Trotz guter Leistungen verläuft Justin Herberts NFL-Karriere bisher unerfolgreich. Foto (c) IMAGO / USA TODAY Network

Nach der blamablen 63 zu 21 Niederlage gegen die Raiders war es schließlich so weit. Brandon Staley wurde von den LA Chargers gefeuert und darf sich nun ebenso wie der langjährige General Manager Tom Telesco nach einem neuen Job umsehen.

Es ist die Entlassung eines Head Coaches, der 2021 mit großen Vorschusslorbeeren übernommen hatte und als neues defensives Genie galt. Seine Amtszeit ist geprägt durch knappe Niederlagen, falsche Free Agency Signings und wiederkehrende Probleme auf beiden Seiten des Balles. Besonders die Overtime-Niederlage gegen die Raiders am letzten Spieltag der Saison 2021 und das Playoff-Aus nach 27:0 Führung gegen die Jaguars letzte Saison dürften Chargers-Fans in Erinnerung bleiben. Beide Spiele sorgten für das Ende der jeweiligen Season und stehen sinnbildlich für die Zeit Staleys bei den Chargers.  Nachdem diese Saison einer Katastrophe glich und sich Misserfolg an Misserfolg reihte, steht jetzt der dringend benötigte Neuanfang in LA bevor.

Hätten die Chargers nicht in Justin Herbert einen veritablen Franchise-Quarterback, der jährlich auf Top-8 Niveau spielt, wäre der totale Rebuild nahezu unumgänglich. Die Chargers liegen für die kommende Saison 45 Millionen Dollar über dem Cap und zahlen allein an Khalil Mack, Joe Bosa, Keenan Allen und Mike Williams jeweils über 32 Millionen. Summen, die weit über dem normalen Preis für Spieler dieser Qualität liegen und verdeutlichen, wie extrem die Chargers in den vergangenen Jahren Cap Hits in die Zukunft geschoben haben. Dazu steht bei den Chargers in der nächsten Saison auch der bereits getreadete J. C. Jackson mit 18 Millionen Dollar Dead-Cap in den Büchern.

Das größte Problem für die Chargers: Besonders in der Offense muss dringend investiert werden. Für die übernächste Saison stehen mit Quentin Johnston, Derius Davis und Isaiah Spiller bisher nur drei Playmaker (WR, TE, RB) unter Vertrag. Keiner dieser drei Spieler hat seine Qualität als NFL-Starter bisher nachgewiesen und die Chargers haben nun zwei Offseasons Zeit, um ein offensives Line-up unter Vertrag zu nehmen. Da sich mit Keenan Allen und Austin Ekeler zwei der bisherigen Säulen 2025 bereits über dem sportlichen Zenit befinden dürften und Mike Williams regelmäßig mit Verletzungen zu kämpfen hat, scheinen auch Vertragsverlängerungen mit den aktuellen Playmakern eher unwahrscheinlich. Sicherlich besteht bei Rookie-WR Quentin Johnston noch die Hoffnung auf eine positive Entwicklung. Eine produktive Offense braucht in den meisten Fällen jedoch mindestens drei gute Playmaker und einige weitere solide Ergänzungsspieler. Um dies zu erreichen, werden einige Verpflichtungen in der Free-Agency und diverse gute Draft-Picks nötig sein.

Finanziellen Spielraum für Free-Agency Signings zu schaffen, wird somit zu einer der ersten Aufgaben des neuen GMs der Chargers werden und alle vier Topverdiener sollten intern zur Debatte stehen. Sicherlich ließen sich auch hier Verträge umstrukturieren, um die Kosten kurzfristig zu senken. Die Chargers wären jedoch besser damit beraten, sich für eine nachhaltige Variante zu entscheiden und sollten bei einer genauen Analyse des Rosters erkennen, dass ihr Zeitfenster für einen All-In Versuch abgelaufen ist. In naher Zukunft besteht für die Chargers kaum eine Möglichkeit, sowohl in der Defense als auch in der Offense eine Elite-Unit aufs Feld zu schicken. Es könnte zu einer legitimen Strategie werden, auf der defensiven Seite des Balles den vollständigen Rebuild einzuleiten und sich selbst von seinen besten Spielern wie Derwin James, Joe Bosa oder Khalil Mack zu trennen, um Ressourcen für die Offense zu gewinnen. Bei Khalil Mack könnte beispielsweise durch einen Trade oder einen Cut über 20 Millionen an Cap-Hit gespart werden. Wichtig erscheint vor allem die Besinnung auf die eine große Stärke des Teams!

Quarterback Justin Herbert ist ohne Zweifel der beste Spieler der Franchise. Seine Umstände zu verbessern und das Maximum aus ihm herauszukitzeln muss das zentrale Ziel für die Chargers darstellen. Hierfür könnte es sich lohnen, in der kommenden Offseason einen Head Coach unter Vertrag zu nehmen, der seine Qualitäten vorrangig auf der offensiven Seite des Balles besitzt und in der Lage ist, ein Scheme um die Qualitäten von Herbert herum zu entwickeln. Ben Johnson von den Lions, welcher als Playcaller mit Jared Goff eine Top-10 Offense in Detroit dirigiert, ist hier sicherlich der interessanteste Kandidat. Sein Name dürfte jedoch auch bei diversen anderen Franchises hoch im Kurs stehen, weshalb die Chargers verschiedenste Möglichkeiten ausloten sollten. Fakt ist jedoch auch, dass der neue Playcaller die Möglichkeit hätte, sich seine Playmaker-Gruppe nach seinen Bedürfnissen zusammenzustellen und nicht an Spieler mit langfristigen Verträgen gebunden wäre.

In der Defense sollten die Chargers versuchen, mit späten Draft-Picks und günstigen Free-Agents einige solide Starter zu finden, da größere Investitionen aufgrund der knappen Ressourcen kaum möglich erscheinen. Kritisch dürfte auch auf dieser Seite des Balles die Besetzung des Coordinator Postens werden. Einen DC zu finden, der in der Lage ist, Spieler zu entwickeln und diese in speziellen Rollen gewinnbringend einzusetzen, erscheint die einzige Hoffnung, um den zukünftigen Mangel an echten Difference-Makern zu kompensieren. Als Vorbild könnte hier die diesjährige Coaching-Performance von Brian Flores bei den Vikings dienen, welcher diese Saison mithilfe eines kreativen Schems auch ohne mehrere Elite-Spieler eine gute Defense auf den Platz bringt. Da die Defense über den Zeitraum von Staleys Amtszeit nach EPA per Play auf Platz 27 liegt, dürfte jedoch selbst eine schwache und günstige Defense in den kommenden Jahren nicht negativer auffallen als bisher.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der Versuch ein komplettes Team zu bauen ist in LA gescheitert! Justin Herbert wird ab 2025 im Durchschnitt rund 55 Millionen im Jahr verdienen. Ihm die Möglichkeit zu geben, diesen immensen Vertrag zu rechtfertigen und die Zukunft der Franchise in die Hände von Justin Herbert zu legen, wird die zentrale Aufgabe des neuen Chargers-Regimes darstellen. Die Kombination aus einer Elite-Offense und einer günstigen, durchschnittlichen Defense erscheint als das einzig realistische Szenario auf Erfolg. Es wird hierfür starke Playmaker und ein gutes Scheme sowie einiges an Kreativität in der Defense benötigen


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