HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Die ewige Magie der Pro Football Hall of Fame

NFL-Legende Peyton Manning hielt bei seinem Einzug in die Hall Of Fame eine mehr als bewegende Rede. NFL-Legende Peyton Manning hielt bei seinem Einzug in die Hall Of Fame eine mehr als bewegende Rede. Imago Images / UPI Photo
Es sind derzeit besondere Tage für die NFL, sowohl aufgrund ihrer Vergangenheit als auch wegen ihrer Zukunft. Die Pro Football Hall Of Fame hält in Canton, Ohio, die wohl größte Ehrenwoche ihrer langen Geschichte ab und rühmt die großen Leistungen früherer Helden. In diesem Tanz mit der Zeit schaffen Spieler und Liga nicht nur etwas Größeres als den Moment selbst, sie lauschen auch einer leisen Magie, deren Musik wohl nie verstummen wird!

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Das Leben und die Zeit sind große Wörter, deren Besonderheit vor allem von einem herrührt – ihrer Vergänglichkeit. Ihre Bedeutung für die Menschen ist selten greifbar, doch ihr sanfter Wind trägt vieles von dem hinfort, was eng am Herzen Platz genommen hat. Im Umkehrschluss werden gerade dadurch Tage, Stunden, ja selbst Augenblicke zu glänzenden Schätzen, zu Kostbarkeiten, deren unschätzbarer Wert nicht mit allem Gold dieser Welt aufgewogen werden kann. Die National Football League kennt sich ebenfalls mit dem Phänomen einer gewissen Kurzlebigkeit aus, auch auf ihrem grünen Rasen verlieren sich viele Momente in den Jahren. Es gibt aber eine Institution, deren Denkmal weit mehr ist, als die Steine, aus dem sie gebaut ist. Die Pro Football Hall of Fame bewahrt Bruchstücke von dem, was längst vergangen ist, und schafft damit etwas, was zumindest für ein Augenzwinkern lang wie Ewigkeit erscheint.

Selten fand die Bedeutung der Hall Of Fame so sehr einen Ausdruck wie in dieser Woche. Eine weltweite Pandemie ließ auch ihre Mühlen im vergangenen Jahr ruhen, dem einhundertsten der großen NFL, und somit sollten in dieser Saison weitaus mehr Spieler geehrt werden als sonst. Die Woche voller Festivitäten beinhaltet vieles, von Dankesreden der legendären Spieler bis zum Hall Of Fame Game, von der Präsentation der bronzenen Büsten bis hin zu allerlei öffentlichkeitswirksamer Events. Aber es ist nicht wirklich das Heute, was zählt. Vielmehr schwingt sich die Vergangenheit mithilfe der Spieler, die sie geprägt haben, zu einem großen Konzert auf, dessen Klänge noch in vielen Jahren über Canton, Ohio, hinaus zu hören sein werden. In ihren Instrumenten liegt ein Zauber, der im Gefühl eines jeden Fans fest verankert ist und gleichzeitig nur schwer in Worte zu fassen ist.

Peyton Mannings Rede ist der Pro Football Hall Of Fame würdig

Der große Peyton Manning versuchte es in seiner fantastischen Rede dennoch, wie auch viele seiner Weggefährten, und brillierte dabei auf die Art und Weise, wie er es während seiner aktiven NFL-Zeit hinter dem Center immer getan hat. Er erinnerte an ein berühmtes Zitat über die Hall of Fame Büsten, die laut John Madden nachts miteinander flüstern, wenn die Besucher das Gebäude verlassen haben. Manning sagte, er träume davon, dabei zu sein und mit all den anderen Legenden ein Spiel zu spielen, ihr Spiel, das sie selbst durch Jahre voller Blut und Schweiß geprägt haben. Der zweifache Super Bowl Champion erzählte das Ganze wie ein Märchen und genau das ist es auch. Ein Märchen, welches genau die Art von Faszination in sich trägt, die junge Menschen für ein Spiel und Sport an sich begeistern kann.



Auch wenn man es in der heutigen schnelllebigen Zeit oft vergisst, in der wir vermeintlich alles wissen, gesehen haben oder neu erfinden müssen, viele Dinge in dieser Welt wurden auf den Schultern von Giganten gebaut und nur dadurch können sie weiterbestehen. Auch wenn diese Titanen irgendwann nicht mehr gehen können und verschwinden, von irgendwo halten sie doch noch Stand, lassen die Gegenwart nicht umfallen, widerstehen dem Wind des Wechses. Die Pro Football Hall Of Fame ehrt genau diese großen Männer, die nicht nur der heutigen NFL eine Basis geben, sondern auch mit ihren Geschichten damals wie heute American Football zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Eine NFL ohne Pro Football Hall of Fame wäre irgendwie undenkbar

Sie sind körperlich in diesen Tagen nicht mehr die unverwundbaren Helden, die sie einst waren, aber sie haben nichts von ihrer wirklichen Größe eingebüßt. Wenn Väter und Großväter ihren Söhnen davon erzählen, wie Charles Woodson gegen Ohio State die Seitenlinie entlang lief, wie Peyton Mannings "Omaha" den NFL-Verteidigern die Furcht in die Glieder trieb oder das Krachen der Hits eines John Lynch weit draußen vor dem Stadion zu hören war, dann leben nicht nur diese Momente in der Erinnerung weiter. Auch die Namen, die Spieler, die Menschen, sie bleiben in der Erinnerung präsent und geraten nicht in Vergessenheit.



Wem Reden und Worte nicht genügen, der muss sich nur die Spieler anschauen, die von der Bühne der Enshrinement Zeremonie in die Gesichter ihrer Liebsten herabblicken. Einst stahlharte NFL-Profis mit Nerven aus Drahtseilen, die weder Angst noch Zögern kannten, sie erliegen in dem für viele von ihnen stolzesten Moment ihrer Karriere ihren Emotionen. Tränen fließen über alternde Gesichter, manche von ihnen zieren Falten und die Narben der Zeit. Derartige Mahnmale rufen wieder ins Gedächtnis, dass nichts in dieser Welt für ewig sein mag. Es sind gleichzeitig aber wohl auch, ja vielleicht vor allem, Freudentränen, die in diesen Tagen fließen. Denn ihren Platz in der Geschichte und ihren Rang in der Pro Football Hall Of Fame, den kann den Spielern niemand mehr nehmen. Diesen haben sie berechtigterweise sicher.

Für alle Ewigkeit…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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