HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Der aktuelle Stand der NFL Quarterback Competitions

Die Protagonisten der Chicago Bears Quarterback Competition (von links): Andy Dalton, Matt Nagy und Justin Fields. Die Protagonisten der Chicago Bears Quarterback Competition (von links): Andy Dalton, Matt Nagy und Justin Fields. Imago Images / Icon SMI / Robin Alam
Viele NFL Teams haben das Glück, ihre Training Camps mit einem glasklaren Starter auf der Quarterback Position zu bestreiten. Davon können zum Beispiel die Kansas City Chiefs und Tampa Bay Buccaneers das ein oder andere Lied singen. Andere Mannschaften wollen (oder können) sich selbst zum nun schon fortgeschrittenen Zeitpunkt der Vorbereitung nicht auf einen Starter hinter dem Center festlegen. Eine Quarterback Competition beschäftigt derzeit vor allem die Fans der Denver Broncos, der New Orleans Saints, der New England Patriots und der Chicago Bears. Wie ist bei diesen Teams der aktuelle Stand und wer hat momentan die besten Karten, in Week One der 2021er NFL Saison die ersten Snaps zu bekommen?

New England Patriots: Mac Jones vs. Cam Newton

„Cam ist unser Starting Quarterback“, sagte Bill Belichick unlängst zu Beginn des Training Camps der New England Patriots. Ende Gelände also für die Quarterback Competition? Von wegen! Der legendäre Head Coach schickte nämlich hinterher, dass alle Spieler ihre Rollen auch im Camp verdienen müssen. Was das Gesamtbild natürlich alles andere als klarer macht, erst recht gepaart mit den wie üblich notorisch zweideutigen wie schmallippigen Aussagen des sechsfachen Super Bowl Champions.

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Einige NFL Insider melden so manche positive Wasserstandsmeldung in Bezug auf Mac Jones aus dem Camp, einen Eindruck, den er mit einem grundsoliden Preseason-Debüt zum Teil untermauerte. Wirklich Spektakuläres war bei seinem Auftritt gegen Washingtons zweite Defense-Garnitur auch nicht dabei (4,6 Yards pro Pass Attempt), aber das könnte insgesamt auch schon reichen. Jones gilt nicht nur als die Zukunft, er gibt den Patriots auch mehr Möglichkeiten im Playcalling als der zuletzt im Passspiel zusehends limitierte Newton. Dennoch dürfte der Veteran zu Beginn der Saison noch den Starterposten behalten. Für wie lang, das ist dann eine andere Frage.

Denver Broncos: Drew Lock vs. Teddy Bridgewater

Mit wirklich Rückenwind ging keiner der beiden Quarterbacks in die Competition bei den Denver Broncos. Schließlich fragte sich so mancher nach Drew Locks letzter Saison, ob der Youngster überhaupt das Zeug hat, in der NFL für Furore zu sorgen, und auch Teddy Bridgewaters Spielzeit in Carolina riss niemanden vom Hocker (vor allem nicht die Verantwortlichen der Panthers). Anfängliche Sorgen für Broncos Fans verflüchtigen sich allerdings so langsam, denn es scheint, als ob die Competition zwischen dem Jungspund mit Potenzial und dem erfahrenen Profi beiden potenziellen Signal Callern gut tut.



Besonders deutlich war dies nicht nur im Training, sondern auch beim fulminanten Preseason-Sieg über die B-Version der Minnesota Vikings. Lock glänzte mit einer 80-Yard-Bombe zu Receiver K.J. Hamler und operierte mit merklich mehr Selbstvertrauen als noch vergangene Saison. Bridgewater spielte so, wie man es von einem smarten NFL-Veteranen erwarten kann, und hatte die offensiven Fäden besonders sicher in der Hand. Dementsprechend unentschlossen ist Head Coach Vic Fangio bezüglich des Starters: „Beide haben sehr gut gespielt und das bestätigt, was ich die ganze Zeit sage“, so der Head Man. „Sie sind zur Zeit ‚even-Steven‘“. Na dann viel Spaß bei der Entscheidung.

Chicago Bears: Justin Fields vs. Andy Dalton

Justin Fields tauchte beim ersten NFL Preseason Game der Chicago Bears gegen Miami in Halbzeit Zwei aus einer zusammenbrechenden Pocket und rannte über die linke Seite los. Ein Raunen ging durch die Menge, dann Jubel. Die natürliche Geschwindigkeit, die er auf das Feld zauberte und mit der er etliche Dolphins-Verteidiger stehen ließ, war ein kleiner Vorgeschmack auf all das, was sich die Fans in der Windy City von ihm erhoffen. Eine besondere Note, diese kleine bisschen Mehr, was in der NFL die Spreu vom Weizen trennt und den Rollenspieler vom Superstar. Ein paar weitere Highlights taten ihr Übriges und man konnte die Begeisterung förmlich spüren, welche den Erstrundenpick umgibt.



Letztendlich bleibt viel davon allerdings erst einmal Projektion. Nicht nur, weil Head Coach Matt Nagy sein junges Juwel extrem vorsichtig an das Haifischbecken NFL heranführen und erst mal auf Veteran Andy Dalton setzen will. Bei Fields‘ beeindruckenden Plays gerät schnell in Vergessenheit, dass er sich auch einen „Ich-bin-grün-hinter-den-Ohren-Fumble“ und eine Beinahe-Interception gegen Miami leistete. Nagy gab allerdings ebenfalls zu, dass Fields sich durch sein Talent zusehends mehr Snaps mit der Startformation erarbeitet. Vom Projekt „Andy Dalton meets Aaron Donald“ in Woche Eins will der Head Coach allerdings (noch) nicht abweichen.

New Orleans Saints: Jameis Winston vs. Taysom Hill

Ob Drew Brees seine Frau am vergangenen Samstag gefragt hat, wo sie seine Sporttasche versteckt hat? Die erste Leistung seiner Nachfolger bei den New Orleans Saints hätte dafür auf jeden Fall Anlass gegeben. Weder Taysom Hill, der gegen die Baltimore Ravens starten durfte, noch Jameis Winston wussten im ersten NFL Preseason Contest wirklich zu überzeugen und leisteten sich jeweils eine Interception. Insgesamt brachten es die Saints auf satte sechs Turnover (eine Interception steuerte Ian Book bei) und ihre beiden möglichen Starting Quarterbacks sollen genau das eigentlich verhindern. Sean Payton spricht nicht umsonst immer wieder davon, wie wichtig es neben den Zahlen für einen Quarterback ist, das Team anzuführen.

Dementsprechend konnte zumindest Jameis Winston am vergangenen Samstag zeitweise punkten. Er leitete zwei Scoring Drives und sah insgesamt wesentlich sicherer hinter dem Center aus als Hill. Überhaupt hat Winston ein großes Plus: Er hat in seiner NFL Karriere zumindest zeitweise schon bewiesen, dass er einem Team dauerhaft vorstehen kann. Einen derartigen Beweis ist der bisher eher als Gadget-Player eingesetzte Hill noch schuldig geblieben. Und schließlich sagte schon Drew Brees nach der vergangenen NFL Saison zu Winston, dass dies jetzt sein Team wäre. Also, es ist Winston’s „job to lose“, wie die Amerikaner sagen. Und Drew Brees kann die Sporttasche auch erstmal im Keller lassen!
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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