Daniel Jones und der Rest der NFC East wollen 2021 nicht erneut eine Bauchlandung hinlegen. Daniel Jones und der Rest der NFC East wollen 2021 nicht erneut eine Bauchlandung hinlegen. Imago Images / Icon SMI / Mark Goldman

Die NFC East hofft 2021 auf Wiedergutmachung

geschrieben/veröffentlicht von/durch  19.04.2021
2020 war ein düsteres Jahr für die stolzen Franchises der NFC East, in welchem dem Washington Football Team schon sieben Siege für den Sieg in der zweifelsohne schlechtesten Division der NFL genügten. In der kommenden Saison soll das wieder anders werden, denn Boys, Birds & Co möchten an vergangene erfolgreichere Zeiten anknüpfen. Dafür stellen sie bereits jetzt in der Offseason die Weichen – die Frage ist nur, ob man so einfach und schnell in die Erfolgsspur zurückfinden kann?

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Auf dem Papier sind die Zukunftspläne sowie Neuorientierungen der vier NFL-Teams durchaus vielversprechend und haben – zumindest teilweise – Hand und Fuß. Die Dallas Cowboys hoffen, dass mit einem gesunden Dak Prescott auch das Gewinner-Gen zurückkehrt und er eine immer noch zweifelhafte Defensive zumindest ein Stück weit auffangen kann. Die New York Giants öffneten in der Free Agency das Portemonnaie und holten reihenweise namhafte Spieler, um dem schwächelnden Kader der letzten Saison eine Talent-Spritze zu verpassen.

Die Philadelphia Eagles konnten aufgrund von Cap Problemen in Sachen Neuzugängen keine besonders großen Sprünge machen, drücken aber die Daumen, dass ihre Spieler mit mehr Gesundheit gesegnet sind, als letzte Saison. Gleichzeitig versprechen sie sich einen positiven Effekt vom neuen Head Coach Nick Sirianni. Die Division-Champions aus Washington verstärkten ihren vielversprechenden Kader aus dem letzten Jahr punktuell und holten zudem mit Ryan Fitzpatrick ein wahrscheinliches Upgrade auf der Quarterback-Position.

NFC East hat ordentlich Munition im NFL Draft 2021

Im anstehenden NFL Draft 2021 wollen die Teams ihre Um- und Aufrüstung vorantreiben. Über die bisher getätigten Offseason-Moves hinaus werden drei der vier Mannschaften in den Top 15 des Draft picken. Die Cowboys besitzen insgesamt 10 Draft Picks, die Eagles haben sogar noch einen mehr auf der Habenseite. Beide Teams besitzen damit ein hohes Maß an Flexibilität für die drei Tage des Draft und sie haben eine Möglichkeit, trotz Cap-Schwierigkeiten ein paar Impact-Player für ihre Roster zu finden.

Klingt alles ganz plausibel, oder? Das tun die meisten Offseason-Pläne in der NFL, bis sie dann irgendwann der Realität und den wirklichen Spielen ausgesetzt sind. Insgesamt ist es dennoch sehr wahrscheinlich, dass die NFC East nicht wieder so eine kollektive Bruchlandung hinlegt wie 2020. Dafür gibt es einfach zu viele positive Entwicklungen in den einzelnen Mannschaften, die für die Zukunft und zeitweise sogar darüber hinaus den jeweiligen Fans Mut machen sollten.

Reihenweise neue Namen in der NFC East

Das Washington Football Team hat zum Beispiel sehr klug auf ihre überraschende letzte Saison aufgebaut. Mit Allzweckwaffe Curtis Samuel und Corner William Jackson konnte auf jeder Seite des Balles ein umworbener Playmaker geholt werden. Quarterback Ryan Fitzpatrick ist dazu zwar alles andere als ein Heilsbringer, könnte dem Team als Signal Caller aber Stabilität und einen emotionalen Push geben. Letztes Jahr galt auf dieser Position noch "Bäumchen wechsle dich", was trotz zeitweise inspirierender Auftritte von Alex Smith oder Taylor Heinicke ein echtes Problem war. Dass Washington trotzdem in die Playoffs stolperte, deutete dafür aber an, wie gut der Kader in gewissen Teilen besetzt ist.



Grund dafür sind unter anderem sehr gelungene Draft-Jahrgänge in den letzten zwei Spielzeiten. Aus den NFL Drafts 2019 und 2020 holte das WFT alleine folgende Spieler: Chase Young, Kamren Curl, Cole Holcomb, Antonio Gibson, Terry McLaurin und Montez Sweat. Weitere Akteure wie Wes Martin oder Kelvin Harmon halfen ebenfalls schon früh in ihrer Karriere. Andere wie Antonio Gandy-Golden und Saahdiq Charles konnten ihr Talent verletzungsbedingt noch nicht zeigen, haben aber ebenfalls Potenzial. Dank dieser vielen starken Draft-Entscheidungen konnte Washington nicht nur den verschwendeten Pick für Dwayne Haskins verkraften, Head Coach Ron Rivera darf 2021 auch auf viel Entwicklung aus den eigenen Reihen hoffen.

Eagles und Cowboys mit defensiven Fragezeichen

Letzteres wünschen sich die Philadelphia Eagles auch von ihrem Quarterback Jalen Hurts. Er spielte vergangenes Jahr eine durchaus solide Rookie-Saison und findet jetzt mit einer Offseason als der designierte Starter wesentlich bessere Bedingungen vor als noch als Backup vom mittlerweile verschifften Carson Wentz. Defensiv und in der Offensive Line gibt es bei den Birds dafür noch reihenweise unbeantwortete Fragen, womit Neu-Coach Sirianni alle Hände voll zu tun haben wird. In den gleichen Mannschaftsteilen hapert es bei ihren Erzrivalen aus Dallas.

Die Cowboys konnten sich in der Offseason zwar endlich mit Quarterback Dak Prescott auf einen langfristigen Vertrag einigen, doch die einst so sattelfeste Line vor ihm zeigte vergangene Saison langsam Brüche. Ob Tyron Smith wieder zu alter Stärke und Gesundheit zurückkehrt? Wie fit ist La’El Collins nach seine Hüft-Operation? Wer kann die Center-Position dauerhaft besetzen? Viele Fragen, auf die es derzeit noch keine wirklichen Antworten gibt.

New York Giants investieren fleißig in den eigenen Kader

Ähnlich viele Unklarheiten gibt es bei den Cowboys in der Defensive. Hier konnte man zwar mit Ex-Falcons-Head-Coach Dan Quinn einen namhaften Nachfolger für Mike Nolan holen, aber der 50-Jährige sieht sich einem ganzen Haufen von Baustellen gegenüber, die wohl kaum mit einer Draft-Klasse in Ordnung gebracht werden können. Damit lastet also enormer Druck auf seiner Stratgie, eine Anforderung, die er zuletzt in Atlanta zumindest nicht mehr erfüllen konnte.



Den New York Giants geht es da defensiv weitaus besser, sie hatten 2020 eine Top Ten Defense unter Patrick Graham und verstärkten die Unit bereits mit der Verpflichtung von Cornerback Adoree Jackson (auch wenn Tackle Davin Tomlinson fehlen wird). Offensiv kam mit Receiver Kenny Golladay ebenfalls ein potenzieller Unterschiedsspieler und die Rückkehr von Saquon Barkley nach überstandenem Kreuzbandriss sollte ebenfalls für mehr Explosivität sorgen. Viel wird von der Offensive Line abhängen, die gerade auf eine positive Entwicklung von ihren jungen Tackles sowie die Rückkehr von Nate Solder setzt. Ein großes Fragezeichen bleibt dann immer noch die Quarterback-Position, womit die Giants ein wenig beispielhaft für die gesamte Division sind.

Quarterbacks der NFC East limitieren das Potenzial der Division

Denn bei allen positiven Entwicklungen, gezielten Neuverpflichtungen und den Möglichkeiten im NFL Draft für die NFC East, eine Tatsache hängt derzeit wie eine dunkle Wolke über der Division: Die Starting Quarterbacks der vier Teams heißen aller Voraussicht nach eben dann doch "nur" Daniel Jones, Ryan Fitzpatrick, Jalen Hurts und Dak Prescott. Zusammen haben die vier genau ein Playoffspiel in ihrer Karriere gewonnen, Prescott ist der einzige der vier, der überhaupt schon einmal Postseason-Luft geschnuppert hat. Bei zwei der vier Signal Caller ist man sich nicht einmal sicher, ob sie wirklich langfristig das Zeug zu einem erfolgreichen NFL-Passer haben.

Es scheint, als ob andere Mannschaftsteile hier einen großen Teil der Arbeit übernehmen müssen. Manche können das mit Sicherheit, bei anderen ist das jedoch eher fraglich. Ganz so schlimm wie 2020 sollte es aber in dieser Saison in der NFC East nicht werden. Zugegeben, die Latte von sieben Siegen liegt nicht gerade besonders hoch, erst recht nicht mit einem NFL-Spiel mehr in dieser Saison. Aber die Teams haben zumindest auf dem Papier einen Plan, wie es heuer besser werden kann. Und diesen gilt es nun, in die Praxis umzusetzen.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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