HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

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Das "Get It Right Thanksgiving" in der NFL

Dak Prescott und die Dallas Cowboys hatten zuletzt aufgrund etlicher Verletzungen Redebedarf. Dak Prescott und die Dallas Cowboys hatten zuletzt aufgrund etlicher Verletzungen Redebedarf. Imago Images / Icon SMI / Scott Winters
Die Gürtelschnallen aufgemacht, Amerika – es ist Zeit für Thanksgiving! Das US-Erntedankfest ist jedes Jahr nicht nur Anlass zum entspannten Schlemmen im Kreise der Familie, auch die NFL hat seit vielen Generationen ihren festen Platz auf dem Feiertagsmenüplan. Dieses Jahr spielen in den drei Partien jeweils Mannschaften, deren Leistungen zuletzt bei ihnen für so manche Magenverstimmung gesorgt haben. Wer also kann am Feiertag die Weichen wieder auf Erfolg stellen?



Traditionell findet das erste Spiel des Tages in Detroit statt, die Lions empfangen dabei ihre Divisionsrivalen aus Chicago in einer Neuauflage des ersten offiziellen Thanksgiving Game in der Motor City aus dem Jahr 1934. Damals trafen sich mit den späteren NFC-North-Franchises zwei absolute Top-Teams mit echten Titelambitionen, diese Saison liegen die Karten sehr zum Leidwesen der beiden Fanlager ein klein wenig anders.

Etwas hochklassiger dürfte es zumindest auf dem Papier in der zweiten Partie des Tages zugehen, wenn die Las Vegas Raiders den Trip nach „Jerry World“ machen und auf die Dallas Cowboys treffen, bevor sich die Buffalo Bills und die New Orleans Saints zur amerikanischen Primetime messen. Alle sechs aktiven Teams verloren ihr letztes NFL-Spiel und hoffen, mit einem kurzen Turnaround an Thanksgiving wieder einen Schritt nach vorne machen zu können. Wie dies gelingen könnte, verrät uns ein Blick auf die Matchups.

Detroit Lions hoffen gegen die Bears auf den ersten Saionsieg

Wer bei diesem Spiel immer mal wieder in die Küche zurückkehren möchte, um vielleicht noch ein Stück Truthahnkeule zu naschen, der dürfte kaum Gefahr laufen, einen Score zu verpassen. Er kann sich sogar noch ordentlich Soße aufladen, denn sowohl die Chicago Bears als auch die Detroit Lions zählen derzeit zu den zahnlosesten Offenses der gesamten Liga. Beide machen weniger als 17 Punkte im Schnitt und tun sich auch bei den Yards als nicht besonders erfolgreich hervor. Dabei deutete sich bei den Chicago Bears zuletzt mit Justin Fields ein wenig mehr Explosivität an. So verbuchten die Bären satte 8,3 Yards pro Pass Attempt in ihren letzten drei Partien, ein Trend, den sie gerne fortsetzen würden. Damit könnten sie auch weitere Räume für ihr gefährliches Laufspiel schaffen.

Nun gibt es da aber gleich zwei Haken: In der vergangenen Partie konnte Justin Fields seine besseren Leistungen der Vorwochen nicht annähernd bestätigen und obendrein verletzte sich der junge Quarterback auch noch. Andy Dalton Time also an Thanksgiving? Das wollte Matt Nagy noch nicht verraten. So oder so haben Dan Campbells Löwen schon genug eigene Probleme, die ihrer Aufmerksamkeit bedürfen. So gelangen ihnen in den letzten Wochen gerade einmal 0,3 Sacks pro Partie und auch ihr Kicking Game gab sich mehrfach durchaus wackelig. Einen Hoffnungsschimmer findet Detroit in Runningback D’Andre Swift, der zuletzt gegen Cleveland mit 136 Rush Yards ein Career High verbuchen konnte und genau die Art von explosivem Playmaker ist, welche die Lions dringend brauchen. Quarterback Jared Goff wird dagegen wohl auch das Thanksgiving Game verpassen, womit Backup Tommy Boyle seinen zweiten Start in Folge erhalten dürfte.

Dallas Cowboys mit Sorgenfalten vor dem Matchup mit den Raiders

Es ist noch nicht lange her, da waren die Dallas Cowboys noch die explosivste Offensive der gesamten NFL. Abgesehen von einem problemlosen Blowout gegen die Atlanta Falcons liefen die letzten Wochen aber alles andere als rund. Verletzungen im tiefen Wide Receiving Corps und eine ebenfalls angeschlagene Offensive Line fallen besonders schwer ins Gewicht, wie man gerade bei der Auswärtspleite in Kansas City beobachten konnte. Ohne Left Tackle Tyron Smith fehlt Dak Prescott oft die Zeit, um tiefere Routen anzupeilen, in der Flat wirken viele Dumpoffs wie Notlösungen. Besonders Smith-Ersatz Terence Steele hatte Schwierigkeiten gegen die Chiefs, verschlief so manchen Snap und gab eine Menge Boden an die Rusher Kansas Citys ab.



Statistisch sammeln die Cowboys immer noch die meisten Yards der Liga ein, ihre Passweite ist in den letzten drei Wochen aber um 1,5 Yards gefallen. Mit den Las Vegas Raiders kommt nun ein Team nach Texas, das mit Namen wie Maxx Crosby und Yannick Ngakoue Lücken in der Protection durchaus offenlegen kann. Auch offensiv verfügt Raiders-Quarterback Derek Carr mit Darren Waller und Co. durchaus über genug Optionen, um sich in einem potenziellen Shootout mit Dak Prescott zu messen. Seine Turnoverzahlen sind in den letzten Wochen aber alarmierend (sechs in den letzten drei Partien), vor allem gegen eine opportunistische Cowboys-Defense (1,9 Takeaways pro Spiel, NFL-Rang Vier). Vielleicht entscheidet das Spiel aber auch, wer sich am besten im Zaum hält. Dallas und Las Vegas zählen mit jeweils fast acht Penalties pro Partie zu den am häufigsten bestraften Mannschaften der NFL.

Krisengeschüttelte Buffalo Bills wollen in New Orleans die Wende schaffen

Täglich grüßt das Murmeltier und schwupps, sind die New England Patriots auch wieder an der Spitze der AFC East zu finden. Die eigentlich favorisierten Buffalo Bills haben reichlich Mitschuld am Wiederauferstehen der Serienmeister, denn sie haben ihre eigentlich munter voraustuckernde Saison in der jüngsten Vergangenheit komplett entgleisen lassen. Die hochgelobte Defense (283,7 zugelassene Yards, NFL-Top-Wert) offenbart gegen bessere Gegner immer wieder Lücken und es fehlt ihr an einem Unterschiedsspieler im Pass Rush (nur Ligarang 26 bei den Sacks pro Partie). Jonathan Taylor und die Indianapolis Colts machten zuletzt in Buffalo so ziemlich, was sie wollten, und das treibt vielen Bills-Fans tiefe Sorgenfalten auf die Stirn.

Es ist aber nicht nur die Defense, im Gegenteil. Auch der Angriff glänzt immer seltener mit Konstanz, macht in den letzten drei Wochen ungefähr sieben Punkte weniger als im Gesamtverlauf der Saison und selbst Star-Quarterback Josh Allen leistet sich ohne zuverlässiges Laufspiel regelmäßig böse Schnitzer (fünf Interceptions in den letzten drei Spielen). Ähnliche Probleme haben auch die New Orleans Saints, sie besitzen allerdings eine bessere Ausrede als die Bills. Neben Starter Jameis Winston fehlte zuletzt ein Großteil ihrer alljährlichen Pro-Bowl-Reisegruppe, sowohl Alvin Kamara, Terron Armsted als auch Ryan Ramczyk mussten kürzlich verletzt passen. Diese Verluste waren für die ohnehin in dieser Saison offensiv limitierten Saints kaum zu verkraften. Bei der jüngsten Niederlage gegen Philadelphia erwischte auch noch die sonst starke Defense einen rabenschwarzen Tag und hofft nun, mit einer frenetischen Menge im Rücken wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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