Ein weiterer Franchise Tag könnte für Dak Prescott und die Dallas Cowboys anstehen. Ein weiterer Franchise Tag könnte für Dak Prescott und die Dallas Cowboys anstehen. Imago Images / ZUMA Wire / Manny Flores

Dak, Dallas und der Franchise Tag

geschrieben/veröffentlicht von/durch  22.02.2021
Es wird eine der spannendsten Fragen der diesjährigen NFL-Offseason sein: Wie geht es bei den Dallas Cowboys mit Quarterback Dak Prescott weiter? Höchstwahrscheinlich erst einmal mit dem Franchise Tag, jenem vertraglichen Instrument, unter dem Prescott schon im letzten Jahr für „America’s Team“ auflief. Seine schwere Verletzung in 2020, das bisherige Unvermögen beider Parteien, sich auf einen langfristigen Kontrakt zu einigen, und zahlreiche Baustellen im Cowboys-Kader machen den andauernden Marathon am Verhandlungstisch aber weiterhin zur Wundertüte.

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Ab Dienstag, den 23. Februar, können die Teams der NFL einen Spieler in ihrem Kader mit dem Franchise Tag belegen. Es erlaubt ihnen mehr Zeit, um mit dem betroffenen Profi einen langfristigen Vertrag auszuhandeln. Gelingt dies nicht, bekommt der Spieler trotzdem 120 Prozent seines Vorjahresgehalts oder das Durchschnittsgehalt der fünf Top-Verdiener auf seiner Position. Je nachdem, welche Summe höher ist. Man kann das Franchise Tag Jahr für Jahr neu vergeben, die zu zahlende Summe steigt dann allerdings mit jeder neuen Unterschrift in für das Team nicht praktikable Höhen an.

Dak Prescott und die Dallas Cowboys kennen sich mit dem Prozedere um das Franchise Tag bestens aus. Schließlich spielte Prescott schon letzte Saison als „Designated Franchise Player“, ein Schicksal, welches ihm auch ohne langfristigen Vertrag 31,4 Millionen US-Dollar für das Jahr 2020 einbrachte. 2021 würde diese Summe sogar noch auf 37,69 Millionen US-Dollar ansteigen. Kein schlechter Deal, auch wenn er dafür natürlich die von allen Spielern ersehnte perspektivische Sicherheit in Form mehrerer Vertragsjahre erst einmal nicht bekommen würde.

Franchise Tag ersetzt kein langfristiges Arbeitspapier

An eben jener zeitlichen Komponente scheinen auch die derzeitigen Verhandlungen zwischen den Cowboys, Prescott und seinem Agenten Todd France zu haken. Prescott möchte zwar einen langfristigen Vertrag, doch gleichzeitig würde er im Zuge einer smarten Business-Entscheidung gerne nach drei oder vier Jahren wieder auf den Markt kommen und dann sein Salär dementsprechend nachverhandeln. Die Cowboys dagegen boten ihm mit Augenmerk auf die eigene Planungssicherheit bereits letztes Jahr einen Vertrag über fünf Jahre an, welchen Prescott ablehnte.

Das Gehalt ist ein weiterer Knackpunkt und wird zur Zerreißprobe am Verhandlungstisch. Zwar wird das NFL Salary Cap für 2021 doch ein wenig höher ausfallen als zunächst nach der Covid-19-Pandemie gedacht, dennoch wird der Cap Space der Cowboys aufgrund einiger hoher Verträge im Kader nicht gerade üppig ausfallen. Demgegenüber hat natürlich auch Dak Prescotts Camp kein Geld zu verschenken. Erst recht nicht, nachdem der zweifache Pro Bowler bereits in seinen ersten vier Jahren als ehemaliger Viertrundenpick „nur“ um die vier Millionen Dollar für seine Top-Leistungen verdient hat.

Prescott und die Cowboys wollen es doch eigentlich

Die genaueren Zahlen, die hinter geschlossenen Türen kursieren, kennt niemand. Etliche andere Fakten sind im derzeitigen Poker aber allseits bekannt. Sowohl die Cowboys als auch Prescott wollen gerne zu einer Einigung kommen, denn sie wissen jeweils, was sie an der anderen Seite haben. „Ich träume davon, so lange bei den Dallas Cowboys zu bleiben, bis ich den Ball nicht mehr werfen kann“, sagte Prescott vergangenes Jahr, was den gleichen Tenor anschlägt wie viele andere Treuebekundungen während seiner Zeit in Texas.



Im Gegenzug schwärmt auch Jerry Jones von seinem Signal Caller. „Wir hätten ihm nicht die Summe aus dem letzten Jahr angeboten, wenn wir nicht voll und ganz davon überzeugt wären, dass er etwas Besonderes ist“, betonte Jones Anfang des Jahres in einem Radio Interview mit 105.3 The Fan. Nach der letzten Horrorspielzeit, in der Dallas trotz großer Hoffnungen nicht einmal eine historisch schwache NFC East gewinnen konnte, lechzt der Milliardär mehr denn je nach einer erfolgreichen Saison.

Franchise Tag könnte Dallas erneut Zeit kaufen

Prescotts Gesundheit dürfte eben jener nicht im Weg stehen. Allen Berichten nach zufolge verlief die Rehabilitation seines gebrochenen Knöchels voll nach Plan und er konnte kürzlich sogar noch einen weiteren kleinen Eingriff vornehmen lassen, der das Gelenk zusätzlich stärken soll. Der Kader der Cowboys macht Jones da schon mehr Sorgen. Bei einem gigantischen Prescott-Deal ist es fraglich, ob noch genug Geld für den Rest des Rosters übrig bleibt, der im letzten Jahr vor allem in der Defensive reihenweise Lücken offenbarte.

Bis zum 9. März müssten die Cowboys das diesjährige Franchise Tag für Dak Prescott verwenden, um sich damit zumindest Zeit bis zum 15. Juli zu sichern, um exklusiv mit ihrem Quarterback an einem neuen Arbeitspapier zu feilen. Derartig gewichtige Entscheidungen beeinflussen unmittelbar die weiteren personellen Planungen der Franchise und könnten unter anderem zu Zwickmühlen im NFL Draft Ende April führen, wo man sich gegebenfalls nach einem ähnlichen Glücksgriff wie Prescott umgucken könnte. Somit täten die Cowboys als auch Prescott gut daran, allem durchaus spannenden Nervenkitzel zum Trotz jetzt doch irgendwann mal zu einer langfristigen Entscheidung zu kommen.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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