williams einen mehrfachen Pro Bowler. Trotzdem beschreibt Head Coach Mike Tice seine Laune direkt nach dem Durcheinander als sagen wir einmal "ungehalten" (um bildlichere Übersetzungen zu vermeiden).
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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