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Das Montagmorgen Briefing zu den NFL Playoffs

Deebo Samuel und die San Francisco 49ers hatten am Wild Card Weekend gut Lachen. Deebo Samuel und die San Francisco 49ers hatten am Wild Card Weekend gut Lachen. Imago Images / Icon SMI / Matthew Pearce
Playoffs Baby! Die NFL Postseason ist endlich da, nach diesmaligem 17 Spiele andauernden Warten inspirieren sie die Hoffnungen so mancher Fan Base und bannen die Blicke selbst jedes zeitweiligen Fans auf den Bildschirm. Es ist eine besondere Zeit, mit außergewöhnlichen Momenten und einer kleinen Schippe mehr Bedeutung in jeder einzelnen Aktion. Außerdem sind es Tage, an denen man eine Menge über die aktuellen Spitzenteams der National League Football lernt. Allen voran über diejenigen, die noch vom Super Bowl träumen!

Bevor also in der kommenden Nacht die Arizona Cardinals und die Los Angeles Rams das NFL Wild Card Weekend komplettieren, wollen wir einen Blick auf das Geschehene werfen und die ein oder andere Schlussfolgerung ziehen.

Überraschung: Ein überragender Quarterback hilft in der NFL

Die fünf Euro stecken längst im Phrasenschwein, aber das diesjährige Wild Card Weekend bewies diese alte Binsenweisheit ein weiteres Mal auf eindrucksvolle Weise. Josh Allen, Tom Brady und Patrick Mahomes sind Unterschiedsspieler, ausgemachte Sahnehauben auf der talentierten NBA-Spielertorte. Man kann in der Regular Season viel verstecken und auch mit alternativen Mitteln zum Erfolg kommen, aber in der Liga dieses Jahrtausends kommt man an einem guten Schmeißer einfach nicht mehr vorbei.



Ein lauffreudiger Jalen Hurts, Rookie Mac Jones und auch der gesetztere Herr mit dem Namen einer Londoner Sehenswürdigkeit reichen auf dem derzeitigen Niveau einfach mit ihrer Spielweise nicht, entweder nicht mehr oder noch nicht oder vielleicht auch nie. Da kann eine Defense noch so gut, da kann ein Game Plan noch so ausgeklügelt sein, im kalten NFL Januar braucht man einen goldenen Arm, um im Rennen der ganz schnellen Pferde nicht hinter dem falschen Hasen herzulaufen.

Pittsburgh verabschiedet sich von "Big Ben" und von alter Tradition

Bezüglich Defense mag so manchem sofort die Unit der Pittsburgh Steelers einfallen. Eine Gruppe, welche die Mannschaft das ganz Jahr über auf dem Buckel umher getragen hat, allen voran auf den breiten Schultern von T.J. Watt. Auch gegen die Chiefs starteten sie stark, ohne Hilfe ihrer Offense (abermals mit gruseliger Offensive Line) fiel ihr Kartenhaus aber im Angesicht eines Mahomschen‘ Windstoßes in sich zusammen. Angriff böse, Defense gut? Ganz so einfach ist es nicht in der Steel City.

In ihren letzten vier NFL Playoffspielen seit 2016 (alles Niederlagen) kassierten die Stahlarbeiter 36, 45, 48 und 42 Punkte. How about that, Mike Tomlin? Dies liegt nicht daran, dass man 2022 gar nicht mehr mit Defense gewinnen kann, sondern eher an dem Umstand, dass es die Steelers in vergangenen Jahren nicht schaffen, eine balancierte Verteidigung auf den Rasen zu schicken. Viel mag man in dieser Saison auf Ben Roethlisbergers alternden Arm schieben, nun geht das aber nicht mehr. "Big Ben" legt die Pferdesalbe in die Schublade, er brauchte sie nach den Millionen Hits, die er über die Jahre eingesteckt hat, so oft wie kaum ein zweiter Quarterback. Mit ihm verlässt nicht nur ein großer, zeitweise kontroverser aber immer bis in die Nagelspitzen tougher Werfer die Bühne, sondern ein echter Footballspieler.

Die NFL Playoffs decken abermals die Schwächen der Cowboys auf

Toughness? Härte? Was ist das denn? Etwaige Einsendungen bitte an folgende Adresse richten: One Cowboys Way Suite, Frisco, Texas, Kopien an Jerry Jones, Mike McCarthy, Dak Prescott… ach, macht direkt einen Aushang. Die Dallas Cowboys warten nach ihrem letzten Triumph vor 26 Jahren weiter auf den nächsten NFL Titel ihrer illustren Geschichte. Ein Hauptgrund: Das individuelle Talent kann einen Mangel an Fokus, geistiger Spritzigkeit und körperlicher Hingabe nicht wettmachen. Der erste Drive der San Francisco 49ers in Dallas war ein absolutes Statement, dass der Liga, ihnen selbst und dem Gegner sagte, wer an diesem Nachmittag in Texas die Hosen, Stiefel und die Mütze aufhat. San Franciscos Kontrahenten standen dabei eher Spalier, als ob man aufpasste, die eigenen Trikots nicht schmutzig zu machen.

Es ist seit Jahrzehnten so bei den Cowboys: Rauf und runter ist der Kader gespickt mit Top-Talenten und individuellen Stars, die zeitweise auch immer mal ein Feuerwerk abbrennen. Doch wenn es haarig wird? Wenn einer sagen muss, bis hierhin und nicht weiter? Wenn man sich "schmutzig" machen muss? Im Sport spricht man nicht selten von Kultur und jene hat auch der neue Coaching Staff in "Big D" nicht nachhaltig ändern können. Womit er sich vielleicht bald in der langen Reihe der arbeitssuchenden Übungsleiter wiederfindet. Falls finanzielle Unterstützung benötigt wird, könnten sie ja bei ihrem millionenschweren Quarterback nachfragen.

Welche NFL-Teams sind "for real"? Wer ist derzeit wohl eher "Papiertiger"?

Solche Sorgen haben die noch stehenden Mannschaften eher weniger. So mancher Experte, wenn wir denn Rex Ryan als jenen bezeichnen wollen, lobt die Buffalo Bills nach ihrer Bulldozer-Fahrt über die hilflosen New England Patriots in die oberste Reihe der NFL-Titelkandidaten. Und warum nicht? Sie haben einen furios aufspielenden Quarterback, ein neu entdecktes Laufspiel, eine beinharte Defense und obendrein wissen sie aus der letzten NFL Saison auch, wie es sich anfühlt, nach am Super Bowl dran zu sein.

In Sachen "for real" braucht man über die Nummer 12 in Tampa Bay oder Mister Mahomes nicht reden. Joe Burrow machte auf großer Bühne auch einen guten Eindruck, überhaupt erfreuen sich die Bengals ihrer neugefundenen Siegermentalität in der Art eines College-Teams, das erstmals seit Jahren wieder ein Bowl Game mitmachen darf. Damit ist viel möglich, aber alles? Ein Hoch auch noch auf das Laufspiel und die Defense der 49ers, Kyle Shanahan und sein Staff haben in den vergangenen NFL Wochen auf jeglicher Ebene ganz viel richtig gemacht. Ob allerdings "Jimmy G" genug sein wird, um einen ganz großen Wurf anzugehen, steht wohl eher in den Sternen.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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