George Kittle und die San Francisco 49ers machen sich Hoffnungen auf einen der Top Seeds vor den NFL Playoffs. Credit: Imago Images / USA Today Network / Gary A. Vasquez

Die letzte Woche der regulären NFL-Saison klopft an die Tür und es stehen noch einige weitreichende Entscheidungen an. Neben dem Kampf um die letzten verfügbaren Playoffs-Plätze birgt vor allem das Rennen um die Top Seeds der jeweiligen Conference reichlich Spannung. Gleich sechs Teams haben noch die Hoffnung, ein Bye für die erste Runde der NFL Playoffs zu ergattern!

Das Filmdrama "Margin Call" behandelt durchaus sehenswert die Weltfinanzkrise von 2007 und blickt für ungefähr einen Tag sowie eine Nacht hinter die Kulissen einer Investmentbank, die aufgrund eines spekulativ aufgeblähten Immobilienmarktes am Abgrund taumelt. Während einer nächtlichen Krisensitzung unterrichtet CEO John Tuld, gespielt von Oscarpreisträger Jeremy Irons und angelehnt an den realen Richard Fuld von der Bank Lehman Brothers, seine Untergebenen über seine Erfolgsformel: "Es gibt drei Möglichkeiten, wie man in diesem Business erfolgreich sein kann. Man kann erster sein, schlauer sein oder betrügen. Ich betrüge nicht und selbst wenn ich weiß, dass wir eine ganze Reihe kluger Köpfe in diesem Gebäude haben, ist es doch letztendlich viel einfacher der erste zu sein."

Sechs NFL-Teams hoffen noch auf den Top Seed

Von diffusen Machenschaften wie Spygate und den intellektuellen Auswüchsen rauchender Football-Taktikköpfe einmal abgesehen könnte dieses Mantra auch durchaus in der NFL verfangen. Auch hier kann ein fundamentaler Vorteil dadurch entstehen, dass man ganz vorne im Tross unterwegs ist, was wohl zu keiner Zeit deutlicher hervortritt als vor den NFL Playoffs. Als Belohnung für die beste reguläre Saisonleistung in der jeweiligen Conference winkt nämlich ein Freilos in der ersten Postseason-Runde. Das sogenannte "Bye" erscheint nach 18 langen, harten und ermüdenden Saisonwochen wie ein Geschenk des Football-Himmels, um dass es sich selbst bei bereits erreichtem Playoffplatz zu Kämpfen lohnt.

In dieser Saison gestaltet sich das Rennen um die Top Seeds der NFL ganz besonders spannend. In der AFC haben die Kansas City Chiefs, die Buffalo Bills und die Cincinnati Bengals noch Chancen, sich einen bequemen Platz vor dem Fernseher für die Wild Card Round der Playoffs zu sichern. Die Philadelphia Eagles, San Francisco 49ers und die Dallas Cowboys schielen in der NFC auf jenes Privileg, dass in einer physisch mehr als anspruchsvollen Sportart zum entscheidenden Zünglein an der Waage werden könnte.

Number One Seed ein Vorteil in den NFL Playoffs

Historisch gesehen durchliefen die NFL Playoffs eine mehrfache Evolution. In Bezug auf das wirkmächtige Freilos ist besonders die Expansion 1990 entscheidend, als die Liga das Postseason-Feld von zehn auf zwölf Teams aufstockte. Damit landeten die beiden topgesetzten Teams der jeweiligen Conference automatisch in der Divisional Round, für welche sich die restlichen Mannschaften am Wild Card Weekend erst qualifizieren mussten. Seit 2020 kommen in jeder Conference sieben Teams in die NFL Playoffs, womit es bei insgesamt sechs Erstrundenpartien nur noch ein Bye in jeder Conference zu erringen gibt.

So verlockend, prestigeträchtig und erstrebenswert ein Top Seed damit auch erscheint, ein Freifahrtschein in Richtung Super Bowl ist er freilich nicht. Da muss man nur die beiden Number One Seeds des letzten Jahres fragen. Die Green Bay Packers und die Tennessee Titans scheiterten jeweils in ihrem ersten Postseason-Spiel und waren damit die ersten beiden Top Seeds, denen dieses Schicksal seit 2010 wiederfuhr. Insgesamt gab es seit 1990 64 Number One Seeds, von denen 32 in den Super Bowl vorstießen und 14 ihn schlussendlich gewinnen konnten.

NFC Leader Philadelphia im freien Fall

Auch wenn manches Team Probleme hat, nach fast 14 Tagen ohne Live Action ihren Rhythmus wiederzufinden, so liegen die Vorteile eines Top Seeds nicht nur durch eine verlängerte Vorbereitung auf der Hand. Man weiß, dass der Weg zum Super Bowl durch das eigene Stadion führen wird und mit den eigenen Fans im Rücken lassen sich hochdramatische Partien oftmals ein bisschen einfacher durchleben als „on the road“. Gerade im Football, wo die Lautstärke des Publikums, das Wetter und die Reisestrapazen einen nachhaltigen Effekt auf den Spielausgang haben können, wird das Heimrecht zu einem echten Pfund.

Dieses schienen die Philadelphia Eagles in dieser NFL Saison bereits in ihrer Tasche zu haben, aber ohne ihren Starting Quarterback Jalen Hurts bugsierten sich die Adler zuletzt in ungeahnte Turbulenzen. Ein Sieg im letzten Saisonspiel gegen die New York Giants reicht immer noch für den Top Seed und ihr Divisionsrivale könnte aufgrund mangelndem Incentive mit angezogener Handbremse spielen. Das fänden die Cowboys und 49ers, Phillys direkte Konkurrenten um Rang Eins, natürlich nicht so berauschend. Dallas tritt in Washington an und braucht Niederlagen der Eagles und der 49ers Letztere empfangen Arizona und setzen auf ein Stolpern Philadelphias vor heimischem Publikum.

Buffalo Bills bangen um Safety Damar Hamlin

In der AFC ist die Situation ähnlich eng. Die Kansas City Chiefs (Bilanz 13:3) führen noch die Conference an, aber sie haben im Moment auch ein Spiel mehr als ihre beiden namhaften Verfolger aus Buffalo (12:3) und Cincinnati (11:4). Die Bills haben ihr Schicksal selbst in der Hand, denn nach ihrem Sieg im Arrowhead Stadium vor ein paar Monaten besitzen sie den Tiebreaker gegenüber Patrick Mahomes und Co. Erfolge bei den Bengals und gegen die Patriots würden den Top Seed perfekt machen.

Im Moment denkt daran aber eigentlich keiner. Denn im von allen mit Spannung erwarteten Monday Night Football Matchup mit den Bengals verletzte sich bekanntermaßen Bills-Safety Damar Hamlin schwer. Er kollabierte auf dem Feld mit einem Herzstillstand, musste wiederbelebt werden und befand sich auf dem Weg ins Krankenhaus in einem kritischen Zustand. Richtigerweise wurde das Spiel unterbrochen und Sport zur Nebensache. So wirklich zählt bei den Bills wie auch eigentlich in der NFL in diesen Stunden nicht, wer erster oder schlauer oder was auch immer ist.

Im Moment zählt nur, dass ein Mann wieder gesund wird. All the best, Damar!

Über den/die Autor/in
Moritz Wollert
Moritz Wollert
Moritz Wollert schreibt für TOUCHDOWN24 u.a. über die NFL. Für das monatliche Print-Magazin schreibt er u.a. die NFL History Artikel

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