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NFL - National Football League

Cornerback-Verträge: Setzt erst Sauce Gardner den neuen Markt?

Die Nummer eins unter den Cornerbacks: Sauce Gardner von den New York Jets - Foto: IMAGO / Icon Sportswire

Die Position des Cornerbacks ist kompliziert und gehört zu den schwierigsten auf dem Football-Feld. In der von Pässen geprägten National Football League gehört die Cornerback-Position aber zu den wichtigsten überhaupt. Wer zu anfällig im Passspiel ist, erlebt spätestens in den Playoffs sein Waterloo. Dennoch – zumindest im Vergleich zu allen anderen Positionen der Defense – erleben die Cornerbacks ein regelrechtes Lohndumping. Was sind die Gründe dafür und wer setzt den neuen Markt?

Seit 2014 ist der Cap Space, der den NFL-Teams für Gehaltszahlungen ihres Rosters zur Verfügung steht, um gute 92 Prozent gestiegen. Davon haben – allein auf die Defense betrachtet – vor allem die Defensive Tackles, Safeties und Edge-Rusher am meisten profitiert. Überproportional haben sie in diesem Zeitraum ihren Durchschnittslohn nahezu oder tatsächlich mehr als verdoppelt. Die Cornerbacks fallen hingegen mit einem Lohnplus von nur 60 Prozent deutlich ab. Selbst Linebacker bekamen ein paar Prozentpunkte mehr vom immer größer werdenden Kuchen.

In Zahlen ist Jaire Alexander von den Green Bay Packers der aktuell am besten bezahlte Cornerback der NFL. 21 Millionen US-Dollar erhält der 27-Jährige jährlich, verankert in seinem Vierjahresvertrag über 84 Millionen. Doch Alexander unterzeichnete seinen Vertrag bereits 2022. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Cornerbacks also vom allgemeinen Trend entkoppelt, dass der nächste Topspieler auch den teuersten Vertrag aller Zeiten bekommt.

Johnson und Snead blieben unterhalb von 20 Millionen jährlich

In dieser Offseason erhielten Jaylon Johnson bei den Chicago Bears und L`Jarius Snead bei den Tennessee Titans die lukrativsten Verträge. Ihre Kontrakte über jeweils vier Jahre brachten beiden aber jeweils nur 76 Millionen Dollar ein. Sie blieben damit unter der 20-Millionen-Grenze, die neben Alexander zur Zeit nur Denzel Ward von den Cleveland Browns ebenfalls durchstoßen hat. Sein Fünfjahresvertrag bringt im 100,5 Millionen US-Dollar ein und ist vom Gesamtvolumen her noch immer der höchstdotierte Vertrag, der auf der Cornerback-Position aktuell aktiv ist. Ward unterschrieb sein Arbeitspapier im April 2022.

Doch was ist der Grund für die Zurückhaltung der General Manager, diese so häufig als Premium-Position titulierte Unit antizyklisch zu entlohnen? Schließlich wünscht sich doch jedes Team einen Shutdown-Corner, der den Star-Receiver des Gegners aus dem Spiel nehmen kann, der durch seine Präsenz dafür sorgt, dass der gegnerische Quarterback Pässe auf seine Feldseite sogar meidet. Häufig fallen derlei Cornerbacks statistisch nicht einmal besonders auf, denn wenn ihre Seite gemieden wird, dann haben sie auch weniger Gelegenheiten, um durch spektakuläre Plays in Erscheinung zu treten. So sind die Statistiken, wieviele Completions und Yards über ihre Seite erworfen wurden, häufig bessere Indikatoren ihrer Leistung als Pass Deflections oder Interceptions, die direkt auf ihr Spielerprofil einwirken.

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Kein Cornerback hat zuletzt dauerhaft dominiert

Doch das ist den Front Offices der NFL-Teams bewusst. Der beste Cornerback hat selten die besten eigenen Zahlen und das ist auch nicht der Grund für die Zurückhaltung. Hingegen ist das Spiel eines Cornerbacks unglaublich komplex. Im Passspiel muss er blitzschnell die Routen antizipieren. Er muss antrittsschnell sein, schnelle Richtungswechsel vollziehen können und bei umkämpften Bällen seine Finger ins Spiel bringen. Nach dem Snap muss er aber auch erstmal erkennen, dass es sich um ein Passspiel handelt. Bei einem Laufspielzug über seine Seite mutiert er plötzlich zum Laufverteidiger auf dem zweiten Level. Täuscht er sich bei einem Option-Play ist der Receiver weg und der Corner guckt dumm aus der Wäsche. Und wahrscheinlich liegt die Crux darin begraben. Die Komplexität, die mittlerweile Cornerbacks abverlangt wird, lässt über Jahre konstantes Spiel kaum noch zu.

Die Zeiten, in denen ein Richard Sherman, Stephone Gilmore oder Jalen Ramsey ihre Position über Jahre dominieren, sind in der jüngeren Vergangnheit vorbei. Sherman befindet sich längst in Rente und Gilmore sowie Ramsey sind mindestens im Herbst ihrer Karriere angekommen. Ramsey hatte bei seinem Wechsel von den Los Angeles Rams zu den Miami Dolphins noch einen Rekordvertrag über fünf Jahre und 105 Millionen in der Tasche und befand sich so beim Jahressalär auf Augenhöhe mit Alexander – unterzeichnet 2020. Mittlerweile hat er einer Umstrukturierung und Verlängerung zugestimmt, kommt über drei Jahre aber nur noch auf 55 Millionen Dollar – also 18,33 Millionen per anno.

Trevon Diggs als Beispiel

Und so hat sich in den jüngeren, vergangenen Jahren das Bild ergeben, dass es zwar immer wieder einen Cornerback gibt, der in einer bestimmten Saison mit seinen Leistungen hervorsticht, über mehrere Saisons das Niveau aber nicht halten kann. Trevon Diggs von den Dallas Cowboys ist dabei ein gutes Beispiel. Mit elf Interceptions stach er in der Saison 2021 heraus und wurde im Frühjahr 2023 mit einem Top-Vertrag belohnt. Doch mit fünf Jahren für 97 Millionen US-Dollar setzte er ebenfalls keine neue Benchmark und blieb unter der 20-Millionen-Grenze.

Doch wer kann die Grenze als nächster durchbrechen, vielleicht sogar eine neue Benchmark setzen und den Cornerback-Markt nachhaltig nach oben verändern. Womöglich die 25 Millionen Jahressalär knacken? Drei Kandidaten:

A.J. Terrell (Atlanta Falcons)

Als nächster großer Name kommt nach aktuellem Stand A.J. Terrell von den Atlanta Falcons auf den Markt. Der Erstrundenpick von 2020 hat sich als Top-Cornerback etabliert, spielt die kommende Saison auf der Fifth-Year-Option und landet dann möglicherweise in der Free Agency. Sofern die Falcons keinen Tag auf ihn anwenden, unterschreibt er in Atlanta oder anderswo einen langfristigen Vertrag. Doch kann er die 20 Millionen pro Jahr durchbrechen, vielleicht sogar einen Rekordvertrag erhalten? Viel hängt von seinen Leistungen in der kommenden Saison ab.

Patrick Surtain II (Denver Broncos)

Patrick Surtain kam ein Jahr nach Terrell als Erstrundenpick der Denver Broncos in die Liga. Auch er hat sich durch jährliche Topleistungen etabliert. Sein Rookie-Vertrag läuft inklusive der Fünftjahresoption noch bis einschließlich 2025. Sollte Surtain aber erneut eine starke Saison spielen, könnten die Broncos schon die nächste Offseason für eine Verlängerung wählen. Andernfalls aber ähnlich wie die Falcons im Fall von Terrell auch ohne neues Arbeitspapier in die finale Saison starten. Wie bei Terrell hängen auch Surtains Chancen auf einen Rekordvertrag stark von seinen nahenden Leistungen ab, seine Chancen auf einen Rekordvertrag – dafür würden ja fünf Jahre für 106 Millionen US-Dollar reichen – dürften, Stand heute, etwas besser als die von Terrell stehen.

Sauce Gardner (New York Jets)

Wenn wir aber einen Spieler suchen, der nicht nur mehrere Jahre zu den Besten seiner Position gehörte, sondern stets der Beste war, dann landen wir unweigerlich bei Sauce Gardner von den New York Jets - allerdings hat er erst zwei Jahre auf dem Buckel. Seitdem setzt der Erstrundenpick von 2022 die Messlatte für NFL-Cornerbacks, landete in beiden Profi-Karrierejahren im First-team-All-Pro. Gardner ist der Spieler, der von seiner Dominanz an Größen wie eben Sherman oder Ramsey heranreicht, sie wahrscheinlich sogar zum vergleichbaren Karrierezeitpunkt übertrumpft. Gardner wird ganz sicher eine neue Benchmark setzen und den Cornerback-Markt neu definieren. Bei weiter steigendem Cap wäre alles andere als ein Vertrag mit einem Jahresdurchschnitt von unter 25 Millionen eine Überraschung. Nur eine schwere Verletzung könnte das verhindern. Die Jets würden ein starkes Zeichen setzen, ihren Star-Verteidiger bereits nach der kommenden Saison langfristig zu binden und ihn für seine Outstanding-Leistungen nicht in die Fifth-Year-Option zu schicken.

Wir dürfen uns in jedem Fall auf einen spannenden Cornerback-Markt in der Offseason 2025 freuen.

Über den/die Autor/in
Dirk Kaiser
Dirk Kaiser
Dirk Kaiser ist im Bereich des American Footballs seit über 20 Jahren auf etlichen Ebenen aktiv. Journalistisch begleitet er neben der NFL auch die ELF und GFL für TOUCHDOWN24.

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