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Derek Carr: Alles im Lot bei den Raiders

Weiter für die Raiders am Ball: Derek Carr Weiter für die Raiders am Ball: Derek Carr IMAGO / UPI Photo
Noch 21 Sonntage bis zum Saisonstart der 103. NFL-Saison. Im "Thema der Woche" setzt sich TOUCHDOWN24 mit aktuellen Geschehnissen aus der National Football League auseinander. Heute: Derek Carr - Alles im Lot bei den Raiders.



Seit Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Las Vegas Raiders mit ihrem Quarterback nicht ganz zufrieden sind und auf dieser Position gerne ein Upgrade sehen würden. Unter General Manager Mike Mayock und Head Coach Jon Gruden stand Carr Jahr für Jahr auf dem Prüfstand. Es wirkte, als wäre der Sprung von einem Team im NFL-Mittelfeld zu seinem Titel-Contender massiv davon abhängig, ob die Raiders eine bessere Alternative für Carr finden würden.

Nun aber haben die Raiders mit Carr verlängert. General Manager Dave Ziegler und Head Coach Josh McDaniels, die Nachfolger von Mayock und Gruden, haben Carr das Vertrauen ausgesprochen. Der 31-Jährige erhielt ein Jahr vor Ende des alten Vertrags eine Verlängerung bis 2025 für 121,5 Millionen US-Dollar. Mit einem Durchschnittsverdienst von dann 40,5 Millionen Dollar im Jahr ist Carr nach Aaron Rodgers (Green Bay Packers), Deshaun Watson (Cleveland Browns), Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs) und Josh Allen (Buffalo Bills) der am fünftbesten verdienende Ballverteiler der NFL.



Doch was hat zum Umdenken in Las Vegas geführt? Einen ersten Hinweis, dass man mit Carr vermutlich doch länger plant, ergab sich aus dem Trade für Star-Receiver Davante Adams. Ein Grund, warum Adams unbedingt zu den Raiders wollte, war Carr, mit dem Adams bei den Fresno State Bulldogs gemeinsam im College gespielt hatte. Doch es spielten auch noch weitere mehr oder minder offensichtlich Faktoren eine Rolle.


Welche Alternative?


Zum einen gibt es die bereits erwähnte neue sportliche Führung. Ziegler und McDaniels wollen sich nun erstmal ein eigenes Bild von Carr machen, ehe sie die Franchise in ein großes Experiment mit unplanbarem Ausgang schicken. Denn Carr ist sicherlich kein Elite-Quarterback und mit Blick auf die Konkurrenz in der AFC West darf man auch behaupten, dass der Zweitrundenpick von 2014 der wahrscheinlich schwächste Spielgestalter hinter Patrick Mahomes, Justin Herbert (Los Angeles Chargers) und Russell Wilson (Denver Broncos) der Division ist.

Dennoch: Carr ist ein grundsolider Quarterback, der sich knapp außerhalb der Top Ten in der NFL befindet. Das mag unter Mayock und Gruden nicht ausgereicht haben, macht die Situation aber unheimlich kompliziert. Denn eine Alternative zu finden, die eine Verbesserung garantiert, wäre enorm schwierig. Im diesjährigen Draft werden die Quarterbacks allgemein nicht sonderlich hoch eingeschätzt, so dass es über diesen Weg keine Garantie gegeben hätte. Und wie schwer es ist, über Trades an einen Quarterback zu kommen, der mutmaßlich das letzte Puzzlestück liefert, um Titel-fähig zu sein, sieht man am Beispiel der Indianapolis Colts in den vergangenen Jahren. Oder man greift für einen Russell Wilson oder einen Deshaun Watson ganz tief in die Tasche, was spätestens mittelfristige Risiken birgt, von den Nebengeräuschen eines Watson-Deals einmal ganz abgesehen.


Verlängerung ergibt Sinn


Und mit Carr ins letzte Vertragsjahr zu gehen, ohne vorher verlängert zu haben, war letztendlich auch keine Alternative. Denn was ist denn, wenn Carr mit seinem Busenfreund Adams plötzlich zu Elite-Form aufläuft? Einen neuen Dreijahresvertrag für dann “günstige“ 121,5 Millionen US-Dollar hätte es dann wohl nicht mehr gegeben. Der Umkehrschluss lautet, dass Ziegler und McDaniels keine großen Alternativen hatten und die Verlängerung so vor allem eins ergibt: Sinn.

Und noch etwas ist dem Führungsduo gelungen. Zwar enthält der Vertrag eine No-Trade-Klausel, doch sollten Ziegler und McDaniels nach dieser Saison zu dem Schluss kommen, den auch Mayock und Gruden versprühten, dann kommen die Raiders mit einem Cut schon nach der kommenden Saison günstig aus den Verpflichtungen. Lediglich 5,625 Millionen Dead Cap stünden 2023 in den Büchern, 3,75 Millionen und 1,875 wären es in den beiden Folgejahren – Peanuts in NFL-Kreisen. Mit dem neuen Vertrag für Carr ist also alles im Lot im Staate Nevada.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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